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Elena Ferrante

Meine geniale Freundin

Ist Teil der Reihe
Neapolitanische Saga
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ZUSAMMENFASSUNG
Sie könnten unterschiedlicher kaum sein und sind doch unzertrennlich, Lila und Elena, schon als junge Mädchen beste Freundinnen. Und sie werden es ihr ganzes Leben lang bleiben, über sechs Jahrzehnte hinweg, bis die eine spurlos verschwindet und die andere auf alles Gemeinsame zurückblickt, um hinter das Rätsel dieses Verschwindens zu kommen. Im Neapel der fünfziger Jahre wachsen sie auf, in einem armen, überbordenden, volkstümlichen Viertel, derbes Fluchen auf den Straßen, Familien, die sich seit Generationen befehden, das Silvesterfeuerwerk artet in eine Schießerei aus. Hier gehen sie in die Schule, die unangepasste, draufgängerische Schustertochter Lila und die schüchterne, beflissene Elena, Tochter eines Pförtners, beide darum wetteifernd, besser zu sein als die andere. Bis Lilas Vater seine noch junge Tochter zwingt, dauerhaft in der Schusterei mitzuarbeiten, und Elena mit dem bohrenden Verdacht zurückbleibt, eine Gelegenheit zu nutzen, die eigentlich ihrer Freundin zugestanden hätte. Ihre Wege trennen sich, die eine geht fort und studiert und wird Schriftstellerin, die andere wird Neapel nie verlassen, und trotzdem bleiben Elena und Lila sich nahe, sie begleiten einander durch erste Liebesaffären, Ehen, die Erfahrung von Mutterschaft, durch Jahre der Arbeit und Episoden politischer Bewusstwerdung, zwei eigensinnige, unnachgiebige Frauen, die sich nicht zuletzt gegen die Zumutungen einer brutalen, von Männern beherrschten Welt behaupten müssen. Sie bleiben einander nahe, aber es ist stets eine zwiespältige Nähe: aus Befremden und Zuneigung, aus Rivalität und Innigkeit, aus Missgunst und etwas, das größer und stiller ist als Lieben. Liegt hier das Geheimnis von Lilas Verschwinden? Elena Ferrante hat ein literarisches Meisterwerk von unermesslicher Strahlkraft geschrieben, ein von hinreißenden Figuren bevölkertes Sittengemälde und ein zupackend aufrichtiges Epos - über die rettende und zerstörerische, die weltverändernde Kraft einer Freundschaft, die ein ganzes langes Leben währt.
BIOGRAFIE
Elena Ferrante hat sich mit dem Erscheinen ihres Debütromans im Jahr 1992 für die Anonymität entschieden. Ihre vierbändige Neapolitanische Saga - bestehend aus Meine geniale Freundin, Die Geschichte eines neuen Namens, Die Geschichte der getrennten Wege und Die Geschichte des verlorenen Kindes - ist ein weltweiter Bestseller. Zuletzt erschienen im Suhrkamp Verlag auch Ferrantes frühere Romane Lästige Liebe, Tage des Verlassenwerdens und Frau im Dunkeln, sowie der Band Frantumaglia, der Briefe, Aufsätze und Interviews versammelt.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
29.08.2016
Ausgabe
Hardcover
ISBN
9783518425534
Sprache
German
Seiten
422
Schlagworte
Frauenfreundschaft, Geschenk für Frauen, Spiegel-Bestseller, beste freundin geschenk, 20. Jahrhundert, Bücher Bestseller 2016, Geschenke für Mama, Muttertag, Bücher Bestseller 2017, Spiegel Bestseller, 21. Jahrhundert, Bücher Bestseller 2018, Muttertagsgeschenk, Freundschaft, Mafia
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REZENSIONEN
Bewertet von Mia, awogfli und 3 andere
justmiaslife
awogfli
