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Maryanne Wolf

Schnelles Lesen, langsames Lesen

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4.5/5
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ZUSAMMENFASSUNG
Was wir verlieren, wenn wir keine gedruckten Bücher mehr lesen

Bücherlesen ist kein exzentrisches Hobby. Smartphones, E-Reader, Tablets sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, und es hat keinen Sinn, sich die Zeit ohne digitale Medien zurückzuwünschen. Maryanne Wolf macht jedoch deutlich, dass wir zwar nicht der völligen digitalen Demenz anheimfallen, wenn wir vor allem über digitale Kanäle Informationen und Unterhaltung konsumieren, dass wir aber enorm viel verlieren, wenn wir daneben nicht von klein auf lernen, gedruckte Bücher zu lesen. Unser Gehirn reagiert anders, verarbeitet anders und bildet andere Strukturen aus als beim digitalen Lesen. Für unsere offene, demokratische Gesellschaft so wichtige menschliche Fähigkeiten wie das Erfassen, Analysieren, Durchdenken komplexer Zusammenhänge sowie Empathie drohen zu verkümmern. Kurz gesagt: Erst das Lesen gedruckter Bücher macht uns zu ganzen Menschen.

BIOGRAFIE
Maryanne Wolf ist Professorin für kindliche Entwicklung, Kognitions- und Literaturwissenschaftlerin. Sie beschäftigt sich vor allem mit den Zusammenhängen zwischen dem Gehirn und dem Lesen sowie Leseschwächen. Sie forscht und lehrt an der Tufts University in Massachusetts und an der University of California in Los Angeles. Für ihre Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet. Auf Deutsch erschien von ihr zuvor „Das lesende Gehirn“ (2009).

