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Yaa Gyasi

Heimkehren

Geschichte
Ist Teil der Reihe
DuMont Taschenbücher
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ZUSAMMENFASSUNG
>Heimkehren< spannt einen kühnen Bogen vom Ghana des 18. Jahrhunderts bis in die USA der Gegenwart. Die Geschichte setzt mit Effia und Esi ein - Schwestern, deren Lebenswege von Anfang an getrennt verlaufen. Es ist Effias Stamm, die Fante, der Hand in Hand mit den Briten das Geschäft der Versklavung Tausender betreibt. Über Jahrhunderte profitieren Effias Nachkommen davon oder verzweifeln daran, so wie ihr Enkel James. Dessen Urenkel wiederum, der kluge Yaw, muss erkennen, dass man in diesem gnadenlosen Spiel als Schwarzer nur verlieren kann, weil am Ende stets die Weißen profitieren. Esi, ihre Kinder und Kindeskinder kämpfen vom ersten Tag an in Amerika ums Überleben. Ihre willensstarke Tochter Ness nimmt jedes Leid auf sich, um ihr Kind zu retten. Ihr Enkel schuftet in den Kohleminen Alabamas für ein besseres Leben in Freiheit, das jedoch selbst noch seiner Tochter Willie im Harlem der Sechzigerjahre verwehrt bleibt. Hat die vorerst letzte Generation schließlich die Chance, einen Platz in der Gesellschaft zu finden, den sie Heimat nennen kann und wo man nicht als Menschen zweiter Klasse angesehen wird? New-York-Times-Bestseller
BIOGRAFIE
Yaa Gyasi, 1989 in Ghana geboren, ist in den USA aufgewachsen. Sie hat Englische Literatur in Stanford studiert und einen Abschluss des Iowa Writers' Workshops. Für ihr Debüt >Heimkehren< erhielt sie von der National Book Foundation die Auszeichnung >5 under 35< und wurde u. a. mit dem PEN/Hemingway Award for Debut Fiction ausgezeichnet. Die Autorin lebt in den USA. Anette Grube, 1953 in München geboren, hat Anglistik studiert. Sie hat u. a. Arundhati Roy, Richard Yates, Ch. N. Adichie, T. C. Boyle, Vikram Seth, Kate Atkinson und Mordecai Richler ins Deutsche übersetzt.
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REZENSIONEN
Bewertet von elena_liest, Lara und 3 andere
elena_liest
buecherregalstory
reading_adler
sophiekrüger
monerl
Effia und Esi sind Schwestern, wissen aber nichts voneinander. Während die eine Schwester einen reichen weißen Sklavenhändler heiratet, wird Esi als Sklavin nach Amerika verkauft. So unterschiedlich, wie das Leben der beiden Schwestern aussieht, so sieht auch das ihrer Nachkommen aus: während Effias Kinder und Kindeskinder immer wieder Opfer oder Profiteure des Sklavenhandels werden, leiden Esis Nachkommen unter der ständigen Unterdrückung durch Weiße und müssen immer wieder um ihr Leben kämpfen. Yaa Gyasi erzählt in "Heimkehren" über 250 Jahre hinweg die Geschichte einer geteilten Familie. Sie beginnt in der Vergangenheit und endet in der Gegenwart. So baut sie eine Brücke von der Sklaverei Ende des 18. Jahrhunderts bis zum sechs Generationen später immernoch währenden Rassismus. Ich habe bisher keinen Roman gelesen, der sich mit "Heimkehren" vergleichen lässt. Die Schauplätze der Geschichte sind Ghana und Amerika und die beiden Erzählstränge spielen abwechselnd an den beiden Schauplätzen. Auch die verschiedenen Perspektiven sind einzigartig. Jedes Kapitel wird aus der Sicht eines anderen Menschen erzählt. So erstreckt sich die Geschichte über sechs Generationen und bildet ein erschreckendes, aber auch sehr dichtes Bild über die Historie der Sklaverei und des Rassismus ab. Dabei konnte ich mit jeder Protagonistin und jedem Protagonist sehr gut mitfühlen, konnte mich in die jeweilige kurze Lebensgeschichte fallen lassen und empfand jeden Lebensweg als Bereicherung. Obwohl die Lesende und der Leser nur wenige Seiten mit dem jeweiligen Menschen verbringen schafft es die Autorin, Tiefe und eine gewisse Besonderheit in jedes Kapitel zu legen. Wer verstehen möchte, wie Rassismus entstanden ist, wer sich mehr mit der Geschichte der Sklaverei auseinander setzen möchte und wer sich einfach mehr mit einem oft verschwiegen Kapitel beschäftigen möchte, sollte Heimkehren lesen. Man sollte das Buch aber auch einfach lesen, weil es großartig geschrieben ist, unglaublich vielschichtige Protagonist_innen zu Wort kommen lässt und absolut einzigartig ist. Ich zähle das Buch zu den Büchern, die ich dieses Jahr und vielleicht sogar im Leben am liebsten gelesen habe. Es ist nicht leicht, über das Leid anderer zu lesen, aber es ist vedammt nochmal wichtig. Deshalb gibt es hier von mir eine dringende Leseempfehlung und volle 5 / 5 ⭐, obwohl ich eigentlich gerne noch mehr vergeben würde.
