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Angela Lehner

Vater unser

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4.2/5
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ZUSAMMENFASSUNG
Die Polizei hat sie hergebracht, in die psychiatrische Abteilung des alten Wiener Spitals. Nun erzählt sie dem Chefpsychiater Doktor Korb, warum es so kommen musste. Sie spricht vom Aufwachsen in der erzkatholischen Kärntner Dorfidylle. Vom Zusammenleben mit den Eltern und ihrem jüngeren Bruder Bernhard, den sie unbedingt retten will. Auf den Vater allerdings ist sie nicht gut zu sprechen. Töten will sie ihn am liebsten. Das behauptet sie zumindest. Denn manchmal ist die Frage nach Wahrheit oder Lüge selbst für den Leser nicht zu unterscheiden. In ihrem fulminanten Debüt lässt Angela Lehner eine Geistesgestörte auftreten, wie es sie noch nicht gegeben hat: hochkomisch, besserwisserisch und zutiefst manipulativ.
BIOGRAFIE
Angela Lehner, geboren 1987 in Klagenfurt, aufgewachsen in Osttirol, lebt in Berlin. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaft in Wien, Maynooth und Erlangen. "Vater unser" ist ihr erster Roman, für den sie mit dem Franz-Tumler-Literaturpreis, dem Alpha Preis und dem Debütpreis des Österreichischen Buchpreises 2020 ausgezeichnet wurde.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
18.02.2019
Ausgabe
Hardcover
ISBN
9783446262591
Sprache
German
Seiten
288
Schlagworte
Thomas Melle, Österreichischer Buchpreis 2019 - Debüt, bipolare Störung, Österreich, Joachim Meyerhoff, Longlist-Nominierung Deutscher Buchpreis 2019, Otto-Wagner-Spital, Shortlist Debüt Österreichischer Buchpreis 2019, Psychische Erkrankungen, Wien, Psychiatrische Anstalt, Debüt, Therapie, Geschwister, Kärnten
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REZENSIONEN
Bewertet von Fabian Neidhardt, Babscha und 3 andere
jahfaby
babscha
rainbookworld
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renee
Fabian Neidhardt
Eva wird in einem Polizeiwagen in die Psychiatrie gebracht und von Anfang an ist klar, dass ich Eva nicht alles glauben kann. Sie erzählt ihre Version einer Wahrheit, schnoddrig kommentiert und inkonsequent, sodass ich mit ihr auf die Reise gehen und um jedes Stück Wahrheit ringen muss. Anfangs bin ich von dieser Erzählweise, diesem Spiel ziemlich begeistert und folge Angela Lehner durch ihren Roman, versuche Wahrheit von Wahn zu unterscheiden und mich immer tiefer in ihrer Familiengeschichte zu verstricken. Aber leider ging das Buch für mich nicht darüber hinaus. Irgendwann konnte mich die Sprache allein nicht halten und die Geschichte dahinter (wie ich sie gesehen habe) hat mich nicht genügend gepackt. Als dann am Ende die Wahrheit einigermaßen klar auslag, hatte ich sie schon so lange geahnt, dass sie mich nicht mehr berührt hat, wie es die Sprache am Anfang gemacht hat. Angela Lehner hat mit ihrem Debüt eindrücklich gezeigt, wie schön sie erzählen und mit Worten umgehen kann. Beim nächsten Buch freue ich mich auf eine ebenso starke Geschichte.
