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Helden für immer
Markus Jäger

Helden für immer

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ZUSAMMENFASSUNG
Im Juni 1936 lernt der 17-jährige Felix am Wiener Heldenplatz den nur wenige Jahre älteren Kilian kennen. Die lebenslange Beziehung zwischen den beiden erzählt eine moderne Interpretation des größten literarischen Themas: der Liebe. Der Heldenplatz ist Handlungsort für das Aufeinandertreffen zweier junger Männer, deren Gefühle sich allen Unterdrückungsmechanismen des 20. Jahrhunderts entgegenstellen. Somit wird im Laufe des Romans die Geschichte zweier wahrer Helden erzählt. Der aufkommende Nationalsozialismus vermag ihre Liebe ebenso wenig zu zerstören wie die reaktionären Mitläuferfamilien der beiden. Es folgt eine Chronik ihres Lebens zu zweit, die sich - mit gezielt drapierten Rückblenden - freskoartig verdichtet. Dabei werden die Persönlichkeitsentwicklungen der beiden Protagonisten ebenso zum roten Faden wie die mühsam erkämpften Veränderungen, die ihnen mehr und mehr ermöglichen, sich aus ihrer Schlangenhaut des Versteckens zu befreien. Das Private wird dabei politisch, das Politische wird privat.
BIOGRAFIE
Keine Angaben verfügbar

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
01.09.2018
Ausgabe
Paperback
ISBN
9783896562685
Sprache
German
Seiten
288
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REZENSIONEN
Bewertet von kupfisbuecherkiste und Marc Lippuner
kupfisbuecherkiste
lippunermarc
kupfisbuecherkiste
Noch gar nicht so lange her, kam ich mit Markus Jäger auf einer sozialen Platform in Kontakt. Ich folgte ihm zwar schon länger sehr neugierig, aber wie das ja öfters so ist: ich hatte noch nichts von ihm gelesen. Als ich dann ein Rezensionsexemplar von ihm bekam, habe ich mich sehr darüber gefreut, und war sehr neugierig auf die Geschichte „Helden für immer“. Felix und Kilian lernen sich in einer Zeit kennen, die von sehr sehr konservativen Weltbildern bestimmt ist. Gleichgeschlechtliche Liebe ist verpönt und wird sogar strafrechtlich verfolgt. Und so müssen die beiden eine Beziehung im Geheimen führen: so entwickeln beide eine lebenslange Angst, dass ihre Liebe entdeckt werden könnte, und sie dadurch bestraft oder verfolgt werden könnten. Und doch, oder gerade deswegen trotzen sie aller Gefahren, die diese große Liebe mit sich bringt. Während von den Familien, von denen sie eh früh getrennt werden, kein Rückhalt zu erwarten ist, finden sie unerwartete Hilfe bei Freunden, die sie sehr lange begleiten werden. Doch diese Liebe ist auch geprägt von Angst und Flucht. Immer wieder müssen sie sogar überstürzt ihren aktuellen Wohnort verlassen, und so finden beide etwas Entspannung über den großen Teich. So entpuppt sich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten für die beiden als große Sicherheit, mit der sie erstmal lernen müssen zumzugehen. Der Wille, sich die Freiheit zu erkämpfen, wird von Erfolg gekrönt. Felix wird als erfolgreicher Autor gefeiert, und Kilian stärkt ihm den Rücken. Und ihre Umgebung geht sehr entspannt mit ihrer Liebe um. So können beide – trotz Höhen und Tiefen – eine Liebe bis zum Schluss leben. Während ich am Anfang etwas Startschwierigkeiten hatte, mich in Markus Jägers Schreibstil einzufuchsen, fesselte mich der Schreibstil später umso mehr. Teils abschweifend, wirkt es teilweise, dass die eigentliche Geschichte gar nicht so vorangetrieben wird. Und doch: die Umwege, die am Anfang gegangen werden, sind elementar für diese Liebesgeschichte. Und so erzählt Jäger nicht nur die reine Geschichte von Felix und Kilian, sondern auch die Geschichte eines Kampfes um die Freiheit der gleichgeschlechtlichen Liebe über Grenzen hinaus, der auch heute ebenso wichtig ist trotz aller Erfolge. Mir persönlich hat dieser geschichtliche Streifzug sehr gefallen. Auch der Hinweis eines Protagonisten, dass ihn die Liebe Kilians und Felix‘ an die Liebe seiner Eltern erinnert hat, fand ich sehr treffend. Was genau macht die Liebe aus? Dass man sich auch in schlechten Zeiten liebt trotz aller Zweifel? Dass man an ihr arbeitet, und dem anderen auch seinen Erfolg gönnt? Die Liebe, die Markus Jäger beschreibt, hat mich ebenso an die Liebe meiner Eltern und Großeltern erinnert. So wurde gezofft, gestritten, die Meinung des anderen zerpflückt, und am Ende des Tages saßen beide doch wieder Händchen haltend zusammen, und haben sich vertragen. Und so wurde sich um den anderen bis zum letzten Atemzug gekümmert. Und dafür ist es schlicht und ergreifend schnurz egal, wer hier wen liebt. Markus Jägers Geschichte über Kilian und Felix kommt ohne Kitsch aus. Die Protagonisten hätten auch Ilse und Erna, oder Maximilian und Petra heißen können. Die Geschichte hätte nebenan geschehen können. Und das macht sie so glaubhaft und liebenswert. Egal welchen Weg ein Liebespaar geht, sie sind Helden ihres eigenen Alltags, der gemeinsam bestritten werden muss.
Wow
Ein Held ist, so steht es im Kinderlexikon, jemand, der etwas Besonderes getan hat, großen Mut zeigt, sich für andere Menschen opfert, manchmal besonders klug, weitaus öfter jedoch besonders stark ist. Insofern sind Markus Jägers Helden eigentlich keine. Felix und Kilian lernen sich 1936 am Wiener Heldenplatz kennen und lieben. Sie werden jedoch keine Vorreiter der Schwulenbewegung, gehen auch nicht in den antifaschistischen Widerstand, sondern flüchten. Immer wieder, sobald ihre Liebe entdeckt wird: aus Österreich nach Frankreich und Schweden, später aus Bayern nach Amerika. Ihre Beziehung halten sie über Jahrzehnte geheim, auch nachdem 1969 der Stonewall-Aufstand in der New Yorker Christopher Street einen emanzipierteren Umgang mit gleichgeschlechtlicher Liebe möglich macht. Der verstohlene Blick über die Schulter, die Angst davor, entdeckt zu werden, und die eigene Scham prägen sie ihr ganzes Leben lang. Und so ist dieser sprachlich ganz wundervolle Roman kein actionreiches Heldenepos, sondern eher eine leise Abenteuerreise ohne klassische Helden, ohne Gallions- oder Märtyrerfiguren schwuler Emanzipation. Im Gegenteil – und das ist das erschreckend Erhellende daran: Es ist eine Lebensgeschichte, wie sie im letzten Jahrhundert tausendfach vorgekommen sein muss. Wie viele homosexuelle Männer, und auch Frauen, haben sich aus Angst vor Ächtung und Diskriminierung in dieser Heimlichkeit einrichten müssen? Wie viele haben in dieser Heimlichkeit ihr Glück finden können? Wie viele Beziehungen sind daran zerbrochen? Und wie viele nicht? Vielleicht liegt hierin das eigentliche Heldentum: Dass man seine Liebe nicht verrät. Auch wenn die Kompromisse, die man dafür eingehen muss, alles andere als heldenhaft sind.
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