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Elena Ferrante

Meine geniale Freundin

Ist Teil der Reihe
Neapolitanische Saga
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3.7/5
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ZUSAMMENFASSUNG
Sie könnten unterschiedlicher kaum sein und sind doch unzertrennlich, Lila und Elena, schon als junge Mädchen beste Freundinnen. Und sie werden es ihr ganzes Leben lang bleiben, über sechs Jahrzehnte hinweg, bis die eine spurlos verschwindet und die andere auf alles Gemeinsame zurückblickt, um hinter das Rätsel dieses Verschwindens zu kommen. Im Neapel der fünfziger Jahre wachsen sie auf, in einem armen, überbordenden, volkstümlichen Viertel, derbes Fluchen auf den Straßen, Familien, die sich seit Generationen befehden, das Silvesterfeuerwerk artet in eine Schießerei aus. Hier gehen sie in die Schule, die unangepasste, draufgängerische Schustertochter Lila und die schüchterne, beflissene Elena, Tochter eines Pförtners, beide darum wetteifernd, besser zu sein als die andere. Bis Lilas Vater seine noch junge Tochter zwingt, dauerhaft in der Schusterei mitzuarbeiten, und Elena mit dem bohrenden Verdacht zurückbleibt, eine Gelegenheit zu nutzen, die eigentlich ihrer Freundin zugestanden hätte. Ihre Wege trennen sich, die eine geht fort und studiert und wird Schriftstellerin, die andere wird Neapel nie verlassen, und trotzdem bleiben Elena und Lila sich nahe, sie begleiten einander durch erste Liebesaffären, Ehen, die Erfahrung von Mutterschaft, durch Jahre der Arbeit und Episoden politischer Bewusstwerdung, zwei eigensinnige, unnachgiebige Frauen, die sich nicht zuletzt gegen die Zumutungen einer brutalen, von Männern beherrschten Welt behaupten müssen. Sie bleiben einander nahe, aber es ist stets eine zwiespältige Nähe: aus Befremden und Zuneigung, aus Rivalität und Innigkeit, aus Missgunst und etwas, das größer und stiller ist als Lieben. Liegt hier das Geheimnis von Lilas Verschwinden? Elena Ferrante hat ein literarisches Meisterwerk von unermesslicher Strahlkraft geschrieben, ein von hinreißenden Figuren bevölkertes Sittengemälde und ein zupackend aufrichtiges Epos - über die rettende und zerstörerische, die weltverändernde Kraft einer Freundschaft, die ein ganzes langes Leben währt.
BIOGRAFIE
Elena Ferrante hat sich mit dem Erscheinen ihres Debütromans im Jahr 1992 für die Anonymität entschieden. Ihre vierbändige Neapolitanische Saga - bestehend aus Meine geniale Freundin, Die Geschichte eines neuen Namens, Die Geschichte der getrennten Wege und Die Geschichte des verlorenen Kindes - ist ein weltweiter Bestseller. Zuletzt erschienen im Suhrkamp Verlag auch Ferrantes frühere Romane Lästige Liebe, Tage des Verlassenwerdens und Frau im Dunkeln, sowie der Band Frantumaglia, der Briefe, Aufsätze und Interviews versammelt.
