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ZUSAMMENFASSUNG
Keine Liebe ist jemals unschuldig Im Paris der Fünfzigerjahre lernt David, amerikanischer Expat,in einer Bar den reizend überheblichen, löwenhaften Giovanni kennen. Die beiden beginnen eine Affäre - und Verlangen und auch Scham brechen in David los wie ein Sturm. Dann kehrt plötzlich seine Verlobte zurück. David bringt nicht den Mut auf, sich zu outen. Im Glauben, sich selbst retten zu können, stürzt er Giovanni in ein Unglück, das tödlich endet. >Giovannis Zimmer< 1956 gleich zwei Tabus: Als schwarzer Schriftsteller schrieb er über die Liebe zwischen zwei weißen Männern. Sein amerikanischer Verlag trennte sich daraufhin von ihm, seine Agentin riet ihm, er solle das Manuskript verbrennen. Heute gilt >Giovannis Zimmer< als Baldwins berühmtester Roman.
BIOGRAFIE
James Baldwin (1924-1987), in New York geboren, war und ist vieles: ein verehrter, vielfach ausgezeichneter Schriftsteller und eine Ikone der Gleichberechtigung aller Menschen, ungeachtet ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Herkunftsmilieus. Er war der erste schwarze Künstler auf einem Cover des >Time Magazine<. Baldwin starb 1987 in Südfrankreich.
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REZENSIONEN
Bewertet von renee, dajobama und andere
renee
dajobama
kingofmusic
Ein sprachgewaltiger Zauber! Dieses Buch war ein Lesehighlight in diesem Jahr. Einmal muss man hier die überbordende Sprachgewalt eines James Baldwin hervorheben. Meiner Meinung nach übertrifft dieses Buch sogar noch seinen Vorgänger, "Von dieser Welt". Und schon dieses Buch hatte mich umgehauen! Aber "Giovannis Zimmer" übertrifft den Vorgänger definitiv und macht unheimlich neugierig auf weitere Bücher des Autors. Dann das Thema des Buches, der Blick eines afroamerikanischen Autors auf die Beziehung zweier weißer Männer und eine dazwischen stehende Frau, einerseits hat dies in der damaligen Zeit sicher für Wellen gesorgt, "Giovannis Zimmer" kam in den USA 1956 heraus und bei uns in D dann 1963, ein gewisser zeitlicher Unterschied, warum nur (? ... !) und andererseits gebührt dem Autor schon für diesen Mut ein tosender Applaus. Dann ist der Mut zu dieser dem Thema zugrunde liegenden Gesellschaftskritik zu erwähnen. Denn David, der zwischen Giovanni und Hella hin- und herschwingende Mann, kann aus Angst vor Bestrafung/Repressalien nicht zu seiner Liebe zu Giovanni stehen und reißt damit alle drei Hauptfiguren in einen Abgrund, den keiner der drei unverletzt übersteht. Und dass nur wegen irgendwelcher Moralvorstellungen, die überhaupt nichts Moralisches an sich haben, sondern nur zerstören. Thematisch ist dies etwas, was nie seine Bedeutsamkeit verliert und demzufolge ist "Giovannis Zimmer" ein bedeutsames Werk, vielleicht schon ein Klassiker. Dabei ist David nicht nur eine tragische Gestalt, sondern trägt auch zu diesem Übel bei, durch seine Defensive und Trägheit zum Beispiel, lässt sich Geld vom Papa schicken, selbst arbeiten scheint nicht so erstrebenswert zu sein und auch sonst scheint eine Reaktion nicht in Davids Möglichkeiten zu liegen. Er suhlt sich lieber in seinem Unglück, vielleicht sogar in seiner Unfähigkeit zu lieben. Denn auch die Familiengeschichte von David zeigt eventuelle Ursachen, eine Psychotherapie hätte hier sicher geholfen. Ich weiß, ein neues No-Go. Erwähnenswert ist hier ebenso das wirklich erhellende Nachwort von Sasha Marianna Salzmann, der Autorin von "Außer sich", ein ebenso in die Thematik passendes Buch. Negativ zu erwähnen ist in diesem Buch wirklich das Frauenbild. Vielleicht passt das ja in die damalige Zeit, ja. Gewöhnungsbedürftig ist es dennoch! Trotzdem ist mir dieses Buch 5 satte Sterne wert!
