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Britt-Marie, die pedantische ältere Dame aus ›Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid‹, nimmt ihr Leben selbst in die Hand. Immer war sie nur die Nebenfigur hinter anderen. Immer hat sie versucht, es anderen das Leben zu erleichtern. Doch nachdem ihr Mann Kent sie betrogen hat, nimmt sie kurzerhand einen Job im Jugendzentrum des sterbenden Dörfchens Borg an und zieht vorerst in das Nest.
Sie trifft auf Kinder und Erwachsene, die zu den typischen letzten Charakteren gehören, die ein sterbendes Dorf verlassen. Ihr Neuanfang ist alles andere als leicht, doch Britt-Marie ist fest entschlossen, ein wenig Ordnung in das Dorf zu bringen. Und sie wird schwer überrascht.

›Britt-Marie war hier‹ ist quasi der zweite Teil nach ›Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid‹. Das Buch erschien 2017 bei FISCHER. Auf 400 Seiten erzählt Fredrik Backman die weitere Geschichte von Britt-Marie.

***Achtung! Hier wird gespoilert. Wer ›Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid‹ noch lesen möchte, sollte das vorher tun.***

›Britt-Marie war hier‹ schließt quasi nahtlos an ›Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid‹ an und erzählt, man ahnt es schon, die Geschichte von Britt-Marie, die sich am Ende des Buches damit konfrontiert sieht, dass ihr Mann Kent sie betrügt. Sie ruft das Arbeitsamt an, um eine Stelle zu bekommen, das stellt sich aber alles andere als einfach heraus. Schließlich landet sie, auch dank ihrer Hartnäckigkeit, in Borg, einem sterbenden Dorf. Die Stelle im Jugendzentrum – eigentlich sollte es weder die Stelle noch das Jugendzentrum noch geben – konfrontiert sie mit einer Reihe von Menschen, die man zweifellos als abgehängt bezeichnen kann. Doch Britt-Marie ist entschlossen, ihre Arbeit gut zu machen und so nimmt sie sich der Kinder und Erwachsenen an. Und in einem Strudel aus Armut, Kriminalität und Starrköpfigkeit entdeckt sie den Fußball, mit dem sie in ihrem bisherigen Leben überhaupt nichts anfangen konnte.

Fredrik Backman bleibt sich auch in diesem Roman treu. Wieder geht es um schwierige Charaktere, wieder lautet die Botschaft »Schau hinter die Fassade!«. Waren seine Figuren in ›Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid‹ noch weitgehend merkwürdig, sind sie in ›Britt-Marie war hier‹ vor allem augenscheinlich kriminell oder in dörflicher Manier schroff. Das ändert aber nichts daran, dass sie alle einen liebenswerten Kern hinter der Fassade haben. Fredrik Backman lässt Britt-Marie diesen Kern auf ihre ganz eigene, seltsame Art herauskitzeln. Das wirkt anfangs etwas unsympathisch – insbesondere wenn man Britt-Marie noch nicht kennen sollte, dürfte der Einstieg schwer fallen – entwickelt sich aber zu einer ganz liebenswürdigen Geschichte der besonderen Art.

Teilweise ist das Buch vorhersehbar, was aber wenig stört, weil es eben keine Spannungsliteratur ist. Britt-Maries Entwicklung über das Buch hinweg scheint vorhersehbar, ist es aber nicht immer. Gerade gegen Ende spielt Backman mit diesem Element sehr schön; ob Britt-Marie zurück zu Kent geht, bleibt für ihren Charakter erstaunlich offen. Im Laufe des Buches gibt es in der Hinsicht aber auch Stellen, bei denen mir nicht klar war, warum Britt-Marie so mit sich hadert. Als Kent sich beispielsweise über Borg und die Bewohner lustig macht, interveniert Britt-Marie nicht wirklich und zweifelt sogar trotzdem nicht, zu ihm zurück zu wollen. Das passt für mich an der Stelle nicht wirklich zu ihrer Entwicklung. Es sind aber nur wenige Stellen, an denen solche, für mich Inkonsistenzen auftauchen und sie sind letztendlich vernachlässigbar.

Insgesamt ist ›Britt-Marie war hier‹ wieder einmal empfehlenswert, insbesondere natürlich nach Lektüre von ›Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid‹. Fredrik Backman hat eine sehr berührende Art, seine Figuren und Geschichten zu zeichnen und Stefanie Werner übersetzt dies erneut ganz wunderbar ins Deutsche.
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