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Bina Shah

Die Geschichte der schweigenden Frauen

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ZUSAMMENFASSUNG
In der modernen Metropole Green City, der Hauptstadt von Südwest-Asien, ist das Verhältnis von Männern und Frauen aufgrund von vorgeburtlicher Geschlechtsauswahl, Krieg und Krankheit extrem unausgewogen. Mithilfe von Gewalt und Technologie hält die Regierung die Bevölkerung unter Kontrolle, und Frauen sind verpflichtet, mehrere Ehemänner zu haben, um so viel Nachwuchs wie möglich mit diesen zu zeugen. Doch es gibt Frauen, die Widerstand leisten, Frauen, die sich im Untergrund zu einem Kollektiv zusammengeschlossen haben, Frauen, die sich weigern, Teil dieses Systems zu sein. In ihren nächtlichen Diensten bieten sie etwas an, das sich niemand erkaufen kann: Intimität ohne Sex. Diese Dystopie einer pakistanischen, äußerst talentierten Autorin ist wie "Der Report der Magd" eine moderne Parabel über das Leben von Frauen in repressiven Ländern überall auf der Welt.
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REZENSIONEN
Bewertet von skiaddict7, nonostar und 3 andere
skiaddict7
nonostar
naraya
stefanb
dark_rose
Idee mit viel Potential „Oberirdisch sind wir bloß Frauen, aber hier unten, in der Panah, sind wir wieder zu Menschen geworden.“ Green City in Südwest Asien ist eine moderne High-tech Stadt. Hier wird alles reguliert. Es gibt frische Luft, selbstfahrende Autos, Roboter die Türen öffnen. Nur eines fehlt: Frauen. Die meisten Frauen sind an einem Virus verstorben, einer aggressiven Variante des HPV Virus. Um die Gesellschaft zu erhalten, werden gebärfähige Frauen gezwungen, mehrere Ehemänner zu nehmen. Im Gegenzug werden sie vom Staat beschützt. Doch ein paar Frauen widersetzen sich diesem Zustand. In der „Panah“ finden sind Zuflucht. Doch auch dort gibt es Regeln… Dystopien in denen Frauenrechte eingeschränkt werden scheint es immer häufiger zu geben (u.a. Margaret Atwoods Klassiker, „Der Report der Magd“, und, aktueller, „Vox“ von Christina Dalcher). Das Genre fasziniert mich, weshalb ich auch dieses Buch lesen wollte. Die Idee des Buches ist wirklich gut, und mit Fortschreiten der Erzählung kommen zunehmend neue Details ans Licht, wie es so weit kommen konnte. Leider fand ich die Schreibweise irgendwie monoton und häufig zu beschreibend. Wichtige Szenen werden emotionslos abgehandelt. Häufig hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Die Idee hätte sehr viel Potential gehabt, da hätte die Autorin deutlich mehr rausholen können. Dennoch eine interessante Erzählung und eine Autorin mit Potential.
1 Wow
In der Vergangenheit wurde die Menschheit von einem Virus befallen, das v.a. die Frauen sehr dezimiert hat. Seitdem ist das Verhältnis aus Männern und Frauen deutlich in Richtung der Männer verschoben. Mit Hilfe von neuen Technologien und Gewalt hat die Regierung ein System geschaffen, dass die Bevölkerung gefügig macht und sie unter Kontrolle hält. Niemand traut sich zu rebellieren und die Frauen sind gezwungen, mehrere Männer gleichzeitig zu haben und so viel Kinder wie möglich in die Welt zu setzen. Doch im Untergrund gibt es eine Organisation, die sich "Die Panah" nennt. Sie besteht auseiner kleinen Anzahl an Frauen, sie sich dem System widersetzen. Sie leben im Verborgenen und bieten ihren Kunden das an, was sie von ihren Ehefrauen nicht bekommen können: Eine Frau für sich alleine, jemand der sich um sie sorgt und bei ihnen ist. Doch alles nur für eine Nacht und ohne sexuelle Gefälligkeiten. Den Schreibstil finde ich richtig gut. Man ist direkt mitten drin und die Kombination aus verschiedenen Erzählperspektiven und Rückblenden hat mir sehr gefallen. Auch die Sprache ist leicht verständlich und flüssig, nie gab es Stellen, bei denen ich sprachlich hängen blieb. Erzählt wird die Geschichte jeweils von unterschiedlichen Frauen der Panah, vereinzelt auch von Männern der 'normalen' Welt. Die Personen sind dabei sehr unterschiedlich und ich fand es interessant die verschiedenen Gedankengänge und Ansichten zu sehen. Jeder hat seine eigenen Probleme, wobei viele nur aus Missverständnisse oder Lügen herrühren. Wären die Figuren ehrlicher zueinander, hätten sie sich vermutlich viele Unannehmlichkeiten erspart. Die Welt in der die Geschichte spielt ist sehr düster. Die Frau wird ungefragt zur Gebährmaschine degradiert und wird mit Medikamenten zur Förderung der Fruchtbarkeit schon früh an