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Sorj Chalandon

Wilde Freude

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3.5/5
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ZUSAMMENFASSUNG
>Thelma und Louise< mitten in Paris Als die Pariser Buchhändlerin Jeanne die Diagnose Brustkrebs bekommt, verlässt sie ihr Mann, weil er das Leid seiner Frau nicht erträgt. Den Rat ihrer Ärzte, sich Unterstützung zu suchen, setzt sie auf überraschende Weise um: Ihre engsten Verbündeten im Kampf gegen den Krebs werden Brigitte, Assia und Mélody, allesamt Frauen, denen das Schicksal nicht wohlgesinnt war. Und so zögert Jeanne nicht lang, als ihre Mithilfe gefragt ist bei einem gewagten Coup: Geplant ist ein Überfall auf den größten Juwelier der Stadt, im Herzen von Paris.
BIOGRAFIE
Sorj Chalandon, geboren 1952 in Tunis, gilt als einer der bedeutendsten Journalisten und Schriftsteller Frankreichs. Viele Jahre lang schrieb er für die Zeitung >Libération<, seit 2009 ist er Journalist bei der Wochenzeitung >Le Canard enchaîné<. Für seine Reportagen über Nordirland und den Prozess gegen Klaus Barbie wurde er mit dem Albert-Londres-Preis ausgezeichnet. Auch sein schriftstellerisches Schaffen wurde mit zahlreichen Literaturpreisen gewürdigt, unter anderen dem Prix Médicis und dem großen Romanpreis der Académie française.
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REZENSIONEN
Bewertet von mari_liest, Anne (milkysilver... und 3 andere
marilovesbooks2020
milkysilvermoon
kingofmusic
wandanoir
renee
In seinem neuen Buch „Wilde Freude“ greift der französische Schriftsteller ein wichtiges Thema auf und erzählt eine berührende Geschichte von vier Frauen und deren Schicksal. Die Hauptprotagonistin ist Jeanne, als Buchhändlerin tätig, verheiratet und introvertiert. Nicht genug, dass sie einen Egomanen als Ehemann hat, erhält sie die Diagnose Brustkrebs und ihre gesamte Welt gerät aus den Fugen. Im Zuge ihrer Therapie lernt sie drei andere Frauen kennen: Brigitte, ebenfalls Patientin mit einem Mamma-Carincom; Mélody, eine verirrte Seele, deren Kind nach Russland entführt wurde und Assia, als, Gott sei Dank, gesunde Freundin dieser beiden. Jeanne muss nun nicht nur ihre Therapie und ihren gesundheitlich-psychischen Zustand gewältigen, nein, sie muss auch den Narzissmus ihres Mannes ertragen, der mit ihrer Krankheit nicht umgehen kann. Im Zuge der Chemotherapie freunden sich die vier Frauen an und beschreiten gemeinsam ihren Weg. Zu Beginn lernen wir Jeanne besser kennen und im Laufe der Geschichte wird auch auf die Schicksale der anderen drei Frauen eingegangen. Meine Meinung: Eine außergewöhnliche Geschichte von vier außergewöhnlichen Frauen, die mich sehr nachdenklich stimmte. Innerhalb der Story geht der Autor auf verschiedene zwischenmenschliche Themen ein und stellt diese auch sehr tief und authentisch dar. Er präsentiert einen entschlossenen Kampf gegen die Krebserkrankung. Die Geschichte nimmt rasch immer mehr an Fahrt auf und wird nicht langweilig. Die Protagonistinnen sind sympathisch dargestellt, ich mochte alle vier. Zur Verzweiflung trieb mich diese unsägliche Nervensäge von Ehemann: egozentrisch, eine Memme, nervig, weinerlich, arm … ein richtiger Wappler, dem ich längst seine Klamotten um die Ohren und ihn hochkantig aus dem Haus geschmissen hätte. Unfassbar!! Aber vermutlich gibt es solche Partner*innen. Und gleichzeitig auch dieser geringe Selbstwert von Jeanne, der mich teilweise wütend machte, da sie sich dieses Benehmen ihres Mannes so gefallen ließ. Der Schreibstil ist flüssig und klar. Es ist mitreißend geschrieben und wurde nie langweilig. Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen. Trotzdem fand ich in Summe die Einzelgeschichten etwas übertrieben und auch der Plot Twist war mir persönlich etwas zu unrealistisch. Hier treffen beinharte Realität und zu viel Fantasie aufeinander und das passt für mich irgendwie nicht ganz zusammen. Trotz dieses Umstandes von meiner Seite eine Leseempfehlung und 3/5 Sternen.
