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Heidi Rehn

Die Tochter des Zauberers - Erika Mann und ihre Flucht ins Leben

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ZUSAMMENFASSUNG
"Ein vielschichtiges Buch über die schillerndste Tochter Thomas Manns." Brigitte Glaser New York, 1936: Erika hofft darauf, mit ihrem politischen Kabarett die Amerikaner für den Kampf gegen Hitler zu gewinnen. Dann lernt sie im Kreis der europäischen Exil-Künstler einen Mann kennen, der ihr mehr bedeutet, als sie jemals für möglich gehalten hätte - den Arzt und Lyriker Martin Gumpert, der fasziniert ist von ihrer Stärke und Unabhängigkeit. Bald muss sie sich entscheiden: Ergreift sie die Chance, sich als Kämpferin für Frieden und Freiheit zu etablieren, oder setzt sie ihr persönliches Glück an erste Stelle? Die bislang unbekannte Liebesgeschichte einer großen Frau, die sich in einer düsteren Epoche behaupten muss
BIOGRAFIE
Heidi Rehn, geboren 1966, studierte Germanistik und Geschichte in München. Seit vielen Jahren schreibt sie hauptberuflich. In München bietet sie literarische Spaziergänge "Auf den Spuren von ..." zu den Themen ihrer Romane an, bei denen das fiktive Geschehen eindrucksvoll mit der Historie verbunden wird. Mehr zur Autorin unter www.heidi-rehn.de

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
18.08.2020
Ausgabe
Paperback
ISBN
9783746635811
Sprache
German
Seiten
447
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REZENSIONEN
Bewertet von pmelittam, Dreamworx und andere
pmelittam
dreamworx
hasirasi2
1936 reisen Erika und Klaus Mann nach New York, der Boden wird in Europa für ihr politisches Kabarett „Die Pfeffermühle“ immer heißer und so wollen sie dieses in die USA holen, auch, um die Amerikaner für das Geschehen in Europa zu sensibilisieren. Heidi Rehn erzählt in diesem Roman über die Tochter Thomas Manns 15 wichtige Monate aus deren Leben. Erika Mann ist das älteste Kind der Manns, sie war sehr charismatisch und eine Macherin, „Eri(ka) muss die Suppe salzen“ sagte man in der Famiilie über sie. So ist es ihr auch ein großes Anliegen, den Weg für die anderen Mitglieder der „Pfeffermühle“ zu bereiten, u. a. ihrer Lebensgefährtin Therese Giehse. Leicht ist das nicht, und sie muss viel Energie aufwenden, Sponsoren und ein geeignetes Theater finden. Und dann sind da auch noch zwei Männer, die ihr Privatleben zusätzlich schwierig machen. Mir war Erika sehr schnell sympathisch und ich verfolgte ihr Leben gespannt. Da „Buddenbrooks“ seit meiner Jugend mein Lieblingsbuch ist, das ich regelmäßig wieder lese, habe ich mich immer einmal wieder mit den Manns beschäftigt, aber nie besonders tiefgehend. Hier Erika und auch Klaus so nahe zu kommen, war sehr interessant und machte Lust auf mehr. U. a. werde ich wohl bald „Mephisto“ lesen, Klaus' Roman, der in dieser Zeit entstand. Um auf Erika zurückzukommen: Natürlich muss man sie in ihrer Zeit und auch als Teil einer schwierigen Familie sehen. Nicht all ihr Handeln muss man nachvollziehen können, aber ich finde, es ist der Autorin gut gelungen, dem Leser diesen interessanten Charakter nahezubringen. Ich habe mit Erika gefühlt, gelitten, mich gefreut, getrauert, mich aufgeregt, und hätte sie sehr gerne persönlich kennen gelernt, ich mag Frauen, die sich nicht unbedingt an Konventionen halten. Sehr interessant ist auch das Milieu, in dem sich Erika in den USA bewegt. Da ist einmal die große Exilantengemeinde, so viele bekannte (und auch ein paar mir zunächst unbekannte) Namen trifft man im Roman, sei es Billy Wilder, sei es Lotte Lenya und Kurt Weill, um nur ein paar zu nennen. Es hat mir großen Spaß gemacht, die Namen zu lesen und