mojoreads
Community
Peter Walther

Hans Fallada

Kunst & Musik
!
0 Bewertungen
!
lesen will
!
lese ich
!
gelesen
!
INFO
!
MOJOS
!
REZENSIONEN
!
KOMMENTARE
ZUSAMMENFASSUNG
Hans Fallada: Mit Größe am Leben gescheitert. Die umfassende Biographie. Populär war er schon immer, mittlerweile erkennt man seinen weltliterarischen Rang: Der Autor Hans Fallada wurde in den letzten Jahren noch einmal völlig neu entdeckt. Es ist Zeit, sich auch seiner Biographie neu zu nähern und das reiche, bislang unerschlossene Material auszuwerten. So schärfen sich selbst für den Kenner die Konturen und schließen sich die Lücken. Hier der von seinen Dämonen bedrängte Künstler, Frauenheld, Opportunist, Ex-Sträfling und Morphinist, dort der respektierte Landwirt, liebende Familienvater, sich unter Lebensgefahr vom Alptraum des Dritten Reichs freischreibende Nazi-Gegner – die dramatische Biographie einer zerrissenen Persönlichkeit. Mit zahlreichen neuen Archivfunden – von Peter Walther kenntnisreich und souverän erzählt. »Eine rätselhafte, vielschichtige Gestalt – vielleicht war dieser ›Hans im Glück‹ stärker, als er selber wusste: reich in all seinem Unglück.« The New York Times. »Unfassbar material- und detailreich.« Jens Bisky, Süddeutsche Zeitung. »Die neue Biographie erzählt die Geschichte eines hochbegabten Selbstzerstörers.« Thomas Hüetlin, Der Spiegel. »Peter Walthers Biographie liest sich spannend wie ein Roman von Hans Fallada.« Salli Sallmann, kulturradio vom rbb. »Packend und detailliert erzählt Peter Walther dieses schier unglaubliche Leben.« Natascha Geier, Kulturjournal (NDR). »Eine sehr lesenswerte Biographie.« Britta Bode, Berliner Morgenpost. »So detailreich sind Aufschwünge und Abstürze Falladas, sind die Begleitumstände seines Werks bisher nicht geschildert worden.« Jens Bisky, Süddeutsche Zeitung.
BIOGRAFIE
Peter Walther, geboren 1965 in Berlin, studierte u. a. in Falladas Geburtsstadt Greifswald Germanistik und Kunstgeschichte und wurde 1995 in Berlin promoviert. Zusammen mit Birgit Dahlke, Klaus Michael und Lutz Seiler gab er die Literaturzeitschrift „Moosbrand“ heraus. Heute leitet er gemeinsam mit Hendrik Röder das Brandenburgische Literaturbüro in Potsdam. Er ist Mitbegründer des Literaturportals „literaturport“ und veröffentlichte Bücher zur Geschichte der Fotografie sowie zu Schriftstellern wie Johann Wolfgang von Goethe, Peter Huchel, Günter Eich und Thomas Mann.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
19.01.2017
Ausgabe
eBook
ISBN
9783841212962
Sprache
German
Seiten
464
Schlagworte
70. Todestag, Berkenbrück, Haft, Greifswald, „Hoppelpoppel, wo bist du?“, Leben, Hans Fallada, Werk, Wolf unter Wölfen, Anna Issel, deutschsprachige Literatur, Wer einmal aus dem Blechnapf frißt, Sanatorium, Innere Emigration, Ursula Loesch
MOJOS
!
Hat dieses Buch Mojo?
Dann lass uns wissen, warum wir es lesen sollten!
REZENSIONEN
Bewertet von Anne-Marit Strand...
anne-maritstrandborg
Anne-Marit Strandborg
Ich war beim Lesen dieser Biografie hin- und hergerissen. Vor wenigen Jahren habe ich Hans Fallada zu meinem Lieblingsschriftsteller erkoren. Nach Büchern wie Der Trinker, Kleiner Mann – was nun?, Der eiserne Gustav, Der Alpdruck und Jeder stirbt für sich allein blieb mir gar nichts anderes übrig. Der Hauptgrund war wohl, weil er immer nah bei den kleinen Leuten ist. Und das, wo seine Familie selbst nicht zu denen gehörte. Er wurde am 21. Juli 1893 als Rudolf Ditzen geboren. Nach zwei Mädchen ist er der ersehnte Sohn. Etwas später kommt noch ein Bruder – und so ist die Familie komplett. Und egal, was ihm widerfahren wird – er ist ein Glückskind. Die Eltern führen eine harmonische Ehe, finanziell steht die Familie durch die berufliche Stellung des Vaters auf guten und sicheren Füßen. Die Vorfahren väterlicherseits stammen aus Ostfriesland. Hier amtiert Rudolfs Urgroßvater Cirk Stürenburg „in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Präsident der ostfriesischen Anwaltskammer, […] leitet in Aurich den Bach-Verein und veröffentlicht nach über 20 Jahren Recherche 1857 ein ostfriesisches Wörterbuch“ – Seiten 16/17. Rudolfs Mutter kommt aus einer Pflegefamilie, in der sie sehr unglücklich war. Als sie ihren Mann kennenlernt, ist es wie eine Befreiung für sie. Vater nahm Mutter und führte sie aus der Enge in die Weite. Sie, die stets für andere hatte da sein müssen, die nie etwas Eigenes hatte sein und besitzen dürfen, lehrte er, ein Mensch zu sein. Er