Wow
Anne (milkysilvermoon)
Jeanne Hervineau ist erst 39 Jahre alt, als sie die schockierende Diagnose erhält: Brustkrebs. Mit ihrem Mann Matt musste die Pariser Buchhändlerin bereits einen schweren Schicksalsschlag verkraften, den Tod ihres gemeinsamen Sohnes. Nun stellt sie das Leben abermals vor eine schwierige Probe. Doch ihr Gatte sieht sich nicht dazu in der Lage, ihr in dieser Situation beizustehen, und verlässt seine Frau. Zufällig trifft Jeanne auf zwei weitere Krebspatientinnen: Küchenchefin Brigitte Meneur und die junge Frau Mélody Frampin. Zusammen mit der gesunden Assia Belouane, die bei Brigitte lebt, hecken die Frauen einen ebenso gefährlichen wie wahnwitzigen Plan aus… „Wilde Freude“ ist ein Roman von Sorj Chalandon. Meine Meinung: Der Roman besteht aus 24 Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Sie sind wiederum in mehrere Abschnitte untergliedert. Das erste Kapitel ist dabei eine Art Vorausschau. Danach wird weitestgehend in chronologischer Reihenfolge erzählt, unterbrochen von mehreren Rückblenden und aus der Sicht von Jeanne. Der Aufbau funktioniert sehr gut. In sprachlicher Hinsicht hat mich der Roman am meisten überzeugt. Metaphern und andere starke Bilder wie die der Kamelie für den Krebs kennzeichnen den Schreibstil, der trotzdem nicht künstlich oder zu verschnörkelt wirkt. Zudem gibt es viele Dialoge – teils in direkter, teils in indirekte Rede – die das Geschehen lebendig und anschaulich machen. Im Vordergrund stehen die vier Frauen und ihre Lebensgeschichten, wobei besonderes Augenmerk auf Jeanne liegt. Ihre Gedanken und Gefühle lassen sich hervorragend nachvollziehen, ihr Charakter macht eine Entwicklung durch: Von einer rücksichtvollen und angepassten Frau wird sie zu einer Person, die sich nicht mehr ständig entschuldigt. Allerdings wirken die Schicksale der Frauen insgesamt recht überzogen, was die Glaubwürdigkeit der Figuren ein wenig schmälert. Darüber hinaus werden immer wieder Nebencharaktere eingeführt, wodurch der rote Faden der Geschichte etwas verloren geht. Besonders eindringlich und intensiv wird der Roman, wenn es um die Krankheit Krebs und ihre Begleitumstände geht. Diese Passagen konnten mich immer wieder tief berühren und haben meine Erwartungen an die Lektüre voll erfüllt. An diesen Stellen wird deutlich, dass sich der Autor mit dem Thema auskennt. Nach dem ersten Viertel wird die Krankheitsgeschichte inhaltlich jedoch überlagert und der Roman verwandelt sich in eine Art Gaunerkomödie, bei der auch die Leiden der anderen zwei schwerkranken Frauen in den Hintergrund treten. Die Aktion des Quartetts macht die Lektüre zwar kurzweilig, zieht die Probleme und Leiden der Protagonistinnen jedoch auch etwas ins Lächerliche durch übertriebene und unrealistische Schilderungen. Mit einer Wendung erhält die Handlung im letzten Viertel abermals Schwung. Das Ende lässt mich jedoch enttäuscht und ratlos zurück, weil die letzten Kapitel nicht schlüssig erscheinen und zu viele Fragen offenbleiben. So wird beispielsweise nicht mehr darauf eingegangen, welche Konsequenzen Jeanne für sich persönlich aus den Ereignissen zieht. Das kalligrafisch anmutende Cover ist optisch ansprechend, allerdings auch recht nichtssagend. Der deutsche Titel, der recht wörtlich aus dem Französischen („Une joie féroce“) übernommen wurde, passt meiner Ansicht nach nicht besonders gut zum Inhalt. Mein Fazit: Zu viele Absurditäten, zu realitätsfern: Mit seinem Roman „Wilde Freude“ konnte mich Sorj Chalandon zwar unterhalten, aber meine Erwartungen nicht in Gänze erfüllen.