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Nach all den unterschiedlichen Meinungen war ich sehr gespannt, was ich von dem Roman "Meine geniale Freundin" von Elena Ferrante halten würde. Zu meiner großen Freude kann ich sagen, dass mich die Geschichte der beiden neapolitanischen Freundinnen total begeistert hat. Die Geschehnisse werden recht nüchtern und zum Teil durch lange Aufzählungen erzählt und der ein oder andere Leser empfand dies sicherlich als langatmig oder als Füllmaterial für ein dickeres Buch. Ich dagegen denke, dass man dadurch als Leser einen besseren Eindruck von Elena erhält. Auch im hohen Alter erinnert sie sich noch an sehr viele Einzelheiten, vor allem an Menschen in ihrer Umgebung. Elena ist ein Mensch mit einer besonderen Beobachtungsgabe, der zudem auch sensibel sein könnte, und dem deshalb die Schicksale von Freunden und Bekannten nahe gehen. Die Autorin lässt Elena munter drauf los erzählen und den Leser sein eigenes Bild von Elena machen. So empfindet jeder Leser anders. Ich zum Beispiel empfand es nicht langatmig, sondern eher geheimnisvoll. Zudem sorgt dir ausdrucksstarke und warmherzige Sprache dafür, dass ich das Gefühl hatte, in jeder Situation wirklich dabei zu sein. In meinem Kopf konnte ich mir das Neapel der 50er Jahre und seine Bewohner sehr plastisch vorstellen. Diese beiden Aspekte machen das Buch für mich zu einem ganz besonderen Werk. Die Handlung steht hier nicht im Fokus, im Vergleich zu anderer moderner Literatur. Vielmehr versteht es Elena Ferrante die Gefühle und Gedanken der Ich - Erzählerin in den alltäglichen Situationen spannend und bildhaft in Worte zu fassen. Dies ist meiner Meinung nach viel schwieriger als eine handlungsorientierte Geschichte fortzuschreiben. Als einen spannenden Aspekt empfinde ich, dass das Buch mit dem Verschwinden von Lila im hohen Alter beginnt und wir nun aber erst einmal die Lebensgeschichte ab der Kindheit erzählt bekommen. Dadurch habe ich Lila ganz besonders in den Schilderungen ihrer Freundin Elena beobachtet, um Anhaltspunkte zu finden, warum sie diesen Schritt getan haben könnte. Dies finde ich sehr fesselnd und so freue ich mich auf die nächsten Bände, um irgendwann diesem Rätsel auf die Schliche zu kommen.
Wow
Tja ich muss Euch gestehen, dass ich von Band 1 dieser Neapolitanischen Saga nicht ganz so begeistert war wie die meisten von Euch. Versteht mich nicht falsch, ich erkenne die positive Richtung und weiß (zumindest glaube ich zu wissen) wohin der Roman tendieren soll, aber ich finde eben der erste Teil dieser Lebensgeschichte weist erhebliche Schwächen auf. Ich frage mich gerade, ob er meiner Meinung nach überhaupt so viel hergibt, um als eigenständiger Band der Biografie eine Existenzberechtigung zu haben, oder einfach als Vorgeschichte in den anderen Teilen hätte aufgehen sollen. Dabei geht es mir nicht um die vermeintliche Handlungsarmut des Plots prinzipiell. In einer Lebensbiografie darf meiner Meinung auch auch mal eine Weile nichts Außergewöhnliches passieren und ich mochte diese gemächliche Beschreibung der geistigen Entwicklung und der Konkurrenz unter den Mädchen sehr. Mir geht es aber um die Tiefe der angesprochenen Emotionen und Themen. Anstatt als übergeordnete Autoreninstanz auch mal über Familien, Gewalt und das Armenghetto in Neapel ein bisschen intensiver zu reflektieren, wenn auch aus kindlicher Sicht (indirekte Andeutungen gab es ja genug) drehen sich zwei Drittel der Gedanken der Mädchen um die Frage, wer in wen verliebt ist, wer manipuliert werden kann etc. Dieser Ringelpietz mit Anfassen aller weiblichen Figuren ist so oberflächlich und widerlich. Fast könnte man meinen, der Roman hieße die Bachelorettes, gleich einem Gäseblümchen werden die Blüten ausgerissen "X liebt Y, Z liebt Y nicht, oder doch? Mir ist schon klar, dass es auch solche amurösen Gedanken in der Jugend gibt, aber wenn man dem Ghetto entkommen möchte, und auch noch begabt bis hochbegabt sein soll, macht man sich auf jeden Fall in seinem Leben nicht hauptsächlich und vorwiegend Gedanken darüber, pubertierende testosteronabsondernde Burschen möglichst effizient zu manipulieren. Das wäre eine derartig unnütze Zeitverschwendung, deren ich intelligente Menschen, auch wenn sie sehr jung sind, für nicht würdig