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Im vergangenen Monat führte mich ein Klassenausflug in die Stadt der Klassik, Weimar. Eine Freundin und ich konnten uns trotz der schönen Stadt nicht nehmen lassen auch einen Abstecher in den Buchladen zu nehmen. Natürlich, habe ich nicht geschafft nichts zu kaufen und entschied mich für dieses Buch. Ich begann es direkt auf der Rückfahrt und landete schnell in einer vergangenen Zeit. Die Geschichte empfand ich als noch präsenter, weil ich an diesem Tag auch im Konzentrationslager Buchenwald war und der Krieg und ich so viele Berührungspunkte, wie noch hatten. Um so realer war die Bens Geschichte. Wahrscheinlich beeinflusste diese Exkursion auch meine Gedanken und Gefühle zum Buch. Oftmals konnte ich die Gegenwart, die Vergangenheit und die Fiktion des Buches nicht mehr voneinander trennen. Eine gewisse Distanz ging verloren, sodass ich die Geschichte ganz anders als sonst wahr genommen habe.

Unsere Geschichte spielt im Jahr 2004, also vor 15 Jahren, dennoch empfand ich die Geschichte der "Gegenwart" als sehr modern und nah an meinem eigenen Leben, obwohl ich mit Catherine und Liam kaum etwas gemeinsam habe. Ben, der Hauptprotagonist, musste in seinem Leben schon viel erleben, grausame Dinge, die ich mir heute nicht vorstellen kann und dennoch sollte man den Frieden niemals als selbstverständlich und gegeben erachten. Er ist inzwischen schon alt, doch die Erlebnisse seiner Jugend sind ihn immer noch in Erinnerung. Einst lebte Ben in Polen. Er hatte eine liebevolle jüdische Familie, de sehr hilfsbereit war und den jungen Otto aufnahmen. Damals war der Antisemitismus noch nicht so schlimm, als bei der Machtergreifung seitens Hitler. Die beiden wachsen, wie Brüder auf. Hannah stößt zu ihnen und alle drei sind unzertrennlich. Manchmal spielt das Leben jedoch anders und aus Freunden werden Feinde. Ottos Entwicklung war für mich nicht nachvollziehbar. Es ist grausam, den Erzählungen Bens zu lauschen, wie sich sein einstiger Freund veränderte. Seine Geschichte erzählt er einer Anwältin, da er gegen Otto vorgehen möchte, vielleicht auch um seinen inneren Frieden am Lebensabend zu finden. In Elliot Rosenzweig erkennt er Otto Piontek und eine spannende und nervenauftreibende Suche beginnt. Ob Ben aber wirklich den richtigen im Visier hat, wirst du nur erfahren, wenn du das Buch selbst liest.

Ben ist ein liebenswürdiger alter Herr, mit dem ich gerne gesprochen hätte. Bei solchen Kriegsgeschichten bereue ich es immer nicht mit meinen Urgroßeltern darüber gesprochen zu haben. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass es ein Thema und eine Zeit ist über die sie gern gesprochen hätten. Ich habe später nur einiges aus Erzählungen meiner Großeltern erfahren, schade. Sie hätten bestimmt viel zu erzählen gehabt. Ich finde es sehr wichtig die Geschichten weiter zu erzählen, damit sie und das Schicksal vieler Millionen Menschen nicht vergessen wird und sich so etwas nie wiederholen wird. Wir dürfen die Geschichte nicht als gegeben erachten und sie totschweigen, sondern immer wieder darüber sprechen. Mit Catherine wurde ich erst zum Ende der Geschichte warm, das lag daran, dass sie nicht tiefgehend beleuchtet wurde und sie mir so unsympathisch rüber kam.
Elliot Rosenzweig lernt der Leser in seiner gewohnten Umgebung kennen, als liebevollen Großvater. Das er ein einstiger SS-Offizier sein sollte, wirkt unrealistisch, unvorstellbar. Und doch ging es so in vielen Familien zu.

Der Schreibstil gefiel mir in Bens Erzählungen etwas besser, als in der Gegenwart. Da dieser bildhafter und präsenter war. In der Gegenwart fehlte mir etwas die Liebe zum Detail und die Beschreibungen von Abläufen. Dennoch ließ sich die Geschichte gut und einfach lesen. Die Worte und der Satzbau war leicht verständlich, sodass man nicht lange über das Gelesene nachdenken musste, sondern sich super gut in der Handlung fallen lassen konnte.


Ich vergebe 4,5 von 5 Schweinchen, da ich gerne noch etwas mehr von dem SS-Offizier und seinen Beweggründen erfahren hätte. Ansonsten gefiel mir die Geschichte sehr gut und ich bin dankbar, dass ich dieses Buch im Buchladen entdeckt habe.
Hannah und ihre Brüder
Hannah und ihre Brüder
Ronald H. Balson
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