mojoreads
Community
Thomas Ziebula

Der rote Judas

Ist Teil der Reihe
Paul Stainer
!
5/5
3 Bewertungen
!
lesen will
!
lese ich
!
gelesen
!
INFO
!
MOJOS
!
REZENSIONEN
ZUSAMMENFASSUNG
Leipzig, Januar 1920. Der Polizist Paul Stainer kehrt aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Deutschland taumelt durch die Nachkriegswirren, nichts ist mehr so, wie es einmal war, und in viel zu vielen Nächten wird Stainer vom Grauen der Schützengräben eingeholt. Doch ein aufsehenerregender Fall zwingt den Kriminalinspektor, sich mit der Gegenwart zu befassen: In der Villa eines Fabrikanten werden mehrere Menschen erschossen. Alles sieht nach einem missglückten Einbruch aus, doch eine verängstigte Zeugin und ein Koffer voller Dokumente führen Stainer bald auf die Spur der "Operation Judas", Männer, die über Leichen gehen, um ihre Verbrechen zu vertuschen. Was der Inspektor nicht ahnt: Die Mörder haben ihn längst ins Visier genommen und planen seinen Tod.
BIOGRAFIE
Thomas Ziebula ist freier Autor und schreibt vor allem Fantasy- und historische Romane. 2001 erhielt er den Deutschen Phantastik-Preis. Seine erste Krimi-Reihe um Inspektor Paul Stainer vereint auf beeindruckende Weise Thomas Ziebulas Leidenschaft für deutsche Zeitgeschichte, spannende Kriminalfälle und seine Liebe zu der Stadt Leipzig, die bis heute seine deutsche Lieblingsstadt ist. Der Autor lebt in der Nähe von Karlsruhe.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
28.01.2020
Ausgabe
Hardcover
ISBN
9783805200066
Sprache
German
Seiten
480
Schlagworte
Morde, Spionagethriller, 1920er Jahre, Zeitgeschichte, Leipziger Prozesse, 1.Weltkrieg, Historischer Kriminalroman, Erster Weltkrieg, Babylon Berlin, Weimarer Republik, historischer Kriminalroman, Verschwörung, Leipzig, Volker Kutscher
MOJOS
!
Hat dieses Buch Mojo?
Dann lass uns wissen, warum wir es lesen sollten!
REZENSIONEN
Bewertet von Harakiri, Casaplanca und 2 andere
harakiri
casaplanca
mabuerele
bibliomarie
Als Kommissar Paul Stainer aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrt ist nichts mehr wie es war: er leidet unter Albträumen und seine Frau Edith hat ihn totgewähnt und ist eine neue Beziehung eingegangen. Doch sein ehemaliger Arbeitgeber hält zu ihm und betraut ihn gleich mit einem schwierigen Fall: gleich 5 Tote gibt es in der Stadt Leipzig und Stainer soll den Täter finden. Doch je näher er diesem kommt, muss er erfahren: es ist kein Unbekannter. Ziebulas neuer Roman fesselt. Und zwar von der ersten Seite an. Dabei ist die Handlung erst einmal recht unübersichtlich, aber nach und nach wird alles aufgedröselt und am Ende bleiben keine offenen Fäden mehr. Einen Mord zu lösen ist heutzutage schon nicht einfach, Ziebula siedelt seinen Fall im Jahr 1920 an, also vor genau 100 Jahren und dies mitzuverfolgen hat wirklich Spaß gemacht. Ohne moderne Technik war es noch viel schwieriger, den richtigen Täter zu finden und genau das macht einen großen Reiz dieses Buches aus. Paul Stainer war mir gleich sympathisch, auch wenn er ein Trauma mit sich schleppt. Doch dieses nimmt zum Glück nicht so viel Raum ein. Seine Ermittlerfähigkeiten stehen im Vordergrund und wirken realistisch und glauvwürdig. Fazit: sehr fesselnd, unbedingt lesen.