Wow
Kein schönes, aber ein gutes Buch! Erzählt wird die Geschichte zweier Triebe, die sich aus einer gemeinsamen Wurzel entwickelt haben: Einer Mutter. Mit zwei verschiedene Männern bekommt sie in den 1760er Jahren je eine Tochter, die sich nie kennenlernen und deren Lebensläufe und sich daraus entwickelnde Stammbäume, die sich nie berühren, im Folgenden erzählt wird. Eine Erzählung findet überwiegend in Afrika, dem heutigen Ghana, statt und die andere in den USA. Das Buch ist nicht schön zu lesen. Die Schilderungen, wie mit den Menschen umgegangen wird, sind drastisch und brutal. Es ist und das ist das Berührende an diesem Werk, leider vorstellbar, dass es früher wirklich so zuging. Erzählt wird die Entwicklung über acht Generationen hinweg bis in die Jetztzeit; die beiden Stammbäume wechseln sich dabei immer ab. Der schriftstellerische Stil bleibt stets derselbe: Szenenhafter Einstieg, Schilderung des aktuellen Lebens des jeweiligen Protagonisten (in jedem Kapital ein anderer), Rückblende, manchmal die Beschreibung eines kleinen Glücks, aber dann wieder ein dramatisches, verstörendes Ereignis (oder mehrere) und ein abruptes, unbefriedigendes Ende des Kapitels. So arbeitet man sich als Leser durch die gut 400 Seiten, ohne dass es je zu einem Lesefluss kommt, ohne dass man je mit einem Protagonisten mitleben kann, ohne dass es zu einem zusammenhängenden Kopfkino kommt. Kapitel für Kapitel reihen sich Schicksalsschläge und Unglücke aneinander, so dass der Leser allmählich abzustumpfen droht. Erst ganz am Schluss findet die Autorin einen hinreißenden Bogen, um das Buch noch zu einem einigermaßen versöhnlichen und hoffnungsfrohen Abschluss zu bringen. Ich halte es dennoch für ein gutes Buch, da es das oft menschenunwürdige und benachteiligte Leben der Farbigen sowie den rassistischen Alltag drakonisch reflektiert und bewusstseinspflichtig macht.
Wow
Ich denke nicht, dass ich groß über den Inhalt des Buches reden müsste, da es genug darüber geschrieben wurde. Was ich aufjeden Fall sagen kann ist, dass dieses Buch mich von der ersten bis zur letzten Zeit gepackt hat. Ich hatte noch nie zuvor ein Buch mit dieser Thematik gelesen und war höchst überrascht darüber, wie gut es mir gefällt. Die Art und Weise, wie das Leben der Menschen beschrieben wurde, war so gut, dass man sich als Leser "unwohl"gefühlt. Da waren einige Szenen, die nicht für schwache Nerven sind. Man konnte sich in die Protagonisten gut hineinversetzen und mit ihnen ihr Leid spüren. Außerdem fand ich auch den Wechsel der Erzählperspektiven auch gut, wobei es auch etwas verwirrend war (deshalb auch einen Stern Abzug). Und die Geschichte verschiedenen Generationen über mehere Jahrzehnte hinweg fand ich auch echt interessant, da man sehen konnte, was sich alles mit der Zeit verändert hat. Als Fazit würde ich es jedem weiterempfehlen, der Historische Geschichten mag. Insgesamt bekommt das Buch von mir vier Sterne.
