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Nicole Boyle Rodtnes

Wie das Licht von einem erloschenen Stern

Jugendbücher
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ZUSAMMENFASSUNG
Vega wird aus ihrem Teenagerleben gerissen, als sie nach einem Unfall nicht mehr sprechen kann. Die 17-Jährige kämpft wütend und frustriert mit ihrem Schicksal, das sie immer mehr zu einer sprachlosen Außenseiterin macht. Ein ergreifender Roman, emotional und packend geschrieben. Seit Vega bei einer Feier gestürzt ist, leidet sie an Aphasie. Sie kann nicht sprechen, kaum lesen und mit noch größerer Mühe schreiben. Auch die Beziehung zu ihrer besten Freundin Ida und ihrem Freund Johan gibt ihr keinen Halt, denn sie kommen mit ihrer Krankheit nicht zurecht. Vega fühlt sich innerlich wie tot und zieht sich immer mehr zurück. Bis sie Theo trifft, der ebenfalls an Aphasie leidet und beide merken, dass sich zusammen leichter ein Weg in ein neues Leben finden lässt.
BIOGRAFIE
Nicole Boyle Rødtnes, geb. 1985, gründete 2002 den Verein »Hoffnungsvolle junge Schriftsteller«, der zahlreiche erfolgreiche dänische Schrift steller hervorgebracht hat. 2010 debütierte sie mit dem Roman »Dødsbørn«, dem ersten Band einer Serie, der bei einem kleinen Verlag herauskam und schnell sehr erfolgreich wurde. Bei Beltz & Gelberg erschien von ihr bereits die Trilogie "Die Töchter der Elfe" und der Roman "Wie das Licht von einem erloschenen Stern".

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
29.04.2016
Ausgabe
Hardcover
ISBN
9783407821041
Sprache
German
Seiten
243
Schlagworte
Schwestern, Krankheit, Gehirnschaden, Liebe, Aphasie, Sprache, Sprachverlust
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REZENSIONEN
Bewertet von miss_pageturner und Simone Scamander
miss_pageturner
leselurch
miss_pageturner
Es ist immer wieder erfrischend, wenn Autoren sich Themen widmen, die bisher wenig bis gar keine Beachtung fanden. Ich persönlich hatte bis dato noch nie etwas von Aphasie gehört und ich denke den meisten Lesern wird es ebenso ergehen. Umso beeindruckender fand ich, mit welchem Feingefühl die Autorin dieses Leiden thematisiert. Vega ist ein ganz normaler Teenager. Durchschnittlich in der Schule, frisch verliebt, mit einer besten Freundin und einer Schwester mit der sie sich immer mal wieder zankt. Ganz normal eben. Doch alles ändert sich als sie bei einer Party in einen halb vollen Pool stürzt und dabei mit dem Hinterkopf aufschlägt. Diagnose: Gehirnblutung, Teile des Sprachzentrums sind abgestorben: Aphasie. Vega muss das Sprechen ganz von vorne lernen. Ihre Gedanken sind ganz normal, aber wenn sie diese laut aussprechen will, kommt nur unverständliches Gebrabbel heraus. Auch lesen und schreiben fällt ihr unglaublich schwer. Wie sich also mitteilen? Wie bewältigt man den Alltag, wenn schon eine einfache Bestellung im Cafè Probleme bereitet? Der Mensch ist ein soziales Wesen und die Kommunikation die Grundlage jedes Miteinander. Wer nicht kommunizieren kann ist isoliert und das fühlt auch Vega. Die Autorin schafft es die Einsamkeit und die Verzweiflung sich nicht mitteilen zu können bez. der Frust wenn der Gegenüber wieder nichts versteht sehr eindringlich zu beschreiben. Das Buch ist aber nicht nur düster, denn genauso wie man die Tiefs mit Vega miterlebt, werden auch die Lichtblicke gut geschildert. Mir hat gut gefallen, dass Vega auch Rückschläge hat, denn eine Wunderheilung ist nun mal ein Wunschglauben und sich von einem Gehirnschaden wieder zu erholen braucht nun mal Zeit und ist ein steiniger Weg. Auch gut gefallen hat mir der Handlunsgort: Dänemark. Ist mal etwas anderes, obwohl ich es sehr gewöhnungsbedürftig fand, dass Lehrer mit Vornamen angesprochen werden =D Wieder was gelernt. Was mir ein bisschen gefehlt hat ist die Tiefe in den anderen Charakteren. Während man von Vega ein umfassendes und vielseitiges Bild bekommt, bleiben ihre Mutter, Schwester und Freude doch etwas blass. Auch aus Theo hätte man noch mehr rausholen können, wobei er als Charakter doch deutlicher ausgereift ist, als die eben genannten. Hin und wieder fand ich auch die Übersetzung etwas komisch. So wird z.B ständig von Fest geredet, wo jeder normaler Mensch Party verwenden würden. Jugendliche feiern Partys und keine Feste. Was das Ende angeht. Hm es passt zum restlichen Buch, ohne Frage und ist auch gut gemacht, aber gewünscht hätte ich mir doch noch etwas mehr, aber das ist meine persönliche Vorliebe. So wie es ist ist es rund und das zählt. Fazit: Ein faszinierendes und eindringliches Buch das sehr realitätsnah schildert was mit einem Mädchen passiert, dem auf einmal die Sprache fehlt. Die Nebencharaktere blieben etwas blass, dafür lernt man die Protagonistin sehr gut kennen.
