mojoreads
Community
!
lesen will
!
lese ich
!
gelesen
!
INFO
!
MOJOS
!
REZENSIONEN
ZUSAMMENFASSUNG
Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning sitzt auf dem Fahrrad und will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Seine Ausrüstung ist miserabel, das Rad zu schwer, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, lässt er seine Lebenssituation Revue passsieren. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau Theresa praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, bei dem sich die Eheleute in gleichem Maße um die Familie kümmern. Aber Henning geht es schlecht. Er lebt in einem Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater - in keiner Rolle findet er sich wieder. Seit Geburt seiner Tochter leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihn regelmäßig heimsuchen wie ein Dämon. Als Henning schließlich völlig erschöpft den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal hier in Femés. Damals hatte sich etwas Schreckliches zugetragen - etwas so Schreckliches, dass er es bis heute verdrängt hat, weggesperrt irgendwo in den Tiefen seines Wesens. Jetzt aber stürzen die Erinnerungen auf ihn ein, und er begreift: Was seinerzeit geschah, verfolgt ihn bis heute.
BIOGRAFIE
Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, Jurastudium in Passau und Leipzig, Studium des Europa- und Völkerrechts, Promotion. Längere Aufenthalte in New York und Krakau. Schon ihr Debütroman »Adler und Engel« (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013), dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015), und dem Bruno-Kreisky-Preis (2017) sowie dem Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln (2019). 2018 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Im selben Jahr wurde sie zur Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
11.11.2019
Ausgabe
Paperback
ISBN
9783442718962
Sprache
German
Seiten
190
Schlagworte
Lanzarote, Femés, Moderne Familie, Überforderung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Neue Väter, Eheroman, Unterleuten, Vereinbarkeitslüge, Psychologische Spannung, Panikattacken
MOJOS
!
Hat dieses Buch Mojo?
Dann lass uns wissen, warum wir es lesen sollten!
REZENSIONEN
Bewertet von morningside, Lara und 3 andere
morningside
buecherregalstory
stricki
pagesofmarie
seeker7
Henning könnte es eigentlich gut gehen. Er hat eine Frau, die er sehr liebt, zwei gesunde Kinder und einen guten Job. Trotzdem wird er immer öfter von Panikattacken heimgesucht, die ihm regelrecht den Atem rauben und an den Rand der Verzweiflung treiben. Und das Schlimmste von allem: Er kann sie sich nicht erklären. Er hat keine Idee, wieso sein Leben ihm innerlich so entgleitet. Er bucht einen Urlaub auf Lanzarote für die Weihnachtsferien und dieser verläuft alles andere als in friedlicher Eintracht. Am Neujahrsmorgen entschließt er sich spontan, mit dem Leihrad zum Pass von Fermés aufzubrechen. Eine Strecke, die für einen ungeübten Radfahrer eine wirkliche Herausforderung darstellt. Mit dieser Fahrt beginnt das Buch "Neujahr". In verschiedenen Rückblicken erfährt der Leser, wie Hennings und Theresas Leben aussieht, wie seine Angstzustände ihre Beziehung immer mehr belastet. Am Ende seiner Kräfte erreicht er am Pass einen kleinen Ort und stellt fest, dass ihm alles vertraut erscheint. Erstaunt erkennt er, dass er bereits früher an diesem Ort gewesen sein muss. In Bruchstücken kommt die Erinnerung zurück und gemeinsam mit Henning gleitet der Leser Stück für Stück in dessen frühe Kindheit zurück, um die schrecklichen Stunden mitzuerleben, die zwei kleine Kinder durchleben mussten und endlich den Auslöser seiner immer wieder aufkeimenden Panik zu erfahren. Es war mein erstes Juli Zeh Buch, aber es wird ganz sicher nicht mein letztes bleiben. Sie versteht es wirklich, den Leser zu fesseln und mitzunehmen. Das Ende war vielleicht etwas zu abrupt, aber insgesamt passt auch dieses. Ihr Schreibstil ist wirklich beeindruckend. Sie schreibt einen klaren, prägnanten Stil und schafft es, dem Leser sowohl die Örtlichkeiten als auch die Charaktere sehr deutlich zu entwickeln. Der Rückblick ins Kindesalter war teils für mich schwer zu ertragen, denn wenn man selbst Kinder hat, kann man fast körperlich die Angst und Verzweiflung fühlen, die sie ergriffen haben muss. Obwohl Zeh nie ins voyeuristische abgleitet, sondern immer eine nüchterne Sachlichkeit bewahrt. Fazit: Absolute Leseempfehlung!
Wow
Warnung! Erst Langeweile dann Psychoterror! Wer Juli Zeh kennt, weiß, dass man sich nie sicher sein kann, was einen als Leser erwarten wird. Während "Unterleuten" ein intelligenter, spannender und unterhaltsamer Gesellschaftsroman war, der wohl den bisherigen literrarischen Höhepunkt der Autorin markiert, ist "Neujahr" in jeglicher Hinsicht ein Tiefpunkt. Die Novelle, die nicht mal auf 200 Seiten kommt, ist literarisch unauffällig und inhaltlich belanglos. Schlimm fand ich allerdings, dass dieses Buch für jeden, der selbst Kinder hat oder nur halbwegs empathisch ist, echter Psychoterror ist. Ich bin ja bereit für eine gute Story einiges auzuhalten, aber dieses Buch war für mich auf vielen Seiten die reinste Quälerei. Das sage ich als jemand, der die meisten Fitzek-Thriller gelesen und genossen hat. Quälerei ohne gute Story braucht kein Mensch. So lautet meinst Fazit: Das erste Teil des Buches ist pure Langeweile, der zweite psychsiche Geißelung, der dritte schnell vorbei - gut so. Jetzt werde ich das Buch vor meiner Frau verstecken, damit sie es als Mutter von drei Kindern nicht in die Hände bekommt. Verschenken mag ich es nicht. Wem sollte ich das antun?