erachte. Vor allem ist man zudem auch in ganz jungen Jahren schon durchaus im Stande, die vorherrschende Gewalt zu reflektieren und darunter zu leiden. Was sollen diese in Mikrodosen eingeworfenen lapidaren Anspielungen im Vergleicht zum raumgreifenden lebensgreifenden verliebten nutzlosen Geschwätz? Sehr unrealistisch! Ich weiß wirklich wovon ich spreche, bin ich doch in noch viel prekäreren familiären Verhältnissen aufgewachsen als die Protagonisten und habe es aus dem Glasscherbenviertel bis auf die Universität geschafft. Wobei möglicherweise hatte ich Glück und wurde auf Grund meiner Begabung, in eine streng katholische sehr leistungsorientierte Mädchenschule gesteckt. Für uns waren Gespäche über Burschen zwar auch wichtig, aber sie bestimmten nicht derart unser Leben, unser Denken und unsere Entwicklung. Einzig und allein die so grausam und bösartig skizzierte schielende, hinkende, peinliche, dumme, böse Mutter von Linu (Elena Greco) hat einen Funken von Realismus und Verstand in ihrem Schädel und versucht die richtigen Dinge in für ihre Tochter in die Wege zu leiten. Auch wenn sie anfangs ob der Armut und weil sie nicht weiß, wie sie das Geld zusammenkratzen soll, gegen die weiterführende Schule ist, unterstützt sie ihre Tochter dann immer wieder sehr verbissen in ihrem Weg, oft gegen die Meinung ihres Mannes und auch oft selbst gegen die Unvernunft ihrer Tochter, ihr Leben einfach aus lauter Dummheit und Übermut gegen die Wand zu fahren. Denn Elena hat nicht 1000 Chancen wie viele andere reiche Kids sondern wahrscheinlich immer nur eine, um sich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Einen weiteren gravierenden Kritikpunkt muss ich auf der stilistischen Seite anbringen. Die Autorin schmeißt in dem ganzen Ringelspiel der Verliebtheit zusätzlich bei der Beschreibung des neapolitanischen Stadtteils Rione auch inflationär, verwirrend und sehr unstrukturiert für die Geschichte zum Erwähnungszeitpunkt unzählige unnötige Verwandte und noch irrelevante Kinder der Hauptfamilien in den Plot. Das ist wie bei einem Wimmelbild aus Rione oder wie bei Gabriel Garcias Amazonasgewimmel 100 Jahre Einsamkeit. Einige der Figuren haben auch noch Spitznamen, die dann auch noch abwechselnd eingestreut werden und zusätzlich für Chaos sorgen. Das muss nicht sein! Können die Figuren bitte eingeführt werden, wenn sie gebraucht werden - das geht handwerklich besser und viel übersichtlicher ohne ein Jota am Plot zu verändern. Warum ich mir aber sicher bin, dass die Geschichte im zweiten und dritten Teil besser wird, dafür sorgt der geniale Einstieg in den Roman. Die 66-jährige Lila, die im Buchtitel angesprochene geniale Freundin, haut aus ihrem Leben ab, verschwindet und tilgt sich selbst zuvor und alle Erinnerungen an sich. Kein Schnipsel, kein Ding bleibt in ihrer Wohnung, aus den Fotos hat sie sich herausgeschnitten. Der längst erwachsene, mehr als 30jährige Versagerstubenhocker, genannt Sohn, ist fassungslos. Das ist eine Bombenidee seinen Roman so zu beginnen und macht dem Leser Lust auf das Ende der Geschichte in Band 3. Weiters habe ich nun hoffentlich jede auch noch so irrelevante Person des Stadtteils kennengelernt, hab eine ungefähre Ahnung der verwandtschaftlichen, freundschaftlichen und feindschaftlichen Struktur des Viertels und es bleibt zu wünschen, dass ich in einem weiteren Entwicklungschritt im Gymnasium nicht nochmals 1000 neue, für die Geschichte total unwesentliche Leute kennenlernen muss. Fazit: Ganz Ok, aber nicht sehr gut sondern mit einigen gravierenden Schwächen behaftet. Ich hoffe und erwarte, dass die Saga irgendwann einmal auch wirklich so gut wird, wie es von vielen begeistert angekündigt wurde. Da ist also noch VIIIEEEL Luft nach oben. Deshalb runde ich die nicht ganz erreichten 3,5 Sterne auch ab.