Wow
Simone Scamander
Worum geht's? Vega leidet unter Aphasie. Seit sie während einer Party in den Pool gestürzt und sich dabei den Kopf angeschlagen hat, hat sie die Worte verloren. Sie kann weder lesen noch schreiben, und auch das Sprechen fällt ihr schwer: Ständig fallen ihr die falschen Worte aus dem Mund. Dabei will Vega unbedingt sprechen. Über die Nacht des Unfalls und die Träume, die sie seither nicht zur Ruhe kommen lassen. Vega vermutet, geschubst worden zu sein. Aber warum? Als sie während eines Workshops Theo kennenlernt, fasst Vega endlich wieder Mut. Zusammen mit ihm macht sie sich auf Spurensuche - und findet mehr und mehr zurück ins Leben. Meine Meinung: »Wie kurz war denn ihr Rock?«, frage ich. Oder genauer gesagt, ich glaube, das gefragt zu haben, aber das Runzeln auf Idas Stirn sagt mir, dass etwas anderes aus meinem Mund gekommen ist. »Wie kost war das Fest?«, wiederhole ich, und jetzt höre auch ich, dass es nicht richtig war. (S. 12+13) Wie fühlt es sich an, wenn man von heute auf morgen seine Sprache verliert? Wenn aus Buchstaben plötzlich wirre Zeichen werden und den eigenen Namen zu schreiben schwieriger wird als eine mathematische Gleichung zu lösen? In „Wie das Licht von einem erloschenen Stern“ beschäftigt sich Autorin Nicole Boyle Rødtnes mit eben diesen Fragen, denn ihre Protagonistin Vega leidet seit einem schweren Unfall unter der Krankheit Aphasie. Mit hartem Training ist es Betroffenen in manchen Fällen möglich, das Sprechen wieder zu erlernen, doch Vegas Therapeutin ist nach ihrer letzten Einschätzung nicht allzu hoffnungsvoll. An dieser Stelle setzt der Roman an. Jedes Kapitel wird zunächst mit einer kleinen Erinnerung eingeleitet, in der Vega den Unfall und die Zeit im Krankenhaus Revue passieren lässt. Bruchstückhaft, aber hochemotional schildern diese kleinen Szenen, wie grauenerregend diese Momente für das junge Mädchen gewesen sind. Die Schmerzen, die Verzweiflung, als im Krankenhaus keine ganzen Worte, sondern nur sinnloses Gebrabbel aus ihrem Mund kommt, stellt die Autorin mit ihrem prägnanten Schreibstil so deutlich und ergreifend dar, dass man beim Lesen eine Gänsehaut bekommt. Und je mehr Vega herausfindet, je mehr Erinnerungen zurückkehren, desto kribbeliger wird das Leseerlebnis. In der Gegenwart geht es dramatisch weiter. Zu Beginn des Buches kann Vega kaum mehr als ihre Grundbedürfnisse ausdrücken. Das vor dem Unfall so lebensfrohe und lustige Mädchen, das mit ihrer besten Freundin herumgealbert und mit ihrem festen Freund die Liebe in vollen Zügen genossen hat, zieht sich mehr und mehr zurück. Während Ida weiterhin versucht, für Vega da zu sein, stellt die Aphasie Johan und sie vor große Probleme. Nicole Boyle Rødtnes beschreibt sehr authentisch und realistisch, wie die Jugendlichen mit der Krankheit umgehen. Sie schafft es nicht nur, Vegas Gedanken und Gefühle realitätsnah darzustellen, sondern auch ihre Bekannten und Verwandten so handeln zu lassen, als würde man keine fiktive Geschichte, sondern eine Autobiografie lesen. Und teilweise stimmt das ja auch: In ihrem Nachwort erklärt Nicole Boyle Rødtnes, dass es ihr aus