2 Wows
Giovannis Zimmer - James Baldwin James Baldwin war ziemlich mutig, im Jahr 1956 diesen Roman zu veröffentlichen. Denn er selbst war schwarz, arm und homosexuell. Und er wagte es, über die Liebe zwischen weißen Männern zu schreiben. Doch es steckt noch so viel mehr in diesem Werk, das ich gar nicht alles erfassen konnte. Einfach weil mir dafür so viel Erfahrungswerte fehlen. Zur genaueren Interpretation hilft das sehr lesenswerte Nachwort von Sasha Marianna Salzmann. David verspürt schon früh homosexuelle Neigungen und flüchtet mehr oder weniger aus dem prüden Amerika nach Frankreich. Dort begegnet er in einer Pariser Bar Giovanni, dem er augenblicklich verfällt. Ohnehin gerade auf der Suche nach einer Bleibe, zieht er kurzerhand zu ihm. Sie verbringen eine atemlose Zeit miteinander, doch David kann seine tiefe Scham und Schuldgefühle nicht abstreifen. Genau so wenig aber kann er die Beziehung beenden. Als Leser merkt man schon bald, dass die Stimmung düsterer wird, David ist innerlich zerrissen, die Sache kann nicht gut gehen. Dann kehrt auch noch Davids Verlobte Hella aus Spanien zurück und David sitzt endgültig zwischen den Stühlen. Er kann mit keinem von beiden glücklich werden und spricht mit keinem über seine Gefühle. Wie ein Fähnchen im Wind will er es eigentlich beiden recht machen und schlittert geradewegs in die unvermeidbare Katastrophe. Baldwin hatte einen unheimlich tollen Schreibstil. Fesselnd und poetisch zugleich. Komischerweise konnte er mich mit seinem Vorgänger „Nach der Flut das Feuer“ nicht erreichen. Hier aber zieht er den Leser quasi in die Geschichte. Man spürt die innere Zerrissenheit seiner Figuren, deren Schuld und Schamgefühle. Es ist eine sehr männliche Geschichte, Frauen spielen nur eine geringe Rolle und kommen dabei auch nicht allzu gut weg. Wie man dem Nachwort entnehmen kann, ist dieser Roman autobiografisch inspiriert. Baldwin selbst liebte über Jahrzehnte einen anderen Mann, der diese Liebe nur zeitweilig teilte. Auch eine große Wut auf sein (und Davids) Heimatland Amerika kommt immer wieder durch. Im Amerika der 60er Jahre war die Liebe zwischen Männern verboten, im liberaleren Paris immer noch schwer verpönt. In diese große Scham über seine nicht akzeptierte sexuelle Orientierung mischt sich auch noch die Angst davor, in der Gesellschaft noch weiter abzusteigen, gar Angst um das eigene Leben. Eigentlich wünscht sich David nämlich eine ganz traditionelle Familie mit Kindern. Vielleicht einfach nur der Wunsch nach Sicherheit und gesellschaftlicher Akzeptanz. Ein mutiges und kluges Buch, ein Roman, der über all die Jahre nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Mich hat die Geschichte mit seiner Intensität und Eindringlichkeit beeindruckt. Es ist vor allem hintergründig anspruchsvoll und manchmal durchaus hart zu lesen, wie sehr David mit sich selbst kämpft und sich im Grunde doch selbst verachtet. 5 Sterne
3 Wows
…und wieder eine Neuentdeckung für mich. Ich habe zwar schon das ein oder andere Mal den Namen James Baldwin durch die (un-)endlichen Weiten diverser Communities laut rufend und flüsternd gehört, gelesen hatte ich bislang aber nichts von ihm. Das hat sich nun geändert und ich heiße James Baldwin in der langen Reihe meiner (neuen) Lieblingsschriftsteller willkommen. Ich durfte im Rahmen einer Leserunde seinen erstmals 1956 veröffentlichten Roman „Giovannis Zimmer“ lesen, mit dem er lt. Beschreibung ein Tabubruch beging: als schwarzer Autor schrieb er die Geschichte einer Liebe zwischen zwei weißen Männern. Aus heutiger Sicht lässt sich natürlich nur der Kopf schütteln ob der Anfeindungen, die sich Baldwin nach der Veröffentlichung gefallen lassen musste, da es heutzutage - nicht wesentlich aber trotzdem - einfacher ist, als Schwuler oder als Lesbe zu leben und (öffentlich) zu seiner Liebe zu stehen. Die Protagonisten David und Giovanni können eigentlich nicht unterschiedlicher sein – und sind sich doch in gewisser Weise sehr ähnlich. Denn beide sind nicht wirklich in der Lage, lieben zu können – auf die ein oder andere Art. David ist ein Lebemann, der sich lieber aushalten lässt und seinen Papa im fernen Amerika um Geld bittet statt zu arbeiten. Giovanni verdient sein Geld in einer Schwulenbar in Paris. Da lernen sich unsere beiden Helden auch kennen. Von vornherein wissen die Leser*innen, dass diese (Liebes-)Geschichte tragisch endet; heißt es doch schon im ersten Satz „Ich stehe am Fenster dieses prächtigen Hauses in Südfrankreich, als die Nacht anbricht, die Nacht, die mich zum schrecklichsten Morgen meines Lebens führen wird.“ (S. 9) Im Lauf der Lektüre lernen wir die ambivalente Haltung Davids zu seiner eigenen sexuellen Orientierung kennen; auf der einen Seite seine klar homosexuelle Neigung, die er zwar schon als Jugendlicher entdeckt, sich dessen aber schämt und letztlich vergisst bzw. verdrängt. Bis – ja, bis er im Paris der 1950er Jahre auf Giovanni trifft, obwohl er zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur auf seine Freundin Hella wartet, die sich ob seines Heiratsantrags eine Bedenkzeit in Spanien erboten hat. Schließlich kommt es zum furios-tragischen Showdown, als David Giovanni für Hella verlässt – und am Ende ganz allein dasteht… Die Sprache Baldwins ist meisterhaft; sie entfacht bereits auf der ersten Seite einen Sog, dem sich die geneigte Leserschaft bis zum Schluss nicht mehr entziehen kann. Baldwin ist ein Poet, ein kluger Beobachter seiner Zeit; die oft philosophisch formulierten Gedanken gehen den Leser*innen in Mark und Bein über und man ist (fast) geneigt, nach dem äußerst hilfreichen und lesenswerten Nachwort von Sasha Marianna Salzmann den Roman gleich noch einmal zu lesen. Und auch jetzt – einige Tage nach der Lektüre - würde ich am liebsten noch einmal in das Paris der 1950er Jahre reisen, David schütteln und sich zu seiner Liebe zu Giovanni bekennen lassen. Dann hätte das Ende verhindert werden können *g*… So oder so: „Giovannis Zimmer“ ist ein sprachliches Meisterwerk und verdient nichts Anderes als 5* und eine glasklare Leseempfehlung! ©kingofmusic
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