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
22.04.2019
Ausgabe
eBook
ISBN
9783641252731
Sprache
German
Seiten
304
Schlagworte
NDR-Sachbuchpreis, Onlinespielsucht, E-paper, Stavanger-Erklärung, Legasthenie, Computersucht, Digitale Demenz, Empathie, Spitzer
MOJOS
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REZENSIONEN
Bewertet von Annabelle, fernwehwelten und andere
ella_liest
fernwehwelten
salzbrand
Der erste Blick täuscht Als ich das Cover zu „Schneller Lesen, langsamer Lesen“* gesehen habe, dachte ich sofort an eine Art Ratgeber, wie man seine Lesetechnik im Allgemeinen verbessern kann. Dazu ist der Buchumschlag noch so schön knallorange gehalten, dass es mir sofort im Kopf geblieben ist. Ich lag jedoch mit meiner Einschätzung etwas daneben. Der Titel im Deutschen ist ein bisschen irreführend, wie ich finde. Es handelt sich hierbei mehr um eine Zusammenfassung von Gedanken zu der wissenschaftlichen Arbeit von Maryanne Wolf und fokussiert sich auf das lesende Gehirn in der heutigen digitalen Welt. Maryanne Wolf ist kognitive Neurowissenschaftlerin und Leseforscherin an der Tufts University in Massachusetts. Während sie in Waialua, Hawaii war, um Kindern das Lesen beizubringen, erlebte sie hautnah welche Macht das Lesen hat und welche Auswirkungen und Konsequenzen es auf die Entwicklung eines einzelnen Menschen haben kann. Jahre später erfuhr sie am eigenen Leib, wie sich ihr Leseverhalten seit ihrer Kindheit verändert hat. Ihr fiel es plötzlich schwer, sich in ihrer Freizeit mit anspruchsvoller Literatur zu beschäftigen. Diese Fähigkeit neu zu erlernen war der Anstoß ihrer Arbeit. Ihr Buch „Schnelles Lesen, langsames Lesen – Warum wir das Bücherlesen nicht verlernen dürfen“ befasst sich mit der Wichtigkeit der verschiedenen Funktionen des Lesens für die intellektuelle, sozial-emotionale und ethische Prägung. Dabei ist das Buch in neun Kapitel aufgeteilt, die in Form von Briefen von der Autorin verfasst wurden und Raum für eine offene Konversation bieten sollen. In diesen neun Briefen erläutert Maryanne Wolf, welche Vorgänge sich im Gehirn beim Lesen abspielen und wie unser Gehirn durch den Vorgang des Lesens immer wieder aufs Neue geprägt wird. Fazit für mich: Erst einmal zum Verständnis, ich lese regelmäßig wissenschaftliche Artikel und Publikationen, aus diversen Bereichen. Demzufolge verstehe ich, dass die Thematik wichtig ist und definitiv Daseins-Berechtigung hat. Es soll zum Nachdenken angeregt werden und eine Art Konversation hervorbringen, dabei wird jedoch, wie ich finde, zu stark auf Neutralität im Text gesetzt. Ich weiß die Arbeit wirklich zu schätzen, die hinter diesem Buch steckt. Mir persönlich hat das Buch jedoch einfach nicht wirklich zugesagt, sowohl von der Sprachwahl, als auch vom gesamten Aufbau. *Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen herzlichen Dank nochmal an das Team von Randomhouse.
Wow
Puh, es ist mir schon lange nicht mehr so schwer gefallen, ein Buch zu bewerten, denn ehrlich gesagt hat mir auch schon lange kein Buch mehr so wenig gefallen. Wobei ich befürchte, dass das mehr an der Diskrepanz zwischen meinen Erwartungen und den tatsächlichen Inhalten des Buches lag, als am Buch selbst. „Schnelles Lesen, langsames Lesen“ von Maryanne Wolf will laut Klappentext darstellen, warum es in einer Zeit, in der das Leben immer digitaler wird, so wichtig ist, den gedruckten Büchern nicht vollends den Rücken zuzuwenden. Ich persönlich habe mit einem informativen und gesellschaftskritischen Bericht über die Entwicklung gerechnet, einer Darstellung der Veränderungen, die wir durchlaufen und einer Erklärung der Situation. Womöglich hat das Buch sogar all das geboten – nur leider steht dabei das Gehirn als Organ im Vordergrund. Die Aufgaben der Neuronen werden aufgeführt und zumindest an den Stellen, die ich gelesen habe, allgegenwärtig thematisiert. Leider habe ich zwischendurch ganze Seiten übersprungen. Ich kann mir vorstellen, dass das Buch interessant ist, wenn man mehr über den neuronalen Vorgang des Lesens erfahren möchte. Ich persönlich hatte allerdings nicht mit einer solchen Ausarbeitung des Themas gerechnet. Zugegeben wurde auch im Klappentext deutlich, dass die Auswirkungen auf unser Gehirn angesprochen werden sollen, jedoch war mir nicht bewusst, dass es das Hauptaugenmerk des Buches ist. Gerade