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Elena Ferrante

Das lügenhafte Leben der Erwachsenen

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3.8/5
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REZENSIONEN
ZUSAMMENFASSUNG
Neapel in den Neunzigern, Giovanna ist dreizehn Jahre alt, die Vorzeigetochter kultivierter Mittelschichtseltern, eine strebsame Schülerin. Doch plötzlich verändert sich alles, ihr Körper, ihre Stimmung, die Noten brechen ein, und immer öfter gerät sie mit ihren Eltern aneinander. Zufällig kommt Giovanna der Vorgeschichte ihres Vaters auf die Spur, der aus einem ganz anderen Neapel stammt, einem leidenschaftlichen, vulgären Neapel. Dort treibt sie sich herum, aber die Geheimnisse, auf die sie da stößt, verstören sie. Und als sie bei einem Abendessen bemerkt, wie ein Freund der Familie unterm Esstisch zärtlich die Füße ihrer Mutter streift, verliert sie vollends die Fassung. Denn wem kann sie überhaupt noch trauen? Und was soll ihr Halt geben? Oder ist sie selber bereits unrettbar verwoben in dieses lügenhafte Leben der Erwachsenen? Elena Ferrante hat ein Bravourstück geschaffen und einen traurigen und schönen Roman geschrieben: über die Heucheleien der Eltern, die Atemlosigkeiten und Verwirrungen der Jugendzeit und über das Drama des Erwachsenwerdens. Darüber, wie es ist, ein Mädchen zu sein und eine Frau zu werden.
BIOGRAFIE
Elena Ferrante hat sich mit dem Erscheinen ihres Debütromans im Jahr 1992 für die Anonymität entschieden. Ihre vierbändige Neapolitanische Saga - bestehend aus Meine geniale Freundin, Die Geschichte eines neuen Namens, Die Geschichte der getrennten Wege und Die Geschichte des verlorenen Kindes - ist ein weltweiter Bestseller. Zuletzt erschienen im Suhrkamp Verlag auch Ferrantes frühere Romane Lästige Liebe, Tage des Verlassenwerdens und Frau im Dunkeln, sowie der Band Frantumaglia, der Briefe, Aufsätze und Interviews versammelt.
MOJOS
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REZENSIONEN
Bewertet von Wuschel, monerl und 3 andere
wuschel
monerl
milkysilvermoon
czytelniczka73
aureliaazul
Was für ein Buch! Nachdem ich die Leseprobe angelesen hatte, war mir klar, dass ich dieses Buch lesen möchte. Es las sich so gut, ich war in den ersten Zeilen schon in der Geschichte und wollte einfach nur dran bleiben. Was soll ich sagen? Es war großartig. Ich flog förmlich über die Seiten und Giovanna konnte ich so gut verstehen; wirklich. Viele der Situationen, Gedanken und Gefühle "durfte" ich selbst so erleben in meiner Jugend. Teilweise auch heute noch. Auf was ich hingegen hätte verzichten können war das letzte Kapitel. Zwar konnte ich nachvollziehen, warum sie diesen Schritt ging und es bestätigte nur, dass sie schließlich immer noch eine Jugendliche war, aber es stimmte mich einfach traurig. Einige Dinge, die vermutlich aber einfach mit der Kultur und Art der Neapolitaner oder Italiener zu tun haben, konnte ich leider nicht so ganz nachvollziehen. Besonders dieses permanente Erwähnen, dass jemand schön ist, oder hässlich. Das ist sowieso etwas, das ich nicht mag, denn wie es in dem Buch auch gut verdeutlicht wird, baut dies auf einen Menschen, besonders wenn das Selbstbewusstsein nicht so ausgeprägt ist, einen immensen Druck auf. Ich denke, dass