mojoreads
Community
Isabelle Autissier

Klara vergessen

!
5/5
4 Bewertungen
!
lesen will
!
lese ich
!
gelesen
!
INFO
!
MOJOS
!
REZENSIONEN
ZUSAMMENFASSUNG
Murmansk, nördlich des Polarkreises. Zum ersten Mal kehrt Juri, der längst als Ornithologe in Nordamerika lebt, in seine Heimat zurück. Sein Vater Rubin liegt im Sterben, lediglich das Rätsel um Juris Großmutter Klara - eine Wissenschaftlerin zur Zeit Stalins, die vor den Augen des damals vierjährigen Rubin verhaftet wurde - hält ihn am Leben. Klaras Verschwinden und eine Jugend voller Entbehrungen haben aus Rubin einen unerbittlichen Fischer und hartherzigen Vater gemacht, der seinen ungeliebten Sohn nun in einem letzten Aufeinandertreffen um Hilfe bittet: Er soll herausfinden, was mit Klara passiert ist. Und schließlich stößt Juri auf eine Wahrheit, die ihm vor Augen führt, wie eng alle drei Schicksale - sein eigenes, Klaras und Rubins - miteinander verknüpft sind ... Ein großes menschliches Abenteuer und eine familiäre Spurensuche, voll von spektakulären Beschreibungen einer wilden Natur, packend erzählt von Bestsellerautorin Isabelle Autissier.
BIOGRAFIE
Isabelle Autissier, 1956 in Paris geboren und dort aufgewachsen, lebt heute in La Rochelle. Mit sechs Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Segeln; 1991 machte sie Furore als erste Frau, die allein im Rahmen einer Regatta die Welt umsegelte. Seit den Neunzigerjahren widmet sie sich dem Schreiben. Ihr Roman »Herz auf Eis« (2017) war für den Prix Goncourt nominiert und wurde SPIEGEL-Bestseller.

