Berlin, 1929. Nachdem Kommissar Gereon Rath vor der Presse aus seiner Heimatstadt Köln nach Berlin flüchten musste, rutscht er Hals über Kopf in einen Fall ungeahnten Ausmaßes. Was als Routineeinsatz für sein Sittendezernat begann, landet schnell bei der Mordkommission. Und Rath, in Köln selbst Teil der Mordkommission, lässt die Sache nicht los. In der Unterwelt der ausklingenden Weimarer Republik ermittelt er auf eigene Faust weiter und gerät immer tiefer in deren Abgründe – und zunehmend in Lebensgefahr.

›Der nasse Fisch‹ ist der Auftakt zu Volker Kutschers Reihe über Kommissar ›Gereon Rath‹. Der historische Kriminalroman erschien 2008 bei Kiepenheuer & Witsch und umfasst 542 Seiten. Er bildet die lose Vorlage für die ersten beiden Staffeln von ›Babylon Berlin‹.

Volker Kutscher führt uns tief in das Berlin der ausklingenden Weimarer Republik. Das Stadtbild ist von Unruhen gezeichnet. Kommunisten und Nazis stehen sich gegenüber, Ringervereine haben die Berliner Unterwelt unter Kontrolle, Berlin ist in jeder Hinsicht ein Schmelztiegel. Und auch die Berliner Polizei ist bei Weitem nicht so korrekt, wie Rath es von den Preussen gedacht hätte. Schnell gerät er in die Bredouille, sein Neuanfang in der Reichshauptstadt droht schneller zu enden, als er begonnen hat.

›Der nasse Fisch‹ lebt von seinen Figuren und der Szenerie. Die Stimmung im spätweimarer Berlin fängt Kutscher nachfühlbar ein. Die Stadt ist nach dem verlorenen Weltkrieg gezeichnet, Armut lässt die Kriminalität florieren. Die Politik fährt eine harte Linie gegen die Bewegungen von Rechts und Links, die man ohne Not als gezielte Eskalation bezeichnen kann. Durch den ganzen Krimi zieht sich ein düsteres Grundrauschen. In der Hinsicht hat das Buch meine Erwartungen, die ich aus der Serienadaption hatte, vollständig erfüllt. Ein bisschen mehr Herz beim Lokalkolorit hätte ich mir gewünscht, der kommt stellenweise ein wenig blass daher.

Ähnlich die Hauptfiguren. Gereon Rath ist mit all seinen Eigenheiten recht gut getroffen, allerdings fand ich häufig nicht verständlich, warum er sich im Privat- und Berufsleben mit aller Gewalt immer weiter reinreitet. In Band 2 wird das noch schlimmer, er handelt in vielen Situationen einfach sehr vorhersehbar irrational. Charakterlich finde ich ihn ansonsten sehr sympathisch gezeichnet. Die restlichen Figuren, insbesondere Charly, blieben mir etwas zu oberflächlich angekratzt. Das wurde in der Serie etwas runder ausgestaltet. Auch an Nebenfiguren mangelt es nicht und die sind, für mein Verständnis, sehr gut gezeichnet.

Zusammengefasst ist ›Der nasse Fisch‹ ein recht gelungener Auftakt in die Reihe. Obwohl ich normalerweise nicht allzu viel mit historischen Romanen anfangen kann, hat Kutscher mich mit seinem Buch gut abgeholt. Es hat seine Kanten, es hat aber auch seine Momente.
Der nasse Fisch
Der nasse Fisch
Volker Kutscher
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