körperliche Grenzen gebracht. Auch die seelischen Aspekte sind nur schwer zu ertragen für viele der Frauen, doch sie müssen sich fügen. Denn wer rebelliert, verschwindet oder erleidet Unfälle. Die scheinheilige Propagande, die Frau sei das höchste Gut fördert sie Ausnutzung der Frauen nur noch mehr und die männlichen Vertreter der Spezies werden angehalten ihre Töchter so früh wie möglich ins System zu integrieren. Je jünger die Tochter, desto mehr Zuschuss erhält der Vater. Diese Entwicklung fand ich sehr beängstigend, die Frau als Sklave des Mannes, die sich fügen und Kinder gebähren muss. Doch auch die Männer scheinen nicht immer sehr glücklich mit dieser Konstellation zu sein, wollen sie doch viel lieber eine Frau ganz für sich alleine. Hier kommen die Frauen der Panah ins Spiel. Die Idee dahinter fand ich sehr interessant, sie ist das komplette Gegenteil von der heutigen Welt. Die Panah bieten ihre Dienste nur ohne sexuelle Handlung an, es geht einzig und allein um die körperliche Nähe. Insgesamt fand ich die Welt auch sehr gut dargestellt und die Gefühle und Ängste haben mich erreicht. Die Handlung an sich ist nicht sonderlich spannend. Es geht hauptsächlich um Sabine, eine der Frauen aus der Panah, die, ebenfalls durch Missverständnisse, als illegale Patientin in einem Krankenhaus landet. Von da an begleitet man die verschiedenen Personen, die im Gesamtkontext etwas mit dieser Eilieferung zu tun haben. Das Ende war mir vielleicht etwas zu klischeehaft und positiv dennoch hat das dem Buch nicht geschadet. Das was das Buch für mich zu etwas besonderem macht, war die Sprache und das Gesamtkonzept. Obwohl nicht viel an Handlung stattfindet, fand ich es spannend und wollte es nicht mehr aus der Hand legen. Die Aufsummierung der Missverständnisse und Lügen, die zu einem großen Finale führt, hat mich bestürzt und es hat mich erschüttert, wie leicht die Dinge aus dem Ruder laufen. Obwohl das Buch nicht sonderlich viel Tiefgang hat, hat mich die Welt und die Behandlung der Menschen nicht mehr losgelassen und es hätte gerne noch mehr Seiten haben können.
1 Wow
Green City in einer fernen Zukunft. Der Ausbruch eines Virus hat ein großes Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen geschaffen. Um die Gesellschaft zu erhalten, macht der Staat es zur Pflicht für die Frauen, ihr Leben völlig in den Dienst der Reproduktion zu stellen. Sie gehen nicht mehr arbeiten und haben mehrere Gatten, mit denen sie so viele Kinder wie möglich produzieren. Es ist ein hartes und grausames Leben, das diese Frauen führen, aber unter ihnen gibt es auch Rebellinnen, die sich gegen die Obrigkeit auf ihre eigene Weise zur Wehr setzen. "Die Geschichte der schweigenden Frauen" wird aus unterschiedlichen Perspektiven von einem allwissenden Erzähler geschildert. Protagonistin ist Sabine, die nach dem Freitod ihrer Mutter noch als Schulmädchen aus dem System ausbricht und Zuflucht in der so genannten Panah findet. Die Panah ist eine Art Frauenhaus, in der all diejenigen aufgenommen werden, die nicht nur Gattin und Mutter sein wollen. Wie Prostituierte bieten sie sich reichen Klienten an. Jedoch geht es dabei nicht um Sex, sondern um etwas, das viele Männer sich aktuell nicht mehr erlauben können: Intimität und Zuneigung, ohne Körperlichkeit. Bina Shah erzählt in bildlichen, oft poetischen, aber auch grausam realistischen Worten aus ihrer dystopischen Welt, die sich in gewisser Weise auch auf unsere Gesellschaft übertragen lässt. Was geschieht, wenn Frauen nicht mehr länger Herrin über ihren Körper und ihre Gefühle sein dürfen? Und was wird aus Männern, die in einer solchen Welt aufwachsen? All das sind Fragen, mit denen sich der Roman beschäftigt. Die Charaktere sind durchweg interessant, haben aber auch ihre Ecken und Kanten. Jede und jeder von ihnen hat seine ganz eigenen Geheimnisse und Dämonen. Da ist zum Beispiel Lin, die wie eine Bordellchefin über "ihre" Frauen wacht. Die ihnen strenge Regeln auferlegt, aber auch alles tun würde, um sie zu beschützen. Oder Julian, ein junger Arzt, der sich nicht damit abfinden kann, dass er nur diejenigen retten soll, die das System für wertvoll erachtet. Sie alle wachsen einem im Verlauf der Handlung ans Herz, so dass man sie gerne noch eine Weile weiter begleiten möchte. Für meinen Geschmack hätte der Roman gerne noch 200 Seiten länger sein können; Bina Shah selbst schreibt in ihrem Nachwort, dass "Die Geschichte der schweigenden Frauen" ursprünglich nur ein einziges Kapitel hatte, nämlich das erste. Später dann baute sie diese Episode zu einem ganzen Roman aus. So hat die Handlung auch tatsächlich etwas Episodenhaftes - nicht, dass etwas Konkretes fehlen würde, aber dennoch erlebt der Leser nur einen kleinen Ausschnitt einer dystopischen Welt, die so erschreckend und faszinierend zugleich ist. Fazit: ein besonderer kleiner Roman, der am liebsten nicht enden soll