PRODUKTDETAILS

MOJOS
!
Hat dieses Buch Mojo?
Dann lass uns wissen, warum wir es lesen sollten!
REZENSIONEN
Bewertet von daslesendesatzzei..., stricki und andere
daslesendesatzzeichen
stricki
renee
daslesendesatzzeichen
Jeder hat sein Päckchen zu tragen, sagt man so schön. Aber bei manchen ist das Päckchen doch ein bisschen umfangreicher, schwerer und bedrückender als bei anderen. Auch Juri gehört zu diesem Personenkreis. Er kommt aus Russland, genauer Murmansk – eine wenig einladende Hafenstadt nördlich des Polarkreises auf der Halbinsel Kola gelegen. Aus der bedrückenden Enge, die er dort verspürte, ist er schon vor vielen Jahren geflohen, nach Amerika. Erst da begann sein wahres Leben: Er studierte, wurde Professor für Ornithologie und konnte endlich angstfrei so leben, wie es ihm in Russland nie gestattet war, denn Juri ist homosexuell. Sein Vater hasste ihn, seit er sich erinnern kann. Zuerst war da ein großes Desinteresse an seiner Person, dann eine immense Wut, da der Junge in so viel besseren, einfacheren Umständen groß werden durfte, als der Vater selbst. Dieser Wut ließ der Vater freien Lauf, schlug Juri, maßregelte ihn, schimpfte und versuchte ihn auf viele Weisen zu drangsalieren. Die Mutter, kaum mehr als eine Amöbe, tritt im ganzen Buch kaum in Erscheinung, und genau eine solche Rolle spielte sie auch in Juris Leben: nämlich keine. Juri ist dem harten Seemann, den er als Vater hat, viel zu weich, zu weibisch. Und dann beobachtete der schmächtige Kerl auch noch ständig Vögel, statt sich mit „männlicheren“ Themen zu befassen. Juri hat jeden Kontakt zu seiner Familie abgebrochen, als er in die USA ging, war beim Tod seiner Mutter nicht zugegen und ist doch einigermaßen überrascht, als ihn eines Tages eine E-Mail aus seinem modernen Leben herauskatapultiert, mitten hinein in den Albtraum seiner Vergangenheit. Ein Nachbar seines Vaters hat ihn ausfindig gemacht, um mitzuteilen, dass dieser im Sterben liegt, er aber noch etwas Wichtiges mit seinem Sohn besprechen müsse. Juri versucht sich erst gar nicht gegen diesen ureigensten Impuls zu wehren, der ihn sofort aufspringen und einen Flug nach Murmansk buchen lässt. Zusehr ist dieses kindliche Pflichtbewusstsein verankert, obwohl ihm sein Elternhaus weder etwas bedeutet, noch nahesteht. Er fliegt also zurück in sein altes Leben und findet die Stadt dort merkwürdig gleichförmig vor, obwohl doch viel Zeit ins Land gegangen ist. Seltsam fremd und doch vertraut – ein altbekanntest Gefühl, das die meisten überkommt, wenn sie lange Zeit von ihrem Heimatort fern waren, an dem sie als Kind aufwuchsen. Rubin, so des Vaters Name, ist nicht altersmilde geworden, sondern weckt in Juri sofort die gleichen Gefühle wie früher – doch er hat einen Auftrag an Juri und somit sofort wieder Macht über ihn. Juri soll, und zwar möglichst schnell, denn viel Zeit hat der Todgeweihte nicht mehr, herausfinden, was mit Rubins Mutter passiert ist, die verschwand, als er ein kleiner Junge war. Juri selbst kennt nur wenige Geschichten über seine Großmutter, spürt aber, dass das Wissen um diese Frau viele Aspekte seines Lebens neu beleuchten könnte. Und so macht er sich auf die Suche nach Klara Sergejewna Bondarew, einer Geologin, die nach Uran forschte und in einer Nacht des Jahres 1950 von Männern in schwarzen langen Mänteln verschleppt wurde, direkt aus ihrem Zuhause, vor den Augen ihres kleinen Jungen und ihres verängstigten Mannes. Stalins Regime verbreitete Angst und Schrecken und Klara war ein Opfer dieser Atmosphäre geworden, in der jeder jeden anprangerte, nur um seine Haut zu retten, in der ein unbedachter Kommentar über Leben und Tod entscheiden konnte und über das Fortbestehen oder Zerstören einer Familie. Für Rubin bedeutete es das Ende einer fröhlichen Kindheit und seine spätere Härte erklärt sich aus den Erlebnissen dieser Phase – dennoch kann man zwar Verständnis für die unschönen Entwicklungen seines Charakters aufbringen, Sympathie erweckt er jedoch eher selten. Nun beginnt die französische Autorin Isabelle Autissier die Einzelteile dieses ganzen Geschichtengeflechts vor dem Leser auszubreiten, einem Fächer gleich … Der Spot geht an und beleuchtet wird das Leben des kleinen Rubin, vom traurigen Außenseiter bis zum stahlharten Seebären. Dann wird Juris Werdegang aufgerollt, alles auf ruhige und dennoch sogentwickelnde Weise – und dann schließlich, als Finale, kommt endlich die Geschichte Klaras, die als Gründerin dieser Familie alles ins Rollen brachte, alle Wege für ihre Nachfahren vorbestimmte. Man kann sich dem Erzählstil, der wortgewaltig Bilder der rauen und dennoch faszinierenden Natur zeichnet, nicht entziehen und will immer mehr davon lesen und immer weiter einsteigen in die Geschichte dieser ominösen Klara, die man mit jeder Seite mehr ins Herz schließt und die man begleiten möchte, weit über die letzten Seiten des Buches hinaus. Unbedingt lesenswert!
