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Han Kang

Die Vegetarierin

Gegenwartsliteratur
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3.7/5
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ZUSAMMENFASSUNG
Ein seltsam verstörendes, hypnotisierendes Buch über eine Frau, die, laut ihrem Ehemann an Durchschnittlichkeit kaum zu übertreffen ist bis sie eines Tages beschließt, kein Fleisch mehr zu essen. Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie für nichts Besonderes. Bei unserer ersten Begegnung fand ich sie nicht einmal attraktiv. Mittelgroß, ein Topfschnitt, irgendwo zwischen kurz und lang, gelbliche unreine Haut, Schlupflider und dominante Wangenknochen. So fühlte ich mich weder von ihr angezogen noch abgestoßen und sah daher keinen Grund, sie nicht zu heiraten. Yeong-hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht beflissen seinem Bürojob nach und hegt keinerlei Ambitionen. Sie ist eine zwar leidenschaftslose, aber pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird jäh gefährdet, als Yeong-hye beschließt, sich fortan ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt entfernt. Ich hatte einen Traum, so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Doch damit nicht genug. Bald nimmt Yeong-hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet. Die Vegetarierin ist eine kafkaeske Geschichte in drei Akten über Scham und Begierde, Macht und Obsession sowie unsere zum Scheitern verurteilten Versuche, den Anderen zu verstehen, der ja doch, wie man selbst, Gefangener im eigenen Leib ist.
BIOGRAFIE
Han Kang wurde in Gwangju, Südkorea, geboren. 1993 debütierte sie als Dichterin, ihr erster Roman erschien 1994. Für ihr literarisches Schreiben wurde sie u.a. mit dem Yi Sang Literaturpreis, dem Today’s Young Artist Award und dem Man Booker International Prize 2016 ausgezeichnet. Derzeit lehrt sie Kreatives Schreiben am Kulturinstitut Seoul. Mehr Informationen zu Autorin: www.writerhankang.com Ki-Hyang Lee, geboren 1967 in Seoul, studierte Germanistik in Seoul, Würzburg und München. Sie lebt in München und arbeitet als Lektorin, Übersetzerin und Verlegerin.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
15.08.2016
Ausgabe
eBook
ISBN
9783841211545
Sprache
German
Seiten
192
Schlagworte
Roman Vegetarierin, Orhan Pamuk, Man Booker International Prize 2016, Ehe, The Vegetarian, Murakami, Booker Preis 2016, Pflanzen, Südkorea, Han Kang, Vegetarierin, Robert Seethalter, Haruki Murakami
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REZENSIONEN
Bewertet von collectionofbookm..., frauschafski und 3 andere
collectionofbookmarks
frauschafski
schokoloko28
renee
bloggingrenate
collectionofbookmarks
Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich eine Besprechung zu diesem Buch veröffentlichen sollte. Das lag hauptsächlich daran, dass ich auch Tage nach dem Lesen noch nicht genau weiß, wie ich diesen Roman einzuordnen habe. Er hat mich verärgert, stellenweise gelangweilt, angewidert, aber eben auch fasziniert, sodass ich während des Hörens nie ans Abbrechen dachte. In meinen Augen ließ dieses Buch sehr viel Raum zum Interpretieren und Nachdenken, gleichzeitig stieß es mich mit seinen oftmals üblen (männlichen) Charakteren auch ab. Wie ihr seht, verwandelte sich "Die Vegetarierin" für mich in ein zweischneidiges Schwert, also verzeiht mir, wenn ich ein wenig ins Schwafeln gerate. Gewöhnungsbedürftig war vorallem die im Buch beschriebene koreanische Lebensart, von der man nach Beendigung der Lektüre ausgehen muss, dass sie frauenfeindlich und rückständig ist. Alles fokussiert sich auf den Mann, das Wohl des Mannes muss gewährleistet werden, Männern muss gehorscht werden und und und. Gleichzeitig wirken die dargestellten Männer im Buch ohne ihre Frauen aber wie hilflose