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Schneepoet

Schneepoet

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Dies ist ein Print on Demand-Buch und wird voraussichtlich bis zum 13th August 2020 ausgeliefert.
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REZENSIONEN
ZUSAMMENFASSUNG
Ich bin Lukas. Neunundzwanzig, manisch depressiv und Vollidiot mit Hang zum Exzess, der Schizo-Gespräche mit seinem Karma führt und Tagebuch schreibt. Bisher bestand mein Leben aus zwei Ländern, zwei Namen, einer Menge kreativer Inkompetenz und zu vielen Fehlentscheidungen. Eine davon war, mich von Inga zu trennen. Danach habe ich erfolglos versucht, zu kompensieren, es in achtzehn Jahren nicht geschafft zu haben, ihr zu erzählen, dass ich nicht nur ein paar psychische Probleme, sondern auch noch einen Zwillingsbruder habe ...
BIOGRAFIE
Nika Sachs ist 1987 in Frankfurt am Main geboren und lebt mit ihrer Familie unweit ihres Geburtsortes. Bereits in der Kindheit und Jugend zeichnete, sang und schrieb die vielseitig kreative Synästhetikerin. Neben Erzählungen und Bilderbüchern für Kinder schreibt sie leidenschaftlich gerne über das Komische und Unkonventionelle des Alltags.

PRODUKTDETAILS

Verlag
Erscheinungsdatum
22.08.2019
Ausgabe
Paperback
ISBN
9783740731649
Sprache
German
Seiten
280
Schlagworte
Beziehungsdrama, Tragikomödie, Tagebuch, Entwicklungsroman, Depressionen
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REZENSIONEN
Bewertet von wortberauscht und variemaa
janna_vonkejaswortrausch
variemaa
Rezension verfasst von © Janna (KeJasWortrausch.de) Nach dem Lesen wird der Buchtitel eine gewisse Bedeutung haben, aber dies sei mal dahingestellt – ich bin dezent schockverliebt in diesen Titel! Ich habe die Geschichte regelrecht verschlungen! Es ist so schön fernab des Mainstreams, befasst sich mit echten Probleme, jedoch ohne sich anstrengend lesen zu lassen. Mir sind Trigger-Warnungen immer sehr wichtig und Nika Sachs hat nicht nur einen passenden Klappentext auf ihrem Buch, sondern ebenso ein wunderschönes Vorwort verfasst, in welchem sie ganz klar auf die Thematik(en) hinweist. Das Buch, oder vielmehr das Tagebuch von Luc (Lukas) beginnt dort, wo sein bisheriges Leben endet. In einer kleinen Wohnung in Paris, mit einer hochschwangeren Frau, die nicht Inga heißt! Denn Inga ist seine Freundin, oder war es vielmehr bis vor kurzem. Eine langjährige Beziehung leise beendet, mit einem nachhallenden lauten Knall. Nicht fähig sich mit Inga auseinanderzusetzen verschwindet Luc in den Schatten Frankreichs. Luc`s Leben nach Inga – sein Tief, ein Abgrund ohne Halt. Doch schon als Kind saß Luc in einem – seinem – Gedankenkarussell welches ihn rüttelte und schüttelte! Verdrängung ist ein Teil seiner Familie. Die Familienverhältnisse sind verworren, doch anstatt diese zu entwirren, entstanden immer mehr Knoten. In Inga findet Luc eine Familie welche ihm Halt gibt, aber nicht halten kann. Zu schwer lastet unausgesprochenes auf seiner Seele und in