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Scharnow, ein Örtchen unweit von Berlin, scheint eines dieser zahlreichen, vollkommen unbedeutenden Dörfer in der Pampa zu sein. Doch weit gefehlt. Denn plötzlich morden Bücher, semi-professionelle, aber um so besorgtere Scharfschützen machen Jagd auf niedliche Haustiere und eine Abstürzer-WG leidet unter Alkoholnotstand. Alles Teil eines großen Plans?

›Scharnow‹, der Debütroman des ›Die Ärzte‹-Musikers Bela B Felsenheimer, erschien 2019 bei Heyne in der Hardcore-Sparte. Der satirische Gesellschaftsroman umfasst 413 Seiten und kommt als Hardcover daher.

›Scharnow‹ gliedert sich in eine ganze Reihe scheinbar zusammenhangsloser Handlungsstränge, die in relativ kurzen Kapiteln abwechselnd erzählt werden und mit der Zeit zusammen fließen. Bela B entwickelt dabei sowohl ernsthaft realistische als auch herrlich absurde Charaktere – allen gemein, sie sind irgendwie sympathisch. Die herrliche Absurdität zieht sich dann auch durch die ganze Geschichte. Selbst sprachlich bleibt da wenig zu Wünschen übrig.

Aber zurück zum Inhalt. Da wäre der Buchblogger, dessen neuestes zu kritisierendes Werk plötzlich zu ihm spricht, womit sein Leben eine dramatische (und recht kurze) Wendung bekommt. Oder Nami, das Manga-Mädchen, das sich auf dem Weg zu ihrem geliebten »Omili« Hals über Kopf in den syrischen Geflüchteten Hamid verliebt. Der wiederum kann die Finger nicht von der Überwachungssoftware des Internetcafes seines Onkels, in dem er zeitweise arbeitet, lassen und entdeckt dabei Erschreckendes über einen Kunden, der scheinbar gerade einen Anschlag beim »Bund skeptischer Bürger« in Auftrag gibt. Bei diesem pegidesken Verein handelt es sich um einen Haufen schießwütiger Verschwörungstheoretiker, die in niedlichen Haustieren das manipulative Instrument der »Weltenlenker« ausgemacht hat. Doch ist das wirklich alles nur wirre Verschwörungstheorie?

Zeitgleich geht einer abgeranzten Männer-WG neben der »Mische« – neben Chips einem ihrer beiden Grundnahrungsmittel – auch noch das Geld aus. Den daraus resultierenden Supermarktüberfall muss die Polizei Scharnow aufklären, die zu dem Zeitpunkt gerade ausschließlich aus Kommissar Senger besteht. Der weiß sich zwar zu helfen, rutscht dabei aber direkt in die nächste Katastrophe. Unterdessen wird alles, was Kassiererin Silvia zu lieben beginnt, binnen kürzester Zeit erschossen. Und dann sind da noch Seelenparkplätze und ein fliegender Mann, den keiner wahrnimmt.

Ich hatte ein bisschen Angst vor ›Scharnow‹. Das lag daran, dass ich als Fan seiner Musik hohe Ansprüche an das Buch hatte, die bei solchen ›Nebenberufungen‹ leider oft enttäuscht werden. Hier nicht! Mit ›Scharnow‹ knüpft Bela B lückenlos an seine Musik an. Das ganze Buch ist so herrlich absurd, ohne aber ein recht hohes Niveau zu verlassen und ohne auf immer mal wieder eingestreute Gesellschaftskritik zu verzichten. Man möchte es nicht weglegen und im Prinzip ist es auch viel zu schnell durchgelesen. Als Debüt auf einem Marktsegment, das in der Form eigentlich nicht so oft bedient wird, ist das schon erfrischend außergewöhnlich.

Fazit: Lesen! Wer schräg-humoristisches, das trotzdem Intelligenz nicht missen lässt, mag, ist bei ›Scharnow‹ genau richtig. Ein ›Ärzte‹-Song in Buchform und damit genau das, was ich mir von dem Buch erhofft hatte.
Scharnow
Scharnow
Bela B Felsenheimer
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