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REZENSIONEN
Bewertet von stefanie aus frei..., tinax9 und 3 andere
stefaniefreigericht
tinax9
justmiaslife
awogfli
ailyn_09
stefanie aus freigericht
Sitten- und Zeitgemälde Neapels nach dem Zweiten Weltkrieg UND Bild einer lebenslangen Freundschaft Für die beiden gleichaltrigen Mädchen Elena, die Ich-Erzählerin, und ihre beste Freundin "Lila" ist Armut ein ständiger Begleiter, während wir sie als Kinder und Heranwachsende begleiten. Es ist das Leben der „kleinen Leute“ in einem Viertel, einem sogenannten Rione, in Neapel. Die Sprache ist derb, Dialekt, auch der Umgang miteinander ist derb, Gewalt ist allgegenwärtig: Ehemänner schlagen ihre Frauen, beide die gemeinsamen Kinder, diese prügeln sich untereinander. Männer prügeln für ihr Ehrgefühl, einander, ihre Schwestern, deren Verehrer; der Ruf eines Mädchens wird zerstört mit Gerüchten in einem wenig aufgeklärten, meist verklemmt wirkenden Umfeld der gegenseitigen Missgunst. „Der Pöbel, das waren wir. Der Pöbel, das war das Gezanke ums Essen und um den Wein, war das Gestreite darum, war zuerst und besser bedient wurde, war dieser dreckige Fußboden, auf dem die Kellner hin und her liefen, und die immer vulgärer werdenden Trinksprüche.“ S. 421 Das soll auf keinen Fall jemanden abschrecken; im Buch wirkt das alles, so seltsam sich das jetzt lesen mag, natürlich, folgerichtig: so ist halt das Leben in diesem Viertel, in dieser Zeit. Der Autorin Elena Ferrante gelingt es, ein Sittengemälde der einfacheren Leute in Neapel darzustellen anhand des Aufwachsens dieser beiden Mädchen nach dem Zweiten Weltkrieg (1980 sind sie 36 Jahre alt, also geboren 1944). Schuldbildung spielt keine wichtige Rolle für die Eltern in diesem Umfeld, besonders ein Mädchen findet mehr Anerkennung für eine „gute Partie“. Lila und Elena sind gut in der Schule, besonders Elena fühlt sich durch Lila herausgefordert, die immer einen Hauch mutiger ist als sie, kompromissloser, als Charakter ungewöhnlich fokussiert. Doch Lilas Vater erlaubt nicht den Übergang seiner Tochter in die Mittelschule – Elena hat mehr Glück, fühlt sich dabei aber immer im Nachteil gegenüber der Freundin, sieht das, was ihr widerfährt, immer nur im – meist negativ für sie selbst ausfallenden – Vergleich mit der anderen, die zunächst im Selbststudium weiter gegen die gesellschaftlichen Regeln aufbegehrt. Die Geschichte wird erzählt als Rückblick aus der Alterssicht Elenas: „Es war eine alte Angst, eine Angst, die mich nie verlassen hatte, die Angst, mein Leben könnte an Intensität und Gewicht verlieren, wenn ich Teile ihres [Lilas] Leben verpasste.“ S. 265 Entsprechend fesselte mich die Lektüre nicht nur durch die atmosphärisch dichte Darstellung von Milieu und Zeit, sondern auch durch das enge Aufeinander-Bezogen-Sein der beiden Kinder und Jugendlichen, das man ausschließlich aus der Sicht von Elena dargestellt bekommt. Ich konnte einiges von Elenas Verhalten nicht nachvollziehen, wohingegen mir gleichzeitig ihre gesamte Person komplett nachvollziehbar erschien, wie widersprüchlich auch immer das jetzt erscheinen mag – eine meisterhafte Darstellung von Charakteren mit allen Ecken und Kanten, eine nicht immer sympathische, aber glaubwürdige Ich-Erzählerin ist mutig! Ein Problem hatte ich mit der schieren Personenfülle, wogegen zwar mit einem Verzeichnis zu Beginn des Buches und auf dem mitgelieferten Lesezeichen versucht wurde, entgegenzusteuern, was bei mir aber doch den Lesefluss etwas hemmte. Hingegen war der gelegentliche Wechsel der Autorin von gut lesbaren flüssigen Sätzen zu einigen echten verschlungenen Bandwurmsätzen nicht abträglich, sondern passte eher zum jeweiligen Gemütszustand Elenas. Ein Buch, das wiederzugeben oder auch nur weiter zu charakterisieren über „Sitten- und Zeitgemälde“ und „Buch über eine lebenslange Freundschaft“ hinaus schwer fällt, sich entzieht. Am Ende dieses auf vier Bände angelegten ersten ins deutsche übersetzten Teils eines Romanzyklus stehen die beiden Protagonistinnen am Übergang zum Leben als Erwachsene – mit einigen schmerzhaften Erkenntnissen. Ich ermutige, selbst herauszufinden, wer hier die „geniale Freundin“ ist, auch das Zitat am Anfang sollte nochmals nach der Lektüre in Erinnerung gerufen werden. Ich fühlte mich unterhalten, über ein Milieu informiert, zum Nachdenken angeregt – und hätte doch ein dickeres Buch und dafür weniger Teile bevorzugt. Ein passendes Folge- oder Alternativbuch für Deutschland ist von Ulla Hahn „Das verborgene Wort“.
