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ZUSAMMENFASSUNG
Joan Castleman hat ihrem Mann alles geopfert - sogar ihr Talent. Sie führt ein Leben in zweiter Reihe, ein Leben als Mutter und Muse. Sie ist die Frau des berühmten Schriftstellers Joe Castleman. Einst war er ihr Dozent für Kreatives Schreiben und sie seine begabteste Studentin. Ihm zuliebe hat sie ihre Karriere aufgegeben. Nun, Jahre später, steht Joe vor der Krönung der seinen: Ihm soll der renommierte Helsinki-Preis verliehen werden. Für Joan ist das der Anlass, während des langen Fluges zur Preisverleihung ihre Ehe zu rekapitulieren. Sie nimmt den Leser mit an den Anfang der Beziehung ins Amerika der Fünfzigerjahre - und führt ihn in die literarischen Zirkel der Achtzigerjahre. Vor allem aber hinterfragt sie ihre Rolle als Ehefrau, in der sie Joe hassen gelernt hat - nicht nur seiner zahlreichen Seitensprünge wegen. Die eigentliche Demütigung ist ganz anderer Natur ... Mit hintergründigem Witz entwickelt Meg Wolitzer die Psychologie einer zerrütteten Ehe mit einem meisterhaften Gespür für die Abgründe, die in ganz alltäglichen zwischenmenschlichen Beziehungen liegen.
BIOGRAFIE
Meg Wolitzer, geboren 1959, veröffentlichte 1982 den ersten von zahlreichen preisgekrönten und erfolgreichen Romanen. Viele ihrer Bücher standen auf der New-York-Times-Bestsellerliste. Bei DuMont erschienen der SPIEGEL-Bestseller >Die Interessanten< (2014) sowie >Die Stellung< (2015) und zuletzt ihr Roman >Die Ehefrau< (2016), der mit Glenn Close in der Hauptrolle verfilmt wurde. Meg Wolitzer ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in New York City. Stephan Kleiner, geboren 1975, lebt als literarischer Übersetzer in München. Er übertrug u. a. Geoff Dyer, Chad Harbach, Tao Lin und Hanya Yanagihara ins Deutsche.
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REZENSIONEN
Bewertet von SternchenBlau
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SternchenBlau
„In dem Augenblick, in dem ich beschloss, ihn zu verlassen, in dem Augenblick, in dem ich dachte: Es reicht, befanden wir uns zehntausend Meter über dem Meer;…“ Mehr als 40 Jahre war Joan mit ihrem Mann Joe Castleman verheiratet, einem erfolgreichen Schriftsteller. Aber als sie auf dem Weg zur Verleihung des Helsinki Literaturpreises sind – nicht so bedeutend wie der Nobelpreis, aber immerhin – beschließt sie sich zu trennen. Die Geschichte, die Meg Wolitzer erzählt, ist zwar nicht besonders neu, weil das Leben voll solcher Geschichten von Frauen ist, die im Schatten ihres Mannes nicht gesehen werden. Aber diese Geschichten wurden leider noch nicht oft genug erzählt, um an diesem gesellschaftlichen Misstand etwas zu ändern. Und Wolitzer erzählt Joans Geschichte so eindringlich und mit scharfer Selbstanalyse der Ich-Erzählerin, dass mir mein feministisches Herz aufging. „‚Dann wollen Sie also sagen, es ist alles eine einzige Verschwörung?‘, fragte ich freundlich. ‚Wenn Sie es so ausdrücken, könnte man meinen, ich wäre neidisch und verrückt‘, sprach Elaine Mozell weiter. ‚Was ich nicht bin. Noch nicht. Aber ja, ich nehme an, man könnte es als Verschwörung bezeichnen, wenn dafür gesorgt wird, dass die Stimmen der Frauen leise bleiben. Und die der Männer laut.’ Beim letzten Wort hob sie selbst die Stimme.“ Schon ab dem ersten Kapitel habe ich mich gefragt, warum sich Joan diesen Mann antut, warum sie seine Selbstgerechtigkeit und seinen Egoismus aushält. Obwohl ich durch die Ankündigung der Verfilmung teilweise wusste, worauf die Geschichte hinauslaufen wird, hat mich sehr fasziniert, wie Wolitzer die Gründe auffächert. Das Buch erzählt auf der ersten Ebene die Reise nach Helsinki, darin sind die Rückblenden und Überlegungen eingebettet, die sich Joan über ihre gemeinsame Zeit oder die Kindheit machen. Da gab es vielleicht manchmal ein paar Längen, aber die sind für mich vernachlässigbar. Man könnte leicht dem Trugschluss erliegen, dass Joan ja einer anderen Generation entstammen würde – Jahrgang 1937, die Preisverleihung findet etwa um die Jahrtausendwende herum statt – dass eine Frau das heute nicht mehr tun würde oder müsste. Man muss nur die Debatten um gleiche Bezahlung und gleiche Verantwortung bei der Pflegearbeit oder „Mental Load“ verfolgen, dass es noch immer meist Frauen sind, die einen Schritt zurücktreten. „Jeder braucht eine Ehefrau. Eigentlich brauchen selbst Frauen eine Ehefrau. Ehefrauen kümmern sich, sie schweben um einen herum.“ Obwohl diese Ungleichheiten klar benannt werden, Joan will in dieser Geschichte nicht das Opfer sein. Sie will die Deutungshoheit über die Geschehnisse behalten. Dennoch verliert Wolitzer den strukturellen Sexismus unserer Gesellschaft, der dies alles erst ermöglicht, nie aus den Blick. Mir gefiel die flüssige, poetische Sprache so gut, die scharfe Beobachtungsgabe, mit der Menschen und Gegebenheit geschildert wurden. Ich habe vor kurzem „An Nachteule von Sternhai“ gelesen, das Wolitzer gemeinsam mit Holly Goldberg Sloan geschrieben hat, und jetzt bin ich richtig angefixt und werde sicherlich noch weitere Bücher von Wolitzer lesen. Zum Hörbuch möchte ich auch noch ein paar Worte schreiben, denn es hat nochmal zusätzlich zu meinem tollen Leseerlebnis beigetragen: Mit den ersten Worten habe ich Gabriele Blum erkannt, die ich von "Das Ministerium des äußersten Glücks“ kenne. Ich glaube, Blum könnte mir ein Telefonbuch vorlesen, und ich fände es faszinierend. Denn sie ist setzt alles so einfühlsam, witzig und weise, dass es ein Vergnügen ist. Das Hörbuch ist übrigens ungekürzt erschienen. Fazit Ein weises Buch, das zeigt, wie Frauen in den Schatten hineinrutschen. Voll scharfem Witz und gleichzeitig mit Wärme erzählt. Ein tolles #frauenlesen, eine große Empfehlung und 4,5 von 5 Sternen!
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