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Goldene Jahre
Arno Camenisch

Goldene Jahre

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ZUSAMMENFASSUNG
Seit 51 Jahren betreiben Margrit und Rosa-Maria ihren Kiosk samt Zapfsäule und Leuchtreklame. Er ist die Zentrale im Dorf, bei Margrit und Rosa-Maria kommen alle vorbei und sie haben alles gesehen, schicke Autos und alte Mopeds, die Tour de Suisse und Prominenz aus dem Boulevard, ­Betrüger, die sie übers Ohr hauen wollten, ­genauso wie Filmstars. Am liebsten sind ihnen aber die Liebespaare und die frisch ­Verliebten. Bei Margrit und Rosa-Maria geht über die ­Ablage, was das Herz begehrt, und im Gegenzug hören sie, was die Herzen bewegt. Arno Camenisch erzählt mit viel Witz und grosser Liebe von einer Welt im Wandel - aber solange Margrit und Rosa-Maria ihren Kiosk mit Leuchtreklame und Zapfsäule bedienen, bleibt die Welt ein wunderbar schöner und heller Ort.
BIOGRAFIE
Arno Camenisch, 1978 in Tavanasa im Kanton Graubünden geboren und aufgewachsen, studierte am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel, wo er heute auch lebt. 2009 erschien im Engeler-Verlag der Roman Sez Ner, 2010 Hinter dem Bahnhof, 2012 Ustrinkata, 2013 Fred und Franz, 2013 Las flurs dil di, 2014 Nächster Halt Verlangen, 2015 Die Kur, 2016 Die Launen des Tages, 2018 Der letzte Schnee, 2019 Herr Anselm. Publikationen im "Harper's Magazine" (New York) und in "Best European Fiction" (USA). Seine Texte wurden in über 20 Sprachen übersetzt und seine Lesungen führten ihn quer durch die Welt, von Hongkong über Moskau und Buenos Aires bis nach New York. Im März 2015 strahlte das Schweizer Fernsehen und 3sat den Dokumentarfilm "Arno Camenisch - Schreiben auf der Kante" aus.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
22.04.2020
Ausgabe
Hardcover
ISBN
9783906050362
Sprache
German
Seiten
100
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REZENSIONEN
Bewertet von mrsrabe, miss_mesmerized und andere
mrsrabe
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daffodil
Seit 51 Jahren führen Margrit und Rosa-Maria einen Kiosk mit Tankstelle in einer kleinen Graubündner Ortschaft. Sie kennen den Ort, seine Bewohner und seine Gäste. Haben zu allen ihre Erlebnisse, Erinnerungen und Meinungen. Heute ist nicht mehr viel los in ihrem kleinen Betrieb. Seit es eine Umfahrungsstraße gibt, ist kein Geschäft mehr zu machen. Arno Camenisch schreibt in „Goldene Jahre“ von einer Welt im Wandel. Was ist diese kleine Buch, ein Roman, eine Reminiszenz an früher Zeiten, ein immerwährender Dialog zweier ältlicher Damen. Mit diesem Buch hat sich der Schweizer Schriftsteller auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2020 geschrieben. „Auf zum Mond, sagt die Margrit und dreht den Schalter, die gelbe Leuchtreklame auf dem Dach vom Kiosk geht an.“ Wo ist die Zeit so schnell dahin, 51 Jahre, fast wie gestern scheint es, als Margrit und Rosa-Maria das erste Mal die Reklame einschalteten. Große und kleine Dinge des Lebens. Dinge, die die Welt bewegten wie die Mondlandung 1969, die Tour de Suisse, Tschernobyl. Die Prominenten wie Eddie Merckx oder Roger Moore, die an dem Kiosk halt machten. Alles vermerkt in kleinen Notizbüchern. Der Schnee, der früher mehr war, die Heftchen, die der Pfarrer kauft, wer mit wem, von Gewinnern und Verlieren, von verpassten Gelegenheiten. Auch wenn der Kiosk und die Zapfsäule langsam verstauben, Margrit und Rosa-Maria sind noch lange nicht von gestern. Ein strahlender Mittelpunkt des Ortes war der Kiosk immer, ein Bijou von einer Leuchtreklame. So ist auch dieser Text ein Bijou der Lesefreude. Humorvoll, liebevoll bissig kommentieren die beiden Damen das Weltgeschehen und die regionalen Ereignisse. Das Leben im Ort hat sich verändert in diesen 51 Jahren, die Routine der beiden blieb über die Jahre konstant. Doch eines fällt auf, während Margrit und Rosa-Marie plaudern. Kein einziger Kunde lässt sich blicken. Sie haben alle Zeit der Welt. Solange die Reklame leuchtet.
