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Das Haus in der Claremont Street
Wiebke von Carolsfeld

Das Haus in der Claremont Street

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ZUSAMMENFASSUNG
»Eines der besten kanadischen Debüts des Jahres!« Montreal Gazette »Das Haus in der Claremont Street« ist das viel gelobte Debüt der Deutsch-Kanadierin Wiebke von Carolsfeld, die vor 30 Jahren ihre Laufbahn als Verlagskauffrau bei Kiepenheuer & Witsch begann und dann von Köln nach Kanada auswanderte und dort Filmemacherin wurde. Wie überlebt man das Undenkbare? Tom weigert sich zu sprechen, nachdem seine Eltern auf brutale Weise sterben. Seine unfreiwillig kinderlose Tante Sonya nimmt ihn auf, kommt aber nicht an den traumatisierten Jungen heran. Bald ist Tom gezwungen, erneut umzuziehen, diesmal in die Claremont Street in der Innenstadt von Toronto, in der ihm seine liebenswert-chaotische Tante Rose und sein Weltenbummler-Onkel Will ein Zuhause geben. Mit der Zeit wird Toms Schweigen zu einer mächtigen Präsenz, die es dieser zerrütteten Familie ermöglicht, einander zum ersten Mal wirklich zu hören. Ein Roman darüber, wie mit viel Humor und Liebe selbst aus den schlimmst möglichen Umständen etwas Positives erwachsen kann.
BIOGRAFIE

Wiebke von Carolsfeld ist eine in Deutschland geborene Schriftstellerin und Filmemacherin, die in Montreal lebt. Sie führte bei drei von der Kritik gefeierten Spielfilmen Regie, u.a. »Marion Bridge« und »The Saver« und gewann zahlreiche Preise. Sie ist eine renommierte Cutterin für Spielfilme und gibt internationale Kurse über das Drehbuchschreiben, Filmemachen und den kreativen Prozess. »Das Haus in der Claremont Street« ist ihr erster Roman. 

Dorothee Merkel lebt als freie Übersetzerin in Köln. Zu ihren Übertragungen aus dem Englischen zählen Werke von Edgar Allan Poe, John Banville, John Lanchester und Nickolas Butler.

