Ellen Dunne

Schwarze Seele

Krimi
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ZUSAMMENFASSUNG
Ein ertrunkener Ire wird aus dem Schwabinger Bach im Englischen Garten gefischt. Spuren gibt es keine, Motive dafür umso mehr. Keine gute Ausgangslage für Patsy Logan, deutsch-irische Kommissarin bei der Münchner Mordkommission. Mehr als je zuvor ist ihr Instinkt gefragt - doch ausgerechnet der scheint sie plötzlich im Stich zu lassen.Patsy Logan ist im seelischen Tief: ihr Kinderwunsch will sich nicht erfüllen, die Hormonbehandlungen setzen ihr zu. Da kommt ihr der Fall um einen toten Iren gerade recht: Donal McFadden, ein Mann mit Charme und vielen Feinden, war in München, um seine Exfrau Fiona zurückzugewinnen, wenn nötig mit Gewalt. Doch ob er aus Versehen im Wasser gelandet ist oder jemand nachgeholfen hat, lässt sich nicht sagen. Gründe, ihn loszuwerden, hatten jedenfalls viele - Gelegenheit auch. Und Patsys Theorien führen eine nach der anderen in die Sackgasse. Erst ein zweiter Todesfall scheint einen entscheidenden Hinweis zu liefern. Ungünstig nur, dass Patsys Krise sich ausgerechnet jetzt wieder in den Vordergrund drängt ...
BIOGRAFIE
Ellen Dunne, 1977 geboren, arbeitete als Texterin/Konzeptionistin in Werbeagenturen, danach in verschiedenen Positionen bei Google im Europa-Hauptquartier in Dublin. Sie lebte in Berlin, München und Mexiko-Stadt, seit 2004 in Dublin. Von ihr wurden bereits zwei Kriminalromane veröffentlicht. Harte Landung ist der Auftakt einer neuen Krimireihe im insel taschenbuch.

PRODUKTDETAILS

Erscheinungsdatum
14.01.2019
Ausgabe
Paperback
ISBN
9783458363835
Sprache
German
Seiten
379
Schlagworte
Familie und Karriere, Fehlgeburt, Verrat, Entwurzelung, Dublin, München, Künstliche Befruchtung, Domestic Noir, Englischer Garten, Scheidung, Fremde, Identität, Kinderwunsch, Irland
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REZENSIONEN
Bewertet von claudi-1963, gwyn und andere
claudiastückner
gwyn
schnick
"Wenn Menschen, die wir einst liebten, verblassen, fangen wir manchmal an, sie zu hassen." (Friedrich Löchner) Im Schwabinger Bach im Englischen Garten findet man die Leiche des Iren Donal McFadden. Alles sieht nach einem Unfall aus, doch seine Schwester, die Ehefrau und ein Freund von Donal hätten alle ein gutes Motiv. Deshalb ist Patsy davon überzeugt das Donals Tod sehr wahrscheinlich doch kein Unfall war, lediglich die Beweise fehlen. Doch gerade jetzt fehlt Patsy ihr guter Instinkt, den eigene Probleme, seelischer Tiefpunkt und eine Hormonbehandlung wegen Kinderwunsch setzen ihr zu. Das Donal McFadden extra nach München gekommen ist, um mit seiner Frau zu reden und seine Ehe zu retten, notfalls auch mit Gewalt, machte das ganze noch suspekter. Jedoch der hohe Alkoholspiegel, den er am Todestag hatte, könnte genauso schuld daran sein, das es zu einem Unfall gekommen ist. Ausgerechnet seine Ehefrau Fee war die letzte, die ihn an diesem Abend lebend gesehen hat. Als dann erneut ein Unfall geschieht, bei dem man eine Manipulation feststellt, wird Patsy hellhörig. Doch dann verschwindet erneut jemand aus Fees Freundeskreis und die Lage wird immer brenzliger. Meine Meinung: Nachdem ich begeistert der ersten Band der deutsch-irischen Ermittlerin Patsy Logan gelesen hatte, freute ich mich schon auf einen weiteren Fall von ihr. Das düstere Cover mit der glitzernden Titel und der Buchinfo hatten mich neugierig gemacht. Der Schreibstil war gut gelungen, allerdings zog sich das Buch sehr in die Länge. Weniger wegen der Seitenzahl, sondern eher, weil die Problematiken von Ermittlerin Patsy Logan zu viel Raum in dem Buch einnahmen. Ich mag ja Ermittler mit Ecken und Kanten und Problemen, doch das hier war selbst mir etwas zu viel. Trotzdem diese Dinge sehr gut mit dem Fall zusammen verpackt wurde, hatte ich trotz allem das Gefühl, das der eigentliche Fall nur nebenbei lief. Besonders was die Spannung anbelangte kam diese zu kurz, lediglich am Ende spürte man einen spärlichen Spannungsanstieg. Die Charaktere hatte die Autorin wieder sehr gut dargestellt, den ich muss sagen gerade dies kann Ellen Dunne besonders gut. Ob das Patsy Logan war die mir persönlich im letzten Band etwas besser gefiel. Waren es hier vor allem die Nebencharaktere die mir gut gefallen haben, vor allem dadurch, das man sehr ausführlich über das Leben jedes einzelnen erfuhr. Zudem drehte sich vieles um Thematiken wie z.B. die Hormonbehandlung wegen Patsy und Stefans Kinderlosigkeit, die Probleme um Bruder Robbie und den Schwierigkeiten in ihrem Team. Doch auch die Täterfindung wurde nicht gerade einfach gehalten, den gerade die Problematiken um die Familie McFadden waren äußerst komplex gewesen. Leider wurde mein Lesefluss gerade durch den niedrigen Spannungsbogen sehr beeinträchtigt. Auch, wenn vieles stimmig dargestellt war, keine Frage sollte ein Krimi nicht zu sehr vom Privatleben und den Problemen der Ermittler belastet werden. Ich hoffe das im nächsten Band wieder mehr Augenmerk auf den Fall gelegt wird und gebe 3 von 5 Sterne für dieses Buch.
