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Lisa O'Donnell

Bienensterben

Ist Teil der Reihe
DuMont Taschenbücher
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ZUSAMMENFASSUNG
»Unglaublich spannend. Da stockt einem der Atem.« CHRISTINE WESTERMANN Heiligabend in Glasgow: Die fünfzehnjährige Marnie und ihre kleine Schwester Nelly haben gerade ihre toten Eltern im Garten vergraben. Niemand sonst weiß, dass sie da liegen und wie sie dahin gekommen sind. Und die Geschwister werden es niemandem sagen. Irgendwie müssen sie jetzt allein über die Runden kommen, doch allzu viel Geld verdient Marnie als Gelegenheits-Dealerin nicht. So ist es ihnen ganz recht, als ihr alter Nachbar Lennie, stadtbekannter (vermeintlicher) Perversling, sich plötzlich für sie interessiert. Lennie merkt bald, dass die Mädchen seine Hilfe brauchen. Er nimmt sich ihrer an und gibt ihnen so etwas wie ein Zuhause. Als die Leute jedoch beginnen, Fragen zu stellen, zeigen sich erste Risse in Marnies und Nellys Lügengebäude, und es kommen erschütternde Details aus ihrem Familienleben zum Vorschein, was ihre Lage nur noch komplizierter macht. Mit schnörkelloser Präzision, großem Einfühlungsvermögen und finsterem Humor erzählt Lisa O'Donnell die verstörend komische Geschichte dreier verlorener Seelen, die für sich selbst keine Verantwortung tragen können, aber füreinander bedingungslos einstehen. Enthält eine Leseprobe aus Lisa O'Donnells zweitem Roman 'Die Geheimnisse der Welt'.
BIOGRAFIE
Lisa O'Donnell wurde für ihr Drehbuch >~ e Wedding Gift< mit dem Screenwriting Prize ausgezeichnet. Für ihren Debütroman >Bienensterben< (DuMont 2013) erhielt sie den Commonwealth Writers' Prize. Lisa O'Donnell lebt in Schottland. Stefanie Jacobs überträgt englische und französische Literatur ins Deutsche, u. a. von Lauren Groff, Miranda July, Anthony Marra und Grégoire Hervier.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
12.11.2014
Ausgabe
Paperback
ISBN
9783832162924
Sprache
German
Seiten
319
Schlagworte
Schwestern, Familiendrama, Freundschaft, Erzählungen, Familiengeheimnis, Glasgow, Romane &amp
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REZENSIONEN
Bewertet von biscoteria und Babscha
biscoteria
babscha
Drei Menschen, welche mit ihren Schicksälen verbunden sind und sich gegenseitig versuchen zu stützen. Die beiden Schwestern Marnie,15, und Nelly, 12, haben alles andere als das große Los mit ihren Eltern gezogen. Beide Junkies, arbeitslos und nicht an ihren Kindern interessiert, lassen diese vor sich hinvegetieren. An einem Morgen im Dezember liegt Gene tot im Bett. Izzy die Mutter der beiden, heult und ist verzweifelt. Die Polizei dürfen sie aber nicht rufen. Am nächsten Tag geht sie in den Garten und kommt nicht wieder. Sie hat sich erhängt. So stehen zwei Kinder ohne Erwachsene da. Also greifen sie zur einzigen Maßnahme, die ihnen einfällt, sie begraben beide im Garten. Das ihr Eltern nicht zu Hause sind, fällt aber schon sehr bald auf. Beide lügen und sagen sie wären im Türkeiurlaub. Das glauben auch alle, denn so unsozial wie die Eltern sind, ist das nichts Ungewöhnliches. Somit sind Marnie und Nelly erstmal auf sich allein gestellt. Bis Ihr Nachbar Lennie sich um die beiden kümmert. Aber so eine Geschichte kann ja nicht ohne Probleme verlaufen, auch diese nicht… Marnie ist für ihre 15 Jahre frühreif und weit weg von einer normalen Teenagerin. Sie raucht, kifft und säuft. Hat Sex mit einem Typen, den sie nicht besonders mag und mit einem verheirateten Mann, für den sie dealt. Anders kann sie nicht gewährleisten das sie für sich und ihre Schwester etwas zu Essen auf dem Tisch stehen hat. Trotz dessen ist sie eine Einser Schülerin und macht innerhalb der Schule keinerlei Probleme. Die Lehrer kommen aber nicht mit ihr klar. Sie ist abgemagert und unauffällig. Jedoch lässt man sie in Ruhe, da ihre Noten stimmen. Ihre Freundinnen sind auch speziell. Von der Lust Schauspielerin zu werden, über frisch entdeckte Homosexualität über psychische Störungen ist hier alles vertreten. Marnie liebt ihre Schwester und tut alles Erdenkliche, um ihr zu helfen, auch wenn der Eindruck nach außen hin täuscht. Nelly ist gerade frisch in die Pubertät am kommen und kommt mit der Situation überhaupt nicht zurecht. Der Tod der Eltern ist für sie unwirklich und oftmals macht es den Eindruck als kann sie nicht fassen was