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Gefangen in der Surrealität

Rezension zu Psychose von Blake Crouch


Allgemeine Information:

Verlag: Goldmann

Erscheinungsdatum:  16 September 2019

Buchlänge: 416 Seiten

Genre: Thriller

Taschenbuch

ISBN: 978-3-442-48970-1 


Klappentext: 

Wayward Pines, Idaho, eine idyllische Kleinstadt mitten im Nichts. Hier soll Secret-Service-Agent Ethan Burke zwei Vermisste aufspüren. Doch als er nach einem Verkehrsunfall im Krankenhaus des Ortes wieder zu sich kommt, ist seine eigentliche Mission sein geringstes Problem: All seine Sachen sind verschwunden, die Menschen um ihn herum verhalten sich äußerst merkwürdig, auf seine Fragen bekommt er nur ausweichende Antworten. Und als Ethan dann versucht, Wayward Pines zu verlassen, stößt er auf einen unüberwindbaren Zaun – und ein grauenvolles Geheimnis... 


Wir wachen auf , wir wissen nicht wo oder wer wir sind. Eine Stadt in der wir eigentlich einen Job zu erledigen hatten. Doch schon bald wird es nur darum gehen zu entfliehen. Aus dem Tal der Berge, aus der Ungewissheit.

Und genau dieses Gefühl der Hilflosigkeit, der Verwirrung und Aussichtslosigkeit löst Blake mit seiner Geschichte in uns aus. Ich weiß nicht wann ich mich das letzte Mal, so sehr in meinem eigenen Ich gefangen gefühlt habe. Ich konnte mich zu 100% in die Gefühlswelt des Protagonisten Ethan einfühlen und wollte nur noch dort raus.

Doch vorab möchte ich auf den Schreibstil des Autoren eingehen. Der Satzbau ist grandios erschaffen wurden und bietet einen durchgehenden Spannungsbogen, der kaum auch nur einmal wagt einzubrechen. Man bietet uns eine komplett neue und andere Welt die detailliert ausgearbeitet wurde. Der Autor geht auf alle innerlichen Fragen der Verwirrung ein, da er sich voll und ganz in den zukünftigen Leser hineinversetzen konnte. Ihm war vorab bewusst, was uns beschäftigen wird, was für Fragen wir uns stellen werden und man lässt uns demnach step by step das Zeil der Gewissheit und Aufklärung erlangen.

Als kleinen negativen Aspekt muss ich die leider viel zu langen Kapitellängen kritisieren. Zwar viel es mir kaum auf, da ich vollkommen im positiven in dieser Geschichte gefangen war und das Buch gar nicht aus der Hand legen konnte.  Trotzdem besteht der Thriller mit über 400 Seiten gerade mal aus knapp 14 Kapiteln. Ein Zeichen dafür wie lang einige der einzelnen Kapitel sind. Das schnelle und kurze mal eben etwas lesen zwischendurch, fällt damit beinahe weg. Da ich sowieso finde das die Thematik etwas zu verzwickt ist, um das Buch immer mal wieder beiseite zu legen.

Als ich in das kleine Dorf von Wayward Pines geschmissen wurde, hatte ich sofort das mulmige Gefühl irgendwas stimmt hier nicht. Man bekommt komische Verhaltensweisen der Einheimischen mit und muss immer wieder auf der Hut sein. Was passiert hier? Bin ich in Lebensgefahr?

Doch nicht nur der eisige Kampf um die Wahrheit beginnt, sondern auch der, die eigene Identität wiederzufinden. Schnell geschehen die Ersten unerklärlichen Dinge, die uns als Leser schnell an der uns bekannten Menschlichkeit zweifeln lassen. Absurde Machenschaften und Intrigen, doch warum wofür das alles?

Diese Frage wird uns bis zum bitteren Ende begleiten. Lange habe ich kein Buch mehr gelesen, dass mich durchgehend so auf Trapp gehalten hat. Mein erster Gedanke auf dieses Dorf: Eine Sekte ! 

Eine gnadenlose Mischung aus den uns wohlbekannten Filmen Midsumme rund Purge. Eine furchterregende Jagd. Da ich nicht all zu sehr in den Details spoilern möchte, werde ich nicht auf weitere Szenarien genauer eingehen sondern euch mit diesen Stichwörtern allein lassen. Vielleicht erwecken sie ja bereits auch euer Interesse. 

Ich kann nur immer wieder betonen, wie sehr ich es innerhalb der Story geliebt habe, wie man uns das Gefühl von Hilflosigkeit vermittelt. Der Verlust des eigenen Ich geht auf die Psyche und lässt einen an der Realität zweifeln. Was ist echt und was ist ein Aspekt der Halluzination? Wurden wir unter Droge gesetzt? Sind wir ein Experiment? Immer wieder haben sich meine Gedanken gedreht. Andere kleine Details lassen einen dann wieder daran zweifeln, oder bestätigen die zeitige Theorie. 

Man wird mit seinen Gedanken vollkommen allein gelassen, bekommt kaum bis gar keine wirklichen Hinweise auf die eigentliche Situation. Ich liebe es wenn der Autor einem der eigenen Fantasie überlässt. 

Man bekommt das beklemmende Gefühl irgendetwas oder irgendwer möchte nicht, dass wir Kontakt zur Außenwelt aufnehmen. Wir befinden uns demnach in der völligen Isolation unserer eigenen Psyche. Keiner redet, alles schweigt. Andernfalls wird es grauenhafte Folgen mit sich bringen.

Macht euch bereit auf eine Reise der kranken Psyche !

Jedoch wurde ich gegen Ende hin eines besseren und der eigentlichen Lösung belehrt. Und meine Theorien wendet sich noch einmal um 180 Grad. Wer hätte das gedacht? Der Autor hat sich wirklich absolute Mühe mit der eigentlichen Ausarbeitung gegeben und hat uns auf einen Pfad der Irreführung allein gelassen. 

Der Schein trübt und nicht ist so wie es scheint !

Fazit: Ein grandioser Auftakt einer Trilogie von Blake Crouch. Wir werden allein gelassen in einer gnadenlosen Ungewissheit. Sind mit unseren Gedanken auf uns allein gestellt und wissen gar nicht welche Theorie wir zuerst auffassen sollen oder welche überhaupt in die richtige Richtung geht. Immer wieder kommen andere Details im Storyverlauf dazu, die uns wieder an unserer eigentlichen These zweifeln lassen. Das Ende beweist dann noch einmal das wir völlig auf dem Holzweg waren. Leider war das eigentliche Ende nicht zu 100% mein Geschmack, hat mich aber auch nicht wesentlich enttäuscht. Eine tolle Aufklärung und eine dezente Vermittlung, eine Botschaft an unsere Spezies die Menschheit, über die wir uns alle einmal Gedanken machen sollten. Von mir für dieses Werk 4/5 Sterne.
Psychose
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Blake Crouch
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