mojoreads
Community
Sebastian Stuertz

Das eiserne Herz des Charlie Berg

!
3.8/5
11 Bewertungen
!
lesen will
!
lese ich
!
gelesen
!
INFO
!
MOJOS
!
REZENSIONEN
ZUSAMMENFASSUNG
Charlie Berg hat ein schwaches Herz und die feine Nase eines Hundes. Das einzige, was ihn seine Eltern gelehrt haben: Zwei Künstler sollten nie Kinder bekommen! Es sind die frühen 90er, Charlie will ausziehen, nicht mehr der Depp der Familie sein, der alles zusammenhält, während Mutter am Theater die Welt verstört und Vater wochenlang bekifft im Aufnahmestudio sitzt. Die Zivistelle im Leuchtturm ist zum Greifen nah - da läuft alles aus dem Ruder: Auf der Jagd mit Opa trifft ein Schuss nicht nur den Hirsch, sondern auch Opa. Und Charlies heimliche große Liebe Mayra, seine Videobrieffreundin aus Mexiko? Hat nichts Besseres zu tun, als den Ganoven Ramón zu heiraten...
BIOGRAFIE
SEBASTIAN STUERTZ, geboren 1974, ist Medienkünstler, Musikproduzent und Podcaster, hauptberuflich animiert er Grafiken für Film und Fernsehen. Er wuchs am Steinhuder Meer auf, das man zu Fuß durchschreiten kann, so flach ist es. Seit Beginn des Jahrtausends lebt und arbeitet er in Hamburg. "Das eiserne Herz des Charlie Berg" ist sein Debütroman.

PRODUKTDETAILS

Verlag
Erscheinungsdatum
16.03.2020
Ausgabe
Hardcover
ISBN
9783442758517
Sprache
German
Seiten
720
Schlagworte
Krautrock, Provinz, Coming of Age, Wald, Sven Regener, Hirschgulasch, Joachim Meyerhoff, Videotape, Forsthaus, 90er Jahre
MOJOS
!
Hat dieses Buch Mojo?
Dann lass uns wissen, warum wir es lesen sollten!
REZENSIONEN
Bewertet von wandanoir, stricki und 3 andere
wandanoir
stricki
nonostar
casaplanca
ladybug
Die Story trägt nicht 700 Seiten lang. Kurzmeinung: Der Autor kann was. Aber es gibt eine Menge aber. Charlie Berg hat eine Menge Probleme, die er mehr oder weniger stoisch abarbeitet. Die Idee des Buches ist wunderbar. Ein olfaktorisch außerordenlich begabter Protagonist, das zieht! Charlie ist ein sehr sonderbarer junger Mann, herzkrank, mit der Nase eines Spürhundes versehen, mit vielen sonderbaren Freunden und Liebeswehen, der Schriftsteller werden will, aber eine durchgeknallte Familie an der Backe hat. Der Weg zum Erfolg führt über ein Leseevent, bei dem er mitmachen und womöglich gewinnen muss. Der Autor beweist reichlich Fantasie in der Erschaffung von schrägen Typen und schiefen Situationen. Ich amüsiere mich sehr. Allerdings nimmt mein Lesevergnügen mit der Zeit ab, wenn Charlie zum xten Mal am Schritt der Frauen und Männer riecht, wer mit wem Sex hatte. Das ist die ersten Male lustig, wird aber schnell langweilig. Meine Augenbrauen könnten nicht höher wandern. Der Autor strickt seine Geschichte geduldig und ausufernd. Die Geschichte zieht sich jedoch wie Kaugummi. „Ich atme tief durch“. Nicht, dass der Autor nicht originell dabei wäre oder die rote Linie verlieren würde– er ist originell und er hat die Story im Griff, aber er scheint auch selbstverliebt in jeden Satz, in jede Szene. Hätte er seinen Roman gekonnt einkürzen lassen, so wie Charlie seine Kurzgeschichte für den Lesewettbewerb hat kürzen lassen, es wäre so viel besser geworden! Der Stil ist flippig. Teilweise ein Lesegenuß, aber teilweise auch