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Jan Weiler

Kühn hat Ärger

Ist Teil der Reihe
Martin Kühn
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ZUSAMMENFASSUNG
»Martin Kühn fragte sich, warum diese Leute reich und trotzdem sympathisch waren.« Und es ist nicht die einzige Frage, die sich der einfache Kommissar und Berufspendler stellt, als er die Terrasse der wohlhabenden van Hautens betritt. Martin Kühn wundert sich auch, wie es Amir, Sohn libanesischer Einwanderer, in diese Kreise verschlagen konnte. Amir, der mit seiner Ankunft eine ganz neue, gefährliche Dynamik in die Familie gebracht hat. »Jan Weiler ist einer der interessantesten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur, weil er nicht nur über eine eigene Sicht auf die Welt verfügt, sondern auch über eine eigene Sprache, diese Sicht auszudrücken.« Denis Scheck
BIOGRAFIE
Keine Angaben verfügbar

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
01.03.2018
Ausgabe
Hardcover
ISBN
9783492057578
Sprache
German
Seiten
393
Schlagworte
Kriminalfall, Bücher, Kommissar, Pendler, Buch, Pubertier, Roman, München, Urlaubslektüre, Neuperlach, Mord, Ermittlung, Kühn hat zu tun, Kühn, Kühn hat Hunger
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REZENSIONEN
Bewertet von morningside und rumblebee
morningside
rumblebee
Martin Kühn lebt mit seiner Familie in einem Außenbezirk Münchens, der umgangssprachlich genannten Tetris-Siedlung die auf einem alten, verseuchten Firmengelände einer ehemaligen Munitionsfabrik errichtet wurde. Nach und nach zeigen sich jetzt die Folgen dieses Erbes und die Häuser und Grundstücke drohen immens an Wert zu verlieren. Nach einem kürzlich überstandenen Burnout macht sich Kühn an seinen ersten Fall nach Rückkehr an seinen Arbeitsplatz. Ein jugendlicher Kleinkrimineller libanesischer Herkunft wird an einer Bahnhaltestelle aufgefunden - brutal zu Tode geprügelt. Die Ermittlungen führen Kühn in die Welt der besseren Gesellschaft von München-Grunwald, da der Ermordete mit der Tochter des Hauses liiert war. In Kühns Privatleben läuft es momentan auch alles andere als rund. Seine Frau verhält sich seltsam, sein Sohn ist distanziert und eine latent drohende Anklage wegen Körperverletzung setzen ihm zu. Obendrein droht er eine leichtfertige Liaison mit einer Kollegin einzugehen, was eigentlich so gar nicht seine Art ist. Außerdem hat er mächtig Angst vor einer potentiellen Krebserkrankung, weil sein Arzt ihm dringend eine Facharztkonsultation anrät aufgrund auffälliger Blutwerte. Und wie es oft so ist, scheut er die möglichen Ergebnisse einer solchen Untersuchung mehr als die Ungewissheit, weshalb er diesen Termin vor sich her schiebt. In dieser unaufgeräumten Verfassung macht er sich also an die Ermittlungen und stellt gleichzeitig sein ganzes Leben auf den Prüfstand. Warum kann er nicht so leben wie die wohltätige Grunwalder Familie? Wieso ist dort alles so perfekt und bei ihm weit davon entfernt? Würde er gerne dazu gehören? Es machte mir großes Vergnügen, Kühns Gedanken- und Gefühlswelt zu folgen und ich fand es keine Seite langweilig, auch wenn ich die Lösung des Falles bereits sehr früh ahnte. Denn in diesem "Krimi" geht es um eindeutig mehr als nur die Lösung des Falles. Kühn beobachtet sehr genau. Jede Geste wird registriert, jeder Blick gedeutet und jede Veränderung zur Kenntnis genommen. So lässt er den Leser an der Lösung mitarbeiten und sich Urteile bilden über die Protagonisten des Buches - die Familie und das Umfeld des Opfers, die höhere, durchaus wohltätige Gesellschaft von Grundwald, das Umfeld in der Tetris-Siedlung und natürlich Kühns Familie und Kollegen. Vor allem mit seinem Untergebenen Steierer hadert er gewaltig, denn dieser hat sich für eine Beförderung beworben - genau wie Kühn. Steierer hatte ihn während der langen Arbeitsunfähigkeit vertreten und scheint nun der Meinung, dass er diesem gegenüber gleichberechtigt ist und vor allem: gleich gut zu ermitteln. So knirscht es entsprechend während der Ermittlungen und es kommt nicht so gut voran, wie es sollte. Weiler zeigt eine sehr flüssige und vor allem humorvolle Schreibweise, die jedoch nie wirklich ins Alberne abgleitet. Trotzdem fand ich hier die wohl komischste Bettszene, die ich bis jetzt lesen durfte. Immer wieder tauchen amüsante Kleinigkeiten auf, die einen schmunzeln lassen. Und Informationen gibt es noch obendrein, denn von Bonsai-Parkett hatte ich bisher noch nie etwas gehört. Fazit: Ein rundum gelungener gesellschaftskritischer Roman und soviel mehr als nur ein Krimi.
