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Nava Ebrahimi

Das Paradies meines Nachbarn

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ZUSAMMENFASSUNG
»Salam, hier schreibt Ali-Reza. Ich kannte ihre Mutter gut und verfüge über einen Brief, den ich Ihnen überreichen soll. Es ist wichtig. Für Sie mindestens so sehr wie für mich.«

Ali Najjar glaubt, seine Vergangenheit weit hinter sich gelassen zu haben. Er ist längst in Deutschland angekommen, als Produktdesigner erfolgreich. Der Iran, Teheran, seine Familie sind für ihn eine fremde Welt. Dann erreicht ihn die Nachricht eines Unbekannten. Und alles, woran er bislang festgehalten hat, gerät ins Wanken.


»Du trägst keine Schuld, und du trägst sie doch. Ich schätze, das heißt es, zu leben.«
Eine der aufregendsten Stimmen der deutschsprachigen Literatur.
Über das Fremde in uns selbst und über die Verantwortung, die wir für andere haben.
Vielfach preisgekrönte Autorin: zuletzt Debütpreis/Österreichischer Buchpreis.

BIOGRAFIE
Nava Ebrahimi, 1978 in Teheran geboren, zählt zu den aufregendsten Stimmen der deutschsprachigen Literatur. Für ihren ersten Roman »Sechzehn Wörter« wurde sie mit dem Österreichischen Buchpreis, Kategorie Debüt, sowie dem Morgenstern-Preis ausgezeichnet. Nava Ebrahimi studierte Journalismus und Volkswirtschaftslehre in Köln und arbeitete als Redakteurin bei der Financial Times Deutschland sowie der Kölner Stadtrevue. Sie war Finalistin des Open Mike und Teilnehmerin an der Bayerischen Akademie des Schreibens. Nava Ebrahimi lebt mit ihrer Familie in Graz.
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REZENSIONEN
Bewertet von nonostar, caro_liest und andere
nonostar
caro_liest
miss_mesmerized
Ali Najjar kam als 14-Jähriger aus dem Iran nach Deutschland, mittlerweile ist er ein erfolgreicher Produktdesigner. Dann erreicht ihn die Nachricht seine Mutter sei tot und hätte ihm einen Brief hinterlassen. Dieser Brief kann nur persönlich überreicht werden, weswegen er mit einem seiner Angestellten nach Dubai fliegt um dort Ali-Reza, den Ziehsohn seiner Mutter, zu treffen. "Das Paradies meines Nachbarn" erzählt eine tragische Geschichte über Krieg, Flucht und die Suche nach der eigenen Identität. Ebrahimi hat einen sehr eindringlichen Schreibstil, der mich jedoch auch seltsam fern vom Geschehen hielt. Die Mutter von Ali hat mich mit ihrem Brief zutiefst berührt, die Personen blieben mir jedoch fremd. V. a. Sina, der Angestellte, war für mich ein Rätsel, seine Beweggründe mit nach Dubai zu kommen waren mir unklar. Das Buch greift wichtige Themen auf, bei denen ich mir beim Lesen jedoch etwas mehr Intensität erhofft hatte. Stil und Aufbau des Buches haben mich manchmal auch stark irritiert. So gibt es zB. Gespräche, bei denen jedoch nur eine Seite gezeigt wird. Die Antwort des Gegenübers bleiben dem Leser verborgen und er muss sich seine eigenen Gedanken zum Füllen dieser Lücken machen. Dies gelang mir zwar ganz gut, aber dennoch bleibt immer eine kleine Spur Ungewissheit zurück. In den allgemeinen Erzählfluss der Geshcihcte werden auch hin und wieder die Gedanken der Personen eingereiht, die bei mir jedoch nicht zum Vertiefen der Charaktere beitrugen. Am Ende habe ich das Buch zwar gerne gelesen aber etwas hat dennoch gefehlt.
3 Wows
𝕀𝕟𝕙𝕒𝕝𝕥 In diesem Buch geht es um Sina, Ali-Najjar und Ali-Reza. Ali-Najjar erhält eines Tages einen Brief von Ali-Reza und damit beginnt eine Reise in seine Heimat. Begleitet wird er von Sina. Dieser befindet sich derzeit in einer Lebenskrise. Am Ende der Reise wird sich das Leben aller verändert haben. 𝕄𝕖𝕚𝕟𝕖 𝕄𝕖𝕚𝕟𝕦𝕟𝕘 Der Stil war für mich recht gewöhnungsbedürftig. So werden Dialoge lediglich aus der Sicht einer Person dargestellt. Es ist als höre man jemandem beim Telefonieren zu. Zudem habe ich zu Beginn Ali-Najjar und Ali-Reza nicht klar trennen können. Nach einigen Seiten der Eingewöhnung lässt sich dieser Roman aber gut und flüssig lesen. Zu Beginn ist nicht klar warum diese drei Personen zusammen geführt werden sollen. Nach und nach ergibt sich ein klares Bild über die Beziehungen der drei zueinander. Neben der Verbindung zwischen den Ali's wird auch die Sinnkrise von Sina in den Vordergrund gerückt. Und so bewirkt der Brief von Ali-Reza an Ali-Najjar, geschrieben von seiner nun toten Mutter, auch einen klaren Blick auf sein derzeitiges Leben. Was verwirrend und leider zum Teil ein wenig schleppend beginnt endet in einem tollen Ende, welches nachhaltig zum Nachdenken über Schuld anregt. "Du trägst keine Schuld, und du trägst sie doch. Ich schätze, das heißt es, zu leben." Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit beeindruckt dieser Roman mit einer bedrückende Kernaussage. Daher vergebe ich für diesen Roman 4 von 5 Sternen.