Kinder, die nicht verstanden haben, was sie an ihren Frauen haben, die täglich für sie kochen, teilweise ihre Karrieren aufgeben und sich den männlichen Gelüsten hingeben müssen, wann immer Mann will. Hier stieß ich auch auf mein größtes Problem: Frauen werden generell als Menschen dargestellt, die an Sex keine Freude haben und dies nur für den Mann über sich ergehen lassen. Die Autorin geht mit besagten Szenen natürlich kritisch um (so fühlte es sich jedenfalls an), allerdings fragte ich mich in diesen Momenten stets, ob es in Korea wirklich noch so aussieht (Google hat mir da etwas geholfen und es scheint wirklich so zu sein, allerdings ändert sich das wohl gerade bei den jüngeren Generationen... was man nur hoffen kann). Ebenso schockiert war ich über den gesellschaftlichen Umgang mit Vegetarismus. Eine solche Verklemmtheit, ja sogar Boshaftigkeit fühlte sich für mich unmöglich an. Verständnislosigkeit mag das eine sein, Tyrannei etwas ganz anderes. Und so kann man die Protagonistin eigentlich nur verstehen, die sich von der Menschheit, vom Fleisch abwendet und sich unter Pflanzen wohler fühlt, vielleicht sogar eine wird. Auch hier stehen die Männer nicht gut da. Yeong-Hye stellt besonders das Leben dreier Menschen auf den Kopf: das ihres Mannes, ihres Schwagers und ihrer Schwester. Schlussendlich ist es aber nur die Frau, die bei ihr bleibt. Die sich selbst mit seelischem Leiden (für mich las es sich wie eine Depression) herumplagt, aber im Gegensatz zum Rest versucht, ihre jüngere Schwester zu verstehen. Ihr Erzählanteil war es auch, der das Buch vor einer schlechteren Bewertung bewahrte und mich darauf hoffen ließ, dass es in Korea genug Frauen gibt, die sich gegen das alte, unterdrückende System wehren, indem sie erfolgreich und klug sind.
Wow
Der dem Leben entrückte Mensch Dieses Buch ist – gelinde gesagt - verstörend. Han Kangs Figuren sind allesamt dem Leben entrückt. In drei Akten kommt jeweils eine andere Figur zu Wort und dennoch dreht sich im Kern alles um Yeong-Hye, die eines Tages beschließt, Vegetarierin zu werden. (Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Übersetzungsproblem ist, denn genau genommen wird sie zur Veganerin, lehnt sie doch jegliche tierische Produkte ab.) Von diesem Tag an beginnt ihr Leben und das ihrer Familie zu zerbrechen. Warum sie zu diesen radikalen Handlungen neigt, die im Laufe des Buches immer radikaler werden, wird nicht ganz klar. “Ich hatte einen Traum.”, ist ihre einzige Rechtfertigung. Dieser Traum wird nicht der einzige bleiben. Sie sind surreal und verstörend, wie Träume nun einmal sein können. Allerdings neigt der Mensch nicht unbedingt dazu, sie für so wichtig zu nehmen, dass auf deren Grundlage ein ganzes Leben umgekrempelt wird. Die Menschen in ihrem Umfeld verstehen Yeong-Hyes Veralten nicht – und ebenso wenig tut es der Leser. Damit sind wir am Kern dieser verwirrenden Erzählung angelangt: Verständnis. Es ist eine enorme interpretatorische Leistung nötig, um auch nur ansatzweise dieser Geschichte nahezukommen. Ich bin mir nicht sicher, inwiefern das überhaupt möglich ist und ob genau das nicht der Punkt der Autorin ist: dass manche Dinge über unseren Verstand hinausgehen. Die Frage, die sich stellt ist viel mehr, ob wir über etwas, dass wir nicht verstehen, urteilen dürfen. Gleichzeitig glaube ich auch, dass wir aufgrund unserer Neigung zu rationalen Erklärungen immer nach einer Antwort suchen werden. Fazit: Tja, was fange ich nun damit an. Fakt ist, ich habe dieses Buch nicht verstanden, habe keinen richtigen Zugang dazu gefunden. Ob dies nun am falschen Zeitpunkt lag, sei dahingestellt. Den literarischen Wert dieser Erzählung erkenne ich ohne Zweifel an, dennoch bleibt sie für mich merkwürdig entrückt und fern, weswegen ich nicht mehr als 3/5 Sterne vergeben kann.