Wow
Kühn hat Ärger Rezension Jan Weiler überrascht mich mit diesem Band, und mit diesem Konzept rund um den Polizisten Kühn. Begonnen hatte seine Schriftsteller-Karriere ja mit eher klamaukigen Büchern rund um kulturelle Missverständnisse („Maria, ihm schmeckt‘s nicht“). Was ja durchaus seine Berechtigung hatte. Doch der Autor scheint wesentlich gereift, und versucht sich mit Martin Kühn an einer spannungsgeladenen Mischung aus Realsatire, Midlife-Crisis und Kriminalroman. Das ist ihm über weite Strecken unterhaltsam bis sehr gut gelungen. Mir gefällt an diesem Buch gerade die Uneindeutigkeit und Vielstimmigkeit. Obwohl aus der Perspektive einer einzigen Person erzählt, des Polizisten Martin Kühn, ist es doch in keine Schublade eindeutig einzuordnen. Schon in der Leseprobe war mir das aufgefallen – war es nun eine bissige Abrechnung mit sozialen Unterschieden, die Schilderung einer persönlichen Krise, oder ein Krimi? Nun, gewissermaßen ist es alles. Der Aufhänger für das Buch ist sicher der Kriminalfall – ein 17jähriger Jugendlicher mit Migrationshintergrund ist brutal erschlagen worden. Martin Kühn und sein Kollege Steierer beginnen zu ermitteln. Sie tauchen ein in die Welt der Superreichen, denn das Opfer war mit einem Mädchen aus gutem Hause befreundet. Schon hier blitzt immer wieder der bissige Jan Weiler durch. Diese Welt der Reichen wird mit einer guten Prise Sarkasmus geschildert, dass es nur so kracht. Ich habe mich wirklich köstlich amüsiert…! Das ist schon der zweite wichtige Aspekt des Buches – der satirische. In anderen Abschnitten nämlich, wenn Kühn über sein Privatleben sinniert, zum Arzt geht, sich mit Kantinenessen herumschlägt, einen Kongress besucht oder sich mit seinem Kollegen anlegt, lässt Weiler keine Gelegenheit aus, hintersinnige Seitenhiebe einzubauen. Das Leben eines Polizisten mittleren Alters, zumal nach einem Burn-Out, ist eben nicht ohne Tücken. Kühn pendelt beständige zwischen Prostata und Propaganda. Dabei beeindruckt Weiler den Leser mit durchaus tiefsinniger anmutenden Passagen. Einziger Kritikpunkt meinerseits: die kursiv gedruckten inneren Monologe Kühns. Die sind mir oftmals zu flach geraten. Auch finde ich, dass die wunderbar überzeichneten Passagen über die am Reißbrett entworfene Wohnsiedlung Kühns ruhig mehr Raum hätten einnehmen können. Der dritte Aspekt des Buches ist sicher „ein Mann in mittleren Jahren“. Was in den „Maria“-Büchern noch wunderbar leichtfüßig gelang, nämlich die Schilderung einer Ehe, gerät hier mitunter ein wenig einfallslos – was auch bei mir zu einem Punkt Abzug führt. Kühn sagt es selber an einer Stelle. Sich auf einer Tagung mit einer Kollegin einzulassen – nicht sonderlich originell. Und er begehrt sie nicht einmal wirklich. Auch die gegenseitigen Verdächtigungen des Ehepaars Kühn, das Streitgespräch in der Küche, „wir waren doch früher nicht so“… na ja. Das ist ganz einfach nicht Jan Weilers Stärke. Sehr gelungen finde ich das Ende des Buches, den Showdown sozusagen, die Auflösung des Kriminalfalls. Sehr gekonnt versetzt sich der Autor in die Seelenlage reicher, überdrehter Jugendlicher. Er lässt Martin Kühn mit seinen Verhörtechniken zu wahren Höchstleistungen auflaufen. Und er schreibt ein ganzes Kapitel als Verhör-Mitschnitt; vielleicht das beste des ganzen Buches. Im Epilog gibt es dann einen angenehm offenen Ausklang – Kühn geht mit seinem eigenen Sohn einkaufen. Man darf vermuten, dass es Fortsetzungen geben wird, denn einiges bleibt offen. Insgesamt kann ich das Buch wirklich nur empfehlen. Es zeigt, dass man auch als Humorist Tiefsinn beweisen darf. Und dass ein Krimi auf dem heutigen Buchmarkt großzügig interpretiert werden kann. Wohlverdiente vier von fünf Sternen.
Wow
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