Wow
Eva Gruber heißt die unheilvolle Protagonistin dieser Geschichte. Eine junge Frau in ihren Zwanzigern, die postwendend in eine psychiatrische Klinik in Wien verfrachtet wird, nachdem sie herum erzählt hat, sie habe eine ganze Kindergartengruppe erschossen. Diese Szenerie bildet den Auftakt des Buches, in dem uns die Akteurin selbst äußerst lebhaft, in direkter, teils brachialer Sprache und mit der scharfen Beobachtungsgabe der Intelligenz aus dem Innenleben eines „Irrenhauses“ berichtet. Wir lernen Dr. Korb kennen, den sie behandelnden, leicht eigenartig agierenden Psychiater, und, etwas überraschend, ihren ebenfalls dort wegen Depressionen und Essstörungen stationär aufgenommenen jüngeren Bruder Bernhard, dem sie in einer eigenartigen Hassliebe verbunden scheint. Die Zeit vergeht, man wird so langsam vertraut mit den Personen, und nachdem man sich schon mehrfach gefragt hat, wohin das Ganze wohl führen wird, geraten die Dinge dann endlich auch in äußerst ungute Bewegung. Der Autorin ist mit ihrem Debütroman ein aus meiner Sicht überzeugender, ziemlich großer Wurf gelungen. Die Figur der Eva Gruber ist extrem vielschichtig und deutungsfähig angelegt, schon nach wenigen Kapiteln weiß man in ihrem launigen, respektlosen Bericht aus Klinikalltag mit vieldeutigen Rückblenden in ihre komplizierte, ziemlich elende Familiensituation als Leser absolut nicht mehr zu unterscheiden zwischen Realität und psychotischen Wahngebilden einer offensichtlich schwer gestörten Persönlichkeit und gerät damit lesend ähnlich ins Schlingern wie sie selbst. Sie kennt keinerlei Tabus, setzt in zunächst skurrilen, slapstickartigen Episoden ihrem Doc und dem Klinikpersonal gleichermaßen zu und entpuppt sich erst nach und nach als eine hochaggressive, jederzeit zündbereite, unberechenbare Handgranate ohne jegliche empathische Ansatzpunkte für den Leser. Damit findet der anfängliche Spaß dann auch ein jähes Ende und man begreift so langsam, was Sache ist, wenn sie ihren labilen, schwachen Bruder wiederholt auffordert, dass sie jetzt „endlich den Vater umbringen müssten“. Irgendwann wird das Ganze so kompliziert, undurchsichtig, mit so vielen von der Autorin bewusst geknüpften, sich teils widersprechenden Enden versehen, dass man als Leser notgedrungen einfach aufhört, mitzudenken und logisch zu analysieren, sondern sich einfach nur noch atemlos dem bedrückenden Fortgang der Dinge ergibt, die bis zum Ende hin dann auch nur teilweise aufklaren. Ein sehr spezielles, überraschend gut geschriebenes und damit unbedingt lesenswertes Buch abseits des Standards. Mit open ends muss man dabei allerdings umgehen können. Chapeau!
2 Wows
Wieder ein Longlist Buch dass ich mir vorgenommen habe und wieder ein Buch dass mich begeistern konnte. Unsere Protagonistin Eva Gruber in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert. Die selbe in der auch ihr Bruder ist. Dr. Korb, ihrem Psychiater erzählt sie warum sie eingeliefert wurde und deckt einiges aus ihrer Vergangenheit auf. Und doch ist dieses Buch anders, wir wissen nicht was wir der Protagonistin glauben können. Sie lügt und manipuliert die Umgebung. Als Leser wird man vor die Aufgabe gestellt Wahrheit und Wahnsinn zu entscheiden. Und doch habe ich Eva ins Herz geschlossen auf eine seltsame Art und Weiße. Die Geschichte ist schrill und gefüllt mit schwarzem Humor. Man musste zwischendrin öfters lachen, an anderen Stellen hätte man dann Eva am liebsten einen schweren Gegenstand übergehauen. Dies ist ein mutiges Debüt, das wirklich aus der Masse herraussticht. Man kommt leicht durch das Buch dank des einfachen Schreibstil und trotzdem sollte man die Geschichte nicht unterschätzen. Als Leser weiß man nicht was stimmt und wo man manipuliert wurde. Dies ist ein Trip den man nie vergisst und in meinen Augen ein echtes Highlight! Unbedingt lesen! Diese Geschichte ist eine Neudefinition des Begriffs Wahnsinn
1 Wow
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In "Vater unser" geht um die Mittzwanzigerin Eva, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihren jüngeren magersüchtigen Bruder aus einer psychiatrischen Anstalt zu retten, indem sie sich genau in diese einweisen lässt. Eigene Verrücktheiten und die Empfehlungen ihres Psychologen Korb scheint sie gekonnt zu ignorieren, bis die Flashbacks sich häufen und Eva langsam erkennen muss, dass ihr Bruder nicht der einzige Kranke in der Familie ist. Was habe ich mich anfangs durch dieses Buch gequält. Gute drei Monate knabberte ich an der ersten Hälfte von Angela Lehners Debüt bis ich mir dann am vorletzten Tag des Jahres sagte, dass es Zeit wäre, es endlich zu beenden. Über die Essenz dieses Buches zu schreiben, ohne dabei zu viel zu verraten, ist nicht einfach. Fakt ist jedoch, dass die zweite Hälfte an Fahrt aufnimmt und sich das Puzzle langsam zusammen fügt. Deshalb habe ich mich auch nicht darüber geärgert, mich zur Beendigung des Buches gezwungen zu haben. Trotz des starken Endes kann ich wegen des schwachen Starts jedoch nicht von einem Highlight sprechen; Longlist des deutschen Buchpreises hin oder her.
