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ZUSAMMENFASSUNG
Seit ihrer Geburt lebt Pearl im Auto, sie vorne, ihre Ausreißer-Mutter auf der Rückbank. Vierzehn Jahre stehen die beiden jetzt schon am Rande eines Trailerparks irgendwo in Florida. Draußen vor der Windschutzscheibe ist die Welt den Waffen verfallen: Kinder wachsen mit Pistolen statt Haustieren auf, Schießübungen immer und überall, mal Alligatoren, mal den Fluss, mal Polizisten im Visier, und sonntags sitzt man beim Gottesdienst mit der geschulterten Schrotflinte in der ersten Reihe. Doch im Ford Mercury wirken andere Kräfte, hier lernt Pearl das Träumen. Bis ein schöner Mann und seine Pistolen alles verändern ... Gun Love handelt vom Zauber zwischen Mutter und Tochter inmitten des Irrsinns. In strahlenden Bildern erzählt Jennifer Clement eine Geschichte, in der Liebe und Hass, Fantasie und Wirklichkeit haltlos ineinanderfallen. Das literarische Stimmungsbild einer ganzen Nation.
BIOGRAFIE
Jennifer Clement, 1960 in Connecticut geboren, wuchs in Mexiko-Stadt auf, studierte in New York und Paris Literaturwissenschaft und hat Lyrik und drei Romane veröffentlicht. Als Präsidentin des P.E.N. International kämpft sie im Namen von Autoren weltweit für das Recht auf freie Meinungsäußerung. Gebete für die Vermissten, ihr Roman über die Schicksale gestohlener Mädchen in Mexiko, war ein internationaler Erfolg.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
17.02.2020
Ausgabe
Paperback
ISBN
9783518470305
Sprache
German
Seiten
251
Schlagworte
Teenager, Pflegekind, Mutter und Tochter, Waise, Coming of Age, Trailer Park, Florida, Waffen, Waffengewalt, Waffenschmuggel
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REZENSIONEN
Bewertet von seehase1977 und Anne (milkysilver...
seehase1977
milkysilvermoon
Amerikas Waffenleidenschaft – ein dramatischer und gesellschaftskritischer Roman Als Pearl und ihre Mutter in den Ford Mercury ziehen ist ihre Mutter 17 und Pearl gerade erst geboren. Das Auto steht seit mittlerweile 14 Jahren auf dem Parkplatz am Rande eines Trailerparks irgendwo in Florida. Die Welt um sie herum frönt ihrer Waffenbegeisterung. Waffenbesitz ist so selbstverständlich wie Essen und Trinken, Schießübungen sind an der Tagesordnung und Pistolen und Gewehre beliebter als Haustiere. Doch Pearl und ihre Mutter leben in ihrem Ford Mercury in ihrer eigenen kleinen Traumwelt, bis ein Mann namens Eli im Trailerpark auftaucht und alles verändert… Meine Meinung: Das außergewöhnliche Cover von „Gun Love“ hat mein Interesse geweckt, der interessant klingende Klappentext hat das Übrige dazu getan. Jennifer Clement hat einen außergewöhnlichen Roman geschrieben, der einen kritischen Blick auf die Gesellschaft und die zweifelhafte Liebe der Amerikaner auf ihre Waffen wirft. Clement ist Präsidentin des P.E.N. und kämpft international im Namen von Autoren überall auf der Welt auf das Recht auf freie Meinungsäußerung. „Ich wuchs in einem Auto auf, und wenn man im Auto lebt,hat man keine Angst vor Blitz und Donner, das Einzige, wovor man Angst hat, ist der Abschleppwagen.“ Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Mädchens Pearl. Obwohl ihr zu Hause ein Auto ist und sie ein richtiges Dach über dem Kopf nie kennen gelernt hat, führen sie und ihre Mutter Margot ein normales und irgendwie auch glückliches Leben, denn zwischen den beiden liegt ein ganz besonderer Zauber inmitten des Wahnsinns um sie herum. Waffen bestimmen den Alltag der Menschen im Trailerpark, in dem vom Kriegsversehrten bis hin zum korrupten Priester alle Menschentypen vertreten sind. Als ein Waffenschmuggler namens Eli auftaucht, wird alles anders. Der Mann verdreht Mutter Margot den Kopf und Pistolen und Gewehre sind in Pearls überschaubarem Umfeld plötzlich präsenter denn je. Bis es zu einer Katastrophe kommt, die Pearls sowieso schon schwieriges Leben von einem Tag auf den anderen verändert. Es ist harte Kost, die Jennifer Clement ihren Lesern hier auf dem Silbertablett serviert! Eine Story in der Hass, Liebe, Fantasie und Wirklichkeit miteinander verschmelzen und die die Autorin in eindringlichen Bildern und wunderschönen, fast poetisch anmutenden Sätzen eingebettet hat. Es wird ein wahrheitsgetreues Bild von einem Teil der heutigen amerikanischen Gesellschaft reflektiert, das aufwühlt und betroffen macht. Pearl ist ein Charakter den ich sofort ins Herz geschlossen habe. Ein starkes, aufgewecktes Mädchen und in ihrer Art unheimlich authentisch. Ihre Mutter Margot hingegen ist eine Frau, die sich oft in Träumen verliert und Pearl immer wieder mit ihren fantasievollen Illusionen verzaubert. „Manchmal würde ich mir wünschen, nochmal ganz von vorne anzufangen. Ich will mich wieder in meine Zukunft verlieben. Meine Mutter hat immer jede Menge solcher Geburtstagskerzen-Wünsche“. Das Ende der Geschichte bleibt offen und hinterlässt viele ungeklärte Fragen, lässt dem Leser somit aber Raum für eigene Gedanken und Schlussfolgerungen. Mein Fazit: „Gun Love“ zeichnet eine unromantische Skizze der amerikanischen Unterschicht. Waffen, Gewalt, Armut und Arbeitslosigkeit. Dazwischen strahlt aus der Trostlosigkeit die junge Pearl, der man nur das Beste wünscht. Jennifer Clement schreibt eindringlich, kraftvoll und bildhaft und bringt so ein Stück trauriges Amerika in die Wohnzimmer ihrer Leser. Ein absolut lesenswertes Buch!