Wow
Der erste Satz: »Ein Traum spülte mich zurück in die Schwärze meines Schlafzimmers.« Ich bin kein Freund von Prologen des Prologs wegen, denn die wenigsten sind gut. Heute scheint es fast Pflicht, über das erste Kapitel Prolog zu schreiben, zu welchem Zweck auch immer. Leider beginnt auch so der neue Patsy Logan. In diesem »Prolog« wird beschrieben, wie ein Mann ertrinkt, wie einsam er sich dabei fühlt. Eine Beschreibung, die keinen Informationsgehalt beinhaltet, noch spannungsfiebrig zurücklässt oder atmosphärisch einführt. Leider wieder einer dieser sogenannten Prologe, die man ersatzlos streichen kann. Geschmacksache. Auf den ersten Seiten wird zudem auch gleich dieser Ertrunkene aus dem Schwabinger Bach in München gezogen. Die kriminaltechnische Untersuchung ergibt: Der Mann war stark alkoholisiert, es sind keine Abwehrspuren oder andere Spuren von Gewalteinwirkung zu finden. Eine kleine Verletzung auf dem Kopf wird festgestellt, die aber nicht mit der Todesursache in Verbindung steht. Auch ergibt sich nach der Identifizierung, dass dieser irische Mann ein Nichtschwimmer war. Für die Kollegen von Patsy Logan ist die Sache klar: Donal McFadden ist betrunken die Böschung heruntergefallen und ertrunken. Lediglich Patsy Logan glaubt an ein Verbrechen, ihr Bauchgefühl sagt ihr, dass man den Fall nicht als Unfall abtun darf. Ich habe mich an diesem Punkt bereits gefragt: Woher nimmt sie dieses Gefühl? Sie hat die Erlaubnis, mit Kollegin Kris für ein paar Tage Ermittlungen anstellen zu dürfen. Wer den vorigen Band kennt, weiß um Patsys Problem: Sie wünscht sich ein Kind und probiert es seit Längerem mit Hormonbehandlungen. Sehr fein beschreibt Ellen Dunne Patsys innere Ängste, den Verlust der ersten Schwangerschaft, die körperlichen Beschwerden der Hormonbehandlung, eine gute Einführung in die Protagonisten, wie auch die Einführung in die Verdächtigen: Die ruppig Siobhan MacFadden hatte ihren Bruder als vermisst gemeldet. Fiona, genannt Fee, ist mit Donal verheiratet, hat sich schon seit längerer Zeit von ihm getrennt, wohnt nun mit Steve zusammen in München, dem Erzrivalen von Donal, der seine Frau zurückgewinnen wollte, extra dazu aus Irland anreiste. Fiona und Steve leben in einer WG zusammen mit Judith, der Ex von Steve, die von dieser Beziehung nicht loslassen kann. Später kommt ein Nerd dazu, der wiederum Fee nachstellt. Ein Beziehungschaos der Verdächtigen. Ellen Dune hat ihre Protagonisten gut aufgestellt, psychologisch glaubhaft. Anfangs liest sich das alles spannend. Ich mag die Art, wie Ellen Dunne schreibt, bildhaft, man ist als Leser ins Geschehen sofort eingebunden. Die Autorin stellt ihre Figuren gut auf, schreibt in der Ichform über Patsy, was den Leser dicht an die Figur bringt. Die anderen Teile sind auktorial verfasst. Eine gut gewählte Perspektive, die dem Leser durch die Teilung der Erzähldistanz Einblick in die Breite der Ereignisse gibt und gleichzeitig sehr nahe an die Hauptprotagonistin heranlässt. Die Geschichte ist nicht linear geschrieben, geht immer wieder in die Vergangenheit einzelner Protagonisten zurück. Mich irritierten manchmal die Sprünge. Ich mag Rückblicke und Cliffhanger, aber hier ist mir die Purzelei ein wenig unkoordiniert. Beispiel: Patsy sitzt im Auto, hat einen Unfall, ihr Bruder sitzt neben ihr. Wie das jetzt auf einmal, denke ich, warum, wieso? Nach zwei Seiten dämmert es. Da war doch was. Viele Seiten vorher gab es im Rückblick zu Patsys Leben ein Kapitel zu einem Unfall