Wow
Yeong- Hye wird als durchschnittliche koreanische Frau beschrieben (auf jeden Fall beschreibt dies ihr Ehemann), doch dies ändert sich schlagartig als sie anfängt sich nur noch pflanzlich zu ernähren. Sie ist kein Fleisch mehr und keine tierischen Produkte und auch sonst verhält sie sich, in den Augen des Ehemannes, seltsam. Es kommt zu einem Eklat. Ihr Vater gibt ihr bei einem Familienessen eine Backpfeife und zwingt sie, in dem er ihr ein Fleischstück in den Mund steckt, Fleisch zu essen. Als Überreaktion holt sich Yeong- Hue ein Messer und sticht sich die Pulsadern auf. Nach diesem Vorfall verändert sich die Familienstruktur massiv. Yeong- Hye kommt in die Psychiatrie ihr Ehemann und ihre Eltern wenden sich von ihr ab. Auch das Leben ihrer älteren Schwester verändert sich immens... Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven beschrieben. Im ersten Abschnitt kommt der Ehemann von Yeong- Hye an die Reihe und er schildert die Vorkommnisse bis zum Eklat. Danach beschreibt der Ehemann der älteren Schwester die Situation aus seiner Warte. Und im letzten Abschnitt erzählt ihre ältere Schwester die Geschichte von Yeong- Hye. Diese Geschichte hat mich wegen der Sprache sehr in den Bann gezogen. Es hat surreale Szenen, die ich als sehr gut insziniert empfand. Natürlich geht es auch um die Frage, was ist "gesund" und was ist "psychisch auffällig" und müssen Frauen sich immer nur anpassen und konform mit den gesellschaftlichen Strukturen sein. Und sind Frauen nur dann wertvoll wenn sie funktionieren? Alles in Allem war es für mich ein besonderes Buch und es hat mir außergewöhnlich gut gefallen.
2 Wows
Erschreckender Leidensweg Ja, und auch dieses Buch möchte ich wieder als ein Jahreshighlight bezeichnen. Erstaunlich, jetzt das dritte in Folge. Ich bin hin und weg. Ein Wahnsinnsteil. So ein Wahnsinnssog. Diese intensive und den Leser so tief treffende Art des Umsetzens. Ich verstehe auch diese verschiedenen Arten dieses Buch zu sehen und zu bewerten. Entweder du liebst es, oder du kannst absolut nichts damit anfangen. Ich gehöre zu denen, die dieses hypnotisierende Werk lieben. Jetzt muss ich leider eine S P O I L E R Warnung aussprechen. Um dieses umfassende Werk, und das bei den wenigen Seiten, in meinen Augen korrekt zu beschreiben, muss ich leider einiges verraten. Zum Inhalt: Am Beispiel einer jungen Frau und ihrem verstörenden und sehr betroffen machenden Leidensweg sehen wir was Traumata in frühen Jahren bewirken können. Yong-Hye und ihre Geschwister müssen einen zur Gewalt, psychisch und physisch, neigenden Vater ertragen. Darunter leiden besonders die Schwestern Yong-Hye und In-Hye. Yong-Ho, der Bruder, kann die Gewalt, die er zu Hause erlebt, gewaltausübend an anderen ausleben. Den Schwestern ist diese Möglichkeit nicht gegeben. Schon in jungen Jahren hat Yong-Hye suizidale Gedanken, die sich durch ihre medizinische Nichtbehandlung natürlich manifestieren. Als sie dann Chong heiratet um der Hölle zu Hause zu entkommen, wird es nicht besser. Chong ist ein gefühlskalter und egoistischer Mann und durch die Kälte zu Hause fängt sie irgendwann an eigenartige Träume zu haben und sehr wenig zu schlafen. Letzteres bewirkt dann ein Zunehmen der Symptome und es entwickeln sich Wahnvorstellungen. Durch die eigenartigen und wahnhaften Träume beeinflusst, entschließt sich Yong-Hye kein Fleisch und keine sonstigen tierischen Produkte mehr zu essen. Bei einem Familientreffen endet alles in einem Fiasko und für Yong-Hye in einem ersten Psychiatrieaufenthalt. Nach der Entlassung aus der Psychiatrie und der Trennung von ihrem Mann lebt Yong-Hye erstmal wieder auf, bleibt aber seltsam und trifft auf den anderen Exzentriker