Wow
Heimkehren von Yaa Gyasi hat mich zutiefst berührt. Die Handlung erstreckt sich über sieben Generationen, 14 Personen und zwei Kontinente. Es geht um Kolonialismus und Sklaverei in Ghana und Amerika und vor allem darum, was sie mit den Betroffenen macht. Alles beginnt mit zwei Halbschwestern, die sich nie kennenlernen werden: Effia wird an einen Engländer verheiratet und führt ein komfortables Leben in Cape Coast. Ihrem Strang der Familie folgen wir größtenteils in Ghana. Esi hingegen wird an einen Sklavenhändler verkauft und nach Amerika gebracht. Es ist kaum zu glauben, dass Gyasi es geschafft hat, diese Familiensaga auf gerade mal 300 Seiten zu erzählen, ohne dass es sich gehetzt oder nicht detailliert genug anfühlt. Stattdessen vermittelt sie auf diesen 300 Seiten dem Leser unglaublich viel wissen über die Geschichte der Kolonialisierung und des Sklavenhandels, über die Schicksale, die befreite Sklaven in Amerika zu erleiden hatten und über die Herausforderungen vor denen die Bevölkerung von Ghana in den vergangenen Jahrhunderten stand. Gyasi schreckt dabei nicht vor blutigen und brutalen Details zurück, so dass ich das Buch einige Male beiseite legen musste und eine Pause brauchte. Ich bin aber sehr froh, Homegoing gelesen zu haben – es wird mich sicherlich noch eine ganze Zeit beschäftigen.
Wow
Meisterhaft erzählt die Autorin die Geschichte einer Familie über mehrere Generationen, die ihren Ursprung in Ghana hat. Eine Heimat, eine Mutter, zwei Töchter und die Zukunft vieler Nachkommen, die wir bis ins heutige Amerika begleiten. Dabei streifen wir die schmerzhaften Themen wie Kolonialisierung, Sklavenhandel, Mißbrauch von Frauen, Rassendiskriminierung, Bergbau und Ausbeutung der Menschen dafür, der Weg Ghanas in die Unabhängigkeit, Perspektivlosigkeit der Schwarzen in Amerika, Drogen usw. In jeweils wechselnden Kapiteln erfahren wir durch Ausschnitte aus dem Leben des jeweiligen Protagonisten, einem Nachkommen, einem Enkel, Ur-Enkel, Ur-Ur-Enkel usw. der beiden Halbschwestern. Intensiv beleuchtet die junge Autorin die historischen Hintergründe Ghanas, die mich sehr berührt haben. Dadurch gefielen mir die Lebensgeschichten der Charaktere, die bis zum Ende des Sklavenhandels gehen, am allermeisten. Ein roter Familienfaden, mit Erinnerungen an den Ursprung und die Sehnsucht nach Heimat, Halt und Glück zieht sich durch das ganze Buch. Ein jeder hat ein Stück seiner vorherigen Generation im Kopf und im Herzen. Yaa Gyasi erzählt direkt und ungeschönt. Die Vergangenheit wird dabei authentisch aufgearbeitet und die Augen werden denjenigen geöffnet, die sie bisher vor solch historisch schmerzlichen Wahrheiten verschlossen haben. Wir lesen bzw. hören über Unmenschlichkeit, Grausamkeit und Ungerechtigkeit, runtergebrochen auf einzelne Menschenschicksale. Wen das nicht berührt hat ein Herz aus Stein. Meine kleinen Kritikpunkte zu diesem grandiosen Debüt beziehen sich in erster Linie darauf, dass die Geschichte zwischen den einzelnen Kapiteln zu große Lücken hat. Je weiter sie auf die Gegenwart zusteuert, desto weniger erfahren wir vom Leben des Protagonisten im Vergleich zu denen, die im 18. und 19. Jahrhundert spielen. Zum Hörbuch: Die Produktion mit 14 unterschiedlichen Sprechern war sicherlich eine Herausforderung, die jedoch ziemlich gut gelungen ist, auch wenn man sich als Hörer permanent auf neue Stimmen einstellen muss. Da die Geschichte über acht Generationen erzählt wird, springt sie auch recht schnell von einem Leben zum anderen. Hierbei vergisst man als Hörer viel eher Details aus der vorherigen Geschichte und kann durch das Medium Hörbuch leider nicht mehr zurück und sich das eine oder andere in Erinnerung rufen. Deshalb war für mich das Hörbuch nicht das perfekte Mittel, um diese Geschichte im Ganzen zur vollsten Zufriedenheit genießen zu können. Ein weiteres Manko sehe ich zusätzlich noch in dem Hörbuch als Download. Hier hat man keinen Stammbaum vor Augen, dem man visuell folgen kann. Ich habe mir dafür extra einen Screenshot des Stammbaums gemacht, da er mir wichtig war. Fazit: Wer sich für die Geschichte Ghanas und die der Stämme interessiert, für die Entstehung des dortigen Sklavenhandels und auch die Rassendiskriminierung der Afrikaner in Amerika, wird mit "Heimkehren" ein absolutes Leseerlebnis haben. Und obwohl viel Verachtung und Traurigkeit in diesem Buch stecken, ist es durchspickt mit Hoffnung, Zuneigung und Liebe. Das ist es auch, was diese Geschichte so unvergesslich macht.
Wow
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