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Juni 53
Historische Romane
Ist Teil der Reihe
Max Heller
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4.8/5
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ZUSAMMENFASSUNG
Oberkommissar Max Heller: Ein Ermittler zwischen Protest und Pflichtgefühl Sommer 1953. Der Alltag in der jungen DDR ist beschwerlich, die Unzufriedenheit der Bevölkerung wächst, und die Zahl derer, die das Land verlassen, steigt unaufhörlich. Mit harter Hand setzt die SED-Regierung ihre Forderungen durch. Auch Max und Karin Heller erwägen die Flucht in den Westen. Als es am 17. Juni zu großräumigen Protestbewegungen kommt, wird Heller zu einem Dresdner Isolierungsbetrieb gerufen: Der Leiter wurde brutal mit Glaswolle erstickt. Ein Opfer der Aufständischen? Heller hat einen ganz anderen Verdacht und sucht inmitten des Volksaufstandes einen unberechenbaren Mörder. Währenddessen drängt Karin zu Hause auf eine Entscheidung: Gehen oder bleiben?
BIOGRAFIE
>Der Angstmann<, Band 1 der Krimiserie mit Max Heller, gelangte er sofort auf die Bestsellerlisten. Er ist alleinerziehender Vater von Zwillingen und lebt mit seiner Familie in seiner Heimatstadt.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
23.12.2019
Ausgabe
Paperback
ISBN
9783423262323
Sprache
German
Seiten
361
Schlagworte
Ostdeutschland, deutsche Nachkriegszeit, Dresden, Republikflucht, Historischer Kriminalroman, 5. Fall, Kalter Krieg, DDR, deutschsprachiger Kriminalroman, geteiltes Deutschland, Arbeiteraufstand, Deutsche Geschichte, Max Heller
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REZENSIONEN
Bewertet von Matzbach, die_flo73 und 3 andere
matzbach
die_flo73
cassiopeia
caillean
hasirasi2
Auch vor Dresden macht der Volksaufstand von 1953 nicht Halt. In einem Betrieb, der Glaswolle produziert, wird wie auch anderswo gestreikt, danach wird in einer Wanne voller Glaswolle der Betriebsleiter tot aufgefunden. Das bringt einerseits die Mordkommission unter Heller ins Spiel, ruft aber wegen der politischen Implikationen auch die neu gegründete Staatssicherheit auf den Plan. Der zuständige Hauptmann Bech, mit dem Heller gemeinsam ermitteln muss, möchte die Tat zu gern vom kapitalistischen Westen aus gesteuerten "faschistischen Banden" anhängen, doch hat Heller, der eher alten kriminalistischen Methoden und vor allem seiner Intuition vertraut, daran so seine Zweifel. Es beginnt ein mörderisches Intrigenspiel, in dem Heller mehrfach Gefahr läuft, wegen seiner unbeugsamen Korrektheit bestraft zu werden, doch letztendlich behält er (noch einmal) die Oberhand. Juni 53 ist bereits der fünfte Roman Frank Goldammers über den Polizisten Max Heller, der im zerstörten Nachkriegsdresden den Neuaufbau der DDR erlebt. Dabei wird seine Arbeit immer wieder durch die großen Ereignisse der Geschichte, hier der Volksaufstand von 1953, beeinflusst, dieses Mal sogar so weit, dass Heller und seine kleine Familie ernsthaft die Flucht in den Westteil Deutschlands erwägen, in den es bereits einen seiner Söhne gezogen hat, während sich der zweite zu einem Apparatschick Stalinscher Prägung entwickelt hat. Letztendlich ist ein ein Zufall, der Heller in Dresden hält.