5 Wows
Elena Ferrantes erster Band der großen neapolitanischen Saga – Meine geniale Freundin – wurde zu einem wahrlich großen Erfolg. Unter dem Hashtag #ferrantefever kann man im Internet den weltweiten Erfolg samt den unendlich vielen positiven Kritiken und Eindrücken zu ihrer Saga verfolgen. Vier Bände wird die Saga im gesamten umfassen und jetzt ist auch zu Beginn des neuen Jahres schon der zweite Band – Die Geschichte eines neuen Namens – im Handel erschienen. Die Geschichte der getrennten Wege und Die Geschichte des verlorenen Kindes werden auch noch in diesem Jahr erhältlich sein. Das empfinde ich als sehr positiv, möchte man doch unbedingt und schnellstmöglich wissen, wie die Saga weitergeht. „Ist der Hype denn wirklich berechtigt“, mag sich da sicher der ein oder andere fragen. Ich aus meiner ganz persönlichen Sicht kann nur sagen: JA, ist er! Ich tue mir wirklich schwer, gehypte Bücher sofort zu lesen. Meist überfordert es mich und ich verliere das Interesse, bis sich der allgemeine Sturm gelegt hat. Diesmal war das anders. Die Leseprobe hatte mich schon dermaßen überzeugt und ich schwamm freiwillig auf der großen Welle mit. Und es lohnte sich so sehr, denn dieses Buch entwickelte sich zu meiner persönlichen Buchperle 2016. Die Schriftstellerin schreibt unter Pseudonym und solch eine Entscheidung ist meiner Meinung nach immer voll und ganz zu respektieren, da es ihr persönlicher Wunsch war. Im vergangenen Oktober erschien in der FAZ ein Bericht des Journalisten Claudio Gatti, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, die Identität hinter dem Pseudonym Elena Ferrante zu lüften. „Warum denn nur“ war da mein erster in der Tat sehr erschrockener Gedanke und ich beschloss, diese Berichte und den ganzen Medienrummel darum vollkommen zu ignorieren. für mich persönlich ist es nicht wichtig, zu wissen, wer sich tatsächlich hinter dem Namen verbirgt. Ganz im Gegenteil: Es entstand sogar eher ein gewisser „Zauber“ des vollkommen unbekannten, den ich gar nicht recht in Worten beschreiben kann. Ich machte mir meine ganz eigenen Gedanken zu Elena Ferrante und überlegte, ob es eventuell auch ein Teil ihrer eigenen Geschichte sein könnte und so entspann sich dann daraus (m)eine ganz eigene Geschichte zur Person hinter dem Buch. Dies wollte ich gerne auch für die folgenden Bände der Saga beibehalten und habe daher bis heute noch kein Bericht oder Statement zur Enthüllung des Pseudonyms „Ferrante“ gelesen. Wer auch immer dieses Buch geschrieben hat, es ist einfach ein unglaublich einnehmendes und so ehrliches, intensives Werk geworden, dass mich wirklich sehr berührte. Ich fühlte mich schon nach wenigen Seiten ins Neapel der 50er Jahre versetzt – speziell in das ärmliche Viertel Rione – denn die Autorin versteht es wunderbar, ihre Leser auf diese besondere Reise abzuholen. Detaillierte, aber niemals langatmige Beschreibungen sorgen dafür, dass man einen sehr guten Einblick in die Gesellschaft dieser Zeit bekommt. Das Leben in dem kleinen neapolitanischen Dorf, in dem die zwei begabten Mädchen „Lila“ Raffaella und „Elena“, meist Lennucia oder Lenù genannt, aufwachsen, ist den Zeiten entsprechend rau und hart. Aber doch verbirgt sich hinter den oftmals brüsk erscheinenden, vom Leben geprägten Fassaden der Dorfbewohner immer wieder ein weicher, verletzlicher Kern. Die Zeiten sind noch sehr Männerdominierend und die Hierarchien innerhalb einer Familie daher klar und strikt. Auf die Bildung der Mädchen wird meist von oben herabgesehen oder sie wird erst gar nicht geduldet. Familie und Familienwerte, Freundschaft, Zusammenhalt – das sind große, aber auch sehr facettenreiche Themen. Wie entsteht eigentlich Freundschaft und was beeinflusst sie? Was bedeutet eigentlich „eine Bindung fürs Leben?“ Kann Konkurrenzdenken Freundschaft zerstören? Schaffen es die Mädchen, ihre Träume zu realisieren und dem Milieu zu entfliehen? Ferrante ist es gelungen, ein großartigen Porträt einer Mädchenfreundschaft mit all seinen zum Teil auch gesellschaftlich aufgezwungenen Höhen und Tiefen zu erstellen. MEINE GENIALE FREUNDIN befasst sich mit der Kindheit und anfänglichen Jugend von Lila und Elena. Im nächsten Teil DIE GESCHICHTE EINES NEUEN NAMENS erleben wir die komplette Jugendzeit der beiden Freundinnen und ich bin sehr gespannt, wie es den beiden weiter ergehen wird.
