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Nach der Totgeburt ihres einzigen Kindes stürzen Mabel und Jack in ein tiefes Loch. Ein kompletter Neuanfang, nur für sie beide, soll sie ins Leben zurückführen. Dafür hat sich das kinderlose, nicht mehr ganz junge Ehepaar in den 1920er Jahren die Stille und Einsamkeit Alaskas ausgesucht. Ein Leben inmitten der Natur. Jedoch verfällt Mabel dort in eine immer tiefere Depression. Bis der erste Schnee fällt und sie mit Jack übermütig im Schnee tollt - sogar ein Schneemädchen bauen sie. Aber schon am nächsten Tag ist es zerstört, dafür begegnen sie einem kleinen Mädchen, das allein durch die Wälder streift und das niemand zu kennen scheint...

Welch eine wundersame, zarte und berührende Geschichte entwickelt sich da! Eowyn Iveys Debütroman erzählt in unendlicher Ruhe eine Geschichte, die an ein russisches Märchen über ein Schneekind angelehnt ist. Snegurotschka. Dieser Roman ist aber kein Märchen, wenn er auch oft als ein solches anmutet. Allein die stimmungsvollen Beschreibungen der Wälder und des Wolverine Rivers, der schneebedeckten Felder, der Tier- und Pflanzenwelt und des Lebens in dieser nahezu unwirtlichen Gegend (besonders im Winter) haben mich verzaubert und mich in alte russische Märchen mit Väterchen Frost & Co. versetzt ;-) Bei all der Verzauberung malt Ivey aber auch ein sehr eindrucksvolles Bild über das Leben in Alaska, das nicht immer - eigentlich sogar sehr oft überhaupt nicht - märchenhaft ist, sondern unheimlich hart und gefährlich. Ein Arzt in der Nähe? Fehlanzeige. Nachbarn wohnen kilometerweit entfernt, doch es ist ein echter Segen, solche zu haben. Wie auch in dieser liebevollen Geschichte. Die Nachbarn Esther und George mit ihren drei Jungs freunden sich mit Mabel und Jack an und sorgen für wunderbare, spritzig-erfrischende Szenen. Nicht zuletzt kommt durch sie die Lebensfreude ins Haus zurück. Aber auch ganz besonders und in erster Linie trägt das wilde, mysteriöse kleine Mädchen einen großen Anteil dazu bei.

Ich habe anfangs etwas schwer in den ruhigen Fluss der Erzählweise hineingefunden. So magisch alles ist, es hat mich nicht von Beginn an zum Weiterlesen "gezwungen", es war eher am Ende des Tages eine nette Art zur Ruhe zu kommen ;-) Aber mit etwas Geduld ist dann irgendwann die Eisschicht aufgebrochen und ich habe mich der Geschichte voll und ganz hingegeben. Die Ereignisse haben mich mehr und mehr mitgezogen, die Protagonisten –allen voran Mabel und Jack – sind intensiv gezeichnet und haben mich zutiefst berührt. Ich habe gestaunt, gelacht und feuchte Augen gehabt. Ich habe die zweite Hälfte der Geschichte nahezu inhaliert.

Fazit: Magisch, sanft und berührend. Ein beeindruckendes Bild des Lebens im Alaska der 1920er Jahre, eine Ode an den Zauber der Natur, an Freundschaft & Liebe, an Zuversicht, Geduld und Vertrauen. Ein stiller, bewegender Roman einer Autorin, von der ich garantiert weitere Bücher lesen werde.
Das Schneemädchen
Das Schneemädchen
Eowyn Ivey
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