2 Wows
Frank Goldammer kam irgendwie zufällig in mein Krimiregal und als ich die Chance hatte im Januar zu einer Lesung zu gehen, kaufe ich dieses Buch. Der Juni 1953 war in der DDR ein Monat, wo Menschen bereits versuchten, strikte Diktatur zu brechen. Der Autor führt uns zurück nach Dresden und der Leser erlebt leichte Auswirkungen der Proteste, denn in Dresden waren die Demonstrationen nicht ganz so stark, wie zum Beispiel in Leipzig. Mitten in dieser Zeit geschieht ein Mord. Die Leiche wird schnell gefunden und doch sind die Motive unklar. Man ermittelt und versucht hinter das Geheimnis zu kommen und verzweifelt als Leser, weil alle Gedanken falsch sind. Der Autor hat wieder hervorragend geschichtlich recherchiert. Ich erinnere mich an Gespräche mit meiner Oma und ihre Worte über diese Zeit. Manchmal ist es etwas schwerer zu erfassen, doch auch dieses Buch ist für mich wieder ein Highlight. Jeder, der geschichtlich interessiert ist, kann und wird aus diesem Buch Neues mitnehmen. Dass das Ganze noch mit einem Krimi gemixt ist, macht es einfach genial !
4 Wows
Wie es schon der Titel verrät spielt der 5. Teil der Max-Heller-Reihe von Frank Goldammer im Sommer 1953. Am 17. Juni kommt es zum Volksaufstand. Dabei sind Tote und Verletzte zu beklagen und viele Verhaftungen werden vorgenommen. Tags darauf wird Heller zu einem Tatort gerufen. Der Betriebsleiter der VEB RID Dresden wird tot in einem Glaswollebehälter gefunden. Die Ermittlungen erweisen sich für Heller und Oldenbusch als schwierig, da das MfS in Gestalt Bech's schon Schuldige im Visier hat, und diese umgehend inhaftieren lässt. Als dann auch noch Kruppa, Parteifunktionär des Betriebes, verschwindet, stehen die zwei Ermittler vor einem weiteren Rätsel. Aber mit seiner Beharrlichkeit, oder nennen wir es Sturheit, schafft es Heller auch diesen Fall zum Abschluss zu bringen. Seine private Situation indes spitzt sich allmählich zu. Sein Sohn Klaus geht immer mehr in seiner Arbeit für das MfS auf und seine Frau Karin liebäugelt immer mehr mit einem Leben im Westen bei ihrem anderen Sohn Ernst. Für Heller alles andere als Ruhe und Beschaulichkeit daheim, nach einem harten Arbeitstag. Kurzum: Auch der 5. Fall von Max Heller ist wieder ein gelungener Mix aus historischen Fakten und einer spannenden Krimihandlung. Für mich immer noch sehr unterhaltend. Deshalb vergebe ich auch hier eine Leseempfehlung und 5 von 5 Sterne.
1 Wow
Krimi und Zeitzeugnis meisterhaft vereint Ich muss gestehen, dass ich diese Reihe immer weniger wegen der Kriminalfälle, sondern vielmehr wegen der authentischen Beschreibung des zeitgeschichtlichen Hintergrunds lese. Was das angeht, kenne ich keine andere Buchreihe, die beides so gut vereint. Dazu kommt, dass es für mich als Dresdnerin immer wieder Neues über die Geschichte meiner Heimatstadt zu entdecken gibt. Diesmal habe ich mich für die Hörfassung des Romans ent-schieden und bin