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Helene Bukowski

Milchzähne

Gegenwartsliteratur
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ZUSAMMENFASSUNG
Eines Tages steht das Kind plötzlich da, die Haare feuerrot leuchtend inmitten des Kiefernwaldes, und gehört niemandem. Skalde nimmt es mit zu sich, obwohl sie weiß, dass die anderen, die in der abgelegenen Gegend leben, das nicht dulden werden. Skalde und ihre Mutter Edith gehörten selbst nie richtig zur Gemeinschaft, seit Edith vor mehr als zwei Jahrzehnten plötzlich triefend am Ufer des Flusses stand, von dem die Anderen sich erhofft hatten, er würde sie vor der im Chaos versinkenden Welt beschützen. Mutter und Tochter lieben einander auch, weil ihnen nichts übrig bleibt: Gegen die Bedrohung müssen sie zusammenhalten. Vor allem jetzt, da immer klarer wird, dass das Leben des Kindes - und ihr eigenes – in Gefahr ist … Helene Bukowski hat einen atemberaubenden Debütroman von so zeitloser Gültigkeit wie brisanter Aktualität geschrieben, einen Bericht aus einer verrohten Welt, die irgendwo auf uns zu warten droht. »Helene Bukowski hat ein modernes Märchen geschrieben. Warmherzig, doch nicht sentimental. Vertraut und doch geheimnisvoll. Für ein paar Tage lebte ich dort, in diesem alten Haus am Waldrand, mit Skalde, Edith und Meisis und als es vorbei war, musste man mich mit Gewalt vom Türrahmen lösen. Selten sind mir Figuren so ans Herz gewachsen.« Philipp Winkler. »Ein Roman wie ein Wachtraum aus der verbotenen Zone. Wer sich hinein begibt, verliert sich darin. Und wird mit einem Finale belohnt, das zu Tränen rührt.« Thomas Klupp.
BIOGRAFIE

Helene Bukowski, geboren 1993 in Berlin, studiert zurzeit Literarisches Schreiben und Lektorieren in Hildesheim. Sie ist Co-Autorin des Dokumentarfilms »Zehn Wochen Sommer«, der 2015 den Grimme Sonderpreis Kultur erhalten hat, und war 2016 zur Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin eingeladen. Ihre Texte erschienen in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien und sie war Mitherausgeberin der »BELLA triste«.
»Milchzähne« ist ihr erster Roman.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
15.03.2019
Ausgabe
eBook
ISBN
9783841217189
Sprache
German
Seiten
256
Schlagworte
weibliche Autorinnen, deutsche Literatur, Dystopie, Fremdenfeindlichkeit, Frauenbilder, Endzeit, Agota Kristof, Familiengeschichte, Hildesheim, emanzipiation, metoo, Deutschland, Debüt, Geheimnis, zsuzsa Bank
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REZENSIONEN
Bewertet von Babscha, nonostar und 2 andere
babscha
nonostar
monerl
karin1966
Eine namenlose Landschaft im Nirgendwo. Bewohnt von einer Handvoll verstreut lebender Personen. Die Brücke über den Fluss zu anderen Menschen wurde schon vor 25 Jahren bewusst gesprengt, um sich vollständig abzuschotten. Irgendwo in der Ferne hinter dem Fluss soll das Meer liegen. Man hasst alle Fremden, möchte isoliert und sicher leben. Das Klima spielt schon lange verrückt, auf endlosen Nebel folgt immer weiter ansteigende Hitze und Trockenheit. Es gibt nur noch wenige Tierarten, was die Natur noch an Nahrung hergibt, wird unter den Bewohnern der einzelnen Höfe getauscht. Endzeitstimmung. Skalde, die ihre Geschichte in der Rückschau erzählende Hauptperson des Buches, ist auch von dort. Sie ist die Tochter von Edith, mit der sie unter einem Dach in chaotischen Umständen zusammenlebt. Wir erfahren, dass Edith vor langen Jahren dort als Letzte angekommen ist, ihren Mann verloren hat und von Beginn an von den Nachbarn als Fremde angefeindet und ausgegrenzt wurde. Das Mutter-Tochter-Verhältnis ist inzwischen zerrüttet, die beiden Frauen hassen sich bis aufs Blut, eine reine Zweckgemeinschaft unter widrigsten Umständen. Eines Tages steht ein kleines Mädchen vor ihrer Tür. Niemand kennt sie. Während die inzwischen erwachsene Skalde sie in ihre Obhut nimmt und vor der Mordlust ihrer Nachbarn schützt, ist der manisch-depressiven, auf unterstem Level vegetierenden Edith alles egal geworden. Nach und nach eskalieren die Dinge und Skalde ist gezwungen zu handeln. Das Buch hinterlässt bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck. Nach einem starken, wirklich dystopischen Auftakt in knapper, kraftvoller Sprache, in dem eine Menge Spuren gelegt und lose Enden geknüpft werden, verliert die story in der zweiten Hälfte leider an Fahrt, Dynamik und auch ein wenig an Logik. Die Dinge entwickeln sich nicht mehr richtig weiter. Das Erwartbare passiert, aber nichts wirklich Überraschendes mehr. Vor allem stagnieren außer den Hauptakteuren die sonstigen mitwirkenden Personen, bleiben blass und viele Fragen, die man gern noch geklärt gehabt hätte, bleiben einfach offen. Insgesamt ist der Debütroman der Autorin aber ein durchaus lesenswertes Endzeitszenario mit einigen echt starken Momenten, das weniger monumental daher kommt als dass es von der zwischenmenschlichen, grauenerregenden Dynamik von Personen, die mit dem Rücken zur Wand stehen, lebt.
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Skalde lebt zusammen mit ihrer Mutter Edith in einer abgeschotteten Welt, die Brücke zur Außenwelt wurde schon vor vielen Jahren gesprengt. Die Anwohner grenzten sich ab von der Welt, denn durch die Klimaveränderungen wurde die umliegende Gegend immer unbewohnbarer und gefährlicher. Auch Edith kommt von draußen, weswegen die Bewohner sie und ihre Tochter Skalde nie wirklich akzeptierten sondern lediglich in ihrer Nähe dulden. Als Skalde plötzlich das rothaarige Mädchen Meisis im Wald findet und mit nach Hause nimmt, brechen die alten Vorurteile wieder durch und die Bewohner fordern die Auslieferung und Verbannung des kleinen Mädchens. Ich musste mich zunächst etwas an den Schreibstil und den Aufbau des Buches gewöhnen. Alles ist recht kurz gehalten: Die Sätze, die Abschnitte und auch die Kapitel - oft endet ein Kapitel schon nach einer halben Seite. Trotz dem ungewohnten Aufbau findet man schnell in die Geschichte hinein und es fiel mir leicht mich an den Schreibstil etc. zu gewöhnen. Auch fand ich, dass die Charaktere trotz der Kürze sehr gut beschrieben wurden und man ausreichend erfährt. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase liest sich das Buch auch unglaublich flüssig - ich habe es an einem einzigen Sonntag gelesen. Etwas irritierend fand ich jedoch die kurzen Aufzeichnungen von Skalde. Sie sind sehr poetisch und nachdenklich, haben für mich jedoch nicht so recht ins Gesamtkonzept des Buches gepasst. Manchmal schienen sie mir auch etwas konfus. Die Charaktere konnte ich mir sehr gut vorstellen. Skalde musste in ihrer Kindheit vieles alleine erleben/erlernen, einerseits durch die Ausgrenzung durch die anderen Kinder, andererseits durch die fehlende Unterstützung von Edith, die immer wieder depressive Phasen zu durchleben scheint, in denen sie sich komplett von der Außenwelt zurückzieht. Die Bewohner des Dorfes sind festgefahren in ihren Vorurteilen gegenüber Fremden und der Angst vor Veränderung. Einmal fragt Meisis Skalde "Wieso haben sie Angst vor mir?"und Skalde antwortet "Weil du nicht so bist wie sie". Das fasst die gesamte Situation und das Verhalten der Figuren zusammen. Wie auch in der Realität, fürchten sich die Leute vor allem, was ihre heile Welt bedrohen könnte, selbst, wenn es nur ein unschuldiges kleines Mädchen ist. Sie halten fest an ihrem Glauben und ihren Traditionen und jeder der davon abweicht wird ausgegrenzt und verurteilt. Festgemacht wird ihr Misstrauen hierbei wie so oft nur am Äußerlichen des Mädchens, da niemand sich die Mühe macht, sie wirklich kennen zu lernen. Sie sieht anders aus als der Rest, also muss sie automatisch für alles Unglück verantwortlich sein. Im Nachhinein finde ich auch, dass der ungewöhnliche Aufbau des Buches die deprimierende Stimmung noch besser zur Geltung bringt. Sehr interessant fand ich auch das Verhältnis von Skalde und ihrer Muter Edith. Sie fühlte sich in ihrer Kindheit oft zurückgewiesen und nun, da sie älter ist, fällt es ihr schwer, noch vernünftig mit Edith umzugehen. Auch hier wird die Stimmung sehr gut dargestellt. Alles in allem ein gelungenes Buch, auch wenn ich lange nicht wusste, auf was alles hinauslaufen soll. Schreibstil und Inhalt haben mir sehr gefallen.
1 Wow
Meine Meinung Der jungen Autorin ist hier ein außergewöhnliches Debüt gelungen. Zwar lässt es sich recht flott lesen, dafür ist es aber inhaltlich sehr dicht und atmosphärisch sehr düster. Ein Buch, über das man nach dem Lesen intensiv nachdenken kann und hofft, dass es nie soweit kommt. Ausgangslage ist für diesen dystopischen Roman die Klimakatastrophe. Das Wetter hat sich verändert und es ändert sich immer noch. Tiere verlieren ihre Fellfarbe. Es gibt sie nur noch in weiß und wesensverändert als auch mit Missbildungen. Ihnen gegenüber stehen die Menschen. Helene Bukowksi schafft es eine Gruppe sehr unsympathischer Menschen darzustellen, mit denen man so im Alltag nicht viel zu tun haben mag. Sie erinnerten mich während und nach dem Lesen an eine extreme Gruppe, die meint ums Überleben kämpfen zu müssen und deshalb für sich bleiben will. Um das gewährleisten zu können ist ihnen jedes Mittel recht. Sie haben die Entscheidung getroffen sich abzuschotten und niemanden mehr hereinzulassen. Den Weg über die Brücke zu ihnen haben sie gesprengt. Sie haben große Angst vor der Außenwelt. Wer das ist und wie die Welt aussieht weiß man nicht. Hierzu äußert sich die Autorin leider nicht. Als Leser*in erhält man einen kurzen Einblick in einen abgeschiedenen, einsamen Ort über einen kurzen Zeitraum von ein paar Monaten. Ihre heile Welt gerät ins Wanken als ein Mädchen von außen bei ihnen auftaucht. Wie hat sie es geschafft zu kommen? Woher kommt sie und warum kam sie? Auch diese Fragen beantwortet uns Helene Bukowski (leider) nicht. Ihr Fokus liegt darauf aufzuzeigen, wie manche Menschen handeln, wenn sie Angst haben. Diese Angst muss jedoch nicht begründet sein. Sie kann, wie hier, sehr irrational sein. An was erinnert einen das? Ich zumindest fand die Verbindung zur aktuellen Angst vor Flüchtlingen. Es gibt Gruppierungen, die sich jeglichen Argumenten verwehren, seien sie noch so logisch. Die Angst kann nicht aufgelöst werden und lässt diese Leute extrem handeln. Sie haben Angst vor Fremden, vor allem, was sie nicht kennen. Sie haben Angst vor Veränderung. Sie bleiben stur in ihrer Angst und ihrem Handeln. Sie überdenken einmal gefällte Entscheidungen nicht, sind nicht in der Lage Mitleid und Empathie zu empfinden. Die Autorin nennt keinen expliziten Ort wo ihr ihre Figuren leben. Namen wie Edit, Skalde, Nuul, Meisis, Göst, Levaii unvm. erinnerten mich an nordische Namen. Doch thematisch gesehen ist das nicht wichtig, denn Menschen und ihre Ängste, wie im Buch beschrieben, gibt es überall auf der Welt. In Tagebuchform erfahren wir über Skalde einen Bericht zur Situation. “Wenn ich fertig bin mit diesem Bericht, werde ich ihn in der Schublade des Tisches zurücklasse, in der Hoffnung, dass wir auf der anderen Seite des Meeres ein neues Leben anfangen.” (Seite 8) So lesen wir uns durch 77 unterschiedlich lange Kapitel bis zum Ende, das ebenso offen ist wie das meiste im Buch. Und diese vielen offenen Punkte sind mein eigentlicher Kritikpunkt neben meiner großen Begeisterung für die Geschichte. Ich hätte gerne etwas mehr über die Vergangenheit und den Zustand der Welt erfahren. Ansatzpunkte hätte es gegeben, ohne dass es der Geschichte geschadet hätte. Sie wäre vielmehr sogar etwas runder und besser greifbar. Fazit Insgesamt und trotz meiner Kritik ist “Milchzähne” ein empfehlens- und lesenswertes Buch. Helene Bukowski schaffte es mit nur zwei positiven und einer Vielzahl an negativen Charakteren dennoch eine Geschichte zu schreiben, die ich sehr gerne gelesen habe und mit der sie im übertragenen Sinne die aktuelle Situation trefflich vor Augen bringt und die ganze Absurdiät aufzeigt. Ein Buch, das sich grandios für gemeinsames Lesen und Diskutieren eignet.
2 Wows
Karin Leseratte
Milchzähne Das wunderschöne farbenfrohe Cover und der Titel haben mein Interesse an dem Buch geweckt. Der Klappentext klingt auch sehr vielversprechend und lässt auf ein interessantes Buch hoffen. Die Autorin habe ich bis jetzt noch nicht gekannt. Der Schreibstil ist sehr schwer und nicht wirklich flüssig zum Lesen. Das ganze Buch ist in viele kleine Kapitel eingeteilt. Ich hab mich mit dem Buch sehr schwer getan, es ist nichts wirklich zusammenhängend. Die Geschichte ist sehr düster und unheilvoll, überhaupt nicht passend zudem schönen Cover. Vieles würde zum Verständnis mehr Erklärungen und eine entsprechende Vorgeschichte benötigen. Doch dies fehlt komplett, ist wahrscheinlich bewusst so gemacht und der ein oder andere Leser findet es toll, aber meins ist diese Schreibweise absolut nicht. Ich hab mich durch das Buch durch gequält und war letzten Endes froh, als ich es beendet habe. Das Buch ist absolut nicht meins. Schade, es hatte sich so schön angehört, leider ist es mir nicht gelungen gut in das Buch reinzukommen.
Wow

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