Wow
Hach, was habe ich mich auf das neue Buch „Wilde Freude“ von Sorj Chalandon gefreut. Hatte er doch mit „Am Tag davor“ einen literarischen Megahit gelandet. Nun, wer hoch steigt kann schnell (tief) fallen. Davon zeugt und das zeigt leider sein neuester Roman. Es geht zunächst um Jeanne, die eine niederschmetternde Diagnose bekommt: Brustkrebs. „Morgens war ich noch eine lustige Neununddreißigjährige. Nachmittags eine schwerkranke Frau. Sechs Stunden für den Umschwung von der Unbeschwertheit zum Unerträglichen.“ (S. 16) In der Folge wird sie von ihrem Mann Matt verlassen, der seine Frau nicht leiden sehen kann und der nur sich, seine Kollegen und seine Arbeit kennt. Was für ein … (hier setzt bitte jede*r ein eigenes Wort ein). Während der Bestrahlung trifft sie auf Brigitte, die ebenfalls an Krebs erkrankt ist. Die beiden freunden sich an – und jetzt wird es gruselig, weil unnütz, unrealistisch, völlig überzogen und klischeetriefend. Böse und noch mehr böse Männer, arme kranke, vom Schicksal und von Männern schwer gebeutelte Frauen, die trinken und kiffen á la „Hey, ich muss sowieso sterben. Also lasst uns vorher noch ein bisschen Spaß haben!“ – und einen Überfall auf einen Juwelier mitten in Paris verüben – mit Spielzeugpistolen! Heißa tiralala – wo bin ich denn hier gelandet??? Der angebliche „Gag“? gegen Ende des Romans hat mich nur gelangweilt. Seine besten und prägendsten Passagen hat der Roman immer genau dann, wenn Sorj Chalandon einfühlsam und doch nicht auf die Tränendrüse drückend von der Diagnose Krebs (er selbst und seine Frau haben wohl auch die Diagnose Krebs bekommen), der (inneren) Gefühle, der Behandlung, den Schmerzen etc. erzählt. Leider werden genau diese Szenen von der Vorbereitung auf den Raubüberfall, den Raubüberfall selbst, der in meinen Augen überzogenen, überzeichneten und dadurch erst recht unrealistisch wirkenden Zeit danach und – schlimmer noch – den von Klischees triefenden Figuren überschattet. Anscheinend ist Herr Chalandon vorher im Klischeesee baden gegangen und hat zu viel Wasser geschluckt. Sorry, anders kann ich mir diese geballte Ladung nicht vorstellen, wie sie zustande gekommen sein soll. Nein, Herr Chalandon – mit dem Roman haben Sie mich leider überhaupt nicht abgeholt. 2* für die genannten einfühlsamen Passagen – mehr ist leider nicht drin. ©kingofmusic
Wow
Satire als Waffe gegen Leid ? Zeitgenössische französische Romane. Diesmal aus männlicher Sicht. Was kommt da heraus? In „Wilde Freude“ wehrt sich der Autor gegen das Betroffenheitsbild, das unwillkürlich entsteht, wann man bemerkt, dass die Protagonisten Krebs haben. Das Übel unserer Zeit. Das Angstmachende unserer Zeit. Doch der Autor will die Empathie des Lesers gar nicht. Er bricht mit seinem Anfang und führt seinen Roman in den Slapstick. Das ist verwirrend, denn zunächst ist es genau das, was präsentiert wird: ein Betroffenheitsbild. Ein Rührstück. Absolut einfühlsam zeigt der Autor auf, wie es sich anfühlt, als seine Protagonistin und Icherzählerin Jeanne mit der Diagose Brustkrebs konfrontiert wird und plötzlich die Sonne nicht mehr scheint. Die vier betroffenen Frauen, die sich bei der Chemotherapie kennenlernen und sozusagen sofort zusammenziehen, eine moderne Selbsthilfegruppe, führen später einen bewaffneten Raubüberfall durch. Nun, warum nicht. Verzweiflung kann einen Menschen zu allem bringen. Die Vorbereitungen auf den Überfall bei einem Juwelier und die Durchführung des Plans, samt arabischer Prinzessin und allem Drum und Dran, sind amüsant zu lesen, entbehren aber jeder Wahrscheinlichkeit. Aber auch der Komik. So dass man sich fragt, was will der Autor ausdrücken? In „Wilde Freude“ würfelt der Autor zu viele Elemente zusammen und trägt bei den Schicksalen der vier Frauen zu dick auf. Jede von ihnen hat einen männlichen Partner, der sie bei der härtesten Prüfung ihres Lebens nicht nur schmählich im Stich lässt, sondern auch sonst ein armseliges