in der Vergangenheit, der mittendrin endete. Nun steht über dem später folgendem Kapitel keine Zeitangabe, wie über anderen Kapiteln. Mitten rein! Gerade waren wir in der Teeküche des Präsidiums in München und nun befinden wir uns im Auto. Nicht nur das, ein Ereignis, das Jahre zurückliegt, Irland, Cliffhanger aufnehmen … diese Sprünge sind nicht alle durchdacht. Es springt vom Jetzt ins Vergangene, diverse Personen, immer kurze Sequenzen, kreuz und quer. »Ein Fall wie ein Kropf. Dabei war es noch nicht einmal ein richtiger Fall. Trotzdem. In jedem Faden, an dem wir zogen, ein Knoten. In jeder Geschichte zumindest eine Lüge. Ales, was so abscheulich war am menschlichen Miteinander, traut vereint, wie auf einem Familienfoto.« Es gibt eine Menge privater Baustellen bei Patsy Logan, was für mich ok. ist. Ich mag es, wenn ein Kommissar ein Mensch ist, einer mit Alltagssorgen, mit Familie. Aber hier stapeln sich probleme, nicht nur bei Patsy, das lenkt vom Geschehen ab. Warum ist das so, frage ich mich. Am Ende komme ich zu dem Ergebnis, dass es am schwachen Plot liegt. Patsy stochert aufgrund ihres Bauchgefühls im Dunkeln. 375 Seiten Bauchgefühl. Jeder im Umfeld des Toten macht seine Aussage, aber er erzählt nicht alles. Natürlich nicht. Warum soll ich auf die Frage, ob ich jemanden kenne und wo ich um eine bestimmte Uhrzeit gewesen bin, mein ganzes Leben ausbreiten? Patsy stochert, fragt immer wieder, rollt Beziehungen zueinander aus. Ab der Mitte bleiben eigentlich nur noch zwei Verdächtige übrig, der eine wird von der Autorin auf dem Präsentierteller angeboten. Der Krimileser weiß, der kann es nicht sein und wünscht sich am Ende eine unerwartete Wendung. Doch leider rollt der Stein ab der Mitte nur noch aus, immer langsamer und was wir alle ahnten, wird Wirklichkeit. Das wäre in 100 Seiten zu schaffen. Um den Plot zu füllen, braucht es viel Privates von Patsy und viele Rückblicke zu den Charakteren. Nebenbei, die Rückblicke zu den Charakteren sind interessant. Aber die Geschichte ist zerhackt und das reale Geschehen dreht sich im Kreis, verliert zum Ende die Spannung. »Sie lehnte sich mit einer jovialen Dominanz zurück, die ich sonst nur von Konstantin oder anderen Karrieristen kannte, und verschränkte die Hände über ihrem Knie. Rentiere und Schneeflocken auf ihrem Pullover, Frost in ihrer Stimme. Passend zum kitschigen Hintergrund. Fernab jeglicher Realität.« Warum lohnt es sich aber doch, den Krimi zu lesen? Weil Ellen Dunne gut schreibt. Genaue Beschreibungen, in die man sich hineinfühlen kann, eine feine Beobachtungsgabe. Gute Dialoge sind manchmal Spannung genug. Die Sprache insgesamt ist rhythmisch, in präzise Bilder gesetzt. Die Autorin hat ein feines Gespür für Menschen, Beobachtungsgabe, Figuren mit Ecken und Kanten, mit all ihrem Groll, den das Leben ihnen mitgab. Die Beschreibung von Charakteren und spannungsreiche Dialoge haben mich an vielen Stellen mit der schwachen Geschichte versöhnt. In diesen Kapiteln sinkt man hinein, erfreut sich an der schriftstellerischen Kraft der Autorin. Fazit: Der zweite Patsy-Logan-Krimi bleibt um Klassen hinter dem ersten zurück. Ellen Dune schreibt sehr überzeugend, wenn sie Menschen beschreibt und darum ist der Krimi lesenswert. Doch leider bleibt dieses Mal die Spannung dabei zurück. Atmosphärisch sind die Stellen, bei denen es um die Beziehungen von Menschen geht, die ihren Träume hinterherreisen, unerfüllbar, traumatisch, Beziehungen, in denen man nicht eingestehen