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Elena Ferrantes erster Band der großen neapolitanischen Saga – Meine geniale Freundin – wurde zu einem wahrlich großen Erfolg. Unter dem Hashtag #ferrantefever kann man im Internet den weltweiten Erfolg samt den unendlich vielen positiven Kritiken und Eindrücken zu ihrer Saga verfolgen. Vier Bände wird die Saga im gesamten umfassen und jetzt ist auch zu Beginn des neuen Jahres schon der zweite Band – Die Geschichte eines neuen Namens – im Handel erschienen. Die Geschichte der getrennten Wege und Die Geschichte des verlorenen Kindes werden auch noch in diesem Jahr erhältlich sein. Das empfinde ich als sehr positiv, möchte man doch unbedingt und schnellstmöglich wissen, wie die Saga weitergeht.


„Ist der Hype denn wirklich berechtigt“, mag sich da sicher der ein oder andere fragen. Ich aus meiner ganz persönlichen Sicht kann nur sagen: JA, ist er! Ich tue mir wirklich schwer, gehypte Bücher sofort zu lesen. Meist überfordert es mich und ich verliere das Interesse, bis sich der allgemeine Sturm gelegt hat. Diesmal war das anders. Die Leseprobe hatte mich schon dermaßen überzeugt und ich schwamm freiwillig auf der großen Welle mit. Und es lohnte sich so sehr, denn dieses Buch entwickelte sich zu meiner persönlichen Buchperle 2016.

Die Schriftstellerin schreibt unter Pseudonym und solch eine Entscheidung ist meiner Meinung nach immer voll und ganz zu respektieren, da es ihr persönlicher Wunsch war. Im vergangenen Oktober erschien in der FAZ ein Bericht des Journalisten Claudio Gatti, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, die Identität hinter dem Pseudonym Elena Ferrante zu lüften. „Warum denn nur“ war da mein erster in der Tat sehr erschrockener Gedanke und ich beschloss, diese Berichte und den ganzen Medienrummel darum vollkommen zu ignorieren. für mich persönlich ist es nicht wichtig, zu wissen, wer sich tatsächlich hinter dem Namen verbirgt.

Ganz im Gegenteil: Es entstand sogar eher ein gewisser „Zauber“ des vollkommen unbekannten, den ich gar nicht recht in Worten beschreiben kann. Ich machte mir meine ganz eigenen Gedanken zu Elena Ferrante und überlegte, ob es eventuell auch ein Teil ihrer eigenen Geschichte sein könnte und so entspann sich dann daraus (m)eine ganz eigene Geschichte zur Person hinter dem Buch. Dies wollte ich gerne auch für die folgenden Bände der Saga beibehalten und habe daher bis heute noch kein Bericht oder Statement zur Enthüllung des Pseudonyms „Ferrante“ gelesen.



Wer auch immer dieses Buch geschrieben hat, es ist einfach ein unglaublich einnehmendes und so ehrliches, intensives Werk geworden, dass mich wirklich sehr berührte. Ich fühlte mich schon nach wenigen Seiten ins Neapel der 50er Jahre versetzt – speziell in das ärmliche Viertel Rione – denn die Autorin versteht es wunderbar, ihre Leser auf diese besondere Reise abzuholen. Detaillierte, aber niemals langatmige Beschreibungen sorgen dafür, dass man einen sehr guten Einblick in die Gesellschaft dieser Zeit bekommt. Das Leben in dem kleinen neapolitanischen Dorf, in dem die zwei begabten Mädchen „Lila“ Raffaella und „Elena“, meist Lennucia oder Lenù genannt, aufwachsen, ist den Zeiten entsprechend rau und hart. Aber doch verbirgt sich hinter den oftmals brüsk erscheinenden, vom Leben geprägten Fassaden der Dorfbewohner immer wieder ein weicher, verletzlicher Kern. Die Zeiten sind noch sehr Männerdominierend und die Hierarchien innerhalb einer Familie daher klar und strikt. Auf die Bildung der Mädchen wird meist von oben herabgesehen oder sie wird erst gar nicht geduldet.

Familie und Familienwerte, Freundschaft, Zusammenhalt – das sind große, aber auch sehr facettenreiche Themen. Wie entsteht eigentlich Freundschaft und was beeinflusst sie? Was bedeutet eigentlich „eine Bindung fürs Leben?“ Kann Konkurrenzdenken Freundschaft zerstören? Schaffen es die Mädchen, ihre Träume zu realisieren und dem Milieu zu entfliehen? Ferrante ist es gelungen, ein großartigen Porträt einer Mädchenfreundschaft mit all seinen zum Teil auch gesellschaftlich aufgezwungenen Höhen und Tiefen zu erstellen. MEINE GENIALE FREUNDIN befasst sich mit der Kindheit und anfänglichen Jugend von Lila und Elena. Im nächsten Teil DIE GESCHICHTE EINES NEUEN NAMENS erleben wir die komplette Jugendzeit der beiden Freundinnen und ich bin sehr gespannt, wie es den beiden weiter ergehen wird.
Meine geniale Freundin
Meine geniale Freundin
Elena Ferrante
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