hatte nie Launen, er wurde selten ungeduldig. Zu Anfang wollte der Haushalt gar nicht recht gehen, Mutter konnte nicht selbständig arbeiten, sie wagte nie, einem Mädchen ein Wort zu sagen … Aber Vater machte ihr Mut, er half ihr, er tröstete sie, er lobte sie, er lächelte über Missgeschicke, er tadelte nie … Er machte einen Menschen aus Mutter, aus ihr, die fast ein Automat geworden wäre. - Seite 21 Der Vater arbeitet an der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches mit, was seine Karriere festigt. Mit einem Jahresgehalt von 5400 Mark kennt die Familie keine finanziellen Sorgen. Noch dazu erbt Wilhelm Ditzen mehr als 100.000 Mark von seinem Vater. In der Schule wird Rudolf gedemütigt, einige Lehrer mögen ihn nicht. Bald prägt die Angst vor Schülern und Lehrern seinen Alltag. Rudolf reagiert mit Krankheiten. 1909, Rudolf soll seine Aufnahmeprüfung für die Obersekunda ablegen, hatte er einen Unfall, in dessen Heilungsprozess er mit Morphium behandelt wurde. Mir scheint Rudolf gestört. Die, die er gerne hat – seien es Tiere oder Menschen – die quält er auch gerne. Den Eltern einer Freundin lässt er durch einen Freund verletzende Briefe zukommen. Mit noch einem Freund beschließt er, sich selbst in einem Duell zu töten. Der Freund stirbt, Rudolf schießt sich danach zweimal in die Brust, überlebt aber. Im Sommer 1917 schreibt Rudolf einer Freundin, dass er Genüsse braucht, die Vergessen machen. Ein Freund besorgt Morphium und schon bald ist er abhängig. Besagte Freundin ist es auch, die ihm nahelegt, über seine Kinder- und Jugendzeit zu schreiben. Und so entsteht sein Debüt Der junge Godeschal. Der Vater finanziert ihm eine Auszeit, um herauszufinden, wohin er gehöre: Zur Literatur oder in die Landwirtschaft. Einzige Bedingung, die der Vater stellt: Rudolf möge Berlin verlassen und wenn sein Buch erscheint, dann bitte unter einem anderen Namen. Gefühlsmäßig scheint Rudolf hin- und hergerissen: Einerseits schreibt er, was er sich für Sorgen um die Eltern macht, andererseits scheint er deren Tod herbeireden zu wollen, um wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen zu können und seinen Traum von einem Gut in landschaftlich schöner Gegend verwirklichen zu können. 1919 ein Selbstmordversuch. Spätestens, als Rudolf sich weigert, seine Schulden der Freundin zurückzuzahlen, obwohl er die Mittel hatte, denke ich fast: Er ist einfach nur ein egoistischer, selbtbezogener, ungehobelter Mensch. Dass er es nach Jahren dann doch tut, mag fast nichts an meiner Meinung ändern. Sein Goedeschal-Buch wird von Rowohlt angenommen, erscheint im Januar 1920 und Rudolf legt sich den Künstlernamen Hans Fallada zu. Er gründet eine Familie, hat sein „Lämmchen“ gefunden und wird Schriftsteller. Was gar nicht so leicht ist in einer Zeit, als die Literatur einer genauen Prüfung unterzogen wird. Schlechte Rezensionen vonseiten der Prüfer lassen die Verkaufszahlen einbrechen. Kaum jemand traut sich noch, gute Rezensionen zu schreiben. Dabei ist Fallada ein absolut fleißiger Schreiber. In ein paar Tagen kann er einen Roman mit 600 Seiten runterschreiben. Andererseits strengt es ihn wahnsinnig an: Er raucht 120 Zigaretten pro Tag, schläft kaum. Ist die Arbeit beendet, geht er fast jedes Mal in ein Sanatorium. Während des Lesens wurde mir Fallada ein wenig entzaubert. Nicht als Schriftsteller, denn schreiben konnte er wahrlich. Aber doch als Mensch, den ich mir hinter dem Schreiber vorgestellt habe. Sein Frauenbild zum Beispiel kann ich absolut nicht gutheißen. Nicht nur, dass er seine Frau betrügt, auch die Art, wie er über Frauen in seinem Umfeld schreibt. Doch zum Schluss hin war ich aber wieder versöhnt. Denn es gab für mich eine logische Erklärung für sein Verhalten. Und nachdem ich das Buch nun zugeschlagen habe, sitze ich hier und denke über den Menschen Rudolf Ditzen nach und über den Schriftsteller Hans Fallada. Der wohl ein Getriebener war. Von klein auf war es sein Wunsch, ein Schriftsteller zu werden. Dass dieser Beruf ihn am Ende kränker machte, als er ohnehin schon war, ist ein Jammer. Eine interessante Biografie, die mir beide nahegebracht hat: den Menschen und den Schriftsteller.
9 Wows

KOMMENTARE

!
Noch keine öffentlichen Anmerkungen.
Deine öffentlichen Anmerkungen erscheinen hier gemeinsam mit der korrespondierenden Textstelle. Private Anmerkungen bleiben natürlich privat.
Deutsch
  
Englisch
mojoreads Instamojoreads Twittermojoreads Facebook