Wow
collectionofbookmarks
Wieso spricht die ganze Welt von diesem Buch? Warum ist es von der Bestsellerliste nicht mehr wegzudenken? Was macht die Geschichte rund um die beiden Freundinnen Lila und Elena so besonders? Ich konnte es mir nicht erklären und wollte es eigentlich auch nicht, aber manchmal schleicht sich ein Buch auf zufälligem Wege doch in das eigene Regal und wird dann einfach mal aufgeschlagen. Nur selten passiert es mir, dass ich bei den ersten Sätzen eines Romans sofort weiß, dass ich alles stehen und liegen lassen und weiterlesen sollte, und auch wenn ich mir manchmal wünschte, nicht auf den Zug der Lobesgesänge von bereits dermaßen angepriesenen Büchern aufspringen zu müssen, so kann ich euch in diesem Fall trotzdem nur eines sagen: ich habe es geliebt. Der Sog, der diesem Buch innewohnt, packte mich ab der ersten Seite. Es war jedoch weniger die Freundschaft der beiden Mädchen, die mich zum Weiterlesen trieb, als vielmehr die Umstände, in die sie hineingeboren wurden. Zwei heranwachsende, kluge Geschöpfe gefangen in der Unterschicht Italiens, die für Erfolg und Geld sehr viel, für Bildung aber wesentlich weniger übrig hat. Elena, deren Eltern ihr das Betreten der Mittelschule und des Gymnasiums erlauben, Lila, deren ernormes Potential ungenutzt in der Schusterstube des Vaters versauert. Ein Abbild der Ungerechtigkeit einer Gesellschaft, die sich bis heute nicht groß verändert hat und die dem Leser vor Augen führt, was Bildung ausmachen kann und wem sie verwehrt wird. Es war mein Studienfach, welches mich in den letzten Monaten dazu gebracht hat, immer mehr über Bildung nachzudenken, sodass ich das Buch wahrscheinlich anders gelesen habe, als die meisten Leser. Dennoch möchte ich behaupten, dass sich der Roman (und vielleicht die ganze Saga) auch für jene lohnt, die dem Thema nicht ganz so viel abgewinnen können. Die Figuren sind greifbar, die Situationen authentisch und brutal ehrlich und man kann am Ende nicht leugnen, dass man wissen will, wie es für die beiden Freundinnen weitergeht. Ich habe die Reihe in dem Glauben begonnen, sie nach dem ersten Buch abzubrechen, jetzt giere ich jedoch nach mehr und freue mich schon wahnsinnig auf den zweiten Band.