Wow
Erster Erster Ich habe das Buch atemlos verschlungen. Der arme Familienvater Henning, der von fiesen Panikattacken gequält wird, und der im Familienurlaub auf Lanzarote plötzlich und gänzlich unerwartet den Dämonen seiner Kindheit gegenüber steht! Horror! Es beginnt alles ganz harmlos. Eine normale Familie macht Urlaub. Der Mann geht Fahrrad fahren. Auf meiner allerliebsten Lieblingsinsel, die man nur lieben oder hassen kann. Der Mann mittleren Alters ist nicht mehr topfit, er quält sich. Alles läuft so mittelmäßig, sein Leben, Karriere, Ehe. Alles total normal. Parallel erzählt die Geschichte eine Episode aus dem Leben des 5-jährigen Hennings, der damals mit Mutter, Vater und kleiner Schwester Luna bereits für einige Zeit auf Lanzarote gelebt hatte. Die Erzählstränge laufen zusammen. Aber bis es soweit ist, hab ich mitgefiebert, hab gerätselt, hab überlegt, was kommt als nächstes. Es kommt anders. Mehr verrate ich nicht. Ein absoluter Zeh-Klassiker voller Spannung. Oder für Lanzarote-Liebhaber. Lesen!
3 Wows
Eine Reise nach Lanzarote - und in die eigene Vergangenheit Ich muss gestehen, ich hatte etwas Respekt davor, Juli Zeh zu lesen, immerhin werden ihre Bücher oft genug für "anspruchsvolle" Leser empfohlen. Aber ich wurde mehr als positiv überrascht!  Inhalt: Henning fühlt sich seiner Rolle als Familienvater nicht gewachsen. Er kämpft mit Selbstzweifeln und Panikattacken. Ein Urlaub über Silvester soll eine kleine Auszeit schaffen, bis er am Neujahrsmorgen in ein kleines Dorf radelt und feststellt: Hier war er schon mal. Damals, als Kind. Aber es muss etwas so schreckliches geschehen sein, dass er diese Tage komplett aus seinem Gedächtnis gestrichen hat. Henning fällt in einen Strudel aus Erinnerungen, Traumata und verschütteten Gefühlen und langsam findet er heraus, was damals geschehen hat... "Neujahr" habe ich an nur einem Tag verschlungen. Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen, obwohl das Thema an sich eher schwer und drückend war - der fesselnde Schreibstil hat mich nicht losgelassen. Irgendwie nüchtern und gleichzeitig unglaublich empathisch beschreibt die Autorin Hennings Reise in seine Kindheit, um sein Trauma zu ergründen, was mich sehr beeindruckt hat. Spannend, ohne ein Krimi zu sein, literarisch, ohne hochtrabend zu sein, psychologisch, glaubhaft und erschütternd. Ein großartiges Buch, es wird nicht mein letztes von Juli Zeh sein!
Wow
Eine Autorin, an der man dranbleibt, wenn man sie einmal entdeckt hat und durch ihren Stil eingefangen wurde. Neujahr ist vom Umfang fast ein Zwitter zwischen Kurzgeschichte und Roman. Man kann das Buch bequem in einem Rutsch durchlesen. Nichts für das Urlaubsschmökern. Die Geschichte des jungen Familienvaters beginnt mit einem Fahrradausflug auf Lanzerote, wo er mit Frau und zwei Kindern ein Ferienhaus gemietet hat. Zu der Ebene der einsamen Fahrt selbst (die wegen Gegenwind und Anstieg eine Herausforderung darstellt) kommen zwei weitere Erzählebenen hinzu: die Betrachtung seiner aktuellen Lebens- und Beziehungssituation und - ausgelöst durch eine Zufallsbegegnung - ein Rückblick in eine bedeutsame Episode der eigenen Kindheit. Letztlich erweisen sich die aktualisierten Erinnerungen als eine Art Schlüssel zum Verständnis seiner persönlichen und gesundheitlichen Probleme. (Ich bleibe bewusst so vage, weil ich nicht spoilen möchte). Wie lässt sich das Leseerlebnis beschreiben? Juli Zeh schafft es wieder einmal sehr souverän, einen in die Geschichte hineinzuziehen. Insbesondere in die Geschichte in der Geschichte. Irgendwann ist man zwangsläufig emotional beteiligt und kann bestimmte Aspekte der Situation kaum aushalten. Die Autorin entfaltet auf wenigen Seiten ein Szenario, in dem Stimmungen, Beziehungsdynamiken und existentielle Nöte spürbar werden. So wird aus Text bzw. Sprache eine Atmosphäre, etwas Erlebbares; der Zauber literarischer Erzählkunst. So etwas wie eine Botschaft gibt es auch. Sie hat etwas mit der prägenden Kraft früherer (traumatisierender) Erfahrungen zu tun. In diesem Buch wird die Bürde einer solchen Hypothek spürbar. Ein beeindruckendes Buch, das trotz der Kürze nachdrücklich unter die Haut geht.
4 Wows
Deutsch
  
Englisch
mojoreads Instamojoreads Twittermojoreads Facebook