1 Wow
Neapel in den 1950er Jahren. Lila und Elena werden Freundinnen und müssen ihr Leben meistern, dass ihnen nicht viel bietet. Sie träumen von Erfolg, Reichtum und großen Projekten. Wie wird sich ihre Freundschaft verändern, wenn ihnen ihr Viertel, die Zeit und die Tatsache, dass sie Frauen sind, sie daran hindern, das zu tun, was sie wirklich tun möchten? Elena und Lila sind Charaktere, aus denen ich nicht wirklich schlau geworden bin. Im ersten Teil der Reihe geht es fast ausschließlich um ihre Freundschaft, denn ihnen bleibt nicht viel anderes. Sie wachsen in Armut auf, müssen darum kämpfen, zur Schule gehen zu können und erleben tagtäglich Gewalt, die ihr Alltag zu sein scheint. Sie sind Freunde, obwohl sie sich meiner Meinung nach kaum wie Freunde verhalten. Lila scheint hochbegabt zu sein, doch das ist unwichtig, wenn man bedenkt, wo sie aufwächst. Elenas einziger Lebensinhalt scheint die Konkurrenz mit Lila zu sein. Sie will besser, schlauer, hübscher sein. Es ist anstrengend zu lesen, da teilweise nicht viel anderes passiert. Schließlich ist es Elena, die weiter zur Schule geht und nicht Lila. Ihre Freundschaft verändert sich, doch auch dann bleibt der Konflikt bestehen. Lila handelt aggressiv und impulsiv, sie will sich nicht an die unausgesprochenen Regeln der Gesellschaft anpassen. Sie will Dinge tun, obwohl sie eine Frau ist. Und auch wenn sie nicht mehr zur Schule geht, ermutigt sie Elena, so viel wie möglich zu lernen. Mit ihr geschieht eine Veränderung, deren Hintergründe noch offenbleiben. Sie hat mehr Seiten als Elena, die sich immer anzupassen scheint. Es gibt noch viele weitere Charaktere, mit denen die beiden im Viertel aufwachsen. Es gibt ständig Konflikte und Streitereien, aber auch der ständige Kampf ums Überleben. Das war der ausschlaggebende Punkt zum Weiterlesen: Fallen die Kinder in die Muster ihrer Eltern, uns hassen sich wegen alter Geschichten oder können sie dem entfliehen? Das war wirklich gelungen, aber meiner Meinung nach hätte es dafür nicht knapp 500 Seiten gebraucht. Die vielen Charaktere sind am Anfang etwas verwirrend, aber man schließt viele schnell ins Herz und findet dann doch einen Grund, um weiterzulesen. Doch es nicht so beeindruckend, wie manche sagen.
Wow
Nach all den unterschiedlichen Meinungen war ich sehr gespannt, was ich von dem Roman "Meine geniale Freundin" von Elena Ferrante halten würde. Zu meiner großen Freude kann ich sagen, dass mich die Geschichte der beiden neapolitanischen Freundinnen total begeistert hat. Die Geschehnisse werden recht nüchtern und zum Teil durch lange Aufzählungen erzählt und der ein oder andere Leser empfand dies sicherlich als langatmig oder als Füllmaterial für ein dickeres Buch. Ich dagegen denke, dass man dadurch als Leser einen besseren Eindruck von Elena erhält. Auch im hohen Alter erinnert sie sich noch an sehr viele Einzelheiten, vor allem an Menschen in ihrer Umgebung. Elena ist ein Mensch mit einer besonderen Beobachtungsgabe, der zudem auch sensibel sein könnte, und dem deshalb die Schicksale von Freunden und Bekannten nahe gehen. Die Autorin lässt Elena munter drauf los erzählen und den Leser sein eigenes Bild von Elena machen. So empfindet jeder Leser anders. Ich zum Beispiel empfand es nicht langatmig, sondern eher geheimnisvoll. Zudem sorgt dir ausdrucksstarke und warmherzige Sprache dafür, dass ich das Gefühl hatte, in jeder Situation wirklich dabei zu sein. In meinem Kopf konnte ich mir das Neapel der 50er Jahre und seine Bewohner sehr plastisch vorstellen. Diese beiden Aspekte machen das Buch für mich zu einem ganz besonderen Werk. Die Handlung steht hier nicht im Fokus, im Vergleich zu anderer moderner Literatur. Vielmehr versteht es Elena Ferrante die Gefühle und Gedanken der Ich - Erzählerin in den alltäglichen Situationen spannend und bildhaft in Worte zu fassen. Dies ist meiner Meinung nach viel schwieriger als eine handlungsorientierte Geschichte fortzuschreiben. Als einen spannenden Aspekt empfinde ich, dass das Buch mit dem Verschwinden von Lila im hohen Alter beginnt und wir nun aber erst einmal die Lebensgeschichte ab der Kindheit erzählt bekommen. Dadurch habe ich Lila ganz besonders in den Schilderungen ihrer Freundin Elena beobachtet, um Anhaltspunkte zu finden, warum sie diesen Schritt getan haben könnte. Dies finde ich sehr fesselnd und so freue ich mich auf die nächsten Bände, um irgendwann diesem Rätsel auf die Schliche zu kommen.
