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Longlist - nominiert für den Deutschen Buchpreis 2020 »Ich habe mehr Privilegien, als es je eine Person in meiner Familie hatte. Und trotzdem bin ich am Arsch. Ich werde von mehr Leuten gehasst, als meine Großmutter es sich vorstellen kann. Am Tag der Bundestagswahl versuche ich ihr mit dieser Behauptung 20 Minuten lang auszureden, eine rechte Partei zu wählen.« Eine junge Frau besucht ein Theaterstück über die Wende und ist die einzige schwarze Zuschauerin im Publikum. Mit ihrem Freund sitzt sie an einem Badesee in Brandenburg und sieht vier Neonazis kommen. In New York erlebt sie den Wahlsieg Trumps in einem fremden Hotelzimmer. Wütend und leidenschaftlich schaut sie auf unsere sich rasant verändernde Zeit und erzählt dabei auch die Geschichte ihrer Familie: von ihrer Mutter, die Punkerin in der DDR war und nie die Freiheit hatte, von der sie geträumt hat. Von ihrer Großmutter, deren linientreues Leben ihr Wohlstand und Sicherheit brachte. Und von ihrem Zwillingsbruder, der mit siebzehn ums Leben kam. Herzergreifend, vielstimmig und mit Humor schreibt Olivia Wenzel über Herkunft und Verlust, über Lebensfreude und Einsamkeit und über die Rollen, die von der Gesellschaft einem zugewiesen werden.
BIOGRAFIE

Olivia Wenzel, 1985 in Weimar geboren, Studium der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis an der Uni Hildesheim, lebt in Berlin. Sie schreibt Theatertexte und Prosa, machte zuletzt Musik als Otis Foulie. Wenzels Stücke wurden u.a. an den Münchner Kammerspielen, am Hamburger Thalia Theater, am Deutschen Theater Berlin und am Ballhaus Naunynstrasse aufgeführt.  Neben dem Schreiben arbeitet sie in Workshops mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In der freien Theaterszene kollaboriert sie als Performerin mit Kollektiven wie vorschlag:hammer. »1000 Serpentinen Angst« ist ihr erster Roman.


Literaturpreise:

Literaturpreis der Stadt Fulda 2020

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REZENSIONEN
Bewertet von elena_liest und SternchenBlau
elena_liest
sternchen_blau
"Manchmal denke ich, es wäre gut, sich nicht bloß über Erzählungen und Bilder zu erinnern, sondern über Berührungen. Ein Archiv in sich zu tragen, das alle Berührungen der Haut gespeichert hätte und das jederzeit abrufbar wäre. Das man hervorholen könnte, wenn man zusammen auf dem Sofa sitzt, bei Tee und Keksen, um sich gemeinsam an Vergangenem zu freuen." - Olivia Wenzel, "1000 Serpentinen Angst" Unsere namenlose Ich-Erzählerin ist mitte 30, lebt in Ostdeutschland und ist queer und Schwarz. Ihre Mutter war Punkerin, ihr Vater stammt aus Angola und wurde aufgrund einer fehlenden Ausnahmegenehmigung auch wieder dort hin ausgewiesen. Ihre Mutter wäre am liebsten mit dem Vater ausgewandert, ob sie und ihr Zwillingsbruder mit auf die Reise gehen oder nicht war ihr herzlich egal - kein guter Start in eine gesunde Mutter-Tochter-Beziehung, dafür aber der Beginn der Erziehung durch die rassistische Großmutter. Als dann auch noch ihr Bruder Selbstmord begeht, stürzt ihre Welt komplett ein und sie beginnt, ihr Leben zu reflektieren, zu Beginn auf einer Reise nach New York. Olivia Wenzel schreibt Theatertexte und Prosa und das merkt man ihrem Debütroman an. Stilistisch habe ich bisher nichts gelesen, was in die Richtung von "1000 Serpentinen Angst" geht - und sowas liebe ich! Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt, Teil 1 und 3 sind größtenteils Frage-Antwort-Texte. Spricht die Ich-Erzählerin mit sich selbst? Oder wird sie befragt bzw. befragt sie in Teil 3 jemanden? Abschließend konnte ich das für mich nicht beantworten, ich tippe aber auf ersteres. Auch optisch war das im Text besonders, da die Fragen komplett in Großbuchstaben gedruckt wurden und zwischendurch immer wieder Abschnitte in kursiv gehalten sind. Man muss sich auf diesen Schreibstil einlassen, muss offen dafür sein, wer das kann, findet hier sicher einen besonderen Schatz. Die Sprache der Autorin ist einfach, oft "schnoddrig". Ihre Protagonistin denkt häufig in Bildern und bringt so Abstand zwischen sich und ihre Erlebnisse. Seien es nun Neonazis, die am Badesee auftauchen oder polnische Nazis, die sie und ihre Freundinnen bei einem Fahrradurlaub bedrohen - Rassismus spielt in "1000 Serpentinen Angst" eine große Rolle, neben der Bindung: zwischen ihr und ihrer Mutter, ihrer Großmutter, ihrem Bruder, ihrer Lebenspartnerin. Schwarz, queer, Ossi: keine leichte Mischung und gerade deshalb unglaublich wertvoll. Mir hat dieses Buch richtig gut gefallen. Ich habe zwar bisher nicht das Gefühl, dass ich alle Themen im Roman komplett erfassen konnte, da diese doch recht sprunghaft behandelt werden, mein Automaten-Herz hängt aber an "1000 Serpentinen Angst" und ich kann es sehr empfehlen 🧡
Wow
SternchenBlau
WOW!!! Einfach nur wow! „1000 Serpentinen Angst“ ist für mich definitiv ein Jahreshighlight, aber es ist auch eines der Bücher, die ich nicht durch zu viele Worte zerreden möchte. Als ich angefangen habe, wollte ich eigentlich nur mal kurz den ersten Satz lesen, aber dann war ich sofort elektrisiert! Stilistisch ist Olivia Wenzel eine absolute Meisterin und schafft in „1000 Serpentinen Angst“ eine geniale Mischung der Formen Epik, Lyrik und Dramatik. Ich bin dankbar, dass Wenzel mir in diesem wundervollen Roman gestattet hat, in den Kopf dieser schwarzen, queeren, ostdeutsche Ich-Erzählerin zu schlüpfen. Ich spürte deren Kraft, aber auch ihre Ängste und ihre Trauer, und das alles so unmittelbar, dass ich absolut begeistert bin. Ich möchte allerdings noch eine CN / Content Note anfügen: Suizid, Rassismus, Gewaltandrohung, Depression, Angststörung Trotz dieser ernsten Themen schafft Wenzel einen fast leichtfüßigen Erzählstil, der sicherlich auch mit der ungewöhnlichen Form zusammenhängt. Es gibt erzählende Dialogpassagen in verschiedener Form und Bildbeschreibungen, die in ihrer Exaktheit die Atmosphäre eines Moments absolut lebendig einfangen können. Das Einzige, was ich beachten musste: Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht zu viele Seiten auf einmal lesen durfte, um die erzählerische Kraft und Dichte nicht durch eine mögliche Ermüdung zu gefährden. Und das wollte ich auf gar keinen Fall! Ein Highlight, für das ich begeisterte 5 von 5 Sternen vergebe. Es hätte Tausende verdient, wenn dies möglich wäre.
3 Wows

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