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C. Bernd Sucher

Mamsi und ich

Biographien
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ZUSAMMENFASSUNG
»Du stiehlst dem lieben G'tt den Tag!« Warum hat meine Mutter geschwiegen, schlimmer noch: mich belogen? Warum hat sie mir nur selten etwas anvertraut? Warum hat sie nie über die Frau, die sie gerettet hat, die polnische Bäuerin, gesprochen? Oft sagte sie, dass eine Frau sehr gut zu ihr gewesen sei, ihr verdanke sie ihr Leben. »Aber, glaub mir, auch diese Zeit war furchtbar. Anders furchtbar.« »Wieso?« Meine Mutter schwieg.
BIOGRAFIE
C. Bernd Sucher ist seit 1996 Professor an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und leitet an der Theaterakademie August Everding den Ergänzungsstudiengang Theater-, Film- und Fernsehkritik. Der langjährige Theaterkritiker der Süddeutschen Zeitung hat zahlreiche Bücher verfasst. Mit seiner Veranstaltungsreihe »Suchers Leidenschaften« begeistert er seit fast 20 Jahren das Publikum.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
02.07.2019
Ausgabe
Hardcover
ISBN
9783492058575
Sprache
German
Seiten
256
Schlagworte
Holocaust, Shoah, Mutter, Suchers Leidenschaften, Mutter-Beziehung, Judentum
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REZENSIONEN
Bewertet von Gabriele und monerl
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monerl
Margot Altmann, geboren 1925, wuchs in einem begüterten Haushalt auf – bis 1935, als die Nürnberger Gesetze das Leben der Juden einschränkten. Da Margots Mutter Jüdin war, musste das Mädchen die evangelische Schule verlassen, bekam den Judenstern und wurde später nach Polen deportiert. Für sie kam das dem Ende ihres Lebens gleich, obwohl sie dank Helfern das Grauen überlebte und nach Deutschland zurückkehrte. Wie sehr diese Zeit ihr weiteres Leben beeinflusste, bringt uns der Autor in dieser Biografie nah, die schließlich zu seiner Autobiografie wird. Durch mühsame Recherchen erfuhr er, was seine Mutter ihm ihr Leben lang verheimlicht hatte. Waren die Härten gegen sich selbst die Ursachen für die Härten gegen ihren Sohn? Tagebucheintrag vom 4.Oktober 2005 auf Seite 100: „Gestern ist Mamsi gestorben … Sie hat mich geformt wie niemand anderer. Sie hat mich verletzt, mich gepeinigt, mich verraten. Ich weiß nicht einmal, ob sie mich geliebt hat. Aber ich habe sie vergöttert und mich ihr zeitlebens ausgeliefert. Was und wo wäre ich ohne ihren Ehrgeiz? G‘tt hat mir einen wachen Geist geschenkt; meine Mutter forderte von mir, ihn zu nutzen. Zur Not half sie nach. Sie war streng – und ungerecht.“ Der Autor, der nach außen so selbstbewusst und entschieden auftritt, beschreibt sich selbst als unsicher. Mich verwirrt diese Diskrepanz. Auf der anderen Seite beeindruckt mich seine schonungslose Offenheit, mit der über seine Gefühle, seine Schwächen und Stärken schreibt. Bewundernd sehe ich auf seine berufliche Vielfalt, die durch die mäkelnde und fordernde Mutter beeinflusst wurde. Deutlich wird, wie sie ihren Sohn ihr Leben lang angefeuert hat, damit er das verwirklichen konnte, was ihr versagt blieb. Fazit: Diese Biografie ist lesenswert, weil sie aufzeigt, wie sehr Eltern das Leben ihrer Kinder prägen. Außerdem wurde sie in einer Sprache verfasst, die einen durch das Buch fliegen lässt.
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Meine Meinung Ein unfassbar offenes, schweres und unsäglich trauriges Buch, denn es handelt von einer Frau und Mutter, der Unbeschreibliches während des 2. Weltkrieges widerfahren ist, von einem Vater, der es ein Leben lang nicht schaffte Zugang zu seiner Frau zu finden, von einem Sohn, der psychisch und physisch unter seinen Eltern gelitten hatte und durch die Zwänge der Mutter nie einen eigenständigen Lebensweg gehen konnte. Bernd C. Sucher erzählt von der Kindheit seiner Mutter, der Deportation nach Auschwitz und was ihr dort passiert war. Er schreibt aber auch über sein Leben. Ein Leben, das sicherlich anders gewesen wäre, hätten das Naziregime und der Krieg die Jüdin Margot Artmann nicht gebrochen und ihr ihre Zukunft genommen. Eine Zukunft, die sie dann um jeden Preis über ihren Sohn Bernd erreichen wollte. Ich habe mir sehr schwer getan mit Margot Sucher, geb. Artmann. Glücklicherweise habe ich keinen Krieg erlebt, bin jedoch Mutter und es fällt mir sehr schwer Sympathie für sie zu finden. Ihre Nüchternheit, Kühle als auch Distanz zum Sohn erschreckten mich von Seite zu Seite immer mehr. Der Autor war ein Leben lang auf der Suche nach Mutters Liebe, Zuneigung und Anerkennung. Und es erstaunt und überrascht mich sehr, wie aus so einem psychisch wie auch physisch misshandelten Kind dennoch ein so freier und intelligenter Geist und Mensch Bernd C. Sucher werden konnte! “Diese Kümmerer, die weiblichen und die männlichen, waren für mich ein Ersatz. Sie gaben mir das Gefühl, um meiner selbst willen gemocht oder, sogar das, geliebt zu werden. Sie wollten wirklich nur mich! Sie gaben mir die Nähe und den Schutz, den meine Mutter mir verwehrte.” (S. 143) “War ich immer ein kleiner Erwachsener? Missachtet und geschlagen. Hatte ich je ein gesundes Selbstwertgefühl besessen? Hatte ich je meine eigenen Gefühle gelebt oder nicht immer die Gefühle vorgetäuscht, die meine Mutter an mir wahrnehmen wollte? Was meine Mutter als sehr junge Frau nicht hatte bekommen können, wollte sie nun bei mir finden.” (S. 170) Bernd C. Sucher legt sein Leben offen. Durch eigene Tagebucheinträge und Briefe der Mutter, die sie ihm hinterlassen hat aber auch durch die Briefe, die sich Mutter und Sohn geschrieben haben, werden wir Zeugen einer ungesunden Mutter-Sohn-Beziehung, die den Autor bis ins hohe Alter verfolgt und aus der er sich durch dieses Buch versucht zu befreien. Der Autor ist ein rastloser Getriebener, der an jedem neuen Höhepunkt seiner Karriere mit der Unsicherheit zu kämpfen hatte, ob er das Erreichte genießen darf. Ich hätte ihm gewünscht, dass er an irgendeinem Punkt seiner Erfolge endlich die verdiente Anerkennung der Mutter erhalten hätte. Sehr froh bin ich, dass Bernd C. Sucher sich wenigstens noch vor dem Tode seines Vaters mit ihm aussöhnen konnte. Seine Beichte und die Bitte um Vergebung für all die körperlichen Züchtigungen waren aus mir verständlichen Gründen sehr wichtig für den Autor. Fazit Ich ziehe meinen Hut vor dieser öffentlichen Aufarbeitung seines Lebens! Emotional und schonungslos gibt er Familien- und persönliche Geheimnisse preis und lässt die Leser*innen am Befreiungsprozess teilnehmen. Eine der schrecklichsten und verstörendsten Autobiografien, die ich gelesen habe. Schmerzhaft, tiefgreifend, absolut lesenswert!
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