Wow
Tja ich muss Euch gestehen, dass ich von Band 1 dieser Neapolitanischen Saga nicht ganz so begeistert war wie die meisten von Euch. Versteht mich nicht falsch, ich erkenne die positive Richtung und weiß (zumindest glaube ich zu wissen) wohin der Roman tendieren soll, aber ich finde eben der erste Teil dieser Lebensgeschichte weist erhebliche Schwächen auf. Ich frage mich gerade, ob er meiner Meinung nach überhaupt so viel hergibt, um als eigenständiger Band der Biografie eine Existenzberechtigung zu haben, oder einfach als Vorgeschichte in den anderen Teilen hätte aufgehen sollen. Dabei geht es mir nicht um die vermeintliche Handlungsarmut des Plots prinzipiell. In einer Lebensbiografie darf meiner Meinung auch auch mal eine Weile nichts Außergewöhnliches passieren und ich mochte diese gemächliche Beschreibung der geistigen Entwicklung und der Konkurrenz unter den Mädchen sehr. Mir geht es aber um die Tiefe der angesprochenen Emotionen und Themen. Anstatt als übergeordnete Autoreninstanz auch mal über Familien, Gewalt und das Armenghetto in Neapel ein bisschen intensiver zu reflektieren, wenn auch aus kindlicher Sicht (indirekte Andeutungen gab es ja genug) drehen sich zwei Drittel der Gedanken der Mädchen um die Frage, wer in wen verliebt ist, wer manipuliert werden kann etc. Dieser Ringelpietz mit Anfassen aller weiblichen Figuren ist so oberflächlich und widerlich. Fast könnte man meinen, der Roman hieße die Bachelorettes, gleich einem Gäseblümchen werden die Blüten ausgerissen "X liebt Y, Z liebt Y nicht, oder doch? Mir ist schon klar, dass es auch solche amurösen Gedanken in der Jugend gibt, aber wenn man dem Ghetto entkommen möchte, und auch noch begabt bis hochbegabt sein soll, macht man sich auf jeden Fall in seinem Leben nicht hauptsächlich und vorwiegend Gedanken darüber, pubertierende testosteronabsondernde Burschen möglichst effizient zu manipulieren. Das wäre eine derartig unnütze Zeitverschwendung, deren ich intelligente Menschen, auch wenn sie sehr jung sind, für nicht würdig erachte. Vor allem ist man zudem auch in ganz jungen Jahren schon durchaus im Stande, die vorherrschende Gewalt zu reflektieren und darunter zu leiden. Was sollen diese in Mikrodosen eingeworfenen lapidaren Anspielungen im Vergleicht zum raumgreifenden lebensgreifenden verliebten nutzlosen Geschwätz? Sehr unrealistisch! Ich weiß wirklich wovon ich spreche, bin ich doch in noch viel prekäreren familiären Verhältnissen aufgewachsen als die Protagonisten und habe es aus dem Glasscherbenviertel bis auf die Universität geschafft. Wobei möglicherweise hatte ich Glück und wurde auf Grund meiner Begabung, in eine streng katholische sehr leistungsorientierte Mädchenschule gesteckt. Für uns waren Gespäche über Burschen zwar auch wichtig, aber sie bestimmten nicht derart unser Leben, unser Denken und unsere Entwicklung. Einzig und allein die so grausam und bösartig skizzierte