es in der Geschichte auch gut ersichtlich ist, denn vielerlei Handlungen leiten sich meiner Meinung daraus ab. So sehr habe ich mit Giovanna gelitten. Wollte ihr zurufen, dass das nicht gut ist, was sie da tut, eben weil ich so vieles selbst in der Jugend aus ähnlichen Gründen falsch gemacht habe. Hinzu kommt bei ihr das erschwerende Familienverhältnis. Eine Geschichte, wie man sich nicht erleben möchte. Wie Eltern ihre Kinder versuchen zu schützen, vor all dem Unheil der Welt, dies aber leider nicht immer so einfach ist und / oder zusätzliche Steine in den Weg legt. Was mir ebenfalls gefiel, dass die Autorin die Art wie sich die Personen unterhielten oft gelungen ausdrückte, auch die eine oder andere Situation. Man wusste stets um was es geht, hatte aber nie das Gefühl, sich in "dem anderen" Neapel zu befinden. Sicher kann man die Zeit in der Jugend anders und weniger emotional-chaotisch erlebt haben, aber gerade, weil mich vieles sehr an die eigene Jugend erinnerte, ging mir das Buch, die Art wie es geschrieben ist, einfach unter die Haut. Die Ich-Perspektive war ein weiterer Grund dafür sowie die dargestellten Gedankengänge. Es ist eine Zeit, die unser Leben mitunter prägt und das nicht immer im Guten. Wer weiß was aus Giovanna wurde? Vielleicht ist sie heute eine angesehene Frau und liebende Mutter. Vielleicht ist sie das aber auch nicht. Man weiß es nicht und gerade dieser Aspekt gefällt mir ebenfalls. Der Leser kann die Geschichte selbst zu Ende denken, denn so vieles bleibt noch offen. Fazit: Eine Geschichte, die mir unter die Haut ging, die mich mitfühlen lies und nachhallt. Sie ist nicht perfekt, aber das waren die wohl die Wenigsten in ihrer Jugendzeit.
3 Wows
Kurzmeinung Genre: Roman, Gegenwartsroman, Familiendrama Handlung: Giovannas heile Welt bricht von jetzt auf nachher zusammen, nachdem sie das große Lügengebilde ihrer Eltern und anderer Erwachsener entdeckt. Sie ändert ihr Verhalten ihren Eltern gegenüber und kämpft fortan mit der Pubertät und den ganzen Fragen im Rahmen des Erwachsenwerdens. Charaktere: Die Frauen sind in vorliegender Geschichte sehr vielschichtig. Wir lernen Jugendliche wie Giovanna und ihre Freundinnen kennen, die aus der gehobenen Bildungsschicht stammen. Ebenso erfahren wir viel über Giovannas Mutter (Eltern) und ihre Freunde. Das Gegenteil aus der ungebildeten, bürgerlichen Schicht bekommen wir in Form von Vittoria, Giovannas Tante väterlicherseits. Sie ist der eigentliche Star der Geschichte! Sie hat Persönlichkeit, sie ist vulgär, sie ist emotional aber auch empathisch. Sie ist hilfsbereit und gleichzeitig der personifizierte Teufel. Gegen sie verblassen alle anderen Figuren. Die Männer dagegen sind sehr platt gezeichnet und triebgesteuert, und das durch alle Bildungsschichten und Altersklassen. Spannung: Es herrscht keine Spannung vor. Recht früh fragte ich mich, auf was diese Geschichte hinauslaufen würde. Schreibstil & Sprache: Die Sprache ist sehr intensiv und zum Großteil sehr vulgär. Damit wird der neapolitanische Dialekt, im Vergleich zum “Hochitalienisch”, ausgedrückt. In Italien wird der Status und die Bildung eines Menschen daran gemessen, wie gut und klar sein Italienisch ist. Am besten ist es, wenn das Italienisch von keinem Dialekt gefärbt ist. Ende: Das Ende, bezogen auf Giovanna, kam für mich unerwartet und ist nicht ganz nachvollziehbar. Gleichzeitig ist es aber auch recht offen. Es wird lediglich eine kurze Episode aus Giovannas Leben und das der anderen thematisiert und verfolgt. Hörbuch: Wie immer ist Eva Mattes auch hier eine sehr gute Besetzung für dieses Ferrante-Buch. Am Inhalt kann sie leider auch nichts ändern. Fazit: Was Elena Ferrante eindeutig kann, ist Stimmung schaffen! Ihr gelingt es erneut ihre Leserschaft in das Neapel zu schicken, in das sie diese bereits mit Elena und Lila mitgenommen hatte. In ein Neapel voller Freundschaft, Liebe, Beziehungen, Betrug, Lügen und Intriegen. Auch hier ist zentrales Thema die Liebe, in all ihren Facetten. Doch mir persönlich war hier vieles einfach zu derb und zu vulgär. Es wiederholt sich dann immer wieder einiges und so fing mich Giovannas Rebellion gegenüber jedem und allem an zu nerven. Zu viel Gerede über Brüste, derben Geschlechtsverkehr und den Genitalien unterhalb der Gürtellinie, die mich langweilten und mir die Geschichte versauten. Hinzu kommt ein Ende, das ich in Bezug auf Giovanna nicht wirklich verstehen konnte. Doch vielleicht liegt es daran, dass ich keine 15 mehr bin. Leider habe ich mit diesem Buch kostbare Lesezeit vergeudet!
3 Wows
Anne (milkysilvermoon)
Der Roman besteht aus sieben Teilen, die wiederum in angenehm kurze Kapitel untergliedert sind. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Giovanna, allerdings in der Rückschau im Erwachsenenalter. Dieser Aufbau funktioniert gut. Der für die Autorin typische Schreibstil ist durch teils lange Satzkonstruktionen nicht einfach, aber einzigartig, atmosphärisch, wortgewaltig und wieder einmal sehr gelungen. Lebhafte Dialoge wechseln sich ab mit Beschreibungen, die ein anschauliches Bild von Neapel liefern. Immer wieder tauchen zudem starke Bilder und Metaphern auf. Die Charaktere sind zwar nicht allesamt sympathisch, aber interessant. Sie überzeugen mit psychologischer Tiefe. Nicht nur die Protagonistin Giovanna, deren Gedanken- und Gefühlswelt sich hervorragend nachvollziehen lässt und die eine glaubhafte Entwicklung durchmacht, sondern auch die übrigen Figuren wirken authentisch. Thematisch ist der Roman erstaunlich vielfältig. Es geht natürlich um das Erwachsenenwerden und die Pubertät – aber auch um viel mehr: um sozialen Aufstieg, um Lügen, Heucheleien und Geheimnisse innerhalb von Familien, um gesellschaftliche Konventionen, um Schönheitsideale, Ansehen und sonstige Oberflächlichkeiten, um Feminismus und das Frausein. Diese inhaltliche Komplexität trägt – ebenso wie mehrere Wendungen – dazu bei, dass der Roman mit mehr als 400 Seiten nicht langweilig wird und schnell eine Sogwirkung entfaltet. Das Ende bleibt ein wenig offen, was mich jedoch nicht gestört hat. Das Cover passt nicht nur gut zur Optik der „Neapolitanischen Saga“, sondern gefällt mir auch dieses Mal sehr. Der deutsche Titel ist wörtlich aus dem Italienischen („La vita bugiarda degli adulti“) übersetzt und ebenfalls treffend gewählt. Mein Fazit: Auch mit „Das lügenhafte Leben der Erwachsenen“ konnte mich Elena Ferrante in mehrfacher Hinsicht begeistern. Ein empfehlenswerter Roman für alle, die tiefgründige, komplexe und realitätsnahe Geschichten lieben.