seinem Kopf. Bis zu jenem Tag an dem er eben diese Last nicht mehr tragen kann und flüchtet. Nicht fähig zu sprechen, lässt er seinen Gedanken auf anderer Ebene freien Lauf. "Dies hier ist mein therapeutisches Poesiealbum voller Bordsteinprosa, Puffbrause, Glückspulver, Selbstzweifel und Schneeflittchen. Ich habe das für Inga geschrieben, weil ich nicht reden konnte." (Buchzitat) Ich hatte jedoch nicht das Gefühl sein Tagebuch zu lesen, sondern viel mehr mit ihm an einem Tisch zu sitzen, seinen Gedanken zu lauschen. Das Buch hat eine Intensität welcher ich mich kaum entziehen konnte. Leicht poetisch und doch so alltäglich, das Leben eben! Sich verlieren, sich ausprobieren, flüchten. All dies mit einer großen Portion Sex, Drogen und wunderbarem Humor! Diese Geschichte ist eine Auseinandersetzung mit dem Leben – vielleicht ein wenig mehr Leben als der ein oder andere von uns je erfährt und doch bei einigen Szenen so nahe dran. Luc hat Probleme, doch hier geht es nicht um therapeutische Ausarbeitungen durch fachliche Hilfe, sondern um den Zwiespalt mit sich selbst. Eingeständnis und die Flucht davor. Doch vor seinen eigenen Gedanken kann man nicht fliehen, dies muss auch Luc schmerzlich begreifen. Sein Versuch der Flucht, ist das Lösen des gewohnten Sicherheitsnetzes und sich in etwas neues fallen zu lassen – manchmal fliegt man, manchmal jedoch kommt man dem Abgrund gefährlich nahe. "In meinem Kopf gab es nur die Apokalypse." (Buchzitat) Ich begleitete Luc in seiner selbst erschaffenen Illusion, welcher er sich mehr und mehr bewusst wird. Ich litt mit ihm und ich lachte mit ihm. Auf der Suche nach einem Rettungsanker, der Versuch das Leben zu entknoten. Ganz klar skizziert die Autorin einen Mann mit Problemen die nicht alltäglich und doch das pure Leben sind. Es wird nichts beschönigt und man wird konfrontiert mit Menschen die sich verloren haben. Komplizierte Beziehungen, zerrissene Familienverhältnisse und der Kampf mit sich selbst – der ganz alltägliche Wahnsinn. Umrahmt von Panikattacken und depressiven Schüben. Vier Jahre lang schreibt Luc all seine Gedanken auf, nimmt uns mit auf seine Lebensodyssee. Ohne Schnickschnack, ohne großes drumherum Gerede. Und doch hat dies eine absolute Leichtigkeit beim Lesen. Die Zwiegespräche von Luc mit seinem Karma sind trotz aller Problematiken sehr unterhaltsam. Der Humor ist an der richtigen Stelle eingearbeitet und lockert dadurch die Geschichte. In meiner Besprechung klingt das Buch weitaus schwermütiger als es sich lesen lässt! Es ist keine Beschreibung in den Abgrund, sondern das Begleiten von Gedanken. Es ist keine rosa Wolke und dennoch eine Liebesgeschichte. Eine der ganz anderen Art, ganz leise und doch unüberhörbar – auf mehr als nur einer Ebene! Mich hat Luc in seinen Bann gezogen und ich hoffe das sein Gedankenkarussell die Buchwelt durchrüttelt. Ein wenig Prosa, ein wenig Liebe und ganz viel Leben. Nichts für jeden, keine Frage, aber vom Mainstream hat der Buchmarkt auch genug – Hallo Luc!
