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Ulrich Alexander Boschwitz

Menschen neben dem Leben

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ZUSAMMENFASSUNG
»Eine wahnsinnig packende Wiederentdeckung.« Hildegard Elisabeth Keller, SRF Nach der spektakulären literarischen Wiederentdeckung von »Der Reisende« erscheint nun auch der erste Roman von Ulrich Alexander Boschwitz zum ersten Mal auf Deutsch. Im Berlin der Zwanzigerjahre porträtiert »Menschen neben dem Leben« jene kleinen Leute, die nach Krieg und Weltwirtschaftskrise rein gar nichts mehr zu lachen haben und dennoch nicht aufhören, das Leben zu feiern. Leicht haben es die Protagonisten in Ulrich Alexander Boschwitz' Debütroman nicht. Sie sind die wahren Verlierer der Wirtschaftskrise: Kriegsheimkehrer, Bettler, Prostituierte, Verrückte. Doch abends zieht es sie alle in den Fröhlichen Waidmann. Die einen zum Trinken, die anderen zu Musik und Tanz. Sie treibt die Sehnsucht nach ein paar sorglosen Stunden, bevor sich der graue Alltag am nächsten Morgen wieder erhebt. Doch dann tanzt die Frau des blinden Sonnenbergs mit einem Mal mit Grissmann, der sich im Waidmann eine Frau angeln will und den Jähzorn des gehörnten Ehemanns unterschätzt. Und so nimmt das Verhängnis im Fröhlichen Waidmann seinen Lauf, bis sich neue Liebschaften gefunden haben, genügend Bier und Pfefferminzschnaps ausgeschenkt wurde und der nächste Morgen graut. Wie durch ein Brennglas seziert der zu diesem Zeitpunkt gerade mal zweiundzwanzigjährige Autor das Berliner Lumpenproletariat der Zwischenkriegsjahre.
BIOGRAFIE
Ulrich Alexander Boschwitz, Autor des Erfolgsromans »Der Reisende«, emigrierte 1935 gemeinsam mit seiner Mutter zunächst nach Skandinavien, wo sein erster Roman, »Menschen neben dem Leben«, erschien. Der Erfolg ermöglichte ihm ein Studium an der Pariser Sorbonne. Kurz vor Kriegsbeginn wurde Boschwitz in England trotz seines jüdischen Hintergrunds als »enemy alien« interniert und nach Australien gebracht, wo er bis 1942 in einem Camp lebte. Auf der Rückreise wurde sein Schiff von einem deutschen U-Boot torpediert und ging unter. Boschwitz starb im Alter von 27 Jahren, sein letztes Manuskript sank wohl mit ihm.
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REZENSIONEN
Bewertet von coffee_and_goodbo..., skiaddict7 und 3 andere
coffee_and_goodbooks
skiaddict7
morningside
meinnameistmensch
monerl
coffee_and_goodbooks
In seinem Buch „Menschen neben dem Leben“ zeigt der Schriftsteller Ulrich Alexander Boschwitz das Leben von Menschen im sozialen Abseits. Es sind die schweren Zeiten der Wirtschaftskrise in Deutschland, was für viele Arbeitslosigkeit, Armut sogar Hunger bedeutet.Boschwitz schafft es den Leser in die Gedankenwelt eines jeden einzelnen einzuführen. Aus der jeweiligen Perspektive ergibt alles Sinn und als Leser habe ich mich dabei ertappt, wie ich dies alles auf die heutige Zeit übertrage. Die Schicksalsschläge, die aktuelle Situation und auch die Konflikte der Protagonisten, all dies wird detailliert gezeichnet und mündet unausweichlich in die große Entladung am Ende des Buches. Wir begleiten sie in ihrem Alltagsleben, erfahren wie so manche sich mit der Situation abgefunden haben und doch noch versuchen ein Fünkchen Hoffnung und Freude neben all den Alltagssorgen zu finden. Dies geschieht vo allem im „Fröhlichen Waidmann“, ihr Stammlokal, wo sie für eine begrenzte Zeit ihr Schicksal zu vergessen versuchen. Boschwitz fasziniert durch seine lebendige Szenerie und sein Mitgefühl, dass zwischen den Zeilen zu lesen ist. interessantes bewegendes Buch !