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Anne (milkysilvermoon)
Schon seit ihrer Geburt lebt die 14-jährige Pearl mit ihrer Mutter Margot France in einem Auto, einem Ford Mercury. Er steht am Rande eines Trailerparks, nahe einer giftigen Müllkippe und einem Fluss mit Alligatoren, in Florida. Eigentlich wollte Margot, die als Teenager von einem Lehrer geschwängert wurde, dort nur einen kurzen Zwischenstopp einlegen. Mit 16 Jahren ist sie aus ihrem reichen, aber kalten Elternhaus mit dem heimlich geborenen Baby ausgerissen. Aber das Provisorium ist zum Dauerzustand geworden. Während Margot im Inneren des Wagens ihre Tochter das Träumen lehrt, herrscht draußen die brutale Realität. Die Welt der Waffen wird immer präsenter. Das Unheil nimmt seinen Lauf, als Eli Redmond auftaucht und Margot den Kopf verdreht. Auch er ist der Macht der Schusswaffen verfallen… „Gun Love“ ist ein aufwühlender Roman von Jennifer Clement. Meine Meinung: Der Roman besteht aus drei Teilen mit insgesamt 42 Kapiteln. Erzählt wird chronologisch in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Pearl. Dieser Aufbau funktioniert gut. Der oftmals sehr poetisch anmutende Schreibstil ist besonders und eine der großen Stärken des Romans. Immer wieder beweist die Autorin ihre Sprachgewalt. Starke, eindringliche Bilder und treffende Metaphern transportieren die Atmosphäre sehr gut. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen vor allem Pearl und ihre Mutter Margot. Die beiden stellen reizvolle Charaktere dar, die schnell mein Mitgefühl hatten. Ihr Schicksal konnte mich berühren. Auch viele der Nebenfiguren finde ich interessant. Die Charaktere des Romans sind zum Teil etwas überzeichnet, was meinen Lesegenuss jedoch nicht geschmälert hat. Ein großer Pluspunkt ist die gesellschaftskritische Komponente des Romans. Die Waffenversessenheit vieler US-Amerikaner und der illegale Handel mit diesen Todesbringern werden schonungslos beleuchtet. Dieses Thema regt zum Nachdenken an. Welche negativen Konsequenzen eine waffenfreundliche Gesetzgebung haben kann und welcher Irrsinn mit Waffen betrieben wird, wird in der Geschichte eindrucksvoll dargestellt. Dieser knallharten Realität, der Pearl und Margot durch ihre Quasi-Obdachlosigkeit ausgesetzt sind, werden das romantisch-verklärte Denken und die Träumereien der Mutter entgegengestellt, was einen schönen Kontrast erzeugt. Allerdings triftet der Roman stellenweise etwas ins Kitschige ab. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht. Sie nimmt nur langsam Fahrt auf, was mich aber nicht gestört hat. In der zweiten Hälfte wird das Geschehen zunehmend dramatischer. Jedoch fällt der Roman dann leider ein wenig ab. Ich habe die Geschichte als Hörbuch in der ungekürzten Ausgabe gehört. Es wird von Edith Stehfest gesprochen, die mit einer kindlich-verträumten Stimme gut zum Inhalt des Romans passt. Das deutsche Cover weicht deutlich vom Original ab, passt aber inhaltlich ebenfalls. Der treffende, prägnante Titel wurde aus dem Amerikanischen übernommen. Mein Fazit: „Gun Love“ von Jennifer Clement ist ein Roman, der durch seine aktuelle Thematik eine empfehlenswerte Lektüre ist. Eine Geschichte, die eine Weile nachhallt.
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