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ZUSAMMENFASSUNG
Zwei alte Schulfreunde. Craig war früher der charismatische Anführer, zu dem alle aufschauten und der zum Rockstar avancierte. Alan stand stets im Abseits, war Mitläufer. Dreißig Jahre später haben sich die Vorzeichen radikal geändert. Alan ist erfolgreicher Gourmetkritiker und Bestsellerautor, während sich Craig als Obdachloser auf Londons Straßen rumtreibt. Das Schicksal führt die beiden wieder zusammen. Alan greift seinem alten Freund unter die Arme und versucht ihn wieder auf die richtige Bahn zu bringen. Und bald ist nichts mehr so wie es war.
BIOGRAFIE
John Niven, geboren 1966 in Schottland, spielte in den 80er-Jahren Gitarre bei der Indieband The Wishing Stones und arbeitete nach dem Studium als A&R-Manager einer Plattenfirma, bevor er sich 2002 dem Schreiben zuwandte. 2006 erschien sein erstes Buch Music from Big Pink. 2008 landete er mit dem Roman Kill Your Friends einen internationalen Bestseller. Es folgten zahlreiche weitere Romane, darunter Kultklassiker wie Coma oder Gott bewahre. Neben Romanen schreibt John Niven Drehbücher. Er wohnt in der Nähe von London.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
14.10.2019
Ausgabe
Paperback
ISBN
9783453677289
Sprache
German
Seiten
352
Schlagworte
Absturz, Sozialer Abstieg, Freundschaft, London, Gesellschaftssatire, Schottland, Rockstar, Gesellschaftsroman, britischer Humor
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REZENSIONEN
Bewertet von Bris Buchstoff
bri
Bris Buchstoff
Keine gute Tat bleibt unbestraft Alan, Ende vierzig, ist Restaurantkritiker mit eigener wöchentlicher Kolumne und sich gut verkaufenden Kochbüchern. Seinen schottischen Akzent hat er schon vor Jahren geglättet, lebt er doch in der Nähe von London und will auch dort verstanden werden. Mit seiner Frau Katie, selbst Kolumnistin mit hoher Affinität zu den verschiedensten Internet-Kanälen, und ihren drei gemeinsamen Kindern, die ohne große nennenswerte Schwierigkeiten aufwachsen, lebt er außerhalb Londons auf dem Land. Zu Geld kommen mussten sie nicht wirklich, entstammt Katie doch einer reichen und angesehenen englischen Familie, die sogar einen riesigen Landsitz ihr eigen nennen darf. Dass dieser jedoch auch so seine Tücken hat – das Dach leckt, die Sanitärleitungen sind mehr als marode und die Mehrzahl der Zimmer meist nicht bewohnt – tut dem äußeren Schein keinen Abbruch. Um solche Besitztümer zu halten, werden schließlich auch andernorts Besucher eingelassen. Man kann also getrost sagen: Alan lebt ein äußerst privilegiertes Leben. Sympathisch an ihm ist, dass er sich dessen durchaus bewusst ist und sich glücklich schätzt. Ab und an denkt er an seine Jugend in Schottland zurück. Ein wenig wehmütig vielleicht an die kurze Zeit, in der er Mitglied einer Band war. Sein damals bester Kumpel Craig war der Kopf der Band und schaffte es mit ihr und der gemeinsamen Musik sogar bis in die USA, bevor er dann mehr oder wenig sang- und klanglos von der Bildfläche verschwand. Doch wie sagt man so schön? Man trifft sich im Leben immer zweimal. Allerdings erkennt Alan Craig nicht auf Anhieb, als ihn dieser mitten in London auf einem Pappkarton sitzend anspricht. Nach der ersten Überraschung lädt Alan Craig natürlich auf ein Bier ein, bei dem es ebenso natürlich nicht bleibt. Nach einem Zug um die durchaus nobleren Häuser bringt Alan es nicht fertig, Craig wieder zu seinem Schlafplatz auf der Straße zurückkehren zu lassen. Denn Craig ist tatsächlich obdachlos. Ein Penner. Nach kurzer Absprache mit Katie nimmt Alan Craig mit nach Hause zu seiner Familie und quartiert ihn, trotz eines gewissen inneren Unwohlseins, im Gästezimmer ein. Nur für ein paar Tage soll es sein, doch wie es so oft ist, kommt es erstens anders und zweitens als man denkt. In seinem neuesten Buch – im