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Lukas zieht nach Frankreich und trennt sich von Inga, seiner großen Liebe. Nicht, weil er nicht mehr bei ihr sein möchte, sondern weil er das Ungesagte nicht mehr aushält. Er leidet und Depressionen und dem Gefühl unvollständig zu sein. Denn Inga kennt sein Geheimnis nicht. Er hat einen Zwillingsbruder, der einst von der Familie zurückgelassen wurde. Schuld und Scham verfolgen Lukas, der in Frankreich Luc genannt wird. Sie treiben ihn in Exzesse, Selbstzerstörung und zu einer Menge Frauen. Dabei ist es nur eine, die er nicht loswird. Inga. Schneepoet startet mit Lukas Trennung von Inga. Bereits in Frankreich suhlt er sich zwischen Selbstmitleid und Selbsthass. Allein der Glaube, sie damit zu retten, hält ihn davon ab, sofort zurück zu fahren. Und natürlich Silas, der Zwillingsbruder, den er noch immer verschweigt, die Hälfte seines Lebens, an der Inga nie teilhaben konnte. Der inneren Zerrissenheit des Protagonisten wird eine physische nebenangestellt. Silas, die Spiegelung von Lukas. Zwei Menschen, die sich erschreckend ähnlich und gleichzeitig so different sind in jedem Bereich, angefangen beim Aussehen. Gleichzeitig pendelt Lukas Identität zwischen Deutschland und Frankreich, den beiden Sprachen und dem, was er in keiner der beiden Sprachen ausdrücken kann. Lukas schreibt auf Deutsch, weil ihm das französische Vokabular der Umgangssprache teilweise fehlt und kann gleichzeitig seine Identität in seiner „Vaterssprache“ Deutsch nicht klar ausdrücken. Die Banalität dieser Tatsache ist tiefgreifend. Eine psychische Blockade, die sich durchsetzt. So wie Lukas Inga versucht aus allem herauszuhalten, was in Frankreich passiert, ist sie doch der gedankliche Fixpunkt und die Obsession lässt den Leser auch ohne direkte Beschreibung gut verstehen, wie es vorher mit Silas gewesen sein muss. Lukas ist von seinem Schamkomplex derart gefangen genommen, dass er selbstzerstörerisch wird. Zwischen Manie und Depression sucht er die Kicks nach oben und findet sie bei emotionslosem Sex und Drogeneskapaden. Die Art und Weise wie diese Zustände und Entscheidungen angegangen werden finde ich absolut faszinierend. Denn das Tagebuchformat des Romans erlaubt es, Lukas‘ Selbstreflexion wahrzunehmen und seinen Gedankengängen zu folgen. So werden seine Schritte erschreckend plausibel. Immer wenn ich Angst hatte, die Figur würde oberflächlich werden, haut er eine Selbstbetrachtung raus, die genau das zunichtemacht. Denn Lukas ist genau das nicht und zeigt eine Tiefe, die beeindruckt und für mich doch nachvollziehbar bleibt. Gleichzeitig sind auch die anderen Figuren des Romans greifbar. Nur wenige bleiben in der Peripherie oder haben regelrechte Gastauftritte. So wie Lukas‘ eigene Geschichte voller psychologischer Feinheiten und Wendungen ist, ist es auch die seines Bruder Silas. Auch er hat ein Geheimnis, das ihn mehr und mehr belastet. Die unterschiedlichen Herangehensweisen und Folgen für Silas, Lukas und ihre Mitmenschen sind nicht nur faszinierend, sondern tatsächlich ungewöhnlich in der deutschen Literatur. In Schneepoet und dem folgenden zweiten Band (insgesamt soll es vier Bände geben) wird Depression als das dargestellt, was sie ist. Eine Krankheit, die nicht durch Liebe magisch heilbar ist. Die Ehrlichkeit des Romans ist regelrecht umwerfend. Für jeden, der je eine depressive Phase hatte (oder mehr) sei hiermit eine Trigger-Warnung ausgesprochen. Ich hatte relativ kurz vor dem Lesen ein Dreitagestief und war zwischenzeitlich sofort wieder dort. Lukas Selbstreflexion darauf war meinen Gedankengängen – auch zu früheren Episoden – in den Grundzügen sehr ähnlich. Das hat mir unwahrscheinlich geholfen. Diese Figur, die so ungemein anders handelt als ich und doch das gleiche Gefühl beschreibt. Die Warnung bleibt aber bestehen! (Gilt übrigens auch für sexuelle Gewalt) Das ist für mich aber auch die Stärke des Romans. Er zeigt eine Authentizität, die ich vermisse. Nicht nur was die fatale Romantisierung von Depression angeht, sondern auch in der ganzen Auffassung der Welt. Es gab Stellen, die im ersten Moment banal wirkten, weil sie Lukas‘ Alltag zeigten. In seiner Gänze aber beschreibt auch das nur das Auf und Ab der Depression, die Last des Alltags und seinen Reiz. Schneepoet schließt mit einem Crescendo und wer keine offenen Enden mag, sollte sich beide Bücher gleich im Doppelpack besorgen.
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