1 Wow
czytelniczka73
Schmerzhaftes Erwachsenwerden " Also, was ging in der Welt der Erwachsenen vor, im Kopf von höchst vernünftigen Menschen, in ihren ideenbeladenen Körpern ? Was reduzierte sie auf denkbar unberechenbare Tiere, schlimmer noch als jede falsche Schlange ? " Giovannas glückliche Kindheit endet abrupt, als sie zufällig hört, wie der Vater etwas gemeines über sie sagt. Ausgerechnet der Vater, der Giovanna immer das Gefühl gab geliebt zu werden. Sie ist verletzt, fühlt sich betrogen und zweifelt plötzlich an allem, was sie bis jetzt geglaubt hat. Deswegen entscheidet sich Giovanna auch, die unbeliebte Schwester des Vaters kennzulernen. Allerdings bringt ihr das nicht die erhoffte Klarheit, sondern noch mehr Verwirrtheit und Gefühlchaos. Auf eine schmerzhafte Weise kommt Giovanna zu der Erkenntnis, dass die Eltern ( und Erwachsene allgemein ) keine Superhelden sind, sondern ganz normale Menschen, die auch mal Fehler machen oder sich egoistisch benehmen. Erst eigene Fehler und unglückliche Entscheidungen helfen Giovanna die Erwartungen an andere bisschen zurückschrauben und die Menschen einfach so akzeptieren wie sie sind. Es ist nicht leicht die Ilusionen der Kindheit zu verlieren, plötzlich ist die Welt eine ganz andere und man muss die Regel neu lernen. Diesen oft schmerzhaften Weg ins erwachsene Leben hat die Autorin auf kluge und tiefgründige Art sehr realistisch und glaubwürdig bechrieben. Ich hatte zwar paar Probleme mit dem Schreibstil, manchmal war es mir zu opulent und viele Konflikte fand ich zu kompliziert aufgebaut, fand den Roman aber trotzdem interessant. Besonders die Emotionen kamen bei mir gut rüber. Zwar fand ich Giovanna nicht besonders sympathisch ( das gilt allerdings für alle Figuren ), ihre Verwirrung und ihre Trotzreaktionen konnte ich aber gut nachvollziehen. Die einzigartige Familiendynamik und die kantigen Charaktere haben die unaufgeregte Geschichte für mich doch lesenswert gemacht. Ehrlich gesagt glaub ich nicht, dass ich noch ein großer Fan der Autorin werde, aber nach dem mir " Frau im Dunkel " gar nicht gefallen hat, fand ich dieses Buch deutlich besser und inhaltlich viel interessanter.
3 Wows
Giovanna ist 13 Jahre alt und wächst in einem kultivierten und ehrgeizigen Vorzeigeelternhaus auf, alles wäre perfekt, würde Giovanna nicht eines Tages beleidigende Aussage ihres Vaters hören, die alles verändert. Das perfekte und wohlbehütete Leben endet jäh, als sie einige Verwandte ihres Vaters und eine ganz andere Welt kennenlernt, in einem anderen Stadtteil Neapels, der rauer und schmutziger ist... Allein der Titel hat mich ungemein neugierig gemacht und ging mit einigen spezifischen Erwartungen an die Geschichte, die durchaus erfüllt wurden. Man lernt Giovanna über einen Zeitraum einiger Jahre kennen, sieht wie sie älter und erfahrener wird und beginnt ihr altes Leben zu hinterfragen. Diese Entwicklung mitzuerleben hat mit Freude bereitet und konnte mich unterhalten. Vor allem dieser Bruch ihres wohlbehüteten Lebens in die komplett gegensätzliche Richtung und die ganzen Perspektiven verschiedener Charaktere bringt eine gewisse Dynamik rein und ein wenig Spannung. Wenngleich sich die anderen Charaktere wenig bis gar nicht verändern, verändert sich Giovannas Sicht exorbitant und macht die Geschichte erst lesenswert. Fazit: Ein angenehmer Schreibstil, der eine unaufgeregte Geschichte über das Erwachsenwerden mit allen Vor- und Nachteilen unterhaltsam beleuchtet und verschiedene Sichtweisen der Charaktere herausregend hervorstechen lässt.
Wow
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