drüber. Gelegentlich zotig. Oft zotig. Viel zu oft zotig. Viel zu oft drüber. Von allem zu viel. Und zu viel nutzt sich ab. Meine Lieblingsfloskel wird bestimmt hundert Mal verwandt. Floskeln, leere Redewendungen, haben in einem guten Buch nichts zu suchen. Aber auch rein gar nichts. Inhaltlich ist ist der Roman nicht nur skurril. Im Skurrilen wird Ernstes erzählt. Na ja, was heißt ernst? Im Prinzip wird der Literaturbetrieb auf die Schippe genommen. Das ist ein Mega-Plus. Das Zotige ist ein Mega-Minus! (Regieanweisung: das ganze Kapitel 4 ist für die Tonne. Masturbierende Jugendliche interessieren mich Null). Der Schluss ist überkonstruiert - wie könnte es auch anders sein. Etwas anderes hätte nicht zum Buch gepasst, hat mir aber nicht zugesagt. Fazit: Moderne, zum Teil wirklich originelle Erzählweise mit skurrilem Personal und zynischer Kritik am Literaturbetrieb. Allerdings ein furchtbar ausufernder Roman, der mich als Leserin deshalb im Fortgang der Erzählung vollkommen verloren hat. Der Elan war weg. Die Geschichte trug nicht mehr. Sehr schade. Kategorie: Belletristik: 1 Punkt Kategorie: Gute Unterhaltung: 4 Punkte Verlag: Berlinverlag 2020
2 Wows
Das Karma des Hirsches Dieses Buch ist einzigartig, und es passt in keine Schublade. Charly Berg ist Parfumeur und Geruch und Düfte spielen eine große Rolle im Buch, auch gibt es jede Menge Todesfälle, die größtenteils enorm skurril sind. Sebastian Stuertz würzt seine aberwitzige Story mit einem derben Humor, der nichts für Zartbesaitete ist. Wie es sich für heranwachsende Jugendliche gehört, spielen erste sexuelle Erfahrungen und primäre Geschlechtsteile eine nicht unerhebliche Rolle. Dabei sind die starken Charaktere des Buches die Frauen: Freundin (kann Capoeira), Oma (baut Baumhäuser), Schwester (fotografisches Gedächtnis), Kommisarin (promiskuitiv und clever) und Madame X (durch und durch böse, hier wird nicht gespoilert!). Die Geschichte ist komplex, handelt im Grunde aber von Charly mit dem schwachen Herzen und der feinen Nase und seiner ungewöhnlichen Familie. Sie erzählt, wie er groß wird, seine Abenteuer als Heranwachsender, seiner besten Freundin aus Mexico. Es gibt die bösen Jungs, die ihn malträtieren, die Schauspielmutti, die ihn missachtet und den dauerbedröhnten Musikervater, die liebevollen Großeltern und ein fantastisches Baumhaus im Wald. Es gibt sterbende Hirsche und Hunde, Schusswaffen, Sex & Drugs & Rock´n Roll. Literatur spielt auch eine wichtige Rolle. Ach ja, und dann sind da noch die ganzen Morde ... Hervorzuheben sind auch die Dialoge zwischen den Protagonisten, den 1001 (nicht nachgezählt, vielleicht waren es weniger) Kosenamen von Freund David für Charly und seine unzähligen Umschreibungen für Geschlechtsverkehr. "Das eiserne Herz des Charly Berg" erinnert mich an "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster..." und "Binewskis: Verfall einer radioaktiven Familie", es ist rasant, überbordend, furios, voller verrückter Ereignisse, so kreativ wie raffiniert, mit einem feinen tragischen Unterton. Nie weiß man, was als nächstes kommt, vermutlich wird es etwas wildes sein, etwas amüsantes, unterhaltsames. Man sollte sich einfach mitreißen lassen.
