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Fünf Männer gründen eine Alten-WG in einer Villa am See. Zusammen wollen sie die verbleibenden Jahre verbringen, zusammen noch einmal das Leben genießen. Für den letzten - selbstbestimmten - Schritt zählen sie auf die Hilfe der Mitbewohner. Denn es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie und mit wem man alt wird.
BIOGRAFIE
Christoph Poschenrieder, geboren 1964 bei Boston, studierte an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München. Danach besuchte er die Journalistenschule an der Columbia University, New York. Seit 1993 arbeitet er als freier Journalist und Autor von Dokumentarfilmen. Heute konzentriert er sich auf das literarische Schreiben. Sein Debüt >Die Welt ist im Kopf< mit dem jungen Schopenhauer als Hauptfigur erhielt hymnische Besprechungen und war auch international erfolgreich. Mit >Das Sandkorn< war er 2014 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Christoph Poschenrieder lebt in München.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
26.04.2017
Ausgabe
Paperback
ISBN
9783257243901
Sprache
German
Seiten
219
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REZENSIONEN
Bewertet von Bris Buchstoff
bri
Bris Buchstoff
Bis vor kurzem stand auf der Autorenseite von Christoph Poschenrieder (ich glaube mich genau zu erinnern, für den Wortlaut kann ich aber nicht mehr hundertprozentig garantieren): Schreiben? Ganz einfach - die Buchstaben in die richtige Reihenfolge bringen. Der geneigte Leser konnte dann mit der Maus durch die darüber stehende Buchstabenwolke fahren und erfuhr eines: so einfach ist es gar nicht, die Buchstaben in die richtige Reihenfolge zu bringen, sie entziehen sich einem nämlich häufig und springen wohin sie wollen. Poschenrieders Romanen aber merkt man diesen Kampf um die Worte und deren Anordnung zu diesen für ihn typisch leicht aber nie seicht anmutenden Texten in keinster Weise an. Das Sandkorn, der Roman, der auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2014 stand und mich völlig begeistert hat, hat einen historischen Hintergrund, der mit dem Jahr 1914 verbunden war. Die absolut pointierte Sprache, die lebendige Zeichnung der Figuren und vor allem die Konzeption des Romans machen ihn für mich zu einem Meisterwerk. Ich nehme an, dass Poschenrieder den Deutschen Buchpreis nicht erhielt, weil der Jury die zeitgeistliche gesellschaftliche Relevanz fehlte oder der Roman nicht kompliziert genug daher kam, obwohl er überaus geschickt konzipiert war. Aber das sind subjektive Spekulationen meinerseits. Nun hat sich Christoph Poschenrieder einem Thema zugewandt, das uns alle irgendwann betreffen wird: Was tun, wenn man alt ist und nicht mehr will. Also leben. Gemeinhin geht der Trend zum "selbstbestimmten" Leben in einer Gemeinschaft, die ein Mehrgenerationen - Wohnen beihaltet. So stellen viele Menschen es sich angenehm vor, im Alter nicht alleine zu sein, noch gebraucht zu werden und doch nicht jedwede Freiheit aufgeben zu müssen. Nicht so die fünf langsam in die Jahre gekommen Herren, die sich schon als Kinder kannten. Jedes Jahr trafen sie sich zu einem bestimmten Zeitpunkt. Egal, wohin der Job oder das Leben sie verschlug - dieser Termin war heilig. Und bei einem dieser Termine wurden sie sich einig über eine gemeinsame WG - ganz ohne Ehefrauen oder Familien. Nur die fünf Freunde und ein ausgeklügeltes Computerprogramm namens "Todesengel", das den Fall der Fälle - also das erwünschte vorzeitige eigene Ableben, wir vorher festgelegt, regeln sollte. Dass die fünf Männer, die eigentlich grundsätzlich verschiedener nicht sein könnten, über die Jahre doch enge Freunde geblieben sind und nun gemeinsam alt werden wollen, liegt an dem, der fehlt: der kleine Martin. Ertrunken war er - unter nicht ganz geklärten Umständen. Derjenige, der seit Jahren fehlt, hält sie zusammen. Was jetzt alles so trocken oder ältlich und schwermütig klingen mag, verpackt Christoph Poschenrieder in seiner ihm eigenen Art und Weise: Durch unglaubliches Sprachgefühl, virtuose Konstruktionskunst und umwerfenden Sinn für Situationskomik. So manches Mal ertappte ich mich dabei, laut beim Lesen zu lachen und dann wieder in der Darstellung der Figuren und deren Eigenheiten etwas zu entdecken, das auch mich manchmal so langsam beschleicht. Mit den Jahren denkt man anders, man besinnt sich im besten Fall auf einen angenehme Gleichmut, entwickelt ein paar schräge Eigenheiten, die aber liebenswert sein können. Im schlechtesten Fall wird man unkommunikativ und griesgrämig. Das aber ist keinem der fünf Männer in der Wohngemeischaft in der Villa passiert. Sehr amüsant und realitätsnah schildert Poschenrieder zum Beispiel die Suche nach einem weiteren Mitbewohner. Was die Kinder der hoffnungsvollen Aspiranten nicht alles anstellen, um ihre lieben Eltern gut untergebracht und bestens versorgt - und das hoffentlich ohne ihr direktes Zutun - zu wissen. Einfach köstlich. Und nie überspannt oder zu dick aufgetragen. Ich bin bekennender Poschenrieder - Fan, das gebe ich unumwunden zu, aber das hat auch einen Grund: Die sympathische bei mir ankommende Art eines nirgends außer auf der eigenen Webseite im Netz auffindbaren Autors, der es meiner Meinung nach wie kein anderer versteht, auch ernsthafte Themen mit einem Augenzwinkern zu servieren, ohne jemals ins Seichte abzurutschen. Und seine Sprache, die mich immer wieder erstaunt und verzückt zurück lässt. Offensichtlich fällt es Herrn Poschenrieder in keinem Genre schwer, die Buchstaben in die richtige Reihenfolge zu bringen. Hoffen wir, dass er das noch oft tun wird! PS: auf der Autorenseite gibt es jetzt eine Zusatz: wer möchte, kann dort genauer nachvollziehen, was es mit dem Todesengelprogramm auf sich hat. Wie immer bleibt H. Poschenrieder auch hier vielschichtig!
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