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REZENSIONEN
Bewertet von verswand, mrsrabe und 3 andere
verswand
mrsrabe
karin1966
casaplanca
schnaeppchenjaegerin
Inhalt: Seitdem Tom seine Mutter durch ein tragisches Ereignis verloren hat, ist er stumm. Seine zwei Tanten und sein Onkel müssen ab sofort Verantwortung für ihn tragen, wobei eine zerrüttete Familie wieder zusammenfinden muss... Meine Meinung: Ich konnte mich sehr gut in die Geschichte einfinden, da zu Beginn ein Einblick von dem gegeben wird, was Tom erlebt hat. Von Beginn an wirkt die melancholische, deprimierende Stimmung auf den Leser ein und nimmt ihn mit in eine Familie voller Geheimnisse. Die Autorin schafft es, jedem einzelnen Mitglied der Familie die Individualität zu verleihen, die es benötigt, um die Konflikte in der Familie präzise darstellen zu können. Das gelingt ihr durch einen Schreibstil, der mitten ins Herz geht, mit treffsicheren Formulierungen. Einen richtigen Spannungsbogen bietet die Geschichte nicht, dafür repräsentiert sie sich vielmehr über die Gefühlsebene der Protagonisten. Man wird dazu verleitet, mit ihnen mitzufiebern und zu bangen, dass sie ihr Happy End finden. Fazit: Ein sehr bewegender Roman über eine zerrüttete Familie.
Wow
Tom ist acht Jahre alt, als sein Vater Russell Mona, Toms Mutter, erschlägt und sich danach selbst tötet. Seither hat Tom kein Wort mehr gesprochen. Das traumatisierte Kind kommt zunächst zu seiner kinderlosen Tante Sonya, die aber bald mit dessen Betreuung überfordert ist. So zieht Tom zu Tante Rose und Onkel Will in die Claremont Street, wo er endlich ein Zuhause finden soll. Nur sehr langsam findet sich Tom in seiner neuen Normalität zurecht. „Das Haus in der Claremont Street“ ist der Debütroman von Wiebke von Carolsfeld. Ihr beruflicher Werdegang führte die Autorin über die Verlagswelt in Deutschland nach Kanada, wo sie als Filmemacherin tätig ist. Es ist grundsätzlich ein berührendes Setting, um das es in diesem Buch geht. Der Prolog ist eindringlich, geht unter die Haut. Ein kleiner Junge verliert „auf einen Schlag“ alles, Mutter, Vater, das Zuhause. Tom zieht sich in seiner Trauer in Schweigen zurück, fühlt sich am Tod der Mutter mitschuldig, weil er ihr nicht helfen könnte. Monas Tod ist aber für die gesamte Familie eine ungeheure Zerreißprobe. Denn genaugenommen schwelen schon immer in dieser Familie unausgesprochene Konflikte. Da ist Sonya, die Perfektionistin in ihrer kleinen sauberen, organisierten Welt. Doch sie leidet an ihrem unerfüllten Kinderwunsch, will Tom zu ihrem „Projekt“ machen an dem sie scheitert. „Nicht einmal in ihren schlimmsten Albträumen hätte sie sich ausgemalt, dass sie einmal hier enden würde, in dieser Speisekammer, mit diesem Jungen, der kein einziges Wort sprach und nicht weinte, ja der sich nicht einmal berühren lassen wollte. Ein Junge, für den sie von jetzt an verantwortlich war. Ein eigenes Kind, von jetzt auf gleich.“ Rose hingegen kämpft an allen Fronten einer Alleinerzieherin: Geldmangel, Zeitmangel, der Sohn ein Pubertist, das Haus eine Bruchbude. Und zu allem Überfluss muss sie auch nicht mit Will, ihrem Bruder, klarkommen, der sich vor jeder Verantwortung drückt, wo er nur kann. Das ganze Familiengefüge droht auseinanderzubrechen: „Was uns nicht umbringt, macht uns stark. Das kann man doch nicht in Gegenwart eines Kindes sagen, das so traumatisiert ist wie Tom!....Und es stimmt nicht einmal. Tom ist nicht stärker, weil er überlebt hat. Keiner von uns ist stärker geworden. Und Mona ist tot. Manchmal bringt einen so eine Scheiße einfach um. Und Tatsache ist, dass keiner von uns irgendetwas unternommen hat, um das zu verhindern.“ Doch anstatt Tom in den Mittelpunkt der Erzählung zu rücken, und damit eine tiefere Beziehung zu dem kleinen Protagonisten aufzubauen, ergeht sich die Geschichte am täglichen Kleinkrieg zwischen den Erwachsenen. Mit derselben Energie, die Rose auf ihre verstopfte Küchenspüle aufwendet, widmet sich die Autorin Nebenschauplätzen der Befindlichkeiten der Geschwister. „…, dass einem Familie nicht immer Sicherheit bietet…Das sollten Sie doch wohl wissen.“ Hier meine ich, will die Autorin zu viel an Themen unterbringen und verliert dabei an Relevanz. Was ich schade finde. Das Haus in der Claremont Street ist ein Buch über Trauma, Verlust und Trauer. Bei diesem Thema hätte mit weniger mehr erreicht werden können.
1 Wow
Karin Leseratte
Das Buch hat mich sofort auf Grund des tollen Covers angesprochen. Von der Autorin habe ich bis jetzt noch nichts gehört. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Die einzelnen Personen sind vortrefflich ausgewählt und mit entsprechenden Eigenschaften versehen. Das Buch ist in mehrere unterschiedliche Kapitel unterteilt, die den jeweiligen Monat behandeln. Zur Geschichte, Tom ist nach dem Tod seiner Eltern schwer traumatisiert und weigert sich zu sprechen. Zunächst kommt er zu seiner Tante Sonja. Diese ist kinderlos und freut sich dem Jungen ein neues zu Hause geben zu können. Doch sie kommt nicht mit ihm zurecht und Tom zieht erneut um. Dieses Mal geht es in die Claremont Street zu seiner Tante Rose. Dort ist alles anders als bei Sonja. Sehr chaotisch und unordentlich aber auch herzlich. Auch wohnt hier noch Onkel Will, der auch sehr eigenwillig und mit einer besonderen Weltauffassung ist. Ob es ihnen gelingt, Zugang zu dem Jungen zu bekommen, wird an dieser Stelle nicht verraten, damit die Spannung erhalten bleibt. Ein sehr kurzweiliges, unterhaltsames Buch, das mir eine tolle Lesezeit geschenkt hat. Ich empfehle es gerne weiter.
