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ZUSAMMENFASSUNG
Deutschland im November 1938. Otto Silbermanns Verwandte und Freunde sind verhaftet oder verschwunden. Er selbst versucht, unsichtbar zu bleiben, nimmt Zug um Zug, reist quer durchs Land. Inmitten des Ausnahmezustands. Er beobachtet die Gleichgültigkeit der Masse, das Mitleid einiger Weniger. Und auch die eigene Angst. »Ein wirklich bewegender, aber auch instruktiver Text. Ein großer Gewinn! Für einen Dreiundzwanzigjährigen ein ganz erstaunliches Werk.« Brigitte Kronauer Der jüdische Kaufmann Otto Silbermann, ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft, wird in Folge der Novemberpogrome aus seiner Wohnung vertrieben und um sein Geschäft gebracht. Mit einer Aktentasche voll Geld, das er vor den Häschern des Naziregimes retten konnte, reist er ziellos umher. Zunächst glaubt er noch, ins Ausland fliehen zu können. Sein Versuch, illegal die Grenze zu überqueren, scheitert jedoch. Also nimmt er Zuflucht in der Reichsbahn, verbringt seine Tage in Zügen, auf Bahnsteigen, in Bahnhofsrestaurants. Er trifft auf Flüchtlinge und Nazis, auf gute wie auf schlechte Menschen. Noch nie hat man die Atmosphäre im Deutschland dieser Zeit auf so unmittelbare Weise nachempfinden können. Denn in den Gesprächen, die Silbermann führt und mithört, spiegelt sich eindrücklich die schreckenerregende Lebenswirklichkeit jener Tage.
BIOGRAFIE
Ulrich Alexander Boschwitz, geboren am 19. April 1915 in Berlin, emigrierte 1935 gemeinsam mit seiner Mutter zunächst nach Skandinavien, wo sein erster Roman erschien. Der Erfolg ermöglichte ihm ein Studium an der Pariser Sorbonne. Während längerer Aufenthalte in Belgien und Luxemburg entstand »Der Reisende«, der 1939 in England und wenig später in den USA und in Frankreich veröffentlicht wurde. Kurz vor Kriegsbeginn wurde Boschwitz in England trotz seines jüdischen Hintergrunds als »enemy alien« interniert und nach Australien gebracht, wo er bis 1942 in einem Camp lebte. Auf der Rückreise wurde sein Schiff von einem deutschen U-Boot torpediert und ging unter. Boschwitz starb im Alter von 27 Jahren, sein letztes Manuskript sank wohl mit ihm.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
10.02.2018
Ausgabe
Hardcover
ISBN
9783608981230
Sprache
German
Seiten
303
Schlagworte
Zweiter Weltkrieg, Menschen, Verrat, Nazis, Leben, Freunde, Judenverfolgung, Deutschland, Drittes Reich, Pogrom, Mitgefühl, Nazideutschland, Reise, Flucht
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REZENSIONEN
Bewertet von monerl
monerl
Meine Meinung “Was war ich? Nein, was bin ich? Was bin ich eigentlich? Ein Schimpfwort auf zwei Beinen, dem man es nicht ansieht, dass es ein Schimpfwort ist!” (Zitat aus Hörbuch) Ein Buch, durch das ich regelrecht geflogen bin. Ich fühlte mich getrieben, wie auch der Protagonist Otto Silbermann, der leider viel zu spät erkannt und akzeptiert hat, dass er als Jude, auch wenn ihm die Religion immer herzlich egal war, in Deutschland keine Heimat mehr hat. Er wollte nicht wahrhaben, dass so jemand wie er, der im 1. Weltkrieg für Deutschland gekämpft hatte, nun ein Niemand sein soll, dem man das Deutsch-Sein absprach. Mit seinem letzten Hab und Gut, einer Aktentasche voller Geld, versucht er sich ins Ausland abzusetzten. Doch es ist zu spät. So findet er sich wieder als Reisender mit der Deutschen Reichsbahn, die gleichermaßen Freiheit und Gefängnis für ihr geworden ist. Man fühlt die wachsenden Ängste, die Verzweiflung und die Resignationsgedanken des Protagonisten. Es gibt keinen Ausweg. Soll er sich seinem Ende ergeben? Doch welchem Ende? Der Gefangenschaft im KZ, dem Tod oder gar dem Freitod? Durch das Nachwort erfährt der*die Leser*in, dass der Roman starke auto- bzw. familienbiografische Züge aufweist. Ulrich Alexander Boschwitz floh 1935 mit seiner Mutter nach Schweden und es ist sehr tragisch, dass dieser damals noch sehr junge Autor 1942 mit dem Schiff unterging und starb, auf dem er sich auf der Rückreise vom Internierungslager von Australien nach England befand, das von einem deutschen U-Boot torpediert wurde. (Quelle: Wikipedia) Boschwitz erzählt intensiv und sehr eindrücklich über die Zeit in Deutschland, kurz bevor der 2. Weltkrieg ausbrach. Man spürt ganz deutlich, wie ihn diese Veränderung durcheinander brachte und er nicht nachvollziehen konnte, wie unmenschlich und unwürdig Juden nun behandelt wurden. In seinem Roman setzt er sich mit verschiedenen Denkansätzen von Deutschen, ob Juden oder Nicht-Juden, auseinander. Er geht soweit, dass er Otto Silbermann die Juden hassen lässt, die in seinen Augen für sein Schicksal verantwortlich sind, denn durch sein recht arisches Aussehen könnte er als Nicht-Jude durchgehen, wenn nicht dieses große, gelbe “J” in seinem Pass leuchten und ihn anprangern würde. Fazit Ein absolut lesens- und hörenswertes Buch, das als ein gelungenes zeitgeschichtliches Dokument die dunkle Zeit in Deutschland und Europa beschreibt, das heute leider wieder thematisch sehr aktuell geworden ist. Sei es auf den Judenhass bezogen wie auch auf den Umgang mit Menschen, die aus Kriegsgebieten fliehen und wie mit ihnen in Deutschland und Europa umgegangen wird. Man kann nach der Lektüre sehr gut sehen, wie die Vergangenheit die Gegenwart wieder eingeholt hat und in eine neue Sprialebene mündet und sich weiter dreht.
2 Wows

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