Berit Glanz

Pixeltänzer

UnterhaltungGegenwartsliteratur
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ZUSAMMENFASSUNG
Elisabeth, von allen nur Beta genannt, arbeitet in einem Startup: Ihr Alltag wird von Pitches und Teambuilding-Maßnahmen bestimmt; in ihrer spärlichen Freizeit entwickelt sie Tiermodelle am 3D-Drucker und probiert sich durch die Berliner Eisdielen. Als ein Fremder unter dem seltsamen Alias Toboggan sie über eine App kontaktiert, ändert sich ihr Leben. Sein Profilbild weckt ihre Neugier, doch anstelle einer Antwort schickt er sie auf virtuelle Spurensuche. Sie führt Beta zu der Geschichte des Künstlerpaars Lavinia und Walter, das in den Zwanzigerjahren in grotesken Ganzkörpermasken Tanztheater aufführte und mit bürgerlichen Konventionen brach. Statt der erhofften Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen kommt es zur Tragödie, als Lavinia zur Waffe greift. Doch je mehr Beta von den beiden erfährt, sich in ihre Hingabe an die Kunst hineinversetzt und mögliche Auswege auslotet, umso stärker wird die Sehnsucht, aus ihrem eigenen oberflächlichen Dasein auszubrechen. Eine Reise nach Barcelona bietet ihr und ihrem Team die ungeahnte Möglichkeit, Technik ins Absurde oder doch in Kunst zu verwandeln – und Beta ergreift ihre Chance.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
30 Jul 2019
Ausgabe
eBook
ISBN
9783731761679
Sprache
German
Seiten
256
Schlagworte
App, Lavinia Schulz, Maskenfiguren, Berlin, moderne Arbeitswelt, Toboggan, Hamburg, Künstlerszene, Tinder, Liebe, Programmierung, Digital Native, Generation Y, Start-up, Walter Holdt
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REZENSIONEN
Bewertet von Volker Oppmann und TiniDo
onkelvolker
christinadongowski
Volker Oppmann
Der Titel passt perfekt – denn sowohl die Autorin wie auch ihre Hauptfiguren führen hier einen wunderbaren Tanz auf, der sich über verschiedene Zeit- und Erzählebenen erstreckt. Für mich lebt der Roman neben seiner Sprache vor allem von dem Kontrast zwischen der Berliner Startup-Kultur der Jetztzeit sowie der Kunst- und Tanzszene der Weimarer Republik die, insbesondere was ihre kreativen Produktionsbedingungen anbelangt, unterschiedlicher nicht sein könnten und doch von der gleichen Energie angetrieben zu sein scheinen. Die Hauptfiguren sind zwei junge, talentierte Frauen auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt. Auf der einen Seite haben wir Elisabeth, Beta genannt, die in einem Startup arbeitet und ein Faible für Tiermodelle aus ihrem 3D-Drucker hat. Auf der anderen Seite die junge Lavinia, die aus der bürgerlichen Enge ihrer Heimatstadt Lübben ausbricht, um ein kompromissloses Leben als Künstlerin zu führen. Was die beiden Frauen verbindet, ist der Toboggan – eine von Lavinia geschaffenen Tanz-Maske, hinter der sich in der Jetztzeit eine anonyme Netz-Bekanntschaft Betas verbirgt und die gleichzeitig das Leitmotiv dieser digital-analogen Schnitzeljagd (oder besser: dieses Buchstaben-Tanzes) ist. Und ebenso wenig, wie man Lavinia die Schwere ihrer Tanz-Maske bei ihren Auftritten ansieht, lässt auch Berit Glanz das Schwere leicht erscheinen, so elegant und leichtfüßig bewegt sie sich durch ihr Sujet – gerade wenn am Ende beide Protagonistinnen auf ihre Weise scheitern: die eine ideell, die andere ganz existenziell. Ganz großes, berührendes Kopf-Kino und klare Lese-Empfehlung!
6 Wows
Ein Gegenwartsroman, bei dem „dieses Internet“ & das Digitale nicht als Marker für „Gegenwart / sehr gegenwärtiger Gegenwartsroman!“ verwendet, sondern realistisch erzählt werden, als Elemente, Strukturen, Techniken, die einfach Teil der Welt und des Lebens von Leuten sind. Die Start-up-Firma als Setting & Codes- & Prozess Management-Handbuch-Schnipsel als Epigraphe kann einem anfangs bisschen gewollt & billig gesellschaftskritisch vorkommen, aber das sind nur die eigenen Vorurteile. Nach 3, 4 Seiten ist ziemlich klar, dass Berit Glanz Kreativindustrie als Bewusstseins- & gesellschaftliche Organisationsform ganz unironisch ganz ernst nimmt als das, was sie ist: die Realität, unsere natürliche Umgebung - und dass das auch eine Geschichte hat: So kommen die Maskentänzer Lavinia Schulz & Walter Holt ins Spiel. Ins Spiel gebracht werden sie durch die schlaue Digitalisierung des alten Erzähltricks von romantischen & post-modernen Romanen: der Zufall, in Form einer App, würfelt der Ich-Erzählerin eine geheimnisvolle Figur zu & sie nimmt die Chance auf eine Flucht o. Entdeckungsreise in eine andere Welt an. „Früher“ hätte die Heldin den Faden, der sie in das Labyrinth vergangener Leben echter historischer Figuren führen wird, in einem alten Buch gefunden - oder auf dem Dachboden eines Museums, wie es mit dem Nachlass von Schulz & Holt tatsächlich geschehen ist. Auch wieder so ein lässiger Erzähl-Move der Autorin, die in ihrem Roman ganze Bibliotheken zu Theorien von Fiktionalität & Faktizität, Geschichte & Realität als Konstruktion, der Kunst (im Pixeltänzer steckt eine interessante Kritik an Autonomie-Theorien & ihrer Verbindung zur Produktifizierung von allem & jeden drin) & natürlich Medientheorie in die spannende Geschichte einer Schnitzeljagd durch das große Menschheitsarchiv Internet verwandelt, auf der Beta & Freund*innen Fragen nach Identität, den sich neu sortierenden Demarkationslinien zwischen „dem richtigen Leben“ & der postulierten Irrealität des Digitalen nicht als theoretische Spielchen, sondern als eigene Lebenspraxis verhandeln. Aber keine Angst: Wen das alles nicht interessiert, liest hier eine spannende Geschichte über Leute auf der Suche nach dem heiligen Gral, die entdecken, das der Gral, selbst als Anti-Gral, nicht die Lösung des Problems ist. Sondern das gemeinsame Weiter-Basteln an Alltagspraxen, die einem selbst & anderen ein bisschen mehr Handlungsfreiheiten in den modernen Kontrollgesellschaften ermöglichen.
9 Wows

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