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miss_mesmerized
Vor 51 Jahren haben sie ihren Kiosk eröffnet und noch immer leuchtet die Reklame auf 800 Meter Höhe über dem Tal. Rosa-Maria und Margrit erzählen von ihrer bewegten Zeit, die mit der Mondladung begann und sie zu einer festen Größe im Dorfalltag werden ließ. Jeden Morgen schalteten sie die Reklame ein, putzen die Scheiben und holen die Zeitungen; immer derselbe Ablauf, der sich den beiden Damen eingebrannt hat. Winters wie Sommers sind sie der zentrale Anlaufpunkt, an dem alles kulminiert und sowohl die Versorgung mit Gütern wie auch mit Informationen stets gesichert ist. „Wir sind da ein bisschen wie die Zentrale im Dorf, die Leute tragen uns die Informationen zu, da steht man schon in der Verantwortung, die Daten auch mit der nötigen Sorgfalt zu behandeln, das ist nämlich brisant, stell dir vor, wir würden herumerzählen, was der liebe Herr Pfarrer hier jeden Freitag kauft, das wäre ein Scandal für den Boulevard, aber was für ein Scandal das denn wäre, stell dir vor. Da sind wir dezent (...)“ Es ist herrlichen erfrischend, den beiden ungezwungenen Protagonistinnen bei ihren Erinnerungen zu folgen. Natürlich haben sie allerlei über die Bewohner des Örtchens zu berichten, denn dezent sind sie nun wahrlich nicht – die Fremdgeher, die Lotteriegewinner, der, der immer alles verpasste und erst der Pfarrer – genauso haben sie aber auch jede Menge Prominenz gesehen: Ornella Muti, Roger Moore, Eddy Merckx. Alles notieren sie in ihren Heften, damit nichts vergessen geht, eine ganz eigene Graubündner Chronik. Inhaltlich irgendwo zwischen Dorfklatsch und lokaler Weltgeschichte besticht der Roman vor allem durch den lässigen Plauderton, der durchaus mal ironisch wird und so lebendig ist, dass man sich Rosa-Maria und Margrit bildlich vorstellen kann. Dass dies mit einer Nominierung auf der Longlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises honoriert wird, geht für mich mehr als in Ordnung, eine frische Stimme voller beschwingter Leichtigkeit, der man gerne folgt. Aber der Text ist nicht nur oberflächlich humorvoll, die Veränderungen des ländlichen Raums werden auch deutlich. War einst die Tankstelle der zentrale Treffpunkt, hält nun allein schon die Umgehungsstraße die Menschen fern. Die alte Zeit ist nicht mehr, nur die beiden Damen und ihr Kiosk halten tapfer die Stellung, bis irgendwann jedoch auch ihr Raumschiff endgültig schließt und die Reise zu Ende ist – wie so vieles auf den Dörfern mit den Bewohnern auszusterben droht. Vielleicht nicht der heißeste Anwärter auf den Buchpreis Titel, für mich aber zweifelsohne ein Lesehighlight, das ich auf jeden Fall nur weiterempfehlen kann.
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1969 haben Margrit und Rosa-Marie zum ersten Mal die Leuchtreklame auf ihrem Kiosk angeknipst. Was ist nicht seither alles in diesen einundfünfzig Jahren geschehen, was hat sich nicht alles verändert, wer nicht alles war bei ihnen Kundschaft ... Sehr entspannt erinnern sich die Frauen an die Tour des Suisse, die Mondlandung, erste E- Bikes, berühmte Leute, Liebespaare und viel, viel mehr. Stets haben sie versucht, für ihre Klientel alles, was diese begehrten, anzubieten. Stets freundlich, liebenswürdig, humorvoll. Es war nicht immer leicht; Touristen kauften eher an der Umgehungsstraße ein, Gauner versuchten, den Damen zu schaden, Wetterunbilden verscheuchten Kunden, Schnee wehte in den Kiosk. Es ist, als hörte man zwei liebenswerten älteren Damen, die in Erinnerungen schwelgen, zu. Mundartgefärbte Begriffe wie Körbli, Zückerli, Läppli, Heftli und Kämmerli, lassen das Gehörte authentisch wirken. Ach ja, so viele Erinnerungen ... Ein Stück Zeitgeschichte von Arno Camenisch aus dem Engeler Verlag.
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