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Die Birchs sind eine Familie, die sich nicht viel zu sagen hat. Das ändert sich zwangsweise, als Tochter Olivia von einem humanitären Einsatz in Liberia zurückkommt. Mit Verdacht auf den Haag-Virus muss sie eine Woche in Quarantäne verbringen, ausgerechnet über die Weihnachtsfeiertage und das auch noch mit der Familie. Geheim hält sie dabei, dass sie noch während des Einsatzes eine Beziehung zu einem Kollegen dort begonnen hat, das Ansteckungsrisiko ist somit höher als alle denken.

Doch auch die anderen Familienmitglieder haben etwas zu verbergen. Die jüngere Schwester Phoebe hat sich soeben verlobt, dennoch scheint ihr so kurz vor der Hochzeit etwas zu fehlen. Sollte jetzt nicht alles perfekt sein? Mutter Emma hat indessen einen Knoten in ihrer Achsel entdeckt und von ihrem Arzt die grausame Gewissheit erhalten: Krebs. Aber wie könnte sie ihren Lieben damit Weihnachten verderben? Und so schweigt sie lieber, als sich dem Mann oder den Töchtern anzuvertrauen. Vater Andrew erhält ausgerechnet vor den Feiertagen eine E-Mail von einem jungen Mann aus Amerika, der behauptet, sein unehelicher Sohn zu sein. Das Chaos ist also schon bereits vor den Feiertagen komplett und zu allem Überfluss macht sich jener Jesse dann auch noch auf den Weg, seinen Vater zu überraschen und ihm so ein Kennenlernen abzuringen.

Ich muss es leider so klar sagen: über zwei Drittel des Romans hinweg ist die Familie Birch mir ein Graus! Jeder einzelne Charakter ist so unsympathisch und anstrengend, dass man wirklich für niemanden Mitleid entwickeln kann. Der Vater ein frustrierter Zyniker, der seine eigenen Unzulänglichkeiten an den Restaurants, die er testet, auslässt. Ein Mann, der zu feige ist, seinem eigenen Sohn entgegenzutreten und unter seinen Töchtern eine deutlich mehr liebt, als die andere. Die Mutter eine schrecklich nervige Frau, die immer alles gut meint, dennoch aber selten versteht, was die Menschen um sie herum wirklich brauchen. Noch dazu riskiert sie ihr eigenes Leben durch eine Ansteckung mit Haag, nur weil sie ihrer Familie Weihnachten "nicht verderben" will. Tochter Phoebe ist ein Püppchen, das immer im Mittelpunkt stehen muss. Wenn sie ihren Willen nicht bekommt, wird geweint und gestritten wie eine 5-Jährige. Und Tochter Olivia, die Weltverbesserin, kann deutlich mehr Anteilnahme für Menschen in einem fremden Land aufbringen, als für die Mitglieder ihrer eigenen Familie. Denn eigentlich verachtet sie alle drei, dafür, dass sie so gar nichts Relevantes leisten im Leben. Der sympathischste Charakter ist ausgerechnet der uneheliche Sohn Jesse, den die Autorin aber in seiner Rolle doch sehr überzeichnet hat. Muss er wirklich gleichzeitig dunkelhäutig, da libanesischer Abstammung, schön wie ein Model, schwul und Veganer sein? Mehr Klischees konnten wohl im Text nicht untergebracht werden.

Keine Frage, die Autorin schreibt flüssig und sprachlich völlig in Ordnung. Die Seiten fliegen nur so dahin - allerdings hätte ich ansonsten auch schon ganz am Anfang aufgehört zu lesen. Denn sämtliches Interesse an der Handlung und am Schicksal der Figuren wurde bei mir durch deren unmögliches Verhalten schon im Keim erstickt. Wer denkt sich denn bitte eine solche Bande an Unsympathen für einen weihnachtlichen(!) Familienroman aus und was genau soll das dem Leser sagen?

Im letzten Drittel beginnen die Familienmitglieder dann doch ein wenig menschlich zu werden, dazu braucht es auch nur eine Vielzahl an Zwischenfällen und kleinen und großen Tragödien, bis die Autorin am Ende eine Familie präsentieren kann, die zumindest nicht mehr kurz davor steht, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Einige dieser plötzlichen Überraschungen deuten sich seit den ersten Seiten bereits so klar an, dass man sich fragt, ob überhaupt irgendjemandem diese Anspielungen mit dem Holzhammer entgangen sind. Wenn die Birchs aber tatsächlich nur durch solche Schicksalsschläge als Familie zusammenwachsen können, dann sollte der arme Jesse wirklich fliehen, so lange er noch kann.

Fazit: ein Familienroman, nach dessen Lektüre man Weihnachten allein in einer Blockhütte verbringen möchte
Sieben Tage Wir
Sieben Tage Wir
Francesca Hornak
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