2 Wows
Charlie geht heimlich mit seinem Opa in den Wald jagen, doch da trifft Charlies Schuss blöderweise nicht den Hirsch, sondern einen Wilderer, der wiederum den Opa trifft. Das passt für Charlie überhaupt nicht in den Plan, denn eigentlich will er in ein paar Monaten seinen Zivildienst im Leuchtturm anfangen und dort endlich seinen Roman schreiben. Sebastian Stuertz hat mit "Das eiserne Herz des Charlie Berg" ein aberwitziges, verrücktes und niemals langweiliges Buch geschaffen. Die Figuren sind alle etwas Besonderes finde ich. Da wäre zunächst mal Charlie, er hat schon seit seiner Kindheit ein schwaches Herz, ist ein bisschen ein Außenseiter und hat einen außergewöhnlichen Geruchssinn, er kann sogar riechen, wo Sachen liegen oder wer mit wem und wo Sex hatte. Aber auch seine Familie und Freunde sind nicht unbedingt wie andere Menschen. Seine Eltern, zwei Künstler und unfähig Kinder großzuziehen, seine Schwester Fritzi, die nur in Zitaten spricht, sein bester Freund David, sexbesessen aber sehr loyal gegenüber seinen Freunden und schließlich seine heimliche Liebe Mayra, die in Mexiko lebt und mit der er sich regelmäßig Videobotschaften schickt. Stuertz hat seine Figuren sehr liebevoll gestaltet finde ich, ich hatte an jedem einzelnen in diesem Buch großen Spaß. Die Handlung an sich ist ziemlich abstrus aber das hat mich nicht gestört. Es ist keine 08-15-Rahmenhandlung, ständig passiert irgendetwas, man wird durch den Raum gewirbelt und landet am Ende wo anders als man dachte. Es ist verrückt, aber auf eine gute Art. Und man kann es nicht in Kategorien einordnen: Beim Lesen weiß man nicht, ist es jetzt ein Krimi, ist es eine Komödie, ein Familienroman, ein Roman vom Schreiben? Es ist irgendwie alles zusammen und genau solche Geschichten mag ich, Geschichten, die neu sind und die nicht in Schubladen passen. Einige Stellen und Wendungen haben mir nicht so gut gefallen, u.a. auch wie mit der ganzen Sache mit dem Tod vom Opa und dem Wilderer umgegangen wurde, aber ansonsten ist dies definitiv ein Highlight für mich. Sebastian Stuertz versteht es, den Leser in den Bann zu schlagen mit seiner Sprache und Erzählweise, die mich immer wieder laut los lachen lies und ungemein Spaß macht beim Lesen. "Das eiserne Herz des Charlie Berg" ist am Ende gar nicht so eisern. Das Buch ist für alle, die auch mal eine etwas andere Geschichte lesen möchten, die gerne lachen beim Lesen und nicht vor etwas verrückten Ideen und Zusammenhängen zurückschrecken. Und vielleicht für alle, die gerne Hirschgulasch essen.
1 Wow
Der Depp der Familie Der Roman mit dem seltsamen Titel “Das eiserne Herz des Charlie Berg” ist der Debütroman von Sebastian Stuertz. Charlie ist nach seinen eigenen Worten der “Depp der Familie”, der immer alles richten muß. Und diese Familie ist auch wirklich sehr skurril, der Vater ist ständig bekifft, hockt im Keller und macht Musikaufnahmen, die Mutter kümmert sich nur um sich selbst und ist ständig unterwegs, die Schwester ist eine Autistin mit Inselbegabung, die nur in Zitaten spricht…...so und ähnlich geht es immer weiter. Charlie selber will einen Roman schreiben, hat eine Freundin in Mexiko, mit der er sich über Videotapes austauscht und hat einen Geruchssinn, der überirdisch erscheint. Und er scheint Katastrophen anzuziehen, die dann wiederum von ihm gelöst werden müssen. Das Buch hat einen ganz eigenen Stil, sehr viel schwarzer Humor, sehr viel Emotionen, sehr viel Wahrheit. Es gibt einige gewalttätige Szenen und reichlich provokante Sexbeschreibungen, absichtlich vulgär beschrieben. Charlie selber katalogisiert so ziemlich alles, plant akribisch und die Beschreibung der Gerüche sind absolut spannend zu lesen. Mit dem Ende des Buches hätte ich so in dieser Form überhaupt nicht gerechnet, das hat mich echt überrascht. Ich bin von dem Buch wirklich begeistert und musste einige Male recht ungläubig lachen, denke aber, es wird nicht jedem gefallen.