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Eindrückliches Debüt von 1937 Ich war bereits von "Der Reisende" begeistert und wollte daher das andere (erste) Werk des Autors unbedingt lesen. Boschwitz schrieb zwei Bücher, "Menschen neben dem Leben" und "Der Reisende". Sie wurden erst 2018 bzw 2019 auf Deutsch übersetzt, lektoriert und im Klett Cotta Verlag publiziert. "Menschen neben dem Leben" erschien 1937 auf Schwedisch, 1939 auf Englisch, 2019 nun auf Deutch. Boschwitz starb 1942 im Alter von 27 Jahren bei einem deutschen Torpedo-Angriff auf der Überfahrt von Australien nach England. In "Menschen neben dem Leben" beschreibt Boschwitz die Menschen am Rande der Gesellschaft im Berlin der Zwischenkriegsjahre. Der Krieg und die Weltwirtschaftskrise lässt viele Menschen mittellos dastehen: vor allem durch technische Verbesserungen werden viele Berufe obsolet, die Arbeitslosigkeit steigt, die Arbeiter werden immer schlechter behandelt, weil sie sofort austauschbar sind. So geht es auch Boschwitz' Protagonisten: Schreiber, der Gemüsehändler, die Obdachlosen Fundholz und Tönnchen, der kleinkriminelle Grissman und der blinde Sonnenberg. Boschwitz hat ein gutes Gespür für Menschen und kann sich ausgezeichnet in diese hineinfühlen. So schafft er, dass der Leser diese ihm vermutlich fernen Menschen ausgezeichnet versteht. In kurzen, gut verständlichen Sätzen beschreibt er dicht, lebendig und authentisch das Leben im Berlin der 20er Jahre. Auch der Humor kommt trotz des ernsten Themas nicht zu kurz. Wahnsinn, dass der Autor dieses Buch mit nur 22 Jahren geschrieben hat. Ein wirklich eindrücklicher Debüt-Roman der noch lange nachwirkt.
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In diesem Roman wird das Leben verschiedener Protagonisten im Berlin der 20er Jahre beschrieben. Der Gemüsehändler Schreiber, der einen Nebenkeller an 2 Arbeitslose für 1,50 Mark die Woche als Schlafplatz vermietet; die Arbeitslosen Fundholz und Tönnchen, die sich ihren Lebensunterhalt erbetteln müssen und schließlich den jungen Arbeitslosen Grissmann. Grissmann lebt am Rande zur Illegalität, denn seine Gedanken kreisen ständig um evtl. Chancen, zu Geld zu kommen. An anderer Leute Geld, versteht sich, durchaus auch mittels Einbruch, Raub oder Erpressung. Fundholz hingegen hat sich mit seiner desolaten Lage abgefunden. Er träumt schon länger nicht mehr davon, aus dieser prekären Situation heraus zu finden, sondern fristet sein Leben mit Betteleien. Als ob er nicht schon wenig genug hätte, füttert er auch noch Tönnchen mit durch, der durch eine psychische Beeinträchtigung nicht mehr für sich sorgen kann. Es gibt noch so einige Mitwirkende, die ebenfalls ihr Päckchen zu tragen haben und für den Handlungsverlauf interessant sind. Trotz ihres trüben Tagesablaufs zieht es sie abends in den Fröhlichen Waidmann, um bei Pfefferminzschnaps, Musik und Tanz dem grauen Alltag für wenige Stunden zu entfliehen, was nicht immer reibungslos vonstatten geht. Trotz aller Entbehrungen und Tiefschläge bleibt letztlich dennoch ein Hoffnungsschimmer in den Köpfen der Protagonisten, dass es irgendwann ja auch wieder bergauf gehen muss. Ähnlich wie das bereits zuvor erschienene Buch "Der Reisende" hat mich sein Erstwerk "Menschen neben dem Leben" begeistert. Erzählt wird aus der dritten Person und das so gekonnt, dass ich immer wieder verwundert war, dass man einen solchen Schriftsteller so lange ignorieren konnte in Deutschland. Man ist innerhalb einer Seite in der grauen Zeit der Weltwirtschaftskrise und spürt förmlich die weitgehend vorhandene Hoffnungslosigkeit der Menschen. Boschwitz verrät uns die Gedankengänge der Protagonisten, als ob er selbst bereits in ähnlichen Situationen gewesen wäre. Aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt steuert alles auf einen Showdown im Waidmann hin, wo die Ereignisse sich quasi überschlagen. Boschwitz Sprache hat absolut nichts antiquiertes an sich sondern könnte auch vor wenigen Jahren niedergeschrieben worden sein. An einigen Stellen war der Text sogar hochaktuell - bspw. wenn er von der Umweltbelastung des starken Verkehrs auf Berlins Straßen berichtet. Dass ein so junger Mensch einen solch tiefen Blick auf die Gesellschaft werfen und dann auch noch derart eindrucksvoll formulieren kann, ist in meinen Augen herausragend. Als ob er gewusst hätte, dass ihm nicht viel Zeit zum schreiben vergönnt sein würde. Was hätte dieser Mann noch alles schreiben können....