Wow
Optimismus war unsere Währung „Aber selbst in unserem Kerker gewinnen wir etwas das andere Frauen in Green City niemals haben können. […] Freie Entscheidung, Selbstbestimmung, Freiheit.“ [59] Und genau darum geht es im Roman „Die Geschichte der schweigenden Frauen“ von Bina Shah; unter anderem ist die Pakistani auch Frauenrechtlerin. Diese Dystopie soll eine moderne Parabel über das Leben von Frauen in repressiven Ländern darstellen. Mit ihrem mitreißenden Schreibstil fesselt die Autorin den Leser bereits nach den ersten Zeilen an das wirklich schön gestaltete Buch. Erzählt wird aus verschiedenen Sichten, was differenzierte Einblicke ermöglicht und Abwechslung bringt und zugleich Spannung aufbaut. Gegliedert ist der Roman in 3 Teile. Unrast, Rebellion und Aufruhr. Eigentlich genau so, wie es auch in Wirklichkeit ablaufen würde. Zuerst erfahren wir wie es überhaupt zu diesem Szenario kommen konnte, begleiten die Protagonistin Sabine auf ihrer Reise in die Panah. Panah ist das persische Wort, das Zuflucht bedeutet. Wobei in solchen Ländern die so autoritär, unterdrückend und diktatorisch agieren all dies ggfs. auch nur eine Illusion sein könnte. „Perfekt für Green City. Reform, Bevölkerungszuwachs, die Wiederherstellung des Geschlechtergleichgewichts nach dem Ultimativen Krieg.“ [183] Shah gelingt es ausgesprochen gut, ein ernstes, wichtiges Thema so spannend darzustellen, dass man das Buch regelrecht verschlingen möchte. Jedoch sind die Charaktere nicht so tief ausgearbeitet. Das geht definitiv besser. In diesem ganzen Setting - bzw. Szenario – fand ich dies aber auch nicht schlimm. Insgesamt ist das Buch sehr stimmig, auch wenn das Ende meines Erachtens etwas mehr ausgearbeitet hätte werden können. „Optimismus war unsere Währung.“ [34]
1 Wow
Leider viel verschenktes Potential Sabine lebt in einer Welt, in der es kaum noch Frauen und Kinder gibt. Aus diesem Grund werden die Frauen gezwungen mehrere Ehemänner zu haben – normalerweise drei, manchmal aber auch fünf oder mehr. Die Frauen werden mit Medikamenten vollgepumpt, die die Empfängnis begünstigen sollen, sodass sie auf Kosten ihrer Gesundheit möglichst viele Kinder bekommen. Sabine will so ein Leben nicht, also flieht sie mit 16 Jahren vor ihrer bevorstehenden Ehe und geht in den Untergrund. Die anderen Frauen und bald auch Sabine erkaufen sich ihre Freiheit durch den Dienst als menschliche Einschlafhilfe. Immer mit der Gefahr im Nacken entdeckt und „entfernt“ zu werden. Das Buch wird gern als Nachfolger von Margaret Atwoods „Der Report der Magd“ bezeichnet und dem kann ich vollkommen zustimmen – aber das ist kein Kompliment. Das Buch fängt stark an, mit der Beschreibung der neuen südwestasiatischen Gesellschaft, was passiert, damit es dazu kam, wie das Leben dort für Frauen ist und wie Sabine floh. Danach allerdings, zieht es sich ewig in die Länge. Ich konnte mich nicht wirklich mit den Charakteren anfreunden und ständige Perspektivwechsel, haben es mir zusätzlich erschwert. Es gibt auch noch ab und an spannende Passagen, allerdings driftet man dazwischen total ab, weil einfach lange Zeit quasi gar nichts passiert. Das Ende kam dann sehr abrupt und hat mich verwirrt. Ich war mir nicht sicher, ob das jetzt Wahrheit oder Traum war. Fazit: das Buch ist für mich der Nachfolger von „Der Report der Magd“ – und das ist kein Kompliment. Ähnlich wie Margaret Atwoods Roman beginnt die Geschichte sehr stark mit einer gänzlich anderen, erschreckenden und totalitären Gesellschaft. Wie Atwoods Werk wird aber auch dieses Buch schnell unübersichtlich und stellenweise sehr langatmig und langweilig, bis auf ein paar Spannungsmomente, die aber auch eher halbherzig wirken. Das Ende kommt bei beiden Romanen zu abrupt und lässt einen frustriert zurück. Das Thema Frauenrechte ist heute, dank Me-Too so stark, wie schon lange nicht mehr. Aber leider bleibt dieser Roman hinter meinen Erwartungen zurück. Er hat viel Potential aber schafft es nicht dieses voll auszuschöpfen. Schade!
Wow
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