schielende, hinkende, peinliche, dumme, böse Mutter von Linu (Elena Greco) hat einen Funken von Realismus und Verstand in ihrem Schädel und versucht die richtigen Dinge in für ihre Tochter in die Wege zu leiten. Auch wenn sie anfangs ob der Armut und weil sie nicht weiß, wie sie das Geld zusammenkratzen soll, gegen die weiterführende Schule ist, unterstützt sie ihre Tochter dann immer wieder sehr verbissen in ihrem Weg, oft gegen die Meinung ihres Mannes und auch oft selbst gegen die Unvernunft ihrer Tochter, ihr Leben einfach aus lauter Dummheit und Übermut gegen die Wand zu fahren. Denn Elena hat nicht 1000 Chancen wie viele andere reiche Kids sondern wahrscheinlich immer nur eine, um sich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Einen weiteren gravierenden Kritikpunkt muss ich auf der stilistischen Seite anbringen. Die Autorin schmeißt in dem ganzen Ringelspiel der Verliebtheit zusätzlich bei der Beschreibung des neapolitanischen Stadtteils Rione auch inflationär, verwirrend und sehr unstrukturiert für die Geschichte zum Erwähnungszeitpunkt unzählige unnötige Verwandte und noch irrelevante Kinder der Hauptfamilien in den Plot. Das ist wie bei einem Wimmelbild aus Rione oder wie bei Gabriel Garcias Amazonasgewimmel 100 Jahre Einsamkeit. Einige der Figuren haben auch noch Spitznamen, die dann auch noch abwechselnd eingestreut werden und zusätzlich für Chaos sorgen. Das muss nicht sein! Können die Figuren bitte eingeführt werden, wenn sie gebraucht werden - das geht handwerklich besser und viel übersichtlicher ohne ein Jota am Plot zu verändern. Warum ich mir aber sicher bin, dass die Geschichte im zweiten und dritten Teil besser wird, dafür sorgt der geniale Einstieg in den Roman. Die 66-jährige Lila, die im Buchtitel angesprochene geniale Freundin, haut aus ihrem Leben ab, verschwindet und tilgt sich selbst zuvor und alle Erinnerungen an sich. Kein Schnipsel, kein Ding bleibt in ihrer Wohnung, aus den Fotos hat sie sich herausgeschnitten. Der längst erwachsene, mehr als 30jährige Versagerstubenhocker, genannt Sohn, ist fassungslos. Das ist eine Bombenidee seinen Roman so zu beginnen und macht dem Leser Lust auf das Ende der Geschichte in Band 3. Weiters habe ich nun hoffentlich jede auch noch so irrelevante Person des Stadtteils kennengelernt, hab eine ungefähre Ahnung der verwandtschaftlichen, freundschaftlichen und feindschaftlichen Struktur des Viertels und es bleibt zu wünschen, dass ich in einem weiteren Entwicklungschritt im Gymnasium nicht nochmals 1000 neue, für die Geschichte total unwesentliche Leute kennenlernen muss. Fazit: Ganz Ok, aber nicht sehr gut sondern mit einigen gravierenden Schwächen behaftet. Ich hoffe und erwarte, dass die Saga irgendwann einmal auch wirklich so gut wird, wie es von vielen begeistert angekündigt wurde. Da ist also noch VIIIEEEL Luft nach oben. Deshalb runde ich die nicht ganz erreichten 3,5 Sterne auch ab.