will, dass sie nicht glücklich machen, Menschen, die nicht loslassen können. Das alles kommt wundervoll herüber. Hier zeigt die Autorin eine sehr genaue Beobachtungsgabe, die sie auch stimmungsvoll auf das Papier bringt. Der Plot an sich dümpelt leider vor sich hin. Am Ende hatte ich eine Wendung erwartet oder irgendetwas, das die Kugel ins Rollen bringt, doch leider schlaffte die Geschichte durchschaubar ab. Das Drumherum ist angefüllt mit Patsys privaten Problemen: Kollegenstreit, Beziehung kriselt, Kinderwunsch, der lästige, schmarotzende Bruder und am Ende die Erinnerung an den Kollegen aus Irland und obendrauf das Verschwinden des Vaters damals, plötzliche Zweifel – zuviel Patsy. . Ein Krimi, der sich zwar gut lesen lässt, weil Ellen Dune gut schreibt, der aber den Leser ohne Nachhall zurücklässt. Trotz allem, bei der nächsten Patsy bin ich wieder dabei.
Wow
Es gibt so viele Autoren zu entdecken, dass ich manchmal ein bisschen verzweifle, weil Zeit leider ein rares Gut ist. Umso schöner, wenn ich ein Buch einer mir bislang unbekannten Autorin lesen kann, ohne permanent mit den Augen zu rollen. "Schwarze Seele" ist der zweite Band der Patsy-Logan-Reihe von Ellen Dunne und obwohl ich den ersten Kriminalroman "Harte Landung" nicht gelesen habe, kam ich gut in "Schwarze Seele" rein. Patsy Logans Sarkasmus gepaart mit einer Sprache, die mir sehr gefallen hat, waren mir ausgesprochen sympathisch. Ich mag schlicht und ergreifend Formulierungen wie "Diese Frau hatte den Charme einer Faust aufs Auge" und davon gibt es in "Schwarze Seele" viele. Sprachlich konnte mich Ellen Dunnes zweiter Roman um Patsy Logan überzeugen, inhaltlich leider nicht immer. Zwar wird Patsys und Stefans Kinderwunsch gut und verständlich eingearbeitet und ich kann auch verstehen, dass eine Frau mit unerwünschter Kinderlosigkeit und vollgepumpt mit Hormonen nicht in erster Linie an ihren Fall denkt, aber im Endeffekt sollte bei einem Kriminalroman die Ermittlungsarbeit im Vordergrund stehen und das war hier nicht gegeben. Das ist sehr schade, weil da meiner Ansicht nach viel Potential verschenkt wurde. Auch dass Patsy ohne jeden Beweis, dass ein Mord vorliegt, nur aufgrund ihres Bauchgefühls (so richtig sie oft auch liegen mag) angesichts der chronischen Überlastung der Polizei dermaßen viele Freiheiten genießen darf, erscheint mir wenig realistisch. Ich brauche keinen Hyperrealismus, aber Beweise, dass tatsächlich ein Mord infrage gekommen wäre, wären meiner Meinung nach wesentlich früher angebracht gewesen. Wie auch immer: Positiv ist definitiv, dass Ellen Dunne nicht den Fehler gemacht hat, dem Leser den ersten Roman der Reihe noch einmal einzuflechten, wie es viele andere Autoren in der fehlerhaften Annahme tun, die Leser*innen könnten sonst nicht folgen. Die Verweise auf den ersten Fall waren auf angenehme und nachvollziehbare Weise eingearbeitet, ohne Leser*innen auf die Nerven zu gehen, die bereits den Vorgänger gelesen haben. Bei allen Kritikpunkten ist Ellen Dunne ein Kriminalroman gelungen, der mich gut unterhalten hat und der zum Ende hin tatsächlich ein paar Pageturner-Qualitäten bot. Das Ende ist nicht spektakulär, aber nachvollziehbar, wenn auch ein wenig überspitzt, aber das ging für mich wirklich in Ordnung. "Schwarze Seele" ist nicht perfekt, aber unterhaltsam, deshalb gibt es von mir 3,5 Sterne, die ich - weil 3,5 Sterne hier nicht möglich sind - auf 4 Sterne aufrunde.
1 Wow

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