mir mein Wissen über die jeweilige Person ins Gedächtnis zu rufen – oder mich über die Person, die mir unbekannt war, zu informieren. Auch weitere bekannte Namen fallen wie Dorothy Thompson und Vicki Baum. Zum anderen wird Erika, schon wegen ihres berühmten Vaters, der damals schon den Nobelpreis erhalten hatte, ins Weiße Haus eingeladen und trifft dort auf Präsident Roosevelt und seine Frau Eleanor. Durch Maurice Wertheim wiederum hat sie Zutritt zur High Society. Die Autorin erzählt sehr packend und bildhaft, für mich Kopfkino pur. Bei manchen Szenen, z. B. beim Besuch eines Jazzclubs, wäre ich am liebsten in die Szenerie gehüpft, um mit dabei sein zu können. Das einzige, was mir nicht ganz so gefallen hat, waren die letzten Seiten, die mir doch etwas zu kitschig gerieten, was aber möglicherweise dem Anspruch der Reihe „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“ geschuldet ist. Es ist sicher von Vorteil, bereits etwas über die Familie Mann und andere Hintergründe, wie etwa die Exilantenszene, zu wissen, aber ich denke, auch ohne das, wird der Roman gefallen, man muss nur ein bisschen aufgeschlossen sein für Erika Mann, ihre Familie und ihr Leben, und auch bereit, ev. den einen oder anderen Hintergrund zu anderen Charakteren zu googeln, wobei ich schon der Meinung bin, dass das, was man wissen muss, auch erzählt wird. Das Interesse, das eine oder andere zu vertiefen, war bei mir jedenfalls schnell da. Interessant zu lesen sind auch das Nachwort der Autorin und die Literaturauswahl. Ich habe mich sehr schnell in diesen Roman verliebt, der einen Ausschnitt aus dem Leben einer faszinierenden Frau in einer interessanten Zeit erzählt und für mich Kopfkino pur ist. 5 Sterne und eine Leseempfehlung von mir.
Wow
„Die Fremde ist herrlich, solange es eine Heimat gibt, die wartet.“ (Erika Mann) 1936. Erika Mann, die Tochter des berühmten Schriftstellers Thomas Mann, hat gemeinsam mit ihrem Bruder Klaus in New York ihre neue Wahlheimat gefunden, denn die politischen Zustände in Deutschland widerstrebten ihnen gewaltig. In Amerika treffen Erika und Klaus schon bald auf gleichgesinnte andere Künstler und solche, die vor dem Regime bereits die Flucht ergriffen haben. Als Schauspielerin und Schriftstellerin ist es Erika eine Herzensangelegenheit, die USA mit ihrem politischen Kabarett „Pfeffermühle“ auf die Situation in Deutschland und Europa aufmerksam zu machen, was ihr leider nur mäßig gelingt, liegt doch einerseits ein Weltenmeer zwischen den beiden Kontinenten, andererseits sind die Amerikaner nicht an europäischer Politik interessiert, sondern wünschen Amüsement und Unterhaltung oder einschlägige Informationen über ihren berühmten Vater Thomas Mann. Unter den im Exil lebenden Künstlern trifft Erika auf den Arzt und Schriftsteller Martin Gumpert, der ihr Herz schon bald aus dem Takt bringt. Allerdings hat sie mit der Künstlerin Therese Giehse schon lange eine Frau als Partnerin zur Seite. Für wen wird sich Erika entscheiden und wird ihr Kampf gegen Hitler erfolgreich sein? Heidi Rehn hat mit ihrem Buch „Die Tochter des Zauberers“ einen unterhaltsamen und informativen Roman vorgelegt über eine Frau, die versucht hat, aus dem Schatten ihres allseits bekannten Vaters und Nobelpreisträgers Thomas Mann herauszutreten und mit eigenen Talent sowie mit einem engagierten Kampf gegen den Nationalsozialismus zu glänzen. Der flüssig-bildhafte und gefühlvolle Schreibstil lädt den Leser zu eine Zeitreise ins vergangene Jahrhundert ein, wo er sich an Erikas Fersen heftet und dort 15 Monate verweilt, um sie bei ihrem Start in Amerika und bei ihrem Engagement zu erleben. Die Autorin hat exzellent recherchiert