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Der 19-jährige Will verliebt sich in ein Mädchen und sie sich in ihn. Alles könnte gut sein. Doch er ist schwarz und sie ist weiß, eine Beziehung die im Louisiana der 40er Jahre nicht sein darf. Die beiden werden von ihrem Vater erwischt, der daraufhin Will sofort der Vergewaltigung bezichtigt. Das Mädchen hat nicht den Mut ihrem Vater zu widersprechen und bringt sich am nächsten Tag um. Will jedoch wird verurteilt zum Tod durch den elektrischen Stuhl.

Mercy Seat schildert die letzten Tage bis zu Wills Hinrichtung. Die einzelnen Figuren sind sehr unterschiedlich aber alle durchweg glaubhaft. Oft können zu viele Figuren in einer Geschichte überfordern oder irritieren, doch hier hat das Gesamtkonzept gepasst. Einziger Kritikpunkt: Die Namen waren mir manchmal zu ähnlich und durch die abwechselnden Perspektiven, habe ich sie so manches Mal verwechselt und brauchte dementsprechend jeweils ein paar Zeilen, bis ich mich zurechtfand.

Sprache und Schreibstil haben mich direkt in ihren Bann gezogen. In wechselnden Perspektiven und relativ kurzen Abschnitten erfährt der Leser mehr über die Geschichte von Will, aber auch von anderen Personen wie seinem Vater oder dem Staatsanwalt. Will's einziges Verbrechen war, sich zu verlieben. Seine Eltern fühlen sich schuldig, da sie diese Liebe nicht unterbunden haben. Will fühlt sich schuldig an dem Tod seiner Geliebten und nimmt das urteil deswegen bereitwillig an. Der Staatsanwalt fühlt sich nicht wohl bei der Verurteilung, wurde jedoch bedrängt, sie auszusprechen, am Ende wurde gar sein Sohn bedroht um ihn zurück in die richtige Spur zu bringen. Die Bürger fiebern der Hinrichtung entgegen, fragen nicht nach den Umständen, nach dem Mensch, der dort sitzen soll. Alles was zählt, ist, dass es ihnen ein Ventil für ihren Hass und ihre Vorurteile liefert.

Die Sprache ist nicht gefühlsgeladen, sondern eher nüchtern und neutral. Die Autorin schafft es trptz des sensiblen Themas nicht wertend zu schreiben, sondern nüchtern die Tatsachen zu schildern. Dadurch hat das Buch jedoch noch mehr an Tiefe entwickelt wie ich finde. Sowohl die Charaktere als auch die Handlung haben mich sehr berührt. Die Ängste und Verzweiflung werden sehr gut geschildert und ich konnte sie regelrecht selbst fühlen. Winthrop schafft durch die wechselnden Perspektiven eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Todesstrafe und Hass auf Schwarze oder generell Andersartige. Die einzelnen Erzählstränge verdichten sich nach und nach und jede der Personen trägt ihren Teil dazu bei, ein Gesamtbild zu schaffen, das unter die Haut geht. Trotz des relativ dünnen Umangs von 250 Seiten entwickelt Mercy Seat einen immer stärker werdenen Sog und je weiter man eintaucht in diese Geschichte, desto mehr leidet und hofft man mit den Charakteren. V.a. der Schluss hat mich nochmal extrem erschüttert und tief berührt.

Fazit: Ein (leider) immer noch sehr aktuelles Buch, ein Aufruf dazu, nicht blind zu verurteilen und zu seiner Meinung zu stehen. Ein Buch, das einen nicht kalt lässt und noch lange nachklingt.
Mercy Seat
Mercy Seat
Elizabeth H. Winthrop
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