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Margaret Atwood

Der Report der Magd

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ZUSAMMENFASSUNG
Die provozierende Vision eines totalitären Staats, in dem Frauen keine Rechte haben: Die Magd Desfred besitzt etwas, was ihr alle Machthaber, Wächter und Spione nicht nehmen können, nämlich ihre Hoffnung auf ein Entkommen, auf Liebe, auf Leben ... Margaret Atwoods »Report der Magd« ist ein beunruhigendes und vielschichtiges Meisterwerk, das längst zum Kultbuch avanciert ist.
BIOGRAFIE
Margaret Atwood, geboren 1939 in Ottawa, gehört zu den bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit. Ihr »Report der Magd« wurde zum Kultbuch einer ganzen Generation. Bis heute stellt sie immer wieder ihr waches politisches Gespür unter Beweis, ihre Hellhörigkeit für gefährliche Entwicklungen und Strömungen. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Man Booker Prize, dem Nelly-Sachs-Preis, dem Pen-Pinter-Preis und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Margaret Atwood lebt in Toronto.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
03.04.2017
Ausgabe
Paperback
ISBN
9783492311168
Sprache
German
Seiten
411
Schlagworte
Hoffnung, the handmaid, Oryx und Crake, Das Herz kommt zuletzt, Dystopie, Kultbuch, totalitärer Staat, Die Geschichte der Dienerin, George Orwell, Volker Schlöndorff, Handmaid's Tale, Hexensaat, moderner Klassiker, Aldous Huxley
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REZENSIONEN
Bewertet von pmelittam, madl_books und 3 andere
pmelittam
madl_books
la_literarian
sinnesgleich
elena_liest
Geburtenrückgang auf Grund Umweltverschmutzung, aber auch Selbstbestimmung von Frauen in Bezug auf Schwangerschaft, führt zu einer Revolution und der Entstehung eines totalitären, theokratischen Staates, Gilead genannt, in dem die Frauen auf ihre Fruchtbarkeit reduziert werden. Wie schon in der Bibel müssen Frauen, die sich als fruchtbar erwiesen haben, für unfruchtbare Frauen Kinder bekommen. Sie werden, in Analogie zur biblischen Geschichte von Jakob, Rahel und Bilha Mägde genannt. Eine dieser Mägde ist Desfred (im Original Offred), alleine dieser Name zeigt schon die ganze Perfidie, mit der Frauen hier behandelt werden – sie gehört dem Mann, dem sie gerade dient, als des Freds Magd oder of Fred. Auch der Geschlechtsakt zwischen Magd und Mann bzw. die Geburt des daraus entstandenen Kindes schlägt in die selbe Kerbe, denn die Ehefrau des Mannes ist immer dabei, im Grunde ist die Magd dabei nur eine Art Zwischenmedium und das Kind gehört der Ehefrau. Die Autorin lässt Desfred selbst in Ich-Form erzählen, immer wieder erinnert sich die Frau dabei an ihr Leben vorher mit Mann und Kind, aber auch an ihr Leben in der Umerziehungsanstalt, in der aus den fruchtbaren Frauen gehorsame Mägde gemacht werden. Doch Desfred hat sich ein Stück Unabhängigkeit erhalten, ihre Gedanken kann ihr niemand nehmen und im Laufe der Geschichte setzt sie ein paar Mal ihr Leben aufs Spiel. Hinrichtungen sind in Gilead an der Tagesordnung, und schon zu lesen kann eine Magd ihre Hand kosten. Männer sind durchaus auch gefährdet, aber es gibt auch geheime Clubs für Hochgestellte, in denen diese ihren Trieben frönen können. Am Ende bleibt offen, ob Desfred hingerichtet wird, überlebt oder sogar flüchten kann, erfährt der Leser nicht. Allerdings gibt es noch eine Art Nachwort, „Historische Anmerkungen“ genannt, in dem im 22. Jhdt. rückblickend der Staat Gilead analysiert wird und man dafür auch Desfreds Report heranzieht. Mittlerweile gibt es auch eine Fortsetzung „Die Zeuginnen“, in der man wohl mehr über Desfreds Schicksal erfährt. Der Roman ist erschütternd, aber, wenn man sich die Geschichte der Frauen anschaut, womöglich gar nicht so unrealistisch – und das ist eigentlich das erschreckendste daran. Dazu trägt auch Atwoods Sprache bei, denn Desfreds Report zeugt von einer gebildeten Frau, der ihre Bildung aber nahezu