3 Wows
Klara und der Stalinismus. Lesehighlight 2020! Juri wäre nicht der geworden, der er ist, wenn Rubins Jugend nicht so ausgrenzend, hart und voller Entbehrungen gewesen wäre. Und Rubin hätte ein ganz anderer werden können, wenn er nicht mit vier Jahren seine Mutter Klara verloren hätte. Isabelle Autissier beschreibt das Leben dreier Generationen einer Familie im Russland von 1950 bis heute. Sie beginnt am Totenbett des Vaters. Der sanfte Vogelliebhaber Juri stattet seinem erbarmungslosen Vater Rubin letzte Besuche ab, nachdem er sein Leben lang von ihm drangsaliert wurde und so früh wie möglich die Flucht ergriffen hatte. Rubin bittet ihn, die Geschichte seiner Mutter Klara zu rekonstruieren. Diese wurde 1950 unter Stalin verhaftet und verschleppt und ward nie wieder gesehen. Das Buch entführt tief in die Werdegänge der drei Personen, und jede Lebensgeschichte ist spannend und faszinierend, alle entwickeln einen unglaublichen Sog. Man mag das Buch nicht mehr weglegen. Da ist die mutige Wissenschaftlerin Klara, der böses Unheil widerfährt. Weil im Stalinismus kein Platz war für Widerworte, für Loyalität, für Ehrlichkeit. Es war eine Zeit des Misstrauens, des puren Überlebens. Keine gute Zeit für eine naive junge Frau, sie muss bitter dafür bezahlen. Zurück bleibt ein viel zu weicher Ehemann, der sich gar nicht richtig um den kleinen Rubin kümmern kann, der in seinem Schmerz gefangen ist. Rubin macht seinem Namen alle Ehre und wird hart wie ein Edelstein. Gar nicht gut für seinen Sohn Juri, der mehr nach dem Großvater kommt. Unglaublich die Zeit auf dem Fischkutter, die der junge Juri unter seinem Kapitänsvater erleben muss. Phantastisch die Zeit im Gulag, als Klara täglich nach Uran suchen muss und sich mit den Nomaden der kleinen Insel anfreundet, auf der sie gestrandet ist. Eine fast glückliche Zeit, nach endlosen Verhören, die sie fast gebrochen hätten. Ein ganz wunderbares, kluges, ereignisreiches, intensives Buch!
5 Wows
Zu welchen Handlungen wir fähig sind Ich bin mit diesem Meisterwerk durch und ich kann nur rufen, lest dieses Buch. Wieder eine Autorin, die ein deutlicher Gewinn für mich ist, der ich folgen werde, deren Bücher ich lesen werde. Isabelle Autissier kann wirklich wunderbar schreiben, einen riesigen Sog erzeugen, betroffen machen, Gefühle erzeugen und mit ihrer Geschichte eine Zeit wiederaufleben lassen, die ein Glück vergangen ist. Sie gestattet dem Leser eine Reise in ein fernes Land, sie bietet Einblicke in eine Diktatur und zugleich auch Einblicke in das Dunkle in uns Menschen. Lehrreich und auch ehrlich rüberkommend. Um was geht es in "Klara vergessen"? Es ist eine Familiengeschichte. Hauptpersonen sind Juri, eion amerikanischer Ornithologe mit russischen Wurzeln, dessen im Sterben liegender Vater Rubin, der seinen Sohn Juri an sein Sterbebett nach Murmansk ruft und Rubins Mutter Klara, eine Wissenschaftlerin, die in der Stalinära verschwunden ist. Rubin möchte als letzten Wunsch von Juri erfahren, was mit seiner Mutter Klara damals passiert ist. Und damit beginnt Isabelle Autissier in einer erzählerischen Wucht die drei Lebensgeschichten der drei Hauptpersonen vor dem geistigen Auge des Lesers auszubreiten. Jeder der drei Charaktere wird komplett ausgeleuchtet und der Leser erfährt, es gibt keinen vollkommen schlechten oder guten Menschen. Jeder von uns trägt beides in sich. Gut, dies ist jetzt nicht die vom Hocker hauende Information. Aber die Art der Zeichnung der Charaktere und auch die Zeichnung der Geschichte von Isabelle Autissier tut genau das. Sie haut den Leser vom Hocker und lässt mich über die Sprachgewalt dieser Ausnahmeautorin staunen und lässt mich vollkommen begeistert zurück. Jeder der Charaktere wird greifbar und gewinnt einen Platz in mir beim Lesen, aber der mich begeisterndste Charakter ist der, der Klara. Einfach nur wunderbar! Dieser Blick auf die Stalinzeit zeigt wie menschenverachtend und menschenverschlingend dieses System war und wenn ich mir überlege, dass ich einmal in einem Land gelebt habe, dessen großer Bruder die Sowjetunion war, wird mir jetzt noch schlecht und ich bin sehr froh, dass die Geschichte ihren Lauf genommen hat und ein Kelch vorbei gegangen ist! Was mich ebenso begeistert hat, sind die Einblicke in die Welt der Nenzen und der Blick auf die umgebende Natur. Wunderschön und magisch! Ein 5 Sterne Kandidat! Love it!
7 Wows
Deutsch
  
Englisch
mojoreads Instamojoreads Twittermojoreads Facebook