englischen trägt es den Titel No good deeds, der wiederum an das chinesische Sprichwort „No good deed goes unpunished“ erinnert, das besagt, dass keine gute Tat unbestraft bleibt – führt John Niven seine Leser*innen wieder einmal gekonnt unspektakulär mit viel Insiderwissen sowohl in das Leben der englischen Upper Class als auch die geschäftlichen Gepflogenheiten der Foodblogger und Restaurantkritiker ein. Staunend liest man von Unsummen, die erwirtschaftet und wieder ausgegeben werden, ebenso unglaublich erscheint der sagenhafte Alkoholkonsum, der gesellschaftlich jedoch komplett anerkannt ist, ganz zu schweigen von anderen Substanzen, die den Weg in den menschlichen Organismus finden. Dabei frühstückt er locker leicht alle, aber auch wirklich alle Bereiche unserer modernen Gesellschaft ab, die uns früher oder später in die Bredouille bringen werden, weil viele Menschen aufgrund ihrer Erziehung so etwas wie Lebenstüchtigkeit nicht mehr kennen werden. Häufiges Kopfnicken meinerseits begleitete also die bissige, aber durchaus amüsante Lektüre. Alan ist mir mitsamt Familie, trotz des finanziellen und damit gesellschaftlichen Unterschieds, nicht unsympathisch, stammt er doch selbst aus Arbeiterverhältnissen und ist nicht wirklich ein Snob. Ein Genießer, ja, Snob jedoch ist er in meinen Augen nicht. Auch einige der Verhaltensweisen heutiger Eltern, die er völlig zu Recht in Frage stellt, beobachte ich tagtäglich mit Staunen. "Sie hatten sich in der langen Autoschlange vor der Schule eingereiht, die sich dort jeden Morgen bildete, um zu verhindern, dass der kostbare Nachwuchs am hellichten Tag in Begleitung Dutzender anderer Kinder und in Sichtweite zahlreicher Passanten und Autofahrer, ein paar hundert Meter zu Fuß zurücklegen musste." Kurz nur mal btw: Die Klassenfahrt meines Sohnes nächstes Jahr steht noch in den Sternen, da die Lehrerinnen auf dem letzten Wandertag entsetzt feststellen mussten, dass viele der Kinder bereits nach einigen hundert Metern ernsthaft darüber klagten, nicht mehr laufen zu können. Mittlerweile sehe ich diese Autoschlangen glücklicherweise nicht mehr vor der Schule, da unser Sohn seinen Schulweg alleine bestreitet und das sehr gerne. Während man als Leser*in also den Alltag der englischen Upper Class verfolgt, der durchaus auch seine situationskomischen Momente bereithält, schleicht sich sehr subtil, aber dennoch deutlich das Gefühl ein, dass hier großes Ungemach lauert. Auch die Richtung, aus der es wohl kommen mag, lässt sich erahnen, wobei Niven uns den Spaß lässt, selbst mitzudenken. Die Route, auf die er uns schickt, ist zwar nicht immer bestens ausgeleuchtet, aber dafür gibt er uns eben die kleine Taschenlampe, sprich kleinste Andeutung, die er Brotkrumen gleich fallen lässt, mit auf die Reise. Das macht richtig Freude. Und so kommt es, wie es kommen muss: Das Bösartige erhält seinen Auftritt, und gäbe es nicht wirklich loyale Freunde, die kühlen Kopf bewahren, gäbe es nicht den Einfluß gewisser Menschen, so wäre am Schluß wohl alles anders. Nivens Ende macht aber auch sehr deutlich, dass nichts im Leben als garantiert oder selbstverständlich gelten sollte. Der Meister der scharfen Beobachtung zerlegt uns, unsere Gewohnheiten und Beziehungen, gesellschaftliche Gepflogenheiten und Missstände präzise und undogmatisch. Und so ganz nebenbei macht er uns klar, dass manche Verhältnisse sich niemals ändern und eine gut gemeinte Tat nicht gut getan sein muss. "Das Kräfteverhältnis zwischen Männern ist schon früh eine ausgemachte Sache. Es spielte keine Rolle, wie viel Geld und wie viel Erfolg Alan hatte. Es war völlig egal, ob er einen Anzug aus reinem Gold trug und Craig nackt in der Gosse lag. Alan würde immer versuchen, Craig zu beeindrucken. Und Craig würde Alan immer dafür verachten."
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