Wow
miss_mesmerized
Der Produktdesigner Sina Koshbin befindet sich gerade etwas in der Sinnkrise als er einen neuen Chef bekommt: Ali Najjar, Star der Szene und wie er mit iranischen Wurzeln. Bei Sina beschränken diese sich jedoch auf seinen Erzeuger, dessen Name und Aussehen er geerbt hat, er beherrscht weder die Sprache noch kennt er das Land. Trotzdem verbindet die beiden das Anderssein und als Ali ihn bittet, mit ihm nach Dubai zu reisen, um dort etwas Wichtiges zu erledigen, begleitet er ihn ohne zu wissen, worauf er sich einlässt. Alis Stiefbruder hat ihn dorthin gebeten, denn er muss ihm von der verstorbenen Mutter einen Brief übergeben und es war ihr Wunsch, dass er dies persönlich tut. Warum Ali den Mann nicht treffen will, kann Sina zunächst nicht nachvollziehen, er soll an seiner Stelle zu dem Treffen gehen und den Brief in Empfang nehmen. Die Begegnung rückt bei Sina nicht nur das Bild des exzentrischen Designers zurecht, sondern lässt auch ihn selbst nicht unberührt. Wie auch in ihrem Debütroman „Sechzehn Wörter“ führt die Journalistin Nava Ebrahimi in „Das Paradies meines Nachbarn“ alte und neue Heimat zusammen. Sie gehört zur Riege der deutschsprachigen Autoren mit Migrationshintergrund, die über die Literatur ihre biografischen Erfahrungen zugänglich machen und sich in ihren Werken zwischen beiden Ländern bewegen und damit die thematische Bandbreite deutlich ausweiten. Die Herkunft ist das scheinbar verbindende Element der beiden Protagonisten, bald wird jedoch klar, dass dies nur äußerlich der Fall ist und dass die Frage nach Identität, geworden oder geschaffen, sich ganz anders bestimmt. Sina wie auch Ali sind komplexe Charaktere, was sich erst im Laufe der Handlung offenbart. Sina erscheint zunächst recht typisch frustriert in der Midlife-Crisis, bei der Beförderung übergangen, kennt seine künstlerischen Grenzen und die Luft ist aus seiner Beziehung mit Katharina ebenfalls raus. Durch die Konfrontation mit Ali, der in ihm zunächst auch vorrangig den Iraner erkennt, wird die Frage aufgerissen, wie er sich selbst definiert. Aufgewachsen In Deutschland bei einer deutschen Mutter hat er sich nie als Ausländer begriffen, wird aber immer wieder wegen seines Aussehens und Namens dazu gemacht. Der Kontakt zum Vater ist spärlich, er weiß weder, wo dieser sich aktuell aufhält, noch womit er eigentlich sein Geld verdient. Wie viel kann so ein Mann ihm mitgegeben haben bei der Herausbildung seiner Persönlichkeit? Bei Ali ist die Herkunft klarer, als Geflüchteter konnte er jedoch eine neue Legende über sich selbst schaffen, angepasst an das, was man gerne von ihm hören wollte, so oft wiederholt, dass er es selbst irgendwann glaubte. „Ich habe keine andere Wahl, wenn ich kein Opfer sein will.“ Seine Rolle hat ihn hart zu sich und zu anderen werden lassen. Angriff als Verteidigungsmethode hat sich im Laufe der Jahre als erfolgreich herausgestellt und so begegnet er den Menschen aggressiv, um seinen Platz zu behaupten, aber auch, um sie nicht zu nah an sich heranzulassen, denn er weiß, dass er dann Gefahr läuft, dass sie hinter die Fassade blicken können, hinter der er seine Vergangenheit gut verpackt in schöne Geschichten versteckt hält. Nun scheint der Tag gekommen, sich dem zu stellen, was vor seiner Flucht gewesen ist. Und der Schuld, die er in sich trägt. Hier kommt eine dritte Figur ins Spiel, die die Handlung in Gang setzt, deren Rolle jedoch lange unklar bleibt, sich dann aber mit einem lauten Knall zeigt, der den gefeierten Designer nochmals in anderem Licht erscheinen lässt. Die Autorin überlässt es dem Leser, eine Antwort auf die Frage nach der Verantwortung für das Leben eines anderen zu finden, eine Beurteilung von Ali Najjars Schuld vorzunehmen, die er noch als Kind unbedacht und unwillentlich auf sich geladen hat, diesen Flügelschlag eines Schmetterlings, der jedoch für einen anderen lebensbestimmend werden sollte. Unerwartet wird man so essentiellen Fragen ausgesetzt, auf die es keine schnellen und keine einfachen Antworten geben kann. Großartig erzählt mit einem starken Ende, das einem nachdenklich zurücklässt.
Wow
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