mojoreads
Community
Die fünfjährige Hailey verschwindet spurlos beim Spielen im Vorgarten. Frank Decker und die Polizei ermitteln, finden aber keine Spur. Ein weiteres Mädchen verschwindet auf dem Schulweg. Sie wird wenig später tot aufgefunden, der Täter ermittelt und Haileys Verschwinden ebenfalls ihm angelastet. Case closed – doch nicht für Frank Decker. Er hängt seinen Job an den Nagel, setzt sich in sein Auto und beginnt eine einjährige Suche nach Hailey quer durch die Vereinigten Staaten. Eine heiße Spur führt ihn schließlich in die Upper Class von New York.

›Missing. New York‹ ist der erste Teil in Don Winslows Reihe ›Frank Decker‹. Der Thriller erschien 2014 bei Droemer Knaur und umfasst 400 Seiten, die sich in zahlreiche sehr kurze Kapitel gliedern.

Mit Frank Decker schafft Don Winslow erneut einen Protagonisten ganz in seinem Stil. Veteran, Ex-Spezialeinheit, ein bisschen kaputt, nicht immer 100% korrekt, letztendlich aber trotzdem mit dem Herz am rechten Fleck – und in seiner Berufung maximal engagiert. Seine Berufung, das zeigt sich schnell, sind Vermisstenfälle. Er ist gut darin, sie zu lösen, allerdings stößt sein Engagement an die Grenzen der ermittlungstechnischen Bürokratie. So ist es nur ein logischer Schritt, dass Decker Job und Pension bei der Polizei an den Nagel hängt und die Suche nach der kleinen Hailey auf eigene Faust fortsetzt. Sauber bleibt er dabei nicht immer, aber er setzt sich immerhin kritisch mit seinen Dämonen auseinander. Das ist ein Umgang, mit dem ich im Prinzip leben kann.

Auch in anderer Hinsicht folgt Winslow seiner Linie, die man insbesondere aus der ›Art Keller‹-Reihe kennt. Sein Stil ist schnell. ›Missing. New York‹ erzählt er aus der Sicht von Frank Decker und setzt für die einzelnen Szenen nicht allzu viel Raum an. Trotzdem mangelt es nicht an notwendigen Details, um sich in die jeweilige Situation zu versetzen. Das Buch wirkt insgesamt etwas gehetzt, allerdings nicht ungewollt (also störend) gehetzt. Winslow fängt Deckers Gemütslage auf diese Weise gut ein und gibt sie passend wieder. Die Geschichte ist an vielen Stellen schnell und Deckers Naturell ist hinsichtlich der vermissten Hailey gehetzt, in Kombination mit der Erzählperspektive ist das also nur konsequent.

Ebenfalls gut gelungen ist der Spannungsaufbau. Der Fall nimmt immer wieder mehr oder weniger unerwartete Wendungen und die genauen Zusammenhänge sind oft und lange nur rudimentär vorhersehbar. Neben Deckers Perspektive wechselt Winslow regelmäßig in die der vermissten Hailey. So vermittelt er einen kleinen Wissensvorsprung, der die Spannung zusätzlich steigert. Insgesamt bewegt sich ›Missing. New York‹ permanent auf einem angenehmen Spannungslevel, das fühlt sich alles sehr ausgewogen an.

Neben dem Kinderhandel, der Mafiastrukturen bis in die obersten gesellschaftlichen Ränge mit sich bringt, macht Winslow auch den gebrochenen Veteranen wieder zu seinem Thema. In der Reihe um Art Keller konnte man die Entwicklung dahin live verfolgen, für Frank Decker liegt sie in seiner Vergangenheit. Trotzdem wirkt sie natürlich weiter. Seine Zeit im Krieg lässt ihn nicht los, auch seine Ehe, der es zwar nicht an Liebe fehlt, scheitert letztendlich auch ein bisschen an seiner Vergangenheit. Decker ist ruhelos, das Erlebte holt ihn immer wieder ein. Und er wird damit relativ alleine gelassen.

›Missing. New York‹ ist ein gelungener Start für Winslows Frank Decker. Durch die Erzählperspektive ist es nicht der typische Thriller, aber ein spannender. Mit den Figuren wird man schnell warm und die Geschichte ist, wie man es von Winslow kennt, gut ausgearbeitet und immer ein bisschen aktuell.
Missing. New York
Missing. New York
Don Winslow
!!!!!
5
!
!1 Bewertungen
!!!!!
Jetzt bewerten!
Durchschnitt
LESEN
2 Wows
Schreibe einen Kommentar

log.os GmbH & Co. KG

Dudenstraße 10

10965 Berlin

© 2020 mojoreads

Deutsch
Englisch