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"Man kann nicht wissen, woran man einmal sterben wird, aber man kann entscheiden, wie man leben will"

"Warnung" vorab: für all die Musik gibt es am Ende eine Liste, man braucht nicht, wie ich, mitzuschreiben...

Lou ist tot. Und ihre Familie droht daran zu zerbrechen. Ihr Mann, pensionierter Herzchirurg, versucht seinen Schmerz zu überspielen mit Anspielungen auf Lous bekannt schlechte Kochkünste:
"Heute Abend bleibt euch der Kuchen meiner Frau erspart", sage ich, um keine Risse zu bekommen.
Wer uns kannte, lehnte dankend ab, doch Handwerker oder neue Bekannte tappten in die Falle.
"Er blieb sogar hart, wenn man ihn in den Kaffee tunkte."
"Nicht einmal der Hund des Gärtners hat ihn angerührt."
Ihre Kinder sind entfremdet, von ihrem Vater, einander, sogar sich selbst. Sohn Cyrian verkauft hochwertige Badeinrichtungen, sein Vater sagte "Meine Tochter bringt die Männer mit ihren Filmen zum Träumen, mein Sohn bringt sie mit seinen Kloschüsseln zum Wasserlassen."
Tochter Sarah wirkt stark, doch hinter der Fassade ist sie allein, seit ihr Verlobter Patrice sie verließ: "Patrice hat etwas in mir zerbrochen. Nicht er fehlt mir, sondern die Sorglosigkeit und die Gewissheit, geliebt zu werden, das Vertrauen."
Cyrians Tochter Pomme sehnt sich nach dem Vater, der selten kommt, seine Tochter Charlotte wohnt mit ihm zusammen, hat aber dieselben Sehnsüchte, während sie von den Ängsten ihrer Mutter Albane fast erdrückt wird. Doch Lou hatte sich als quasi "letzte Amtshandlung" vorgenommen, die Familie angesichts ihrer Beisetzung zu vereinen.

Das hätte leicht in Kitsch abgleiten können, tut es aber nicht, genauer, tut es gerade nicht. Die Perspektiven wechseln zwischen den Protagonisten als Ich-Erzähler, selbst Lou ist dabei. Anfänglich waren es mir zu viele Geheimnisse, Lou hat einen geheimen Brief hinterlassen, Jo darf nichts über einen Vertrag erzählen, Pomme hatte eine Geheimnis mit ihrer Oma, Albane verbirgt ein Geheimnis, Cyrian hat Heimlichkeiten ... Ich fürchtete, dass, wenn man alle Geheimnisse kennt, wenig Buch übrigbleiben könnte. Tut es nicht.

Heimlicher Hauptdarsteller des Buches ist die Insel Groix in der Bretagne mit ihrem Dialekt, den Menschen, der Landschaft und den besonderen Speisen; alles wie auch das ganze Buch immer wieder mit einem feinen Humor, tatkräftig, nicht zimperlich.

Ein wunderschön gefühlvoll-melancholisch-federleichtes Buch, das ich auch in die Reihe meiner Verschenkbücher einreihen werde.
4 1/2 Sterne, abgerundet nur deshalb, weil mir einige Enden zu glatt aufgedröselt wurden, das ist aber eine wirlich sehr nörgelige Entscheidung. So wie bei Charlotte an einem schlechten Tag.
Ein geschenkter Anfang
Ein geschenkter Anfang
Lorraine Fouchet
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