1 Wow
Ein Buch, so ausgefallen und besonders wie Charlies Herz und Nase Charlie hat es nicht leicht. Seine Mutter interessiert sich nicht wirklich für die Familie, sondern nur fürs Theater, sein Vater ist da, aber ständig bekifft. Charlie hat eigentlich nichts und niemanden, außer seinem Opa. Aber den rafft es ja gleich früh im Buch dahin …! Seine kleine Schwester ist Autistin mit Inselbegabung und inhaliert Bücher. Charlie will weg – obwohl er ahnt, dass das nicht gutgehen kann für den Rest der Familie. Aber sein eigenes Leben soll doch anders laufen und dafür ist er bereit, alles zu tun … Ein wenig erinnert mich der Schreibstil an Jess Kidd. Hier hat es zwar weniger Mystisches als bei ihr, aber die immer wieder eingestreuten wunderbar konstruierten Sätze, die in sich schon kleine Kunstwerke sind, finden sich in den Büchern dieser Autorin ebenfalls. Damit will ich nicht sagen, dass Sebastian Stuertz diesen Stil kopiert. Nein – aber er beherrscht das ganz genauso gut, auf seine Weise. Man fragt sich immer wieder, ob sein Protagonist Charlie Berg total genial oder einfach nur übergeschnappt ist. Immer wieder gibt es Stellen, an denen man eher an ein ganz weiches, denn ein eisernes Herz denkt. Aber das mit dem eisernen Herz erklärt sich im Laufe des Buches quasi stufenweise dann auch noch ganz speziell. Stuertz schafft es, völlig absurde Szenen so zu erzählen (bzw. Charlie erzählen zu lassen), dass sie absolut logisch sind. Das macht Spaß zu lesen und fesselt ans Buch. Das mag ich! Auch Szenen, die den Leser abstoßen, bringt der Autor schon fast trocken rüber. Hier merkt man dann auch stark, dass Charlies Story in den 1980ern angesiedelt ist. Jugend und Kindheit waren damals anders als heute. Junge Leser werden sich nicht daran erinnern und sich schwerer damit tun, ältere Leser werden eine kleine „geistige Zeitreise“ machen können. Angesiedelt ist die Jetztzeit der Story Anfang der 1990er Jahre. Das genaue Alter von Charlie, der die Story auch erzählt, erfährt man erst im Laufe der Geschichte. Bis dahin kann man nur schätzen. Es ist ein kleines Rechenspiel – sehr gelungener Trick! Charlie hat eine ganz besondere Nase bzw. einen ganz besonderen Geruchssinn. Parfüm spielt im Buch eine große Rolle, Gerüche und Düfte ebenso. Seine Nase verrät ihm viel, er kann damit quasi sehen, was anderen verborgen bleibt. Umso lustiger, wenn er dann so lapidar erwähnt, dass er keine Spuren (im Waldboden) lesen kann, er sei ja kein Fährtenleser. Immer wieder tauchen Figuren auf, die Charlie zu dem gemacht haben, der er jetzt ist. In Erinnerungen und ausführlichen Rückblenden erfährt der Leser so in kleinen Stückchen mehr über ihn. Andeutungen werden gestreut, die man sich wie ein Puzzle zusammenlegen muss, um das große Ganze zu erkennen. Was es mit dem eisernen Herzen auf sich hat, wird dabei dann auch, wie bereits erwähnt, nach und nach klar. Man muss Charlie einfach mögen. Er ist so völlig anders. Gleichzeitig stößt aber auch so vieles ab. Es ist eine heftige Gefühlsachterbahn, dieses Buch zu lesen. Schnell mal weglesen ist hier nicht. Das Buch fordert, es provoziert und es strengt heftig an. Ich habe zwischendurch Pause machen und ein anderes Buch lesen müssen. Dann macht es wieder sehr viel Spaß. Keine leichte Lektüre, aber auf alle Fälle lesenswert. Charlie nimmt manchmal einfach heftig viel Anlauf, um eine Sache zu erzählen. Er geht einen riesengroßen Bogen, keine Abkürzungen. Insofern hätte vieles kürzer und knapper geschildert werden können, aber gerade diese Umwege machen das Buch zu dem, was es ist. Sie müssen einfach sein! Dadurch sind die Rückblenden auch nicht immer chronologisch, auch sie springen ein bisschen hin und her. Stück für Stück setzt man als Leser das Puzzle zusammen und beginnt, das große Ganze zu sehen und zu ahnen, worauf es hinauslaufen wird. Das Ende wartet mit einer ganzen Ladung gut gemachter und überraschender Wendungen auf. Es wird hochspannend, ganz krass im Gegenteil zum weitgehend doch in gewissem Maße gemächlich dahinfließenden Großteil des Buches. Der Kreis schließt sich, für mich auch absolut stimmig und passend. Die Mischung aus urkomisch und immer wieder auch tief bewegend und sehr traurig ist wortwörtlich „wie aus dem Leben gegriffen“. So abwegig und abstrus manche Szenen sind, erinnern sie mich an eigene Erlebnisse (obwohl diese deutlich „normaler“ waren!). Es kommen alte Gefühle hoch und das strengt an. Aber mit jedem weiteren Abschnitt merke ich auch, dass dieses Buch wahre Medizin ist. Klingt schräg? Ja, klar, ist es auch. So schwierig dieses Buch teilweise zu lesen ist, so anstrengend und unbequem, genauso gut ist es auch. Wer ein Problem mit immer mal wieder eingestreuten und zugegebenermaßen gern mal unappetitlichen „erotischen“ Szenen hat, muss tapfer da durch. Mir gefallen die auch nicht, aber sie sind nicht ohne Grund im Buch. Ich kann nicht anders: ich gebe fünf Sterne.
1 Wow
Deutsch
  
Englisch
mojoreads Instamojoreads Twittermojoreads Facebook