Max Heller lauschend durch die Wirren des Arbeiteraufstands im Juni 1953 gefolgt. Ich weiß nicht, ob es mir nur beim Hören so ging oder ob es beim Lesen ähnlich wäre – ich musste mich schon ganz schön konzentrieren, um den Faden zu behalten und alle Charaktere zuordnen zu können. Es gibt eine Vielzahl an (zunächst) möglichen Verdächtigen, die für den Mord an dem Betriebsleiter einer Rohrisolationsfirma in Frage kommen. Hellers Aufgabe ist es nun, Licht ins Dunkel zu bringen – doch das ist gar nicht einfach, denn persönliche und politische Motive scheinen sich mitunter zu verbinden. Auch Heller persönlich hat es in diesem Band nicht leicht. Da er noch immer nicht in die Partei eingetreten ist, wappnet er sich gegen Anfeindungen und Druck „von oben“. Besonders ärgerlich ist es, dass ihm ein Mitarbeiter der Staatssicherheit vor die Nase gesetzt wird, der ihm sehr deutlich zu verstehen gibt, dass er am längeren Hebel sitzt. Die Zustände werden also persönlich für ihn immer schwieri-ger, zumal seine Frau drängt, über eine Ausreise in den Westen nachzudenken. Da Sohn Erwin bereits im Westen lebt und der zweite Sohn Klaus mit seiner MfS-Ideologie immer mehr zum Konfliktherd für den Vater wird, sieht Heller kaum noch eine andere Möglichkeit, als sein geliebtes Dresden zu verlassen. Seine innere Zerrissenheit zieht sich durch den gesamten Roman, ebenso wie die fortschreitende Demenz von Hellers Hauswirtin Frau Marquardt. Besonders Hellers Frau Karin leidet unter der zunehmenden Verwirrtheit der alten Frau. Beide jedoch wissen, dass sie ihr so viel zu verdanken haben. Dass Frau Marquardt ihnen ein Heim gegeben hat, als sie ausgebombt waren. Die Dankbarkeit sitzt so tief, dass sie sich unheimlich schwer tun, Frau Marquardt in professionelle Hände zu geben. Frank Goldammer entwirft hier ein Lebensbild, das es tatsächlich so gegeben haben könnte – vielleicht vielfach so gegeben hat. Menschen, die sich zerrissen fühlen, vielleicht auch überrumpelt von dem Sozialismus, der ihnen übergestülpt wird. Menschen, die bereits eine extreme Ideologie erlebt haben – und fürchten, dass auch ein gegenteiliges Extrem möglich wäre. Menschen, die ihre Wurzeln verloren haben und für eine Existenz kämpfen müssen, obwohl der Krieg schon jahrelang vorbei ist. Menschen wie meine eigenen Großeltern… Mich berühren die Bücher von Frank Goldammer nie nur auf der „kriminalistischen Ebene“, sondern vor allem auf der persönlichen. Die Schicksale werden authentisch, aber niemals überfrachtet dargestellt. Es mag hunderte Hellers gegeben haben damals, vielleicht tausende. Und man steht als Leser/Hörer direkt neben ihm und erlebt eine Zeit, in die man zum Glück selbst nicht hineingeboren wurde. Wie immer kann ich nur meinen Hut ziehen vor der detaillierten Recherchearbeit und der Kunst, den Charakteren ein Leben einzuhauchen, das man ihnen von der ersten bis zur letzten Seite abnimmt. Meisterhaft!