persönlichen Gründen ein großes Anliegen war, dieses Buch zu schreiben. Ihr Herzblut spürt man in jedem Wort. Der Roman nimmt eine entscheidende Wendung, als Vega beschließt, an einem Workshop mit anderen von Aphasie betroffenen Jugendlichen teilzunehmen. Dort lernt sie Theo kennen, einen Jungen in ihrem Alter, der sich die Krankheit unter ähnlichen Umständen zugezogen hat. Die beiden Patienten haben sofort einen Draht zueinander, können ungezwungen miteinander auf ihre eigene Weise kommunizieren, und endlich wieder sie selbst – und keine Opfer! – sein. Ihre Beziehung zu Theo wirft Vega allerdings vor ganz neue Probleme, die wie selbstverständlichen ihren Weg in die Handlung finden. In „Wie das Licht von einem erloschenen Stern“ wirkt nichts aufgesetzt, gespielt oder unnatürlich, im Gegenteil: Der Roman besticht mit seiner Realitätsnähe und geht unter die Haut. Etwas enttäuscht hat mich zunächst, dass die Bedeutung von Vegas Träumen sehr schnell offensichtlich wurde. Immer und immer wieder spielt Vegas Traum, während der Party in den Pool geschubst worden zu sein, eine tragende und äußerst belastende Rolle. Sie hat schwer mit diesem Verdacht zu kämpfen, den sie mit niemandem außer Theo teilen kann, und dies setzt Nicole Boyle Rødtnes auch gelungen um. Aufmerksame Leser werden sehr früh schon eine Theorie entwickeln können, die sich mit jedem Hinweis stärker festigt und schlussendlich eine spektakuläre Enthüllung verhindert. Diese Enttäuschung verfliegt mit der letzten Seite des Buches aber sehr schnell. Man schlägt „Wie das Licht von einem erloschenen Stern“ mit einem sehr positiven Gefühl zu und wird sich schnell bewusst: Es ging hier gar nicht um den großen Plot-Twist oder um ein gut gehütetes Geheimnis. Der Fokus liegt ganz klar auf Vega und ihrer Art und Weise, mit der Aphasie umzugehen, mit ihr leben zu lernen und niemals den Mut und die Hoffnung zu verlieren. Die Spurensuche war bloß ein gut in Szene gesetzter Handlungsstrang, der zwischen den Buchdeckeln für das richtige Tempo und den Pageturner-Faktor sorgt. Und das ist Nicole Boyle Rødtnes bestens gelungen! Fazit: „Wie das Licht von einem erloschenen Stern“ von Nicole Boyle Rødtnes ist ein ergreifend ehrliches Buch über ein Thema, mit dem sich wohl die wenigsten schon beschäftigt haben: Aphasie. Die Autorin erzählt von der 17-jährigen Vega, die nach dem Verlust der Sprache hart darum gekämpft, zurück ins Leben zu finden. Wie fühlt es sich an, weder lesen, schreiben noch sprechen zu können? Was bedeutet die Krankheit für einen selbst und für seine Verwandten und Freunde, für seine Liebe? Wohin mit all der Wut, der Angst und der Trauer, wenn man für sie keine Worte mehr findet? Nicole Boyle Rødtnes nimmt sich in dieser Fragen mit viel Gefühl und noch mehr Authentizität an, sodass man sich zwischen den Buchdeckeln auf eine hochemotionale, bewegende und bedrückende Geschichte gefasst machen muss. Für mich ein außergewöhnliches Must-Read, das nicht nur gelesen werden will, sondern auch gelesen werden muss! Für „Wie das Licht von einem erloschenen Stern“ vergebe ich 5 Lurche.
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