passiert ist. Sie sieht sich über ihre Schwester und hat das Gefühl, das diese nur zum Ärger machen lebt. Sie sieht nicht wie sehr diese bemüht ist ihr zu helfen und ihr ein normales Leben zu geben. Schulisch ist Nelly schlechter aber dafür eine begnadete Geigenspielerin. Sie ist so gut, dass sie eigentlich eine Schule für Musiker besuchen müsste. Ihre Art zu denken ist zu alt für sie und ihr Wortschatz und ihre Art sich zu artikulieren passt nicht in unsere Zeit. Aber es macht sie auch besonders und es wirkt wie ein Schutzschild. Die Jungs mögen sie, aber sie will nichts von diesem Wissen. Lennie ist der alte Nachbar. In der Vergangenheit wurde er als Pädophiler ertappt. Dabei ist er als solcher nie mehr im Leben aufgetreten. Zudem der Stricher damals behauptete er wäre 16 und Lennie nur seinen toten Partner vermisste. Er sieht das Elend der Kinder schon lange und nun sieht er sich in der Verantwortung sich um die Kinder zu kümmern. Dies tut er mit Leidenschaft und Freude. Er blüht für sich auf und sieht die Mädels als eigene Kinder. Daher geht er über alle Hindernisse, um den beiden zu helfen und sie sich bei sich zu behalten. Das Buch ist in seiner Gesamtheit ein großes Drama. Die Kinder in einer Familie, wo es an Leid und Verwahrlosung schon kaum mehr eine Steigerung möglich ist. Respekt hat man mit ihnen für das was sie bis jetzt geschafft haben und sich unter den gegebenen Umständen nicht zu sehr gehen lassen. Der Tod der Eltern ist etwas, da hat man dann auch kein Mitleid mit, sondern freut sich schon fast für die Kinder aus der Gefangenschaft herauszukommen. Die Charaktere sind einem sympathisch und man fühlt sich ihnen schnell verbunden. Auch wenn sie mal eine Dummheit begehen, kann man ihnen diese nicht übelnehmen. Tiefgang und Realismus verbinden alle Charaktere. Es ist eine Geschichte, welche uns auch zeigt, dass man nicht wegsehen sollte. Denn das Schicksal der Kinder ist keine Besonderheit, sondern kann uns überall und jederzeit begegnen.
Wow
Es ist Weihnachten 2010, als die Schwestern Marnie, 15, und Nelly, 12, im Garten des elterlichen Hauses in einem sozialen Brennpunkt der Stadt Glasgow ihre beiden ungeliebten Erzeuger, die kurz vorher das Zeitliche gesegnet haben, in einer Nacht- und Nebelaktion notdürtig verscharren. Wie sich das Leben der beiden Mädchen fortan, zumindest im nachfolgenden Jahr, unter dem permanenten und immer stärker werdenden Druck, dass ihr kleines Geheimnis jederzeit auffliegen könnte, so gestaltet, davon erzählt dieses Buch. Und je weiter die Handlung fortschreitet, desto klarer formt sich das bedauernswerte, durchaus realitätsnah gezeichnete Bild von zwei völlig vernachlässigten, verkümmerten Mädchen, die mit ihren durchgeknallten, drogenabhängigen, degenerierten Eltern in einer absoluten Ghettoumgebung aufzuwachsen gezwungen werden. Und das mit sämtlichen Defiziten, die man sich dazu nur vorstellen kann. Ich muss sagen: Hut ab! Vor der Erzählkunst der Autorin, die die ganze traurige Story in permanent wechselnder Perspektive durch die beiden Schwestern und ihren Nachbarn, den alten, nach aussen sonderbaren, im Grunde aber höchst menschlichen, herzensguten Lennie ausbreiten lässt. Sie setzt dabei gerade diese drei Figuren mit ihren ganzen Eigenheiten so gekonnt in Kontrast und Interaktion zueinander, dass es einfach nur Spaß macht, das Buch zu lesen. Hier Marnie, ein völlig abgedrehter illusionsloser Teenager, geprägt durch negative, unsägliche Erlebnisse in Elternhaus und sozialer Umgebung, rauchend, kiffend, dealend, aber im Grunde hellwach und clever und mit einem IQ auf Höchstlevel gesegnet. Dann Nelly, die Kleine, schüchtern, beobachtend, sensibel, der klassischen Musik zugetan, immer angstvoll und abwartend. Und Lennie, ein Mann um die siebzig, schwul, seit langem allein lebend, distinguiert, aber voll im Leben stehend, der sich den Mädchen sodann annimmt und seine schützende Hand über sie hält, so gut es eben geht. Bis sich die Schlinge dann irgendwann zuzieht. Eine wirklich außergewöhnliche, überzeugende Geschichte, in die abzutauchen sich lohnt. Die durchgängig harte, vulgäre, aber nichtsdetotrotz hier völlig angebrachte und den äußeren Umständen entsprechende Sprache des Buches sollte den Leser hierbei allerdings nicht abschrecken. Manchmal ist so was eben so richtig wie erforderlich.
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