Wow
Wortlose Kindheit “Das Haus in der Claremont Street“ von Wiebke von Carolsfeld ist ihr Debütroman und eine sehr bewegende Familiengeschichte. Im Mittelpunkt der Erzählung steht Tom und Tom spricht nicht mehr, seitdem er den Mord und Selbstmord seiner Eltern miterleben mußte. Dieses Trauma des Jungen erlebt man hier, dank der eindringlichen Worte, hautnah mit, es ist unfassbar intensiv beschrieben. Aufgrund einer Verfügung seiner verstorbenen Mutter kommt Tom zu seiner Tante Sonya. Diese ist innerhalb kurzer Zeit hoffnungslos mit der Situation überfordert und Tom wird sozusagen weitergereicht. Im chaotischen Haus von Tante Rose und Onkel Will, samt Cousin Nick fühlt sich Tom schon wohler, trotz allem verharrt er in seinem Schweigen. Die Geschichte wird hier glaubwürdig aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, denn jedes Familienmitglied leidet unter dem Verlust und hat seine eigenen Probleme. Alle haben den gleichen Verlust zu verkraften, jeder geht anders damit um, tief in sich trägt jeder auch an einem Schuldgefühl. Mir hat es hier sehr gut gefallen, dass ich die Geschichte und Emotionen von jedem der Beteiligten lesen konnte, mir brachte es die verschiedenen Ansichten näher. Einige der Familienmitglieder lernt man hier besser kennen und auch mögen. Wie aus diesen Personen eine richtige Familie wird, ist wirklich sehr gut und glaubhaft beschrieben. Die Geschichte wird mir noch länger im Gedächtnis bleiben.
Wow
schnaeppchenjaegerin
Nachdem Tom Zeuge einer Familientragödie wurde, bei der seine Eltern auf brutale Art und Weise ums Leben kamen, wird er von seiner Tante Sonya aufgenommen, die als sein Vormund bestimmt wurde. Die perfektionistische Sonya und ihr Ehemann Alex sind mit der Situation bald überfordert, denn Tom schweigt beharrlich. Er leidet nach der traumatischen Erfahrung unter selektivem Mutismus. Nach zwei Monaten, in denen Sonya nicht an Tom herangekommen ist, gibt sie resigniert auf und Tom zieht zu seiner Tante Rose, die alleinerziehende Mutter eines 14-jährigen Teenagers ist und im Vergleich zu Sonya chaotischer ist und keine Erwartungen an Tom stellt. Bei ihr wohnt auch Will, das Jüngste der vier Geschwister, der sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält und sich von Toms Schweigen nicht weiter irritieren lässt. Alle trauern sie um Mona und geben sich zum Teil sogar die Schuld an ihrem Tod, da sie Warnsignale ignoriert und nicht den Mut hatten, hinzusehen oder gar sich in Monas Familienangelegenheiten einzumischen. Durch die Präsenz von Tom, dem traumatisierten Jungen, der am allermeisten unter dem Verlust seiner Mutter leidet, müssen sich die drei Geschwister der neuen Situation und ihren Gefühlen stellen und haben keine Möglichkeit, den Tod und die Todesumstände ihrer Schwester zu ignorieren. Die Familie wächst in der neuen Konstellation zusammen. Während Sonya erkennt, dass ihr Leben nicht so perfekt ist, wie sie dachte, lernt Rose Verantwortung zu übernehmen und zu ihren Fehlern zu stehen und auch Will entwickelt sich weiter und verhält sich mehr seinem Alter entsprechend. "Das Haus in der Claremont Street" ist eine berührende Familiengeschichte über einen tragischen und sinnlos brutalen Tod und die Folgen für die Angehörigen. Sie handelt von vier Geschwistern, die nicht nur mit dem Tod der Schwester fertig werden müssen, sondern sich auch noch um den Waisen Tom kümmern müssen, der traumatisiert ist und sich vollkommen in sich zurückgezogen hat. Das Buch ist aus wechselnden Perspektiven geschrieben, so dass man Einblicke in die Gefühlswelt jeder Hauptfigur erhält. Der differenzierte Umgang mit Trauer und Verantwortung ist aufgrund der unterschiedlichen Charaktereigenschaften nachvollziehbar dargestellt. Jeder Charakter ist authentisch und individuell gezeichnet. Die Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, in schwierigen Zeiten (als Familie) zusammenzuhalten und sich gegenseitig Halt zu geben. Trotz der traurigen Thematik ist der Roman nicht rührselig und alles andere als deprimierend zu lesen. Dabei sind es Protagonisten wie Rose und Will, die in der bedrückenden Atmosphäre unfreiwillig für amüsante Episoden sorgen und mit ihrer unkonventionellen Art die Leser*innen für sich einnehmen und auch Tom aus seinem tiefen Tal der Trauer holen und neuen Lebensmut schenken können. Es ist eine abwechslungsreiche, lebensbejahende Geschichte voller Emotionen und spannender Momente, die einfach tragisch-schön ist und das Herz erwärmt. Für mich ist das Buch ein Highlight unter den Neuerscheinungen 2020, das ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann.
Wow

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