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Mara und Scott - fünf Tage im Leben zweier total unterschiedlicher Menschen

Mara wurde als Kind adoptiert und weiß nichts über ihre leiblichen Eltern. Sie interessiert sich auch nicht wirklich dafür, denn ihre Adoptiveltern sind die besten, die sie sich wünschen könnte. Auch ihr Mann ist der Prinz ihrer Träume. Und um das Glück zu krönen, ist Laksmih ein Bilderbuchtöchterchen. Laks ist ebenfalls adoptiert. Und aus mehr oder weniger heiterem Himmel bricht die Katastrophe auf die kleine Familie ein: Maras seltsame Stimmungsschwankungen und ihre Vergesslichkeit sind nicht Folge des Stresses in ihrem Job als erfolgreiche Anwältin, sondern eine unheilbare, tödliche Krankheit. Mara hat Huntington.

Für Mara ist schnell klar, dass sie weder sich noch ihren Lieben zumuten will, sie zu pflegen, wenn die Krankheit komplett ausbricht. Bis zu einem gewissen Punkt ist sie bereit zu kämpfen, aber wenn die Symptome sich häufen, will sie sich das Leben nehmen. Der Tag wird dann ihr Geburtstag sein – und so kommt es, dass ihr gerade noch fünf Tage bleiben, als sie im Supermarkt die Kontrolle über ihre Blase verliert.

Fünf Tage bleiben auch Scott – aber nicht zum Leben, sondern um sie mit seinem Pflegesohn zu verbringen. Nach diesen fünf Tagen wird seine Mutter wieder für ihn da sein, denn dann hat sie ihre Haftstrafe verbüßt. Scott leidet sehr, obwohl seine Frau hochschwanger ist und er bald leiblicher Vater wird. Scott findet Hilfe in einem Forum – in dem auch Mara ist.

Ich habe dieses Buch sehr genossen, auch wenn das bei diesem Thema seltsam klingen mag. Wahrscheinlich liegt es bei mir daran, dass ich meine Mutter über Jahre habe sterben sehen. Nicht an Huntington, aber für mich sind da trotzdem sehr viele Parallelen. Scotts Leiden durch einen anderen Verlust verdeutlicht sehr schön, dass Leid und Trauer viele Gesichter haben kann und es nichts gibt, das schwerer oder leichter wiegt.

Wie Mara habe auch ich immer wieder geschwankt, ob sie ihren Plan durchführen oder abblasen soll. Ja, im Buch kamen dann doch immer wieder an der passenden Stelle schicksalhafte Momente vor, die ein wenig starker Tobak waren. Aber am Ende – nun, am Ende habe ich getan, was das einzig richtige in solchen Momenten ist: ich habe Maras Entscheidung respektiert.

Es bleiben Fragen. Fragen, die der Tod immer hinterlässt. Es ist nie alles geklärt, auch wenn man es so fest geplant hat. Ich bin ein wenig unzufrieden, warum Mara nicht sagte: okay, in drei Monaten muss ich meinen Plan vollbringen, die ersten schlimmen Anzeichen sind da. Diese fünf Tage waren für mich einfach zu wenig, der Tag – auch wenn ich ihre Argumentation verstehen kann – nicht der richtige.

Auch bei Scott und Laurie war ich nicht ganz kritiklos mit der Story einverstanden. Lauries Egoismus hat mich fast schon persönlich gekränkt. Scott war mir oft zu duldsam, zu folgsam, zu nett.

Beide Erzählstränge haben Enden, die passen und stimmig sind, aber sie lassen auch sehr viel Trauer in mir zurück. Und genau das macht dieses Buch so gut. Es zeichnet nichts rosarot oder weich, es ist ein Abbild zweier Schicksale, die sehr wohl genau so ablaufen können.

Der Stil der Autorin ist sehr eingängig. Man liest schnell und viel und kann sich das alles auch noch leicht merken. Der Plot ist spannend und durchweg interessant. Ohne die Protagonisten zu stark zu beschreiben, bringt Julie Lawson Timmer sie perfekt ins Bild, lässt dem Leser genug Spielraum für das eigene Kopfkino, gibt aber einen schönen Rahmen vor. Sehr viele Seelen werden geöffnet und gezeigt und dadurch öffnet sich die eigene Seele ebenfalls. Es ist einfach zauberhaft!

Nein, nicht jeder wird dieses Buch mögen oder gar lieben. Ich tue es. Und deshalb vergebe ich auch die vollen fünf Sterne.
Fünf Tage, die uns bleiben
Fünf Tage, die uns bleiben
Julie Lawson Timmer
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