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meinnameistmensch
Wer verstehen will, wie es dazu kam, dass Millionen Deutsche Anfang der 1930er Jahre den Nationalsozialist_innen folgten und ihnen damit den Weg zur Macht ebneten kommt nicht umhin, sich auch mit der Situation der Arbeitslosen, Obdachlosen und Abgehängten in den letzten Jahren der Weimarer Republik zu beschäftigen. Hierzu gibt es schon viele Untersuchungen, Sachbücher und auch Romane, das Buch "Menschen neben dem Leben" hebt sich von anderen Berichten aber dadurch ab, dass es während dieser Jahre von einem Augenzeugen geschrieben wurde und dieser den einfachen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes aufs Maul schaut. Die Leser_innen lernen als Charaktere Obdachlose, Kleinkriminelle, Zuhälter, Prostituierte, Traumatisierte, Kriegsversehrte und Geschäftemacher kennen und dürfen durch den Augen an ihren Alltag teilnehmen, der allzu oft vom Kampf ums Überleben geprägt ist. Sie erleben deren Ängste, Freuden, Glücksmomente und auch tiefste Abgründe. Auch wenn die politische Entwicklung nur wenig angesprochen wird, kann es gerade durch das Miterleben des Alltags der "einfachen" Menschen zu einem Verständnis für deren Nöte kommen, die dann von den Nationalsozialist_innen treffend instrumentalisiert werden konnten. Ein sehr wichtiges Buch gerade in Zeiten, wo offen faschistische Parteien von Wahlerfolg zu Wahlerfolg zu eilen scheinen.
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Meine Meinung Dies ist ein Buch, auf das ich sehr gespannt war, da ich “Der Reisende” richtiggehend verschlungen habe. Das vorliegende Buch ist Boschwitz’ erster Roman. Somit lesen wir hier ein Buch eines jüngeren Autoren, mit einem noch anderen Blick auf die Welt. Es waren die 30er Jahre in Deutschland, die Jahre nach der Weltwirtschaftskrise, nach dem Ersten Großen Krieg und vor dem Zweiten. Die Industrie erkannte den Wert und die Zeitersparnis durch den Einsatz von Maschinen. Die Arbeitslosigkeit wuchs ins Unermessliche. Und die Krise wurde verstärkt, da all die arbeitslosen Menschen kein Geld für Ausgaben hatten, die durch Maschinen billiger und schneller produziert wurden. Der zu dieser Zeit noch sehr junge Autor lebte genau mittedrin im Berlin der Dreißiger Jahre und sah den Frust der arbeitenden bzw. nicht arbeitenden Bevölkerung, bis zu seiner Emigration 1935 nach Schweden. Dies spürt man in jeder Zeile des Buches. Es ist keine erfundene Geschichte, keine Erfundenen Schicksale, die sich Boschwitz vorstellen und ausdenken musste. Er hatte genug Menschen mit eigenen Augen begleiten und “studieren” können, die als Vorlage für sein Buch dienen konnten. Die Sprache als auch Boschwitz’ Schreibstil liebe ich sehr. Leicht und locker fügen sich die Leben und Ereignisse der Protagonisten ineinander. Jede Figur für sich hätte ein eigenes Buch verdient, so kunstvoll und lebendig werden sie beschrieben. Einen ganzen Tag lang begleitet man den obdachlosen Bettler Fundholz, den zurückgebliebenen Tönnchen, den Kleinkriminellen Grissmann, Elsi und ihren blinden Ehemann Sonnenberg sowie die Wittwe Fliebusch. Und hier zeigt sich auch die größte Schwäche des Romans: Es sind einfach zu viele Protagonisten. Hinzu kommen noch einige Nebenfiguren, von denen man aber auch sehr viel aus ihrem Leben erfährt. Dies führt, auf wenigen 300 Seiten zu einer zu dichten Informationsflut und einem zu schnellen Orts- als auch Personenwechsel, der mir keine so große Lesefreude bereitet hat. Auch wenn der Autor diesen fliegenden Wechsel recht geschmeidig hinbekommt, störte ich mich sehr daran. Ich wollte weniger im Gesamten und mehr im Einzelnen. So kam für mich das Ende zu schnell und zu drastisch. Obwohl Boschwitz gekonnt auf den Höhepunkt hinarbeitet, fehlt mir wohl der Blick des Zeitgeistes, um diese intensiven Gefühle, die sich in gefühlten Minuten aufstauen und explodieren, nachvollziehen zu können. Am Ende bleibt die Traurigkeit kein weiteres Buch des Autors mehr lesen zu können, da es kein weiteres mehr geben kann. Sehr gerne hätte ich die Entwicklung des Autors, die persönliche als auch schriftstellerische, weiter verfolgt. So jedoch bleibt nur meine Vermutung, dass uns viele gute Klassiker entgangen sind. Ulrich Alexander Boschwitz floh 1935 mit seiner Mutter nach Schweden und es ist sehr tragisch, dass dieser damals noch sehr junge Autor 1942 mit dem Schiff unterging und starb, auf dem er sich auf der Rückreise vom Internierungslager von Australien nach England befand, das von einem deutschen U-Boot torpediert wurde. (Quelle: Wikipedia) Fazit Ein besonderes Debüt eines sehr jungen Autors, der mit “Menschen neben dem Leben” wundervoll den damaligen Zeitgeist aufs Papier gebracht hat und uns den Blick auf das Leben und die Verzweiflung des kleinen Mannes der 30er Jahre vor Augen bringt. Empfehlenswert, auch wenn ich ein bisschen mehr erwartet hatte.
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