2 Wows
Gehen oder Bleiben? „Es scheint, als ob es niemals friedlich sein kann.“ (S. 7) Im fünften Teil der Max-Heller-Reihe beschäftigt sich Autor Frank Goldammer mit den Geschehnissen rund um den 17. Juni 1953. Die Unzufriedenheit der Menschen wächst, sie sind wütend wegen der Mangelwirtschaft, den Stromsperren und zu hohen Arbeitsnormen und demonstrieren gegen die Regierung: „Es musste so weit kommen. Ich frage mich, wie blind und taub man eigentlich sein kann. Wir ... sprechen seit Jahren die Probleme der Arbeiter an ... Niemand wollte das hören!“ (S. 28) Das MfS nutzt den Aufstand für scheinbar wahllose Verhaftungen. Erwischen sie wirklich die Aufrührer oder schaffen sie sich so ungeliebte Störenfriede vom Hals und schüchtern die Bevölkerung ein?! In dieser hochexplosiven Situation muss Heller in einer Firma für Rohrisolierungen ermitteln. Dessen Leiter, Martin Baumgart, wurde brutal mit Glaswolle erstickt und der zur gleichen Zeit verschwundene Parteifunktionär Kruppa soll entführt worden sein. Sind tatsächlich die Demonstranten vom 17. Juni schuld? Das behauptet zumindest Stasi-Offizier Bech, der Heller zugeteilt wurde, schon vor Beginn der Ermittlungen. Oder liegen die Gründe doch in der Vergangenheit der Firma? Heller stolpert nämlich über fehlende bzw. lückenhafte Unterlagen zu Zwangsarbeitern und Untersuchungen, inwieweit die Lungen der Arbeiter durch die Glasfasern geschädigt werden. Heller scheint es bei den Ermittlungen zu diesem Fall noch schwerer zu haben als bisher. Sein Vorgesetzter Niesbach wurde ohne Ankündigung durch einen neuen Kommandeur ersetzt, den Heller überhaupt nicht einschätzen kann. Außerdem mischt sich Stasi-Offizier Bech immer wieder in die Ermittlungen ein. Er lässt Zeugen als verdächtig verhaften und manipuliert sie, überstellt Gefangene ins Stasi-Gefängnis oder lässt plötzlich wieder frei. Es kommt mehrfach zu Kompetenzgerangel und Anschuldigungen, dass Heller zu zimperlich und seine Methoden überholt sind. „So ist die neue Welt. … Schnell und sauber, und wir säubern sie so lange, bis das letzte bisschen Dreck verschwunden ist!“ (S. 268) Max ist in der Sinnkrise, sämtliche Illusionen sind zerstört. „Die ganze Zeit über, all die Jahre nach dem Krieg, dachte ich, es wird bestimmt besser. … Aber jetzt wird mir klar, sie werden keinen Millimeter zurückweichen. Im Gegenteil. Sie sind unerbittlich.“ (S. 249) Karin will, dass er endlich sein Versprechen einlöst und mit ihr in den Westen geht, wie so viele andere auch. Es hält sie schließlich kaum noch etwas. Er wird bei jeder Beförderung übergangen, weil er nicht in der Partei ist. Ihr Sohn Klaus entfremdet sich ihnen immer mehr, gehört zum MfS und sieht in seinem Vater einen Störenfried und Klassenfeind, für den er sich schämt. Eine weitere Belastung ist die alte Frau Marquardt, deren Demenz und damit verbundene Pflege sie alle an ihre Grenzen bringt. Aber sie bekommen keinen Heimplatz für sie und zudem hat Max Hemmungen, weil diese sie nach der Bombennacht aufgenommen hatte. Er meint, es ihr schuldig zu sein. Es sind gerade die Informationen über Hellers Lebenssituation, die ihn so menschlich und nachvollziehbar macht. Häufig geht sein Beruf vor und das Privatleben muss warten. Er geht in seiner Arbeit auf, auch wenn Bech ihn oft behindert oder versucht kaltzustellen. Die Ermittlungen in diesem vielschichtigen Fall gestalten sich extrem schwierig und verwirrend und münden in ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem MfS. Man muss beim Lesen dranbleiben, wenn man den Faden nicht verlieren will – ich habe Heller wieder einmal um seine Weitsicht und seine Kombinationsfähigkeit beneidet. Auch die herrschende bedrückende Atmosphäre, die Angst der Bevölkerung („Alle werden jetzt verhaftet, einer nach dem anderen, bis keiner mehr da ist!“ (S. 96)) und die Selbstherrlichkeit und Selbstgerechtigkeit von Machtmenschen wie Bech wird sehr anschaulich beschrieben. Ich hatte beim Lesen mehrfach Gänsehaut und bin froh, dass ich diese Zeit nicht selbst erlebt habe. 5 Sterne und meine Leseempfehlung für Hellers neuesten, extrem fesselnden Fall mit Gänsehautgarantie.
2 Wows
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