nichts mehr nützt. Dass es diesen Report überhaupt gibt, lässt hoffen, dass sie dem Regime entkommen konnte, denn dort war Frauen nicht nur das Lesen, sondern auch das Schreiben verboten. Der Roman ist aber auch sehr spannend, man leidet mit den Frauen, und als Desfred anfängt auch Verbotenes zu tun, hat man Angst um sie. Ich jedenfalls konnte mich in sie hineinfühlen und ich habe mich gefragt, was ich wohl in so einer Situation tun würde. Margaret Atwood schrieb diesen Roman bereits 1985, doch er ist immer noch aktuell, und wird es wohl auch bleiben. Die historischen Anmerkungen machen den Roman erst richtig rund, man sollte sie unbedingt lesen, denn sie gehören dazu. Der Autorin ist ein spannender Roman gelungen, der zum Nachdenken anregt und lange nachhallen wird. Ich kann ihn uneingeschränkt empfehlen und vergebe volle Punktzahl.
Wow
Mit „Der Report der Magd“ hat Margaret Atwood ein absolutes Meisterwerk geschrieben. Nicht nur das mich der einmalige Schreibstil restlos Begeistert hat, sondern auch diese Geschichte. Denn diese wird mir, aufgrund der Thematik, definitiv noch lange in Erinnerung bleiben. Denn stellt euch vor, in einem Staat zu Leben, in dem von heute auf morgen jegliche Frauen entmündigt werden und in drei Gruppen eingeteilt werden. Ehefrauen von Führungskräften, Dienerinnen und Mägde. Letztere sind nur dazu da, als Gebärmaschine für unfruchtbare Ehefrauen herzuhalten. Eine grausame Vorstellung! Aber genauso einen fiktiven Staat hat Frau Atwood hier erfunden und ihn in eine wahnsinns Dystopie eingebaut. Unsere Protagonistin Desfred gehört zu der Gruppe der Mägde und erzählt uns ihre ergreifende Geschichte. Diese wird sehr nüchtern, ruhig, bildlich und ohne große Aktion erzählt. Diese Aktion braucht diese Geschichte aber in keinster Weise, denn genau diese ruhige und sachlich Erzählperspektive, sorgt bei mir an vielen Stellen für Entsetzen. Nicht nur einmal, musste ich das Buch bei Seite legen und erst einmal verarbeiten, was in diesem fiktiven Staat alles passiert. Frau Atwood nimmt nämlich kein Blatt vor den Mund und stellt uns eine Zukunft vor, die mir Albträume beschert. Leider ist in vielen Punkten diese Dystopie nicht so abwegig, wie man es sich wünschen würde. Daher ist es umso wichtiger, das ganz viele Menschen genau solche Bücher lesen. Egal ob Frau oder Mann. Desfreds Geschichte wird euch mit Sicherheit nicht kalt lassen und euch sehr viel Material zum Nachdenken geben. Absolute Leseempfehlung
Wow
la_literarian
Dieses Buch ist ein sprachliches Meisterwerk! Ich würde fast schon sagen, dass ich kaum ein besseres Buch gelesen habe, was so voller sprachlicher Gewalt, Kraft und Ausdruck ist. Auch vom Inhalt ist es grandios, aktuell, wichtig, beeindruckend , erschreckend, emotional, verstörend und leider auch sehr realistisch. Es ist eine Dystopie, eine Möglichkeit der Zukunft, in der Frauen unterdrückt werden, sie sind lediglich dafür da, Kinder zu bekommen, wenn sie es denn können, sie sind Gefäße. Es ist eine Dystopie in der Frauen unterworfen werden. Ich war unglaublich schockiert und mitgenommen und trotzdem konnte ich Desfred, die Protagonistin so gut verstehen, weil sie nichtsdestotrotz so aktuelle Themen angesprochen hat, Themen die heute noch behandelt werden und mich somit umso mehr erschrocken und fassungslos zurück gelassen hat! Immer noch herrscht die Frage, um die Gleichberechtigung der Frauen. Es erschüttert mich zutiefst, dass im 21. Jahrhundert so etwas noch besprochen werden muss. Ich frage mich, wie es in Gilead zu diesen totalitären Staat kommen konnte und merke, dass das alles heute auch nicht unbedingt unwahrscheinlich ist - das ist das Erschreckende! Dieses Buch ist so wichtig, es zeigt nämlich wie es nicht sein soll, wie es aber sein könnte. Frauen sind mehr als nur Brutkästen! Wir sind stark 💪🏼 Ich kann euch dieses Meisterwerk nur ans Herz legen. Es verändert dich und deine Sicht auf das weibliche Geschlecht und auf die Welt!