Wow
Intensive Verwirrungen "Vater unser" von Angela Lehner ist jetzt das dritte Buch der Longlist des Deutschen Buchpreises 2019, welches mir vor die Augen kam. Und es lässt mich vollkommen begeistert zurück und steht für meine Begriffe vollkommen zu Recht auf dieser Liste. Was haben wir hier? "Vater unser" ist der Blick auf eine junge Frau und ihre Familie. Diese junge Frau, Eva Gruber, wird in die Psychiatrie gebracht, sie bezichtigt sich selbst eine Kindergartenklasse umgebracht zu haben. Hat sie nur nicht. Dies sieht man auch daran, dass Eva auf keine forensische Station gebracht wird. Eigentlich will sie meines Erachtens nur dahin, um ihrem Bruder nahe zu sein. Ihr wird eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Aber passt dies zusammen, eine narzisstische Persönlichkeitsstörung und der Drang, dem Bruder nahe zu sein, dem Bruder zu helfen? Wobei aber das, was uns die Protagonistin hier so erzählt, nicht immer der Wahrheit entsprechen muss, ich aber schon einen gewissen Leidensdruck auf Seiten der Eva erkennen kann. Ihr Bruder Bernhard ist in der Psychiatrie, weil er Essstörungen hat. Eva beschreibt, dass beide Kinder vom Vater sexuell missbraucht wurden. Die Essstörung und das Trauma als Ursache könnte passen. Könnte?!?! Gleichzeitig kommen aber auch andere schwierige familiäre Konstellationen und gegenseitige Verletzungen zum Vorschein. Wobei man sich aber immer wieder auch fragt, ist das jetzt wahr? Dabei ist das Beschreiben von Evas Leben geprägt von fast traumhaft/alptraumhaft anmutenden Sequenzen von einer äußerst eindringlichen Intensität, die einen immensen Sog erzeugen. Durch immer wieder sich gegenseitig widersprechende Informationen ist man beim Lesen verwirrt, sucht nach einer Wahrheit. Dabei besitzt die Erzählerin auch deutlich manipulative Züge, die sie meisterhaft einsetzt, aber dadurch auch gleichzeitig ein negatives Bild von sich erzeugt und beim Leser die Frage: Warum?. Herrlich sind die Gespräche zwischen dem Psychiater Dr. Korb und der Patientin Eva, einerseits bieten sie gewisse Einblicke in psychiatrisches Geschehen, andererseits sind sie von einem umwerfenden Humor gekennzeichnet, zeigen aber auch deutlich die Interaktionen zu denen Eva fähig ist und sie machen ungeheuer Spaß, auch wenn es manchmal ein etwas schmerzhafter Spaß ist. Die Sprache der Angela Lehner ist generell von einem interessanten Mix aus Spannung, Drama und Humor getragen, wobei ihr Humor aber auch manchmal sehr schmerzhaft und boshaft ist. Insgesamt betrachtet ist dieses Buch ein äußerst intensives Verwirrspiel, welches absolut fesselt, aber als einen kleinen gewissen Nachteil auch wenig Auflösung mitbringt. Schade. Ich gebe eine unbedingte Leseempfehlung!
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