5 Wows
Elena Ferrantes erster Band der großen neapolitanischen Saga – Meine geniale Freundin – wurde zu einem wahrlich großen Erfolg. Unter dem Hashtag #ferrantefever kann man im Internet den weltweiten Erfolg samt den unendlich vielen positiven Kritiken und Eindrücken zu ihrer Saga verfolgen. Vier Bände wird die Saga im gesamten umfassen und jetzt ist auch zu Beginn des neuen Jahres schon der zweite Band – Die Geschichte eines neuen Namens – im Handel erschienen. Die Geschichte der getrennten Wege und Die Geschichte des verlorenen Kindes werden auch noch in diesem Jahr erhältlich sein. Das empfinde ich als sehr positiv, möchte man doch unbedingt und schnellstmöglich wissen, wie die Saga weitergeht. „Ist der Hype denn wirklich berechtigt“, mag sich da sicher der ein oder andere fragen. Ich aus meiner ganz persönlichen Sicht kann nur sagen: JA, ist er! Ich tue mir wirklich schwer, gehypte Bücher sofort zu lesen. Meist überfordert es mich und ich verliere das Interesse, bis sich der allgemeine Sturm gelegt hat. Diesmal war das anders. Die Leseprobe hatte mich schon dermaßen überzeugt und ich schwamm freiwillig auf der großen Welle mit. Und es lohnte sich so sehr, denn dieses Buch entwickelte sich zu meiner persönlichen Buchperle 2016. Die Schriftstellerin schreibt unter Pseudonym und solch eine Entscheidung ist meiner Meinung nach immer voll und ganz zu respektieren, da es ihr persönlicher Wunsch war. Im vergangenen Oktober erschien in der FAZ ein Bericht des Journalisten Claudio Gatti, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, die Identität hinter dem Pseudonym Elena Ferrante zu lüften. „Warum denn nur“ war da mein erster in der Tat sehr erschrockener Gedanke und ich beschloss, diese Berichte und den ganzen Medienrummel darum vollkommen zu ignorieren. für mich persönlich ist es nicht wichtig, zu wissen, wer sich tatsächlich hinter dem Namen verbirgt. Ganz im Gegenteil: Es entstand sogar eher ein gewisser „Zauber“ des vollkommen unbekannten, den ich gar nicht recht in Worten beschreiben kann. Ich machte mir meine ganz eigenen Gedanken zu Elena Ferrante und überlegte, ob es eventuell auch ein Teil ihrer eigenen Geschichte sein könnte und so entspann sich dann daraus (m)eine ganz eigene Geschichte zur Person hinter dem Buch. Dies wollte ich gerne auch für die folgenden Bände der Saga beibehalten und habe daher bis heute noch kein Bericht oder Statement zur Enthüllung des Pseudonyms „Ferrante“ gelesen. Wer auch immer dieses Buch geschrieben hat, es ist einfach ein unglaublich einnehmendes und so ehrliches, intensives Werk geworden, dass mich wirklich sehr berührte. Ich fühlte mich schon nach wenigen Seiten ins Neapel der 50er Jahre versetzt – speziell in das ärmliche Viertel Rione – denn die Autorin versteht es wunderbar, ihre Leser auf diese besondere Reise abzuholen. Detaillierte, aber niemals langatmige Beschreibungen sorgen dafür, dass man einen sehr guten Einblick in die Gesellschaft dieser Zeit bekommt. Das Leben in dem kleinen neapolitanischen Dorf, in dem die zwei begabten Mädchen „Lila“ Raffaella und „Elena“, meist Lennucia oder Lenù genannt, aufwachsen, ist den Zeiten entsprechend rau und hart. Aber doch verbirgt sich hinter den oftmals brüsk erscheinenden, vom Leben geprägten Fassaden der Dorfbewohner immer wieder ein weicher, verletzlicher Kern. Die Zeiten sind noch sehr Männerdominierend und die Hierarchien innerhalb einer Familie daher klar und strikt. Auf die Bildung der Mädchen wird meist von oben herabgesehen oder sie wird erst gar nicht geduldet. Familie und Familienwerte, Freundschaft, Zusammenhalt – das sind große, aber auch sehr facettenreiche Themen. Wie entsteht eigentlich Freundschaft und was beeinflusst sie? Was bedeutet eigentlich „eine Bindung fürs Leben?“ Kann Konkurrenzdenken Freundschaft zerstören? Schaffen es die Mädchen, ihre Träume zu realisieren und dem Milieu zu entfliehen? Ferrante ist es gelungen, ein großartigen Porträt einer Mädchenfreundschaft mit all seinen zum Teil auch gesellschaftlich aufgezwungenen Höhen und Tiefen zu erstellen. MEINE GENIALE FREUNDIN befasst sich mit der Kindheit und anfänglichen Jugend von Lila und Elena. Im nächsten Teil DIE GESCHICHTE EINES NEUEN NAMENS erleben wir die komplette Jugendzeit der beiden Freundinnen und ich bin sehr gespannt, wie es den beiden weiter ergehen wird.
Wow

KOMMENTARE

Das hat Suhrkamp schon ganz schön gut hingekriegt - mit dem Hype um die Autorin, aber warum muss sich dann wieder ein Journalist hervortun und unbedingt die wahre Identität enthüllen??
Felix: Hier müsst Ihr wohl noch mal ans ePub....
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