Wow
sinnesgleich
„Vielleicht geht es bei alldem gar nicht um Herrschaft und Macht. {...} Vielleicht geht es darum, wer wem etwas antun kann und dafür Vergebung erlangt.“ (S.183) In „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood berichtet die Magd Desfred über ihr Leben im totalitären Regime Gilead‘s. Die einstige amerikanische Regierung fällt dem Putsch einer aufständischen Bewegung zum Opfer. Da die sogenannten europide Rasse auszusterben droht, entzieht die neue Regierung den Frauen durch einen perfiden Schachzug all ihre Rechte, und diffamiert sie zu einem Dasein als „Gefäß“ . Künftig besteht ihre einzige Aufgabe darin die menschliche Reproduktion zu vollziehen. Die Geschichte Desfreds hat mich sehr mitgenommen. Nicht selten musste ich das Buch zuschlagen und mal tief durchatmen. Allein sprachlich ist dieses Buch ein wahrhaftiges Meisterwerk. Der Bericht ist sachlich und emotionslos gehalten, berührt einen aber so tief im Herzen, dass man das Gefühl hat alles selbst zu erleben. Atwood‘s detaillierter und bildhafter Schreibstil ermöglicht es, ein exaktes Bild der Umgebung zu bekommen. Die Autorin hält den Leser auf Trab, und lässt keinen Moment der Unaufmerksamkeit zu. Geschickt platziert sie intelligente und tiefgründige Bemerkungen, die einen wie aus dem nichts treffen und dadurch eine entsprechend intensive Wirkung haben. „Aber vielleicht ist Langeweile erotisch - wenn Frauen sich langweilen - für Männer.“ (S.97) Die Handlung ist von Anfang bis Ende durchdacht, und nichts wird dem Zufall überlassen, was die Geschichte real und greifbar macht. Atwood spielt mit dem Leser, gibt und enthält ihm gleichermaßen Informationen je nach Nützlichkeit für die Entwicklung der Handlung. Einiges erfährt man beispielsweise erst in der Anmerkung und nicht in der eigentlichen Geschichte. Dabei spinnt sie ein Szenario zusammen, das nicht erschreckender sein könnte. Elena, Madlen und mich hat die Frage nach der Wahrscheinlichkeit des tatsächlichen Eintretens eines solchen Szenarios lange beschäftigt. Gerade unter dem Umstand, dass die Unterdrückung von Frauen noch immer ein mehr als aktuelles Problem ist und die sich auf “traditionelle Werte“ rückbesinnenden Parteien wieder auf dem Vormarsch sind. Das Ende der Geschichte verdient eigentlich nochmal eine ganz eigene Lobeshymne. Wenn auch offen, fehlt ihm nichts. Ergänzt durch eine „Historische Anmerkung“ aus dem Jahre 2195 ist der Coup perfekt. Ich bin noch jetzt völlig hingerissen von diesem genialen Ende. Aber ich möchte gar nicht zu viel verraten, denn ihr sollt natürlich selbst herausfinden wie Desfred‘s Geschichte ausgeht! Ein feministisches Werk getarnt als dystopischer Roman. Vielschichtig, tiefgründig und intelligent. „Der Report der Magd“ hat so viel zu bieten, und ist wirklich ein absolutes Muss für jeden von uns!