der Familie, ihren Schwager, den Künstler. Beide nähern sich an und haben ein seltsames und gleichzeitig wunderschönes Intermezzo, sehr sinnliche Bilder von mit Blumen bemalten Körpern. Aber auch dem kurzen Aufblühen ist kein gutes Ende beschieden und das Drama geht weiter. Einerseits ist das Buch für mich eine Beschreibung, wie ein in jungen Jahren erlebtes Trauma einen Menschen verändern/krankmachen kann, andererseits ist es für mich ebenso eine Kritik an einem patriarchalen System, in dem Frauen einfach nur zu funktionieren haben. Auch das Thema Selbstbestimmung spielt eine große Rolle, obwohl ich das differenziert sehe, man sollte sich fragen ob diese Gedanken aus gesunden Köpfen kommen. Wenn ein psychisch Gesunder Dinge für sich entscheidet, dann ist das so, psychisch Erkrankten aber sollte geholfen werden wieder klarer zu denken. Eine in drei Erzählsträngen gehaltene und von drei Personen (Chong, der Ehemann/der Schwager/die Schwester In-Hye) erzählte Geschichte, die in einfachen Worten einen sehr starken Sog erzeugt. Eine interessante Autorin, die man sich definitiv merken muss. Bitte unbedingt Lesen.
5 Wows
bloggingrenate
Ich entschied mich sehr spontan für dieses Buch. Nach der Beendung, brauchte ich einige Zeit um meine Gedanken zu ordnen, das ganze irgendwie verdauen zu können. Die Vegetarierin ist eine Kunst, eine Kunst die gelichzeitig berührt und verstört. Die Handlung des Romans bietet etwas Unerwartetes, Überraschendes und vor allem etwas Neues. Uns werden die gesellschaftlichen Umstände Koreas vorgestellt, eine Gesellschaft die sehr modern sein kann und trotzdem konservativ zu sein scheint. Oft zu extrem, mit den zahlreichen Szenen die kaum zu ertragen sind und die bei dem einen oder andere Leser sicherlich alle Grenzen überschreiten werden, entsteht beim Lesen eine eher überwiegend unangenehme Stimmung. Beim Lesen ist man zum großen Teil angeekelt, zum Teil aber auch fasziniert und obwohl nicht alles gut nachvollziehbar dargestellt wird, kann man schwer das Buch aus der Hand legen. In bestimmten Szenen tendiert das Buch stark in eine Porno Roman abzudriften, was nicht immer der Geschmack der Leser betrifft, aber hier irgendwie dazu zu gehören scheint. Den Kluft den Han Kang in dem Buch schafft, zwischen den vernünftige Denkweise der Angehörige und der immer verrückter werdenden Obsession unsere Protagonistin, führt schließlich zu einem grotesken Fiasko das jeder überrascht. Die Art und Weise, wie die Autorin es schafft, das Buch aus seltsame kafkaeske Szenen zusammenzusetzen ist einfach nur bemerkenswert. Jedoch ist der Roman Die Vegetarierin nicht nur auf die emanzipatorische Weise angelegt. Hier handelt sich hauptsächlich um eine Frau, deren mentaler Zustand sich mit jeden Tag das vergeht verschlechtert ohne dass die Umstehenden wissen warum. Als Leser kann man der Grund Yeong-Hyes Zustands nur vermuten. Yeong-Hye ist durch die gesellschaftlichen Umstände gezwungen in viele Rollenbilder reinzuschlüpfen und Erwartungen zu erfüllen, ohne die Möglichkeit zu haben sich individuell zu entfalten. Daraus sie keinen Fluchtweg sehen konnte oder aus denen der Flucht nicht ohne Schmerzen und Konsequenzen erfolgt wäre. Mit welcher Gewalt sich dieses Unglück sich hier an die Oberfläche gedrängt hat und welche Konsequenzen diesen Ausreißer mit sich gebracht hat, ist in Buch absolut schockierend dargestellt. Nicht nur während des Lesen, sondern auch lange hinterher, verfolg den Leser eine sehr bedrückende Stimmung. Auch nach Monaten nachdem dieses Buch gelesen wurde, lässt einen nicht los und die Geschichte drängt sich immer wieder in den Gedanken des Lesers.
Wow

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