Wow
Spannende Unterhaltung mit Tiefen Thoma Ziebula hat mit “Der rote Judas” einen Krimi geschaffen, der in Deutschland, genauer gesagt, in Leipzig, zum Ende des ersten Weltkrieges spielt. Schon nach den ersten Seiten fühlt man sich an das Geschehen gefesselt und möchte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Der Schreibstil ist locker, flüssig und angenehm zu lesen, die Recherchen zu diesem Buch müssen sehr umfangreich gewesen sein. Man bekommt die Stadt zu der Zeit vorgestellt, das harte Leben der Menschen, auch und besonders der Kriegsheimkehrer,und gewinnt so tiefe Einblicke auf eine vergangene Zeit. Paul Stainer ist so ein Kriegsheimkehrer, der zu Hause mit veränderten Umständen klarkommen muss und auch an den Folgen des Krieges noch leidet. Er hat das Glück seine Arbeit als Inspektor bei der Kriminalpolizei wieder aufzunehmen. Schon bald wird er mit einem Verbrechen konfrontiert, das uns als Leser sehr spannend und aus verschiedenen Sichtweisen und Erzählebenen präsentiert wird. Die Protagonisten werden so gut vorgestellt und im weiteren aufgebaut, das man mit ihnen mitleidet und -fühlt. Ich war richtig traurig, als das Buch zu Ende war und ich von den Charakteren Abschied nehmen mußte. Die Hoffnung liegt für mich jetzt auf weitere so gute Bücher über und mit Paul Stainer. Eine Empfehlung für alle Leser, die Krimis lieben und auch historische Romane zu schätzen wissen.
Wow
„...Erinnerungen, die man glaubt vergessen zu können, indem man sie in Alkohol und Schweigen vergräbt, verfolgen einen ein Leben lang….“ Wir schreiben das Jahr 1920 in Leipzig. Gymnasiallehrer Jagoda wird aus dem Krankenhaus entlassen. Es sind die Erlebnisse aus dem Ersten Weltkrieg, die ihn in die Psychiatrie gebracht haben. Doch sein neues Leben währt nur wenige Stunden, dann ist er tot. Paul Stainer kommt aus der französischen Kriegsgefangenschaft zurück. Auch ihn quälen Alpträume. Seine einst schwarzen haare sind schlohweiß. Hinzu kommt, dass seine Frau Edith ihn für tot hielt und einen neuen Freund hat. Es erstaunt Paul allerdings, dass er im Kommissariat freundlich empfangen und sofort zum Kriminalinspektor befördert wird. Sein erster Toter wartet schon auf ihn, denn Paul erkennt schnell, dass es sich bei Murrmann um keinen Selbstmord handelt. Der Autor hat einen fesselnden historischen Kriminalroman geschrieben. Der Erste Weltkrieg liegt nur kurze Zeit zurück, doch er beeinflusst so stark wie nichts anderes das Geschehen. „...Wahrscheinlich gab es keine Gespenster, ganz gewiss aber gab es deutsche Männer, die jahrelang kaum geschlafen, in Unterständen gehaust, in Schützengräben gezittert, neben toten Kameraden geweint, zu viel geraucht und zu wenig gegessen hatten...“ Das Zeitgeschehen wird gut beschrieben. Einerseits ist die junge Republik gerade entstanden, andererseits nimmt die Schwarze Reichswehr gern das Geschehen in die eigenen Hände. Noch ahnt Paul nicht, dass der Mordfall mit Kriegsverbrechen aus dem Jahre 1914 zu tun hat und dass er etlichen alten Bekannten bald gegenüberstehen wird, ja, dass er selbst auf einer Abschussliste steht. Der Schriftstil ist abwechslungsreich und passt sich den Ereignissen gekonnt kann. Dazu gehört auch, dass der Autor besondere Stilelemente verwendet. Eins davon ist Rosas Tagebuch, in dem sie sich an ihren gefallenen Verlobten wendet. Die junge Frau erscheint mir anfangs als leichtlebig und oberflächlich, entpuppt sich aber im Laufe der Handlung als starke Persönlichkeit. Deutlich wird, dass an keinem der Weltkrieg spurlos vorübergegangen ist. Auch Stainer muss erst lernen, wer Freund und wer Feind ist. Dabei