und zeichnet dem Leser ein Bild von einer für die damalige Zeit recht emanzipierten Frau, die sich nicht verbiegen ließ, ihre Meinung offen kundtat und vor allem öffentlich mit einer Frau als Geliebte zusammenlebte. Viele haben sie deswegen verachtet, angefeindet, aber wohl auch bewundert, weil sie selbst nicht ebenso mutig waren. Nach einigen Startschwierigkeiten gelingt es Erika in den USA, Unterstützer zu finden, die ihr auch finanziell unter die Arme greifen. Die besonders innige Verbindung zu ihrem jüngeren Bruder Klaus wird ebenfalls sehr gut hervorgehoben. Erika wacht wie eine Glucke über den scheuen, homosexuellen Klaus, manchmal könnte man denken, die beiden wären insgeheim ein Liebespaar. Mit farbenfrohen Beschreibungen gelingt es Rehn, das damalige New York lebendig werden zu lassen und einen guten Rundumblick in die Künstlerszene zu gestatten, während bekannte Namen wie die Roosevelts, Billy Wilder oder Vicky Baum vor dem inneren Auge des Lessers vorüberziehen. Die Charaktere sind differenziert ausgestaltet und inszeniert, wirken realitätsnah und sehr lebendig. Der Leser folgt ihnen gern durch turbulente Zeiten. Erika ist eine Egozentrikerin, weiß zu manipulieren und nutzt ihre Position, um sich von anderen finanzieren zu lassen. Sie ist nicht gerade eine Sympathieträgerin, doch ihr Selbstbewusstsein und ihr Aufbegehren gegen den Nationalsozialismus sowie ihr Kampfgeist ringen einem Respekt ab, lässt sie sich doch die Fäden nie aus der Hand nehmen. Klaus ist ein zurückhaltender Mann, der für die Schriftstellerei lebt und aus dem Schatten des Vaters treten will. Das Verhältnis zu seiner Schwester ist sehr innig, man könnte s manchmal sogar ungesund nennen. Martin Gumpert ist ein intelligenter Mann, der Erika einen Ruhepol bietet. Maurice Wertheim dagegen bietet finanzielle Sicherheit. Mit „Die Tochter des Zauberers“ hat Heidi Rehn Erika Mann zum Leben erweckt, um sie dem Leser als Mensch und Persönlichkeit nahe zu bringen. Eine sehr spannende und informative Lektüre über eine ungewöhnliche Frau in einer schlimmen Zeit. Verdiente Leseempfehlung!
1 Wow
Mehr als nur die Tochter von … „Wir haben uns das alle viel zu einfach vorgestellt. Den roten Teppich rollt uns hier niemand freiwillig aus. Dazu sind wir einfach zu viele, die plötzlich vor der Tür stehen und von hochdotierten Engagements träumen.“ (S. 75) Erika und ihr Bruder Klaus reisen im Herbst 1936 nach Amerika, um alles für das politisches Kabarett „Pfeffermühle“ vorzubereiten. Sie sollen Visa, Auftritte und vor allem Geld für die restliche Truppe organisieren, die mit einem anderen Schiff folgen wird. Die „Pfeffermühle“ will Amerika aufrütteln und vor den Nazis warnen. „Wenn Amerika jetzt nicht aufwacht, um sich gegen Hitler zu stellen, werden wir uns eines Tages verwundert die Augen reiben, weil wir die Chance verpasst haben.“ (S. 67) Aber schon beim ersten Dinner mit potentiellen Geldgebern wird Erika klar, dass diese kein Interesse an Hitler und Europa haben und die Amerikaner die Texte der Pfeffermühle auch in Englisch nicht verstehen würden, weil ihnen das Hintergrundwissen fehlt. Die Leute wollen unterhalten werden, nicht belehrt. Außerdem werden sie und Klaus nur auf die Rolle der Kinder von Thomas Mann reduziert. Ein eigener Kopf oder gar eine Karriere wird ihnen nicht zugestanden. Man möchte familiäre Anekdoten über den Literaturnobelpreisträger hören, keine Warnung vor dem nächsten Krieg, an den sowie niemand glaubt. Dabei ist sie so viel mehr als nur die Tochter von … Eins vorweg, Erika und ich wären wahrscheinlich keine Freunde geworden. Dazu erscheint sie mir zu unsympathisch, manipulativ, vergnügungssüchtig, abgehoben