deshalb finde ich es ungemein schwierig, das Buch fair zu bewerten. Wer mit einer anderen Einstellung und anderen Interessen an dieses Werk herangeht, wird sicherlich fündig. Für mich jedoch bot das Buch nicht viel mehr als ein gelangweiltes Schnauben und ein etwas verzweifelt suchendes blättern durch die Seiten. Weiterhin ist der Schreibstil ist recht langatmig. Selbst wenn das Thema mich mehr angesprochen hätte, hätte mich die Aufbereitung nicht überzeugt. Jedoch ist dies ein Aspekt, der Sachbüchern wohl häufiger anheim ist. In meinem Fall kann ich dem Buch nur 1 Stern geben. Ich möchte aber nochmal darauf hinweisen, dass es für Menschen mit anderen Erwartungen sicherlich ein interessanter Bericht sein kann.
2 Wows
Mit diesem Buch legt Wolf eine populärwissenschaftliche Analyse des Lesens in unserer Zeit vor. Ganz allgemein wird das analoge dem digitalen Lesen antagonistisch gegenübergestellt. Der Witz vom "Fast-Reading" und "Slow-Reading" in Anspielung auf "Fast-Food" und dem neueren Trend "Slow-Food" geht in der deutschen Übersetzung leider verloren, spiegelt aber den Inhalt des Buches ziemlich genau wider. Das Lesen und sein komplexer Ablauf im Gehirn findet in sog. Leseschaltkreisen statt, die verschiedene Prozesse aus verschiedenen Hirnregionen vereinen. Entscheidend ist hier die Plastizität des Gehirns und dessen Funktionsweise beim Lesen. Folgend wird eine Bestandsaufnahme des Lesens in der heutigen Gesellschaft bzgl. gedruckter und digitaler Medien gemacht. Wenig überraschend beschäftigt sich Wolf im weiteren Verlauf mit einem Plan für die zeitgenössische, optimale Leseerziehung der Kinder, was schließlich irritierenderweise in Werbung für ein (sicherlich gutes) Non-Profit-Projekt der Autorin mündet. Diese episch ausgebreitete Vorstellung Wolfs wird zuletzt noch von der Befürchtung komplementiert, dass das analytische und kritische Denken mit dem "langsamen", also "vertieften" Lesen verloren geht und somit nichts weniger als die gesamte freie und demokratische Welt über den Jordan springt. Aufgebaut ist das Buch in „Briefen“. Es könnte auch genauso gut in Kaptiel unterteilt sein … oder Lammkoteletts. Denn das „Format“ Brief lässt sich nicht wirklich erkennen und hat auch inhaltlich wenig bis keine Bedeutung. Einzig briefförmig ist eine Begrüßungsfloskel sowie die Schlussformel: „Hochachtungsvoll, Ihre Autorin“. Gerade im zweiten Teil des Buches wird der Anspruch des "richtigen" Lesens deutlich, der nichts weniger, als die Rettung der Zivilisation darstellt. Leider löst Wolf den eigenen Anspruch, nicht kulturpessimistisch zu sein, nicht ein. Warum? Weil die Autorin (natürlich mit ihrer wiss. Laufbahn als Basis) über die negativen Effekte genauso viele Vermutungen wie Fakten darstellt. Für eine seitenweise Beschreibung der Probleme, die die digitalen Medien für u.a. Konzentration, Reflexion, Aufmerksamkeit und Empathie bedeuten, gibt es nach diesem Buch häufig lediglich Hinweise. Die Autorin selbst fordert Studien, um all ihre gemachten Befürchtungen zu untersuchen. Und genau deshalb ist es oft Kulturpessimismus und kein Wissensstand. Da hilft auch die fast schon brutale persönliche Färbung der Seiten durch Privates der Autorin wenig. Leider wird einer tieferen Analyse der Vorteile der digitalen Medien kein Platz eingeräumt. Es bleibt bei vagen und hoffnungsvollen Anmerkungen. Interessant und vervollständigend wäre es gewesen. Allerdings spiegelt sich hier wahrscheinlich einfach nur das Dilemma von populärwissenschaftlichen Büchern wider: Zur Wissenschaft zu leicht, zum Genuss zu dröge. War die Lektüre also Zeitverschwendung? Nein, denn ich würde folgende Zeilen nicht schreiben, wenn ich nichts aus dem Buch mitgenommen hätte: Jede Lektüre bietet die Chance auf Weiterentwicklung, so auch diese. Es tauchen immer wieder kleine Kerzenlichter auf, Momente, in denen man sich als Leser wiederfindet und von denen man zum Nachdenken angeregt wird. Das gilt um so mehr, wenn man zu den Lesern gehört, die sowohl mit den Harry Potter-Schinken, als auch mit den digitalen Medien und Videospielen aufgewachsen ist.
2 Wows

KOMMENTARE

Krasse Geschichte (bitte ein paar Absätze weiter oben einsteigen): Vom bewaffneten Raubüberfall über die Gefängnisbibliothek zum Leiter des Instituts für Innovation am Centre Pompidou:
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