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Caden ist ein gewöhnlicher 15-jähriger Schüler, der mit seinen Freunden abhängt und an einem Computerspiel bastelt. Doch sein bekanntes Leben wird auf den Kopf gestellt, als er nach und nach trügerische Wahrnehmungen empfindet, harmlose Gegenstände und seine Mitmenschen grundlos als Gefahr beurteilt und sich so weiter in seinen Wahn steigert bis er nicht mehr zwischen Realität und seiner zusammengesponnen fantastischen Welt unterscheiden kann.


Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht wie ich meine Eindrücke zu dem Buch schildern und zusammenfassen soll um dem gerecht zu werden.

Vorneweg finde ich es unglaublich auf welch authentische, umfassende und tiefgreifende Art und Weise der Autor das Thema Schizophrenie beschreibt, und das obwohl er nicht selbst betroffen ist, sein Sohn allerdings. Neal Shusterman muss sich so sehr in die Materie eingearbeitet und sich mit seinem Sohn so intensiv ausgetauscht haben um sowas zu schaffen, dass es mich sprachlos macht.

Fantastisch und brillant fand ich die ganzen tollen Metaphern die an den passenden Stellen eingebettet wurden und den Ereignissen mehr Tiefe verleihen und das Verständnis fördern, auch wenn letzteres nur bis zu einem gewissen Punkt möglich ist, sofern man nicht selbst betroffen ist. Manchmal fand ich es schwierig den Gedanken und Empfindungen von Caden zu folgen, was vermutlich nicht an der Sprache selbst liegt sondern daran dass der Sachverhalt schwierig zu begreifen und beschreiben ist.

Die „doppelten“ Geschichten, die parallel verlaufen scheinen auf den ersten Blick wirr und hinterlassen viele Fragezeichen, doch im Laufe der Geschichte werden die Verbindungen deutlich und machen zum Teil Sinn. Ich denke dass gerade die fehlende nachvollziehbare Stringenz der Handlungen Cadens seelischen Zustand hervorragend widerspiegelt und daher sehr gut zur Thematik und der Bedeutung dahinter passt. Man verliert als Leser*in selbst ein wenig den Bezug zu den zeitlichen und räumlichen Strukturen der Realität, die man aus dem alltäglichen Leben kennt und die so hilfreich sind um sich zu orientieren und schwebt irgendwo zwischen Cadens fantastischer Welt und der Realität, aber man befindet sich immer seltener eindeutig in einer „Welt“. Diese parallel verlaufende fantastische Geschichte ist ein Spiegel der Realität und verarbeitet die realen Geschehnisse - dazu auch Cadens kranke Eindrücke, die objektiv teils erfassbar sind – in anderer Form und im metaphorischen Sinne, die mit der subjektiven Gedanken- und Gefühlswelt Cadens übereinstimmen und seinen seelischen Zustand gut erfassen.

Fazit: Dies ist mein erstes Buch über das schwierige Thema Schizophrenie. Es konnte mich durch die emotional ergreifende, authentische und hoffnungsvolle Art überzeugen und die metaphorisch einzigartige Darstellung hat mich fasziniert ebenso wie das Eintauchen in Cadens verzehrte Welt. Absolute Leseempfehlung für Jung und Alt!
Kompass ohne Norden
Kompass ohne Norden
Neal Shusterman
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