und egoman. Sie ein echtes Luxusweibchen, hatte keine Probleme damit, sich von anderen aushalten zu lassen und im Restaurant das teuerste Gericht auf der Karte zu bestellen, auch wenn sie wusste, dass ihr Gegenüber sich das eigentlich nicht leisten konnte. Aber sie war auch sehr intelligent, leidenschaftlich, zielstrebig, selbstbewusst und durchsetzungsstark. „Meist haben zu Hause alle auf mein Kommando gehört, sogar die Eltern. Dabei musste ich nicht einmal selbst am Ruder stehen. Den Part habe ich Klaus überlassen. Mir hat das Schalten und Walten aus dem Hintergrund genügt.“ (S. 366) Sie wollte Hitler stoppen, die Welt wachrütteln und hat sogar ihren Vater dazu gebracht, endlich Stellung zu beziehen. Heidi Rehn zeichnet in „Die Tochter des Zauberers“ ein extrem vielschichtiges Bild von ihr und lässt den Leser an allen Facetten ihres Lebens teilhaben. Sie zeigt auch, wie umstritten Erika wegen ihres Lebensstils selbst innerhalb des Ensembles der „Pfeffermühle“ war und wie sie deswegen angefeindet wurde. Erika scheint ein echter Freigeist gewesen zu sein: verheiratet mit einem Engländer wegen des Passes, lebt sie offen mit der Münchner Künstlerin Therese zusammen. Doch als sie in New York ankommt, lernt sie gleich zwei faszinierende Männer. Den Arzt und Schriftsteller Martin Gumpert und den Bankier Maurice Wertheim. Beide machen ihr Avancen, Maurice wird ihr Förderer, finanziert die „Pfeffermühle“ und legt ihr jeden nur denkbaren Luxus und die Welt zu Füßen. Da kann Martin nicht mithalten, aber bei ihm findet sie Ruhe und Geborgenheit. Wenn es nach Klaus geht, soll sie sich natürlich für Maurice entscheiden, aber das Herz will, was es will – und auch Therese gibt nicht so leicht auf. Ein Liebestaumel beginnt. Die symbiotische Beziehung des Geschwisterpaares spielt in diesem Buch eine sehr große Rolle. Erika ist nur ein Jahr älter als Klaus und hat eine extrem engere Bindung zum ihm. Sie will ihm zu seinem Durchbruch als Schriftsteller verhelfen. Er lebt und arbeitet wie im Rausch, flüchtet sich immer wieder in Drogenexzesse, unternimmt Selbstmordversuche. Klaus ist menschenscheu und kann nicht offen mit seiner Homosexualität umgeben. „Tut mir leid, dass ich anders bin. Es kann halt nicht jeder so erfolgreich wie du mit beiderlei Geschlecht turteln.“ (S. 37) So unterschiedlich Erika und Klaus auch sind, eines haben sie gemeinsam. Sie wollen endlich aus dem Schatten des übermächtigen Vaters treten und als eigenständige Persönlichkeiten wahrgenommen werden. Allerdings erschien mir ihre Beziehung an einigen Stellen zu ungesund und zu eng – welches Geschwisterpaar küsst sich schon leidenschaftlich auf den Mund?! Heidi Rehn gibt das Flair vom New York der 40er Jahre sehr anschaulich wieder, die Kunst- und Künstlerszene, in der sich Erika bewegt, den Broadway, die Shows, Kellerclubs und Nachbars, dazu kommen die vielen Berühmtheiten der damaligen Zeit (wie z.B. Vicky Baum, Billy Wilder, Kurt Weil oder die Roosevelts), denen sie begegnet. Auch das Hotel Bedford, die Sammelstelle und neuen Heimat der Emigranten (vor allem Juden), die Europa bereits verlassen hatten, wird sehr lebendig beschrieben. Heidi Rehn zeichnet in „Die Tochter des Zauberers“ ein extrem vielschichtiges Bild von Erika Mann und lässt den Leser an allen Facetten ihres Lebens teilhaben. Sie zeigt deren umstrittenen Lebenswandel, ihren Kampf gegen Hitler und die symbiotische Beziehung mit ihrem Bruder Klaus, welche mir nicht immer gesund erschien. Und auch sonst war die bisexuelle Erika für jede Art von Beziehungen offen, konnte sich nur schwer für nur eine Person entscheiden …
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