macht er überraschende Entdeckungen. Manch einer flüchtet sich in Alkohol und Sarkasmus, weil er sich seiner Vergangenheit schämt. Andere versuchen einen Neuanfang, so der junge Polizist Junghans. Gefährlich sind die, die alles Neue ablehnen und auf alte Machtstrukturen setzen. Ich weiß nicht, ob es der Autor beabsichtigt hat, aber für mich liegt daran schon der Keim für die Entwicklung, die ein reichliches Jahrzehnt später beginnen wird. Was schon spürbar ist, ist der Judenhass. So schreibt Rosa über ihren Bruder im Tagebuch: „...Ich habe mich gewundert, denn vorige Woche erst hat er mir erklärt, dass er das Haus eines Juden lieber nicht betrete...“ Bei seinen Ermittlungen stößt Stainer auf den begriff der Operation Judas. Es zeigt sich, dass eine größere Mordserie in Leipzig geplant ist. Nicht jeder, der im Kommissariat arbeitet, spielt wirklich ehrlich. Das erschwert mögliche Fortschritte bei der Aufklärung der Morde. Gleichzeitig wird Stainers innere Zerrissenheit in jeder Zeile deutlich. Er ist sich nicht sicher, ob er dem Leben schon wieder gewachsen ist. Es sind Kleinigkeiten, die ihn zurück an die Front katapultieren wie ein Gemälde an der Wand. Nicht unerwähnt möchte ich die kurzen Ausflüge in die Psychoanalyse lassen. Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Es thematisiert auf äußerst spannende Weise die Folgen der Ersten Weltkriegs für den einzelnen und für die Gesellschaft.
3 Wows
Mit „Der Rote Judas“ ist Thomas Ziebula ein spannender und kenntnisreicher Kriminalroman gelungen. Er siedelt seine Geschichte in Leipzig kurz nach dem Ersten Weltkrieg an. Paul Stainer kehrt aus der französischen Kriegsgefangenschaft zurück. Körperlich hat er die Zeit unverwundet überstanden, aber seine Seele ist beschädigt. Heute würde man wohl eine Posttraumatische Belastungsstörung diagnostizieren. Nicht nur Schlafstörungen und Alpträume machen ihm zu schaffen, auch an den Folgen einer Amnesie leidet er noch. Das alles darf nicht bekannt werden, denn Stainer will und kann zurück in den Polizeidienst. Dumm nur, dass einer der Ärzte aus dem Lazarett jetzt als Pathologe in Leipzig arbeitet. Gleich der erste Fall hat es in sich. Ein Suizid erscheint Stainer zweifelhaft und je tiefer er nachforscht, umso sicherer wird er. Er erkennt bald ein Muster bei einen weiteren Selbstmord und immer wieder stößt er auf den Begriff „Roter Judas“. Aber auch privat läuft es nicht rund. Seine Frau Edith hat nach Jahren des Wartens einen neuen Partner und bittet um die Scheidung. Im Augenblick sind die Jahre zwischen den Kriegen als Romanhintergrund sehr häufig geworden und meine Erwartungen waren hoch. Ich war von diesem historischen Kriminalroman begeistert. Der Plot ist raffiniert und mehrere Handlungsstränge laufen auf ein sehr spannendes Finale zu. Der zeitgeschichtliche Hintergrund wirkt sehr lebendig und kenntnisreich erzählt. Das Leipzig der Zwanziger Jahre wirkt tatsächlich greifbar Außerdem sind die Figuren wirklich sehr vielschichtig und menschlich eingefangen worden. Nicht nur der Hauptprotagonist Paul Steiner, auch Nebenfiguren, wie die Schaffnerin Fine König sind gelungen und runden die Handlung sehr gut ab. Ein Kriminalfall aus dieser Zeit kann die Politik nicht ausblenden, das Elend der versehrten Kriegsheimkehrer und die aus der Demütigung des verlorenen Krieges entstandenen Strömungen der Weimarer Republik machen den Kriminalroman auch zu einem Stück Geschichtsunterricht. Ein toller historischer Kriminalroman und ich bin sehr auf eine Fortsetzung gespannt.
6 Wows
Deutsch
  
Englisch
mojoreads Instamojoreads Twittermojoreads Facebook