Würstchen ist. Die Frauen sind diesen Männer, die weder Kinder mögen noch zum Unterhalt beitragen, emotional völlig ausgeliefert. Ha? Die moderne Frau lässt sich nicht mehr alles bieten. Von Betroffenheit zu Slapstick und wieder zurück. Es ist zu viel, um schön zu sein. Obwohl der Autor sprachlich sehr gut aufgestellt ist, muss man diesen Roman verwerfen. Er hätte sich für eine Seite entscheiden müssen, dann wäre mehr drin gewesen, Slapstick oder Betroffenheitsschiene. Der Plan, den Roman, die Krankheit ad absurdum zu führen, ins Surreale hinein, hätte gelingen können. Dann muss man aber konsequent dabei bleiben, und nicht auf den letzten Metern in die Betroffenheitsschiene zurückbiegen, was unfreiwillig komisch wirkt, aber nicht komisch ist. Fazit: Satire als Waffe gegen Leid? Kann funktionieren, tut es hier aber nicht. Mit viel good will gibt es von mir noch drei Sterne. Mit Bauchgrimmen. Kategorie: Anspuchsvoller Roman: 2 Punkte Unterhaltung: 3 Punkte. Verlag dtv, 2020
2 Wows
Gemeinsam rissen sie die Krebsstation nieder und errichteten auf ihren Trümmern eine fröhliche Zitadelle. "Wilde Freude" ist ein Buch über Frauen, die an Krebs erkranken/erkrankten, die negative Erfahrungen teilen, die zusammenhalten. Der Hauptcharakter Jeanne, eine Buchhändlerin, bekommt die Diagnose und fällt in ein Loch, in ein großes Loch, das Krebs-Loch. Doch sie lernt während der Behandlung drei weitere Frauen kennen, zwei der drei Frauen kennen die Diagnose ebenso, die dritte im Bunde verbindet eine recht negative Vergangenheit mit den anderen. Denn auch das ist etwas was sie alle teilen. Negative Erfahrungen. Jeanne ist hier die Neue, das Nesthäkchen, die bisher eigentlich ganz gut gelebt hat/ganz gut verdrängt hat. Doch die Diagnose lässt ihren Mann die Flucht ergreifen. Und damit stürzt Jeanne in ein weiteres Loch und wird aufgefangen, von diesen drei Frauen. Der Autor lässt im weiteren Verlauf allen Frauen ihr Loch/ihr Erdulden verschwinden, in dem er die Charaktere handeln lässt. Ich finde der Autor verbindet damit eine Botschaft. Er ist ebenso vor kurzem im realen Leben, gemeinsam mit seiner Frau von einer Krebsdiagnose aus dem Leben geworfen worden, in dieses Loch hineinkatapultiert worden. Er weiß, was so etwas bedeutet, was das mit den Betroffenen macht. Und gerade hier ist eine Stärke gefragt, die bei der Gesundung absolut helfen würde, die aber schwer hervorzuholen ist. Hier in dem Buch lässt er den Frauen diese Stärke zukommen, diese wirkt zwar nicht real, ist deutlich überzeichnet, aber warum auch nicht. Muss denn immer alles real sein? Ich gönne ihnen diese Stärke! Dazu zitiere ich folgende Stelle vom Klappentext: "Dies ist die Geschichte von vier Frauen. Sie wagten sich weit vor. In die tiefste Dunkelheit, in die größte Gefahr, in den äußersten Wahnsinn. Gemeinsam rissen sie Krebsstation nieder und errichteten auf ihren Trümmern eine fröhliche Zitadelle." Von manchen Lesern wurde diese Verbindung kritisiert, Krebs und fröhliche Zitadelle. Doch warum? Jemand, der Krebs hat/hatte braucht vielleicht die fröhliche Zitadelle! Jeder von uns ist anders und geht anders mit gravierenden Dingen um! Die Charaktere und die Menge ihrer negativer Erinnerungen wurde ebenso von manchen Lesern bemängelt. Als ein zu viel des Guten. Warum? Sagt das Schicksal im realen Leben nach einem gravierenden Ereignis stopp? Eigentlich nicht. Und manchmal laufen sich eben Menschen mit wirklich schrecklichen Lebensläufen über den Weg, bleiben aneinanderhängen, weil andere sie auch meistens nicht verstehen. Zumindest ist das etwas, was mir in den Jahren psychiatrischer Arbeit immer wieder begegnet ist. Und von daher erschien mir auch das nicht unreal. Insgesamt fand ich dieses Buch in seiner Geschichte ganz gut und in seiner Botschaft wunderbar. Der Autor kann schreiben und das merkt man und die Geschichte. Wie gesagt, warum nicht ?!?!
1 Wow
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