1 Wow
"Aber bedenke, dass Vergeben auch Macht bedeutet. Darum zu bitten bedeutet Macht, und die Vergebung zu verweigern oder zu gewähren bedeutet auch Macht, vielleicht sogar die größte. Vielleicht geht es bei alledem gar nicht um Herrschaft und Macht. Vielleicht geht es garnicht darum, wer wen besitzen kann, wer wem ungestraft etwas antun kann, bis hin zum Tod. Vielleicht geht es garnicht darum, wer sitzen darf und wer knien muss oder stehen oder sich hinlegen, mit geöffneten Beinen. Vielleicht geht es darum, wer wem was antun kann und dafür Vergebung erlangt. Sage ja niemand, das liefe auf das gleiche hinaus." - Margaret Atwood in "Der Report der Magd" Margaret Atwood hat mich mit diesem Roman sprachlos gemacht, mich sprachlos und fassungslos zurückgelassen. Ich bin erschüttert über diese Dystopie, über diese schreckliche Version der Zukunft, die leider gar nicht so unrealistisch ist. Die völlige Unterdrückung der Frauen, die Unterwerfung der Frauen, diese Ausweglosigkeit aus diesem Horror, den Desfred erlebt, haben mich sehr erschüttert. Meine Gedanken drehen sich immernoch um Gilead, um Desfred, die als "Gefäß" benutzt wird, als Brutkasten, als Geburtsmaschine. Und wie es zu diesem schrecklichen, totalitären Staat kommen konnte. Atwood schreibt einfach unglaublich beeindruckend und eindringlich. Ich konnte mich ihren Worten nicht entziehen, habe einige Passagen mehrmals gelesen, weil ich einfach so beeindruckt von ihrem Schreibstil, ihrer Ausdrucksweise bin. Vor allem der Absatz oben ist mir in Erinnerung geblieben. Und, dass Freiheit verschieden ausgelegt werden kann: die Freiheit zu und die Freiheit von. Für mich ist "Der Report der Magd" ein Meisterwerk und ich werde wohl mein Leben lang das, was Frau Atwood in diesem Roman geschrieben hat, nicht mehr aus dem Kopf kriegen.
2 Wows

KOMMENTARE

Umweltverschmutzung durch Menschen als Grund für Unfruchtbarkeit:
!Die Gründe für den Geburtenrückgang sind uns nicht vollständig klar. Zum Teil kann diese Entwicklung zweifellos auf die breite Verfügbarkeit empfängnisverhütender Mittel verschiedenster Art, einschließlich Abtreibung, während der Periode, die Gilead unmittelbar vorausging, zurückgeführt werden. Ein Teil der Unfruchtbarkeit war damals also gewollt, was die unterschiedlichen statistischen Ergebnisse bei europiden und nichteuropiden Rassen erklären mag. Aber es gab auch ungewollte Unfruchtbarkeit. Muss ich Sie daran erinnern, dass dies das Zeitalter der Syphillis vom Typ R und ebenso der berüchtigten AIDS-Epidemie war, die sich so schnell über die ganze Bevölkerung ausbreitete und so viele junge, sexuell aktive Menschen aus der Reproduktionsreserve hinwegraffte? Totgeburten, Fehlgeburten und genetische Missbildungen waren weitverbreitet und noch im Zunehmen begriffen, ein Trend, der häufig mit den verschiedenen, für diese Zeit charakteristischen Unfällen, Ausfällen und Sabotageakten in Kernkraftwerken in Verbindung gebracht wurde, ebenso mit dem Austritt von Giften aus Lagern für chemische und biologische Waffen und Sondermülldeponien, von denen es, legal und illegal, etliche Tausend gab – in einigen Fällen wurden diese Stoffe einfach ins Abwassersystem geleitet –, sowie mit dem unkontrollierten Gebrauch chemischer Insektizide, Herbizide und anderer Sprühgifte.
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