1 Wow
Elena und Lila wachsen in Rione, einem ärmlichen Vorort von Neapel, in den 50er und 60er Jahren auf. Beide verbindet eine in meinen Augen etwas eigentümliche Freundschaft, die gut 6 Jahrzehnte halten wird. Dann verschwindet Lila plötzlich so, als hätte es sie nie gegeben. Elena will dieses Verschwinden nicht akzeptieren und entschließt sich daher (angeblich) dieses Buch über ihr Leben und ihre Freundin zu schreiben. So viel zum Thema des Buches... Bleiben wir zunächst bei den positiven Aspekten: dem Schreibstil. Den habe ich durchweg als sehr angenehm und leicht zu lesen empfunden. Ich war sofort in der Geschichte und konnte mich auch längere Zeit darauf einlassen. Aber.... Es ändert nichts an der Tatsache, dass die Story gut gedacht ist, jedoch einfach unnötig in die Länge gezogen wird wie Gummi. 422 Seiten, in denen knapp 10 Jahre abgehandelt werden. Kleinigkeiten werden erzählt, als wären sie weltbewegend. Gut - vielleicht waren sie für eine 8 oder 9jährige weltbewegend, aber diesem Alter sind die meisten Leser leider entwachsen. Die Autorin verzettelt sich m. E. in überflüssigen Einzelheiten, die die Geschichte nur künstlich in die Länge ziehen. Auf eine - ich kann es nicht anders sagen - regelrecht geschwätzige Art und Weise. Es erinnert an Menschen, die beim Erzählen vom Hölzchen auf Stöckchen kommen und nach 1 Std. weiß man immer noch nicht, was derjenige eigentlich erzählen wollte. Dazu kommt, dass die von vielen so hoch gepriesene "lebenslange Freundschaft" für mich nur sehr schwer nachvollziehbar ist. Gerade Lena geht mir ziemlich auf den Nerv, weil sie bei allem und jedem zwar immer nur an Lila denkt - aber leider nicht, weil sie sich um sie sorgt oder sie sie einfach vermisst, sondern eher als Dauer-Konkurrentin. Beständig fühlt sie sich ihr gegenüber benachteiligt, weil Lila klüger, stärker, selbstbewusster, raffinierter und als Jugendliche dann auch noch schöner ist als sie. Dieses ganze Buch lang ist sie ausschließlich bestrebt, es ihr zumindest gleichzutun oder sogar noch besser zu werden. Es quält sie regelrecht, dass Lila nicht einmal eine weiterführende Schule besuchen muss, um genauso gut oder sogar noch besser Latein zu lernen als sie. Weil sie es sich selbst erarbeiten kann mit Büchern aus der Bibliothek und nicht die Schulbank dafür drücken muss. Und es ärgert sie beständig, dass Lila sie nicht beneiden will. Das wäre das, was Elena am meisten ersehnt. Dass ihre Freundin sie so beneidet, wie es umgekehrt der Fall ist. An kaum einer Stelle fand ich wirkliche Empathie mit Lila, keine Freude über deren Erfolge, sondern als sie feststellt, dass diese durch die Verlobung in die bessere Gesellschaft aufsteigt, wo sie nicht hingehört, geht sie sogar eher auf Abstand. Angeblich, weil Lila nicht mehr sie selbst ist. M. E. aber eher, weil sie nicht mehr mithalten kann, da Lila sie überholt hat, obwohl sie nicht weiter zur Schule gegangen ist. Was für ein Hype wurde und wird um dieses Buch (bzw. die 4 Bücher) gemacht! Ich kann es beim besten Willen nicht nachvollziehen. Es ist ein gut lesbares und auch durchaus unterhaltsames Buch, vor allem für Menschen, die gerne dahinziehende Familien-Epen lesen mögen. Aber mehr auch nicht! "Ein literarisches Meisterwerk von unermesslicher Strahlkraft..."? Also wirklich... Regelrecht sauer bin ich jedoch über das Ende des Buches - falls man es denn überhaupt so nennen kann. So etwas von Cliffhanger habe ich bisher noch nicht erlebt! Zumindest hätte man das Buch einigermaßen abschließen können (z. B. mit dem Ende der Hochzeitsfeier oder dem Aufbruch in die Flitterwochen). Stattdessen hört es praktisch mitten in einer Szene auf und hinterlässt in mir nur noch das fade Gefühl, hier total ausgenommen und veräppelt zu werden. Für mich ist das ein Grund, mir definitiv nicht mehr das Folgebuch anzutun. Wer es so nötig hat, für den weiteren Verkauf zu solchen Mitteln zu greifen, der verkauft an mich nichts mehr! Das hat einen von den beiden Sternen gekostet, die ich ansonsten vergeben hätte. Mag sein, dass italienische Leser so etwas akzeptieren oder sogar noch spannend finden. Ich finde es unmöglich! Warum hat man in Deutschland nicht die Bücher zeitlich sinnvoll gerafft und stattdessen nur 2 dickere Bücher herausgebracht, die man evtl. besser und sinnvoller hätte voneinander trennen können. M. E. ist das bloße Geldmacherei. Zumal ja in Italien längst alle Bücher erschienen waren und hier eine sofortige Veröffentlichung des Komplettwerks durchaus möglich gewesen wäre. Insgesamt betrachtet war dieses Buch für mich demnach ein Reinfall.
Wow

KOMMENTARE

Das hat Suhrkamp schon ganz schön gut hingekriegt - mit dem Hype um die Autorin, aber warum muss sich dann wieder ein Journalist hervortun und unbedingt die wahre Identität enthüllen??
Felix: Hier müsst Ihr wohl noch mal ans ePub....
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