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ZUSAMMENFASSUNG
Den Wind sehen wir nicht, aber wir spüren ihn. Der britische Journalist und Reiseschriftsteller Nick Hunt macht sich auf den Weg, den Wind zu erwandern. Von den Höhenzügen im Nordwesten Englands bis zu den Alpen, von den Ufern der Rhone bis zur Adriaküste führen ihn seine Wanderungen. Es sind Reisen zu wilden Winden und wilden Landschaften - und zu den Menschen, die sie bewohnen: Meteorologen und Sturmjäger, Schäfer und Segler, Exzentriker und Enthusiasten. Dabei erlebt er nicht nur hautnah jene Kräfte, denen er auf der Spur ist, er taucht auch ein in Mythen und Legenden, Geschichte und Geschichten, Wissenschaft und Aberglauben. Ein faszinierender und unkonventioneller Reisebericht.
BIOGRAFIE
Nick Hunt ist Journalist und Reiseschriftsteller. Er hat einen großen Teil Europas durchwandert und darüber geschrieben, u.a. für den »Ecomnomist« und den »Spectator«. Hunt ist außerdem Autor und Mitherausgeber des »Dark Mountain Project«.

PRODUKTDETAILS

Verlag
Erscheinungsdatum
11.11.2019
Ausgabe
Hardcover
ISBN
9783442758449
Sprache
German
Seiten
416
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REZENSIONEN
Bewertet von thursdaynext
thursdaynext
Aeolus und Wanderlatschen -Where the wild winds are Was für eine abgefahrene Idee den Winden hinterherzuhatschen. Natürlich muss da ein Engländer daherkommen, bei all dem Brexitfrust vergisst man allzu leicht, wie viele wunderbar schräge Vögel mit ebensolchen Ideen, Erfindungen und Gedanken dieses herrliche Inselvolk hervorgebracht hat. Nick Hunt, der als Journalist und Reiseschriftsteller unter anderem für den Guardian schreibt, ist einer dieser nicht hoch genug zu schätzenden Inselbewohner. Mit sechs Jahren wäre er beinahe vom Wind – tatsächlich war es ein Orkan – weggepustet worden. „Hätte ich tatsächlich davongeblasen werden können, hinaus auf die mit Schaumkämmen gesprecnkelte Irische See? Ich bin mir da nicht so sicher, aber irgendwo tief in meinem Inneren schlummerte jahrelang insgeheim der Wunsch es wäre so gewesen.“ So ist es wenig verwunderlich, dass er sich Jahre später auf zur Erforschung der wilden Winde Europas macht. Die Bora, den Helm, den Mistral und den Föhn erwandert er sich und nebenbei erzählt er viel Interessantes über die Geschichte der Winde, über ihren Ursprung, den Einfluss, den sie auf Bewohner, Architektur, Landschaft und Psyche haben. Hier erzählt kein „Experte“, Nick Hunt ist lediglich vielseitig interessiert an allem, was irgendwie mit Winden, Wetter und Landschaft zusammenhängt. Er wirft immer einen Blick hinter das Offensichtliche, philosophiert ein wenig, sucht Gründe für Mythen, die durch diese starken, sich wiederholenden Luftströmungen entstanden und vermengt bravourös Poesie mit Alltäglichem, Pragmatismus mit Kunst, Wohlbefinden, Spiritualität und der Neugier auf das Andere, das Neue und Fremde, die ihn wohl hauptsächlich antreibt. „Die äußerst unterschiedlichen Eigenschaften der verschiedenen Winde habe ich mal als sehr aufbauend empfunden, mal haben sie mich in tiefste Verzweiflung gestürzt oder gar in Angst und Schrecken versetzt. Und schließlich wurden daraus – für mich unerwartet – Reisen zu etwas, das ich nur als Animismus beschreiben kann, den Glauben an die Beseeltheit der Natur und der Naturkräfte, von der Welt als lebendem Ganzen.“ Obwohl ich eigentlich ein reines Wanderbuch erwartet hatte bin ich mehr als glücklich und dankbar Nick Hunts großartiges Erzählen und Windwandern so wie es ist erlebt haben zu dürfen. Bei ihm ist das Wandern wohltuend nebensächlich, die Mühsal wird meist ignoriert, statt sie weitschweifig darzulegen. Hunt hat es nicht nötig, sich hervorzutun, sich zu beweisen, er berichtet nicht groß über Vorbereitungen, Gepäcksauswahl und gönnt sich auch gerne ein Hotelzimmer, wenn es finanziell gestemmt werden kann, dafür hat er Lektüre dabei, besucht Museen, befragt Einheimische und lässt die Leserinnen (Männer wie immer herzlich mitgemeint) an seinem breitgefächerten Bildungsschatz teilhaben. Herrlich, wie er beschreibt, wie Vorurteile sich jahrhundertelang durch die Geschichte ziehen: Hippokrates hielt beispielsweise Bergbewohner für groß, stark, beherzt und arbeitsam, Talbewohner, die von warmen Winden umschmeichelt werden dagegen, sollen: klein, stämmig, viel ängstlicher und arbeitsscheu sein. Mediterrane Römer und Griechen waren der Ansicht, die nördlich und südlich vom Mittelmeer hausenden „Barbaren“ seien so brutal aufgrund der extremen Temperaturen ihrer Habitate. Der arabische Gelehrte Ibn Khaldrun glaubte, Zivilistion könne sich nur in einer (der von ihm bewohnten) Klimazone entwickeln, alle anderen klimatischen Bedingungen verdammten ihre Bevölkerung zur Unkultiviertheit. Als sich später die Machtverhältnisse verschoben, waren es Denker wie Robert Burton und John Arbuthnot, beides Briten, die fest davon überzeugt waren, dass „Kälte stimulierend auf den Intellekt wirkte.“ Von erheiternd bis dramatisch; Nick Hunts im Original benanntes „Where the wild winds are“ mit und hinter dem Wind(en) Reisen ist eine wunderbare Reise durch Kultur, Geschichte, und seine Gedanken, die besonders gut in diese trübe, nasse, dunkle Jahreszeit passen und die Gelegenheit bieten, ihr wie auf Windesschwingen zu entschweben. Eine Genussreise ohne Anstrengungen, die hat der Autor auf sich genommen und es hat sich in vielfacher Hinsicht gelohnt. Empfehlenswerte „Wanderlektüre“, die zur Nachahmung verführt. Oder Couchlektüre zum